Financial Centre Frankfurt

Ungebrochenes Interesse der Brexit-Banken am Finanzplatz Deutschland

  • Deutschland ist ein attraktiver Standort für die internationale Finanzindustrie
  • Die neue Bundesregierung kann die Attraktivität aber noch steigern
  • International abgestimmte und harmonisierte Regelwerke sind der Garant für die internationale Finanzstabilität

„Wir sehen bei den Banken, die Brexit-bedingt über Verlagerungen nachdenken, ein ungebrochenes Interesse am deutschen Finanzplatz. Aufsicht und Politik haben in den letzten 18 Monaten schon viel geleistet und sich gut aufgestellt, wir müssen aber weiter-arbeiten“, fordert Stefan Winter, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland e.V. (VAB) auf der heutigen Pressekonferenz. Handlungsbedarf bestehe unter anderem bei der Begrenzung der Abfindungen bei Höchstverdienern im Bankbereich und bei der Interna-tionalisierung des Rechts. So werde deutsches Recht international oft nicht in Rahmenverträgen vereinbart, weil Gerichte diese auch im kaufmännischen Verkehr genauso wie allgemeine Geschäfts-bedingungen für Verbraucher prüften. „Wir rechnen infolge des Brexit mit rund 20 Instituten, die ihre Präsenz hier ausbauen werden. Damit verbunden sind in den nächsten zwei bis drei Jahren bis zu 5.000 neue Stellen, die in weiten Teilen lokal besetzt werden. Viel wird natürlich davon abhängen, ob es Übergangsfristen geben wird. Eigentlich sind sich ja alle einig, dass es Übergangsregelungen geben muss. Niemand kann aber heute mit Sicherheