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Frankfurt am Main wird der künftige EU-Standort der Finanzhäuser Mizuho Securities, Daiwa Securities, Sumitomo Mitsui Financial Group und Nomura werden. Doch aus welchen Gründen entscheiden sich ausländische Banken für Frankfurt? Und wo liegen die Chancen und Herausforderungen eines Umzugs? Ein Interview mit Dr. Oliver Wagner, Geschäftsführer des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland e.V.

Warum kommen ausländische Banken nach Frankfurt?

Dr. Oliver Wagner: Es ist ein Bündel von Motiven, warum sich Banken für Frankfurt entscheiden. In regionaler Hinsicht sind dies nicht nur die zentrale Lage des Rhein Main-Gebiets quasi in der Mitte der Bundesrepublik, die guten Verkehrsanbindungen mit dem internationalen Flughafen und dem zentralen Hauptbahnhof mit guten ICE-Verbindungen sowie Autobahnen, sondern auch die vergleichsweise günstigen Büromieten und die umfassende IT-Infrastruktur. Hinzu kommen die Nähe zur Börse, die fast 200 im Raum Frankfurt vertretenen Banken – darunter auch circa 160 Auslandsbanken – mit ihren über 70.000 Mitarbeitern und Präsenz der Berater, Prüfer und Kanzleien. Standortunabhängig sind sicherlich die leistungsfähige, verlässliche und gesprächsoffene Aufsicht von BaFin und Bundesbank entscheidend, die auch Gespräche und in weiten Teilen Dokumentationen in englischer Sprache zulässt. Die Aufzählung ist bei weitem nicht abschließend, betont sei aber, dass es weder Steuergeschenke noch sonstige Vergünstigungen gab, wie wir es aus anderen Standorten gehört haben.

Was sind die größten Herausforderungen für ein Unternehmen, das im Zuge des Brexit nun den EU-Standort verlagert?

Wagner: Das kann man nicht so pauschal beantworten, da dies sehr davon abhängt, auf welcher Struktur man aufbauen kann. Banken, die bisher nicht in Deutschland tätig waren, müssen nicht nur eine entsprechende Erlaubnis der Aufsicht beantragen, was den Erfahrungen nach rund ein Jahr dauern kann. Dies gilt auch für solche Häuser, die bisher mit Hilfe des EU-Passes tätig waren. Auch diese brauchen eine neue Erlaubnis und werden insbesondere im Marktfolgebereich Mitarbeiter und Infrastrukturen aufbauen. Werden zudem neue Geschäftsbereiche wie beispielsweise das Broker-Dealer-Geschäft neu etabliert, sind umfangreiche Investitionen notwendig. Die große Frage ist, wie man weiterhin die bestehenden Strukturen nutzen kann, eventuell auch im Wege des Outsourcing. Generell gilt, es werden sich viele aufsichtsrechtliche und steuerliche Fragen stellen.

Und worin bestehen die größten Chancen?

Wagner: Zunächst einmal glaube ich, dass der Brexit weder für die Europäische Union noch das Vereinigte Königreich eine positive Entwicklung ist. In Zeiten der Globalisierung und vernetzter Märkte sind zersplitterte und fragmentierte Märkte für fast alle Beteiligten mit Kostenbelastungen und erheblichem zusätzlichem Aufwand verbunden. Will man diesem disruptiven Ereignis doch etwas Positives abgewinnen, wird es vielleicht die Chance sein, dass ein Unternehmen sich neu ordnen und das Bisherige auf den Prüfstand stellen kann.
Worauf sollte bei den Brexit-Verhandlungen aus Sicht der Finanzbranche unbedingt geachtet werden?
Es sollten auf jeden Fall Übergangsfristen vereinbart werden. Es ist absehbar, dass in den kommenden Monaten bis Ende März 2019 nicht alles so geregelt werden kann, dass am 20. März 2019 ein rechtssicherer und reibungsloser Übergang erfolgen kann. Diese Rechtssicherheit für Produkte und Dienstleistungen ist erforderlich, nicht zuletzt im Sinne der Finanzstabilität.

Wer siedelt sich am Finanzplatz Frankfurt an?

„Japanische Banken haben sehr früh vor den Folgen des Brexit gewarnt und zählen nun zu den ersten, die reagieren“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance. „Als nächstes erwarten wir die Entscheidungen der amerikanischen und europäischen Banken und sind auch hier zuversichtlich.“ Wer die Finanzhäuser sind, die nach Frankfurt kommen, zeigt ein Überblick ausgewählter Kennzahlen im Vergleich zum Deutsche Bank Konzern.

 

the Financial Centre Frankfurt

Citi verstärkt den Standort Frankfurt

Die amerikanische Investmentbank Citigroup verstärkt ihr Geschäft am Finanzplatz Frankfurt in Folge des Rückzugs des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union. Laut Medienberichten wird die Investmentbank einige hundert Arbeitsplätze im Bereich Sales und im Handel nach Frankfurt verlagern.

Frankfurt Main Finance begrüßt die Entscheidung und ist stolz, dass mit der Citigroup einer der sogenannten „Big Five“ den Standort Frankfurt ausbaut. Geschäftsführer Hubertus Väth sagt: „Das sind großartige Neuigkeiten für den Finanzplatz Frankfurt und wir freuen uns, unsere neuen Kollegen willkommen zu heißen. Die gemeldete Entscheidung der Citi belegt unsere These, dass noch in diesem Jahr zusätzliche 1.000 Arbeitsplätze nach Frankfurt umziehen werden und in den kommenden fünf Jahren 10.000 weitere dazukommen. Außerdem fühlen wir uns bestätigt, dass in diesem Jahr noch mindestens zwölf, möglicherweise sogar 20 Banken für Frankfurt entscheiden.“

Im vergangenen Jahr wurden am Finanzplatz Frankfurt Gespräche mit fast 20 interessierten Banken geführt. „Vergangene Woche hat Jamie Dimon in Paris angekündigt, Frankfurt werde JP Morgans rechtlicher Sitz in der EU. Das war bereits ein erstes starkes Signal von den US-Banken. In Anschluss an die Vorlage der Brexit-Pläne der Banken bei der Bank of England in der Vorwoche erwarten wir in Kürze eine neue Welle von Umzugsankündigungen“, sagt Väth.

Der Finanzplatz Frankfurt liegt vorn beim Bemühen um Geschäftsverlagerungen aus London nach dem Referendum im Vereinigten Königreich. Geschätzt für seine wirtschaftliche und politische Stabilität, bietet Frankfurt und die Region eine hervorragende Infrastruktur, ein vergleichsweise günstiges und hochwertiges Angebot an modernen Büroflächen, ein großes Potential gut ausgebildeter Arbeitskräfte und eine extrem hohe Lebensqualität. Zudem ist die BaFin ein kompetenter, hilfreicher und konstruktiver Regulator, der weite Teile des Lizenzantrags in englischer Sprache akzeptiert. Bereits heute gibt es am Finanzplatz Frankfurt mehr als 150 ausländische Banken und die Finanzbranche bietet rund 75.000 Menschen Arbeit.

Euro Clearing

Joint Declaration of Frankfurt Main Finance and Paris EUROPLACE on Euro Clearing

The United Kingdom is leaving the European Union and will in all likelihood lose access to the common market. In light of this, Frankfurt Main Finance and Paris EUROPLACE jointly request the concerned European authorities to consider some fundamental principles regarding future oversight of Euro Clearing:

  1. Central counterparties are key to managing risk for investors. These robust structures are essential drivers of trust in the financial ecosystem.
  2. As a concentrator of risk, CCPs are systemic. In times of crisis, a diverse ecosystem of CCPs plus a clear, manageable resolution process are key prerequisites to preserving stability.
  3. In the case of resolution, the EU Supervisors and the resolution authority must be able to expeditiously reach the appropriate decisions necessary to fully protect European financial security, including its monetary policy constraints in a way that shields European tax payers from potential losses.
  4. In that context, day to day risk monitoring is crucial. It necessitates easy access to information by European supervisors, as well as efficient conditions for access to central bank liquidity based on a one-step decision making process.
  5. The legal framework in which the CCP operates must be EMIR equivalent and the CCP should fall under the jurisdiction of the European Court of Justice.

Frankfurt Main Finance and Paris EUROPLACE urge the responsible European authorities to clarify their position without delay and by doing so, bolster certainty in this systemically relevant pillar of the European financial system.

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Bewegung in der Welt der Banken – der Brexit und seine Folgen

Die Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union haben begonnen. Ein wichtiges Thema ist, ob die Verrechnung von Wertpapiergeschäften in Euro („Euro Clearing“) künftig weiterhin in London oder auf dem Kontinent stattfindet. Viele Banken bereiten sich darauf vor, ihr Geschäft auf andere Standorte zu verlagern.

 

Deutsche Bundesbank: Erste von einem Brexit betroffene Banken bewerben sich

Im Juni sind erstmals Michel Barnier, Chefunterhändler der EU-Kommission, und Großbritanniens Brexit-Minister David Davis in Brüssel zusammengekommen, um über den Austritt der Briten aus der Europäischen Union (EU) zu verhandeln. Währenddessen laufen in den Banken Überlegungen auf Hochtouren, ihre Standorte in andere europäische Finanzmetropolen zu verlagern. Entsprechend haben der Deutschen Bundesbank zufolge die ersten von einem EU-Austritt Großbritanniens betroffenen Finanzinstitute Banklizenzen für Deutschland beantragt. Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank und unter anderem zuständig für Banken und Finanzaufsicht, sprach in einem Interview von „ersten Bewerbungen“. Zudem sagte Dombret, er habe „zwei Dutzend Diskussionen“ über eine Standortverlagerung auf den europäischen Kontinent geführt, gehe aber nicht davon aus, dass jede in einen Umzug nach Deutschland münden werde. „Ich erwarte, dass die meisten Banken ihre Umzugsentscheidungen bis zur Mitte des Jahres treffen werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie sie auch bekannt machen werden“, fügte er hinzu.

Standard Chartered etabliert notwendige Infrastruktur für Banklizenz in Deutschland

Eines der ersten Institute, die nach dem Brexit-Votum der Briten den Unternehmensstandort Frankfurt ausbaut, ist die britische Großbank Standard Chartered. „Wir werden jetzt die notwendige Infrastruktur etablieren, um auf dieser Grundlage eine Banklizenz in Deutschland zu beantragen“, sagte Deutschland-Chef Heinz Hilger den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX. „Unser Zeitplan ist, bis spätestens Ende 2018 die operativen Themen stehen zu haben.“ Dabei fiel die Entscheidung zugunsten Frankfurts, weil die Bank in Deutschland mit aktuell etwa 100 Mitarbeitern ohnehin schon die größte Präsenz in Europa nach der Zentrale in London habe, erklärte Hilger. „Das hängt damit zusammen, dass wir aus Deutschland heraus das sogenannte Euro-Clearing betreiben. Das macht den Standort größer und komplexer und damit besser geeignet für weitere Aufgaben.“ Zudem zählten die Nähe zu den Regulierungsbehörden, die Internationalität sowie der Flughafen zu den Vorteilen der Mainmetropole. Wie viele Mitarbeiter am Frankfurter Standort hinzukämen, hänge davon ab, wie hart der Brexit werde. „Wir reden in einem ersten Schritt von einer sehr überschaubaren Zahl von Mitarbeitern, die nach Frankfurt kommen werden, vielleicht 20. Wie viele Leute es letztlich betreffen wird, kann derzeit niemand seriös sagen.“

Goldman Sachs: „Wir beginnen damit, Ressourcen nach Frankfurt und in andere europäische Städte zu verlagern“

Zu den Großbanken, die bereits eine deutsche Banklizenz haben, gehört die Goldman Sachs Gruppe. Für das Unternehmen arbeiten derzeit rund 200 Mitarbeiter im Frankfurter Messeturm im Vergleich zu etwa 6.000 Angestellten in der Londoner City. Da der Brexit inzwischen als sicher gilt, wird Goldman Sachs nach Aussagen von Richard Gnodde, stellvertretender Vorsitzender der Goldman Sachs Group, Inc. und Chief Executive Officer von Goldman Sachs International, die Anzahl der in Frankfurt tätigen Mitarbeiter wenigstens verdoppeln. „Wir beginnen damit, Ressourcen nach Frankfurt und in andere europäische Städte zu verlagern. Mitarbeiter mit Kundenkontakt rücken näher an ihre Kunden heran, ob das nun Mailand, Madrid oder eine andere Stadt ist“, sagte Gnodde in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Da der gesamte Brexit-Prozess nicht vorhersehbar sei, halte er es für wichtig, „entsprechende Notfallpläne“ zu haben. Zudem hoffe und erwarte er, dass es am Ende der Verhandlungen eine Übergangszeit geben werde, damit sich die Finanzbranche auf die neue Situation einstellen könne. „Für die Stabilität des Finanzsystems ist es wichtig, dass die Banken nicht sehr kurzfristig Teile des Geschäfts hin und her schieben müssen. Sie müssen die Zeit haben, Ressourcen aufzubauen; auch die Finanzaufsicht muss sich umstellen.“ Im Wettbewerb um das künftige Finanzzentrum Europas sieht Gnodde mehrere europäische Metropolen im Rennen, darunter auch Paris und Dublin. Frankfurt habe derzeit aber einen Vorsprung.

Invesco: Attraktivität sinkt für Großbritannien und steigt für Deutschland aus Sicht von Staatsfonds

Staatsfonds beurteilen den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union als negativ, weshalb das Land auf lange Sicht inzwischen als weniger attraktiv für Investitionen gilt – zu dieser Erkenntnis kommt die Studie „Global Sovereign Asset Management 2017“ der Investmentgesellschaft Invesco. In Anbetracht der Unsicherheit über die Besteuerung von Importen oder den Zugang zum EU-Binnenmarkt stellen die Befragten auch „die Zukunft Großbritanniens als ‘Investment Hub’ für Europa“ in Frage. Dagegen ist die Attraktivität Deutschlands als Investitionsstandort nach Aussagen der Studie seit 2015 kontinuierlich gestiegen. Die Ergebnisse basieren auf Face-to-Face-Interviews mit 97 führenden Staatsfonds, staatlichen Rentenfonds sowie Zentralbanken mit einem Vermögen von insgesamt rund 12 Billionen US-Dollar.

Financial Centre Frankfurt

Japanische Sumitomo Mitsui plant zwei Niederlassungen in Frankfurt

Die japanische Sumitomo Mitsui Banking Corporation (SMBC) und die Sumitomo Mitsui Financial Group (SMFG) kommen nach Frankfurt. Als Reaktion auf das Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union werden weitere Verlagerungen nach Frankfurt vorbereitet. Die Entscheidung teilte SMFG-Präsident und CEO der SMFG, Takeshi Kunibe, am Montag mit. Laut der Pressemitteilung plant die drittgrößte Bank Japans, zwei Niederlassungen in Frankfurt zu eröffnen.

„Yoku irasshaimashita, Willkommen Sumitomo. Der Brexit beginnt, sich auszuwirken“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance. „Japanische Banken haben sehr früh vor den Folgen des Brexit gewarnt und zählen nun zu den ersten, die reagieren. Mit Sumitomo Mitsui hat nach Daiwa und Nomura innerhalb weniger Tage die dritte japanische Bank angekündigt zu handeln. Einmal mehr haben die hervorragende Infrastruktur, die große Zahl gut ausgebildeter Arbeitskräfte, eine prosperierende Wirtschaft und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen den Ausschlag gegeben. Frankfurt Main Finance erwartet, dass in diesem Jahr mindestens zwölf Banken sich für Frankfurt entscheiden werden.“

In den beiden vergangenen Wochen hatten die japanischen Banken Daiwa und Nomura ihre Entscheidungen mitgeteilt, nach Frankfurt zu kommen oder ihre Niederlassung auszubauen.

Der Link zur Pressemitteilung der Sumitomo Mitsui Financial Group:
http://www.smbc.co.jp/news_e/e600418_01.html

Japanische Investmentbank Nomura wählt Frankfurt als Standort

Eine weitere japanische Bank beantragt eine Banklizenz in Deutschland und wählt Frankfurt als Sitz der neuen Geschäftseinheit. Frankfurt Main Finance (FMF) freut sich, dass mit Nomura nun eine weitere japanische Bank ihre Entscheidung für Frankfurt nun offiziell gemacht hat. „Es waren gerade auch japanische Banken, die schon früh vor den Konsequenzen des Brexit gewarnt hatten und nun zu den ersten zählen, die sich entschieden haben“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer der Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance.

„Wir danken Nomura für das Vertrauen und freuen uns auf die neuen Kolleginnen und Kollegen. Nomura ist bereits Mitglied von FMF. Wir sehen in der Wahl Frankfurts ein Signal; weitere Entscheidungen namhafter Institute werden in den nächsten Wochen folgen.“

Vor wenigen Tagen hatte sich die japanische Daiwa Securities Group für den Standort Frankfurt entschieden.

Der Link zur Pressemitteilung der Nomura Bank.

 

Frankfurt Finance Summit 2017 – Europe Reloaded

Seit 2011 kommen in Frankfurt hochkarätige Persönlichkeiten der nationalen und internationalen Finanzwelt zusammen. Unter dem Motto „Europe Reloaded – Herausforderungen des Finanzsektors“ trafen sich am 26. April 2017 Entscheider aus Zentralbanken, Börsen, Aufsichtsbehörden, Banken, Versicherungen, Politik, Unternehmen und Wissenschaft, um sich über aktuelle Fragen rund um den europäischen Wirtschaftsraum, Regulierung und die Finanzmärkte auszutauschen. Dabei standen die Folgen des Brexits, die Herausforderungen durch Cyberkriminalität und die Veränderung der Langzeitfinanzierung im Fokus

Einen umfassenden Rückblick auf den Frankfurt Finance Summit 2017 in englischer Sprache finden Sie hier.

Financial Centre Report

Building Bridges – Frankfurt and Europe after Brexit. Der neue Standortbericht von Frankfurt Main Finance

Building Bridges – Frankfurt and Europe after Brexit, so lautet der Titel des aktuellen Finanzstandortberichts von Frankfurt Main Finance. Die ausschließlich in englischer Sprache verfügbare Publikation, widmet sich in ihrem ersten Teil den Facetten des Finanzplatzes. Gestaltet wie ein Magazin präsentiert sich die Mainmetropole aus unterschiedlichen Perspektiven und zeigt in lesefreundlicher Weise, was diese Stadt stark macht, welche Besonderheiten sie auszeichnen.

Der zweite Teil des Berichts, „Insights“, analysiert detailliert und kenntnisreich volkswirtschaftliche Fragen und wirft einen kritischen Blick auf die Chancen, die sich dem Finanzplatz nach dem britischen Brexit-Votum bieten.

Den Auftakt zum Standortbericht macht ein Grußwort des Hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir, der bereits die Hauptthemen intoniert. Der Minister erinnert an den Aufstieg Frankfurts zum wichtigsten Finanzzentrum in Kontinentaleuropa. Er weist auf die Vielzahl von Herausforderung hin, der sich die Finanzindustrie heute ausgesetzt sieht. Zu denken sei etwa an die Digitalisierung, die die Branche fordert, sich neu zu erfinden und neu aufzustellen. Die lebhafte FinTech-Szene in der Rhein-Main-Region sei eine Art, die Herausforderungen anzunehmen und offensiv anzugehen.

Die zweite Herausforderung dieser Tage sei es, die Neuausrichtung der europäischen Finanzbranche in der Folge des Brexit zu bewältigen und zukunftsorientiert damit umzugehen. „Building Bridges“, der Titel des Standortberichts hat hier seinen Ursprung. Der Bericht zeigt, wie Frankfurt und die Rhein-Main-Region aus einer kooperativen Grundhaltung heraus dazu beitragen, die europäische Finanzordnung zukunftstauglich zu machen und ihre Leistungsfähigkeit für die Realwirtschaft auch weiterhin sicher zu stellen.

Der vorliegende Bericht von Frankfurt Main Finance wirft Schlaglichter auf den Finanzstandort Frankfurt und eröffnet Einsichten, die in ihrer Gesamtheit ein ebenso eindrucksvolles wie stimmiges Bild ergeben. Nach den launigen und einfühlsamen Seiten des ersten Teils, gibt der zweite Teil klarer, faktenbasierter Analyse Raum. Thematisch bleibt der Blick auf die gleichen Fragen gerichtet, die schon im Magazinteil verhandelt wurden: Was bedeutet der Brexit für Frankfurt, wie ist es um das Verhältnis von Realwirtschaft und Banken bestellt, wie ist es um die ökonomisch so bedeutende Langfrist-Finanzierung bestellt und wie verhält sich die deutsche Wirtschaft zum Brexit?

Wendepunkte des Brexits: vom Referendum bis zur Ankündigung der Neuwahlen

10 Monate seit dem Brexit-Referendum

Vor 10 Monaten überraschte die Entscheidung  des britischen Referendums für den Austritt aus der Europäischen Union die weltweite Öffentlichkeit. Seitdem ist in der Politik und an den Finanzmärkten deutliche Verunsicherung spürbar, besonders da Entwicklung und Ergebnis der Austritts-Verhandlungen sowie die darauffolgende Reaktion der Finanzmärkte bisher weitestgehend unvorhersehbar sind. Der folgende Beitrag beschäftigt sich daher mit dem Verlauf des Brexit-Prozesses seit dem Referendum und die neue Unsicherheitsdimension durch Theresa Mays Ankündigung der Neuwahlen Anfang der Woche.

Überraschende Entscheidung und Machtwechsel

Am 23. Juni 2016 stimmten die Briten mit einer knappen Mehrheit von 51,9 Prozent für den Austritt aus der Europäischen Union. Am nächsten Tag folgte hierauf ein Einbruch an den Aktienmärkten in Europa und Asien. David Cameron verkündete am 13. Juli seinen Rücktritt, die konservative Politikerin Theresa May, bis dahin Innenministerin, die vor dem Referendum als EU-Befürworterin galt, wurde seine Nachfolgerin und Boris Johnson, Wortführer der Brexit-Kampagne, britischer Außenminister.

Trotz Hindernissen nimmt der harte Brexit Formen an

Am 2. Oktober 2016 kündigte May an, den Austrittsprozess aus der Europäischen Union offiziell Ende März 2017 in Gang zu setzen. Mitte Januar 2017 wurde klar, es wird einen „harten Brexit“ geben, da Großbritannien auch den europäischen Binnenmarkt sowie die Zollunion verlassen wird. Allerdings urteilte das höchste britische Gericht am 24. Januar, dass das Parlament dem Brexit zustimmen müsse.

Parlamentarische Unterstützung und hohe EU-Verbindlichkeiten

Die Europäische Union stellte London am 7. Februar in Aussicht, die milliardenschweren Ausstände Großbritanniens bei der EU nach dem Brexit gelten zu machen. Einen Tag später stimmte das britische Unterhaus dem sogenannten Brexit-Gesetz zu, welches das Ausscheiden Großbritanniens gemäß Artikel 50 des EU-Vertrages ermöglicht. Am 13. März gab dann das Oberhaus seinen Widerstand gegen den Brexit auf, das Brexit-Gesetzt wurde verabschiedet und die schottische Regierung kündigte an, über die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erneut ein Referendum abzuhalten.

Artikel 50: Der Countdown läuft

Am 14. März 2017 reichte Großbritannien die offizielle Austrittserklärung bei der Europäischen Union in Brüssel ein und eröffnete somit den zweijährigen Zeitraum für die Austrittsverhandlungen, der mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union im März 2019 enden soll. EU-Ratspräsident Donald Tusk legte am 31. März 2017 fest, dass die Verhandlungen in zwei aufeinander folgenden Schritten ablaufen soll, die Bedingungen des Austritts gefolgt von denen der zukünftigen Partnerschaft, und lehnt damit die Forderung Londons nach deren paralleler Verhandlungen ab. Am 5. April legte das Parlament der Europäischen Union mit breiter Mehrheit einen gemeinsamen Standpunkt für die Brexit-Verhandlungen fest. Am Dienstag, 18. April, gelangte der Brexit-Prozess dann erneut an einen Wendepunkt.

Mays Neuwahlforderung: eine neue Unbekannte in den Brexit-Verhandlungen

Premierministerin Theresa May kündigte am 18. April überraschend Neuwahlen des britischen Unterhauses für den 8. Juni an, die sie zuvor wiederholt ausgeschlossen hatte. Die notwendige parlamentarische Zweidrittelmehrheit, von Beobachtern als reine Formsache betrachtet, da sich Labour-Parteichef Jeremy Corbyn ebenfalls für die Neuwahlen aussprach, wurde dementsprechend am 19. April erteilt.

Als Grund für die Neuwahlen gelten die Kritiker des Brexit-Kurses, deren politischem Aufwind in der öffentlichen Debatte durch den erhofft hohen Wahlsieg ein Ende gesetzt werden soll. Die bevorstehenden Brexit-Verhandlungen bedürfen aus Sicht von May eines stabilen politischen Umfelds. Kritiker, zähe parlamentarische Prozesse und politische Spielchen sollen in den zweijährigen Verhandlungen nicht die Verhandlungsposition Großbritanniens untergraben. Von den Neuwahlen versprechen sich May und die Konservativen Einheit, Geschlossenheit und starke Führung für die britische Regierung. Für das bestmögliche Ergebnis in den Brexit-Verhandlungen braucht May ein starkes Mandat sowie den uneingeschränkten Rückhalt ihrer Partei. Auf beides lassen die Wahlprognosen sie hoffen. 44 Prozent würden aktuell die Konservativen wählen, während die Labour-Partei momentan nur auf 23 Prozent käme. Mays Kontrahenten von der Labour-Partei zeigen sich schwächer denn je. Nur 14 Prozent können sich Corbyn als Premier vorstellen. Die Liberaldemokraten wiederum setzen dennoch große Hoffnungen in die Neuwahlen und verweisen auf die Chance, das Ausscheiden Großbritannien aus dem Binnenmarkt zu verhindern sowie dem Land eine neue Richtung zu geben.

Eine Reihe neuer Unsicherheiten drängen nach der Ankündigung der Neuwahlen in die öffentliche Diskussion. Wird May gemäß den Prognosen, der zu erwartende hohe Sieg gelingen? Wie wird sich diese gestärkte Verhandlungsposition in den Brexit-Verhandlungen niederschlagen: in zusätzlicher Härte, in neuer Kompromissbereitschaft oder gar in höherer Verlässlichkeit und Berechenbarkeit? Durch die Neuwahlen weckt der Brexit-Prozess erneut Verunsicherung. Die ohnehin unabsehbaren Verhandlungen werden durch die verstärkte Unklarheit über Mays zukünftige Rolle um einen weiteren Unsicherheitsfaktor erweitert Die Finanzmärkte reagieren auf die Ankündigung der Neuwahlen dementsprechend uneinheitlich. Während das Pfund-Sterling im Vergleich zu Dollar und Euro zulegte, verzeichnete der Londoner Aktienindex Verluste. Nicht nur Großbritannien, sondern ganz Europa und mit ihm die Finanzmärkte stehen am Scheideweg. Der Frankfurt Finance Summit widmet sich unter dem Motto Europe Reloaded und besonders im Verlauf des ersten Panels „Europe after Brexit“ diesen bedeutenden Fragen.

