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“Tone from the Top”

Interview | Frankfurt Main Finance hat mit Ullrich Hartmann, Sustainable Finance Leader bei FMF-Mitglied PwC, gesprochen und gefragt, wie sich das Unternehmen in dem wachsenden Markt für ESG-Beratung positioniert und welche Rolle der Finanzplatz Frankfurt in diesem Zusammenhang spielt.

Der Markt für professionelle Beratung zu reinen Nachhaltigkeitsthemen, wie Cleantechnologie und Sustainable Finance, erreichte im Jahr 2020 weltweit eine Milliarde US-Dollar, berichtet die Financial Times. Frankfurt Main Finance hat mit Ullrich Hartmann, Sustainable Finance Leader bei FMF-Mitglied PwC, gesprochen und gefragt, wie sich das Unternehmen in dem wachsenden Markt für ESG-Beratung positioniert und welche Rolle der Finanzplatz Frankfurt in diesem Zusammenhang spielt.

Welche Maßnahmen trifft PwC, um der steigenden Nachfrage nach ESG-Beratung weltweit zu begegnen?

Wir haben sehr früh erkannt, dass die Themen Sustainability und Sustainable Finance neue große Wachstumsfelder in der Financial Services-Industrie aufspannen. Daher haben wir uns klar auf diese Themen fokussiert, in dem als Tone from the Top unser Vorstandsvorsitzender Ulrich Störk Verantwortung dafür übernommen hat und gleich zwei weitere Vorstandsmitglieder jeweils für den FS- und den Realwirtschaftlichen-Bereich zuständig sind. Daneben haben wir Teams für jede Industrie und darin wiederum jeweils für Prüfung und Beratung aufgebaut.
Anders als in anderen Themen, hat Europa hier einen Vorsprung vor Amerika und Asien, da die EU das Thema bekanntlich seit 2018 pusht. Daher haben wir aus Deutschland heraus das Thema auch in unserem Netzwerk verbreitet. So leite ich das Thema im PwC EMEA Netzwerk und mein Kollege Burkhard Eckes für den Bankingbereich auf der globalen Ebene. Insgesamt – und damit meine ich global – wird Sustainability industrieübergreifend übrigens ebenfalls von einem deutschen Partner, Peter Gassmann, geleitet.

Die Gesamtsumme der Geldanlagen, die in Deutschland unter Berücksichtigung von ESG-Kriterien angelegt sind, ist 2020 um 25 Prozent gestiegen und erreichte zum Jahresende 2020 ein neues Rekordvolumen von 335,3 Milliarden Euro, so das Forum nachhaltige Geldanlage im Marktbericht 2021. Welche Maßnahmen trifft PwC aktuell in Sachen Sustainable Finance Beratung?

Da gibt es zwei Antworten. Zum einen gibt es EU-seitig diverse Regulierungen wie die EU-Offenlegungsverordnung und die Erweiterung der MiFID II Regulierung, die dafür sorgen, dass den Finanzmarktteilnehmern beim Kauf die richtigen, nachhaltigen Informationen zur Verfügung gestellt werden, wenn der Kunde ein nachhaltiges Finanzprodukt erwerben möchte. Hier beraten wir die Banken aktuell bei der Umsetzung dieser Regulierung. Beispielsweise müssen die Institute bereits seit dem 10.3.2021 entsprechende Informationen publizieren. Auf der anderen Seite entspricht es unserer Kernkompetenz, bei „grünen Investments“ entsprechende Bescheinigungen zu erstellen, dass zum Beispiel als Green Bonds bezeichnete Investments auch wirklich nachhaltig sind. Hier bringen wir uns als PwC in die berufsständische Entwicklung von entsprechenden Prüfungsstandards ein.

Inwiefern ist das Thema Nachhaltigkeit in der Finanzbranche ein Generationenthema?

In der Finanzbranche würde ich dies gar nicht als Generationenthema bezeichnen. In unseren Projekten in der Republik wie auch hier am Standort Frankfurt, sehen wir keine auffällige Begeisterung der jungen Menschen oder gar eine mangelnde Begeisterung bei älteren Kollegen. Das Thema ist in der breiten Masse angekommen und jeder scheint verstanden zu haben, dass hier etwas passieren muss. Das zeigt sich auch bei der Motivation der Kollegen. Sowohl auf unserer Seite als Professional Service Firm als auch auf der Seite der Banken, findet man in diesem Thema immer besonders hoch motivierte Mitarbeiter.

Das PwC-Tool „Climate Excellence“ unterstützt Investoren und Unternehmen durch Klima-Szenarioanalyse dabei, ihre Portfolios für die Risiken und Chancen des Klimawandels fit zu machen. Wie funktioniert das?

Climate Excellence ist in der Tat ein interessantes Tool. Unsere Kollegin Dr. Nicole Röttmer hat das Tool über sehr viele Jahre unter Einbeziehung großer externer Datenmengen entwickelt. Es ist also kein Tool, das mal eben schnell für einen Trend entwickelt wurde. Das Tool ist in der Lage wirtschaftliche Entwicklungen unter der Annahme verschiedener Klimapfade zu simulieren. Vereinfacht gesagt: Sie legen fest, welche Unternehmung oder welches Finanzinstrument sie simulieren wollen, legen fest welcher Klimapfad, also z.B. 1,5 Grad oder 4 Grad Erwärmung, interessiert und dann errechnet das Tool, wie sich der Umsatz und die Erträge in der Zukunft auf den jeweiligen Pfaden entwickeln werden. Das wiederum gibt Ihnen die Möglichkeit, unterschiedliche Unternehmen oder ganze Portfolien miteinander zu vergleichen und damit zu bewerten.

Wenn man „Sustainability Consulting“ googelt kann man in über 289 Millionen Quellen recherchieren. Wie sticht man als Beratungshaus aus dieser immer lauter werbenden Masse heraus?

Nun, da gibt es eine Menge Punkte. Bei PwC liegt uns immer sehr viel an der Qualität. Die Kollegen, die für PwC in diesem Thema arbeiten, werden daher geschult und wir legen sehr viel Wert darauf, dass die Erfahrungen der Teams untereinander verbreitet und damit ein Maximum an Wissen bei jedem Kollegen vorhanden ist. Fachliche Exzellenz ist daher gerade in einem so stark regulierten Thema entscheidend. Wir entwickeln zudem immer Lösungen für unsere Mandanten und arbeiten nicht nur auf jedem Projekt einfach die Anforderungen ab. Climate Excellence ist ein Beispiel hierfür. Dann spielen aber auch die internationalen Netzwerke eine große Rolle. Die Finanzwelt ist global und eine Bank in Frankfurt will und muss wissen, was der Wettbewerber in diesem Thema in UK, US und Asien macht. Globale Netzwerke im Consulting sind daher auch ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal.

Welche Rolle spielt der Finanzplatz Frankfurt auf dem Weg in eine nachhaltigere Finanzwirtschaft?

Frankfurt befindet sich gerade seit dem Brexit noch stärker im Wettbewerb mit den großen Finanzplätzen der Welt. Sustainable Finance ist ein Unterscheidungsmerkmal in diesem Wettbewerb und wir sind der Überzeugung, dass dies nicht nur ein Trend für die nächsten zwei bis drei Jahre sein wird. Der Green Deal von Frau von der Leyen geht bis 2050. Und wir werden mindestens so lange brauchen, um die Wirtschaft insgesamt in diese Richtung zu transformieren. Frankfurt tut also gut daran, sich als nachhaltiger Finanzplatz zu positionieren. Das ist auch im Einklang mit der Bundesregierung, die bereits im Frühjahr 2019 in einer Presseerklärung verdeutlicht hat, dass sie Deutschland zum Sustainable Finance Standort No. 1 machen möchte. Und da muss Frankfurt dann an der Pole Position stehen!

Der Finanzplatz Frankfurt liegt im Global Green Finance Index Nummer 7 auf Platz 42. Was muss der Finanzplatz tun, um die Stadt weiter oben im Ranking zu etablieren?

Der GGFI 7 orientiert sich in seiner Bewertung an der vorhandenen Menge an nachhaltigen Finanzprodukten und an deren Qualität. Das bedeutet, dass sowohl die reine Anzahl an nachhaltigen Investments steigen muss, als auch die Qualität. Die Anzahl steigt aktuell sehr stark, da immer mehr Unternehmen grüne Investments auflegen und Investoren diese auch nachfragen. Herausfordernder wird meines Erachtens die Qualität. Aktuell haben wir weltweit noch gar keine einheitlichen Standards. Diese entwickeln sich gerade in der EU und erst dann werden wir wirklich in der Lage sein, die Qualität zu prüfen. Europa hat hier aktuell zeitlich noch die Nase vorn. Aber Amerika und Asien ziehen stark nach. Das steht auch genauso im GGFI 7 Report. Für Frankfurt ist es daher wichtig, in der Zukunft weiter auf die Qualität zu setzen und die außereuropäischen Märkte im Blick zu behalten.

Interviewgast

Ullrich Hartmann
WP / StB, Partner
Sustainable Finance Lead
PwC, Frankfurt

www.pwc.de

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