Brexit Frankfurt Finance Summit

Brexit: Finanzzentren steht eine neue Realität bevor

Nur sechs Wochen vor dem Brexit Referendum beschrieb Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister der Finanzen, diese politische Entscheidung auf dem Frankfurt Finance Summit 2016 als die wahrscheinlich schwerwiegendste der vergangenen 30 Jahre. „Ich glaube, dass sowohl die EU, als auch das Vereinigte Königreich mit einem Verbleiben Großbritanniens in der EU besser bedient sind“, so Schäuble. „Großbritanniens Verhältnis zu Europa sollte nicht durch eine Splendid Isolation, sondern eine Splendid Integration gekennzeichnet sein.“ Die schlimmsten Befürchtungen des vergangenen Jahres wurden in diesem Jahr Realität. Artikel 50 wurde am 29. März 2017 ausgelöst, die offiziellen Verhandlungen stehen unmittelbar bevor und die Zeit läuft. Den produktiven Dialog darüber zu fördern, wie Europa nach dem Brexit vorankommen kann, ist Ziel des diesjährigen Summits am 26. April in Frankfurt unter dem Motto Europe Reloaded – Challenges for the Financial Sector.

Mit der formellen Austrittserklärung der britischen Regierung tritt der Brexit nun in eine neue und entscheidende Phase. „Der Beginn der Austrittsverhandlungen der Europäischen Union mit dem Vereinigten Königreich steht nun unmittelbar bevor. Damit betreten die Verhandlungspartner Neuland. Wir halten es für wichtig, die Maxime zu beherzigen: Stabilität des Finanzsystems kommt vor dem Einzelinteresse. Beide Seiten werden die Balance finden müssen, einen ungeordneten Bruch zu vermeiden und zugleich die Attraktivität der Mitgliedschaft in der EU erkennbar zu belassen“, so Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V.

Frankfurt Main Finance bedauert auch weiterhin den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU und rechnet mit dem Wegfall der Rechte unter dem Passporting. „Der Finanzplatz Frankfurt ist hervorragend aufgestellt, um eine Brückenfunktion für London in die EU zu übernehmen. Als Standort der Europäischen Zentralbank, der europäischen Versicherungsaufsicht, der größten europäischen Börse und dem größten Internet-Knoten für Datentransfer bietet Frankfurt die beste Infrastruktur für europaweit tätige Kreditinstitute und Finanzdienstleister. Mit dem TechQuartier und dem dynamischen, wachsenden Fintech-Ökosystem ist Frankfurt von der Bundesregierung auch als Digital Hub für die Finanzindustrie ausgezeichnet worden. Deshalb rechnen wir weiterhin mit einer Verlagerung von rund 10.000 Arbeitsplätzen über die kommenden Jahre“, sagt Geschäftsführer Väth weiter.

Diese Zahlen sind nicht nur vage Schätzungen. Am 20. März berichtete Väth in der Financial Times, dass es starke Anzeichen dafür gibt, dass drei der fünf größten US Banken sowie auch Schweizer, japanische, koreanische und indische Banken bereits entschieden haben, ihre Geschäftstätigkeit nach Frankfurt zu verlagern oder sich im Entscheidungsprozess befinden. Frankfurt liegt unter den Profiteuren des Brexits eindeutig vorne, steht aber auch nicht alleine unter den europäischen Finanzzentren. Jedes Finanzzentrum zeichnen spezifische Merkmale für die Aufnahme der verschiedenen Funktionen und Geschäftsbereiche aus. Luxemburg und Dublin liegen beispielsweise im Asset Management vorne. Warschaus relativ kostengünstige und gut ausgebildete Talente könnten einen Zuzug der Backoffice-Funktionen begünstigen. Es scheint sicher, dass Geschäftsbereiche aus London verlagert, aber über Europas Finanzzentren verstreut werden.

Wichtige Fragen bleiben noch offen. Wie wird die neue Verteilung der Finanzzentren aussehen? Wird das Euro-Clearing unter die Jurisdiktion der EZB fallen? Und wenn, wer wird diesen 500 Milliarden Euro-Markt gewinnen? Wird die neue European Banking Authority den anderen europäischen Regulierungsfunktionen in Frankfurt zugeordnet? Die Zukunft Europas und seiner Finanzzentren wird Thema der ersten Keynote und Panel Diskussion auf dem Frankfurt Finance Summit 2017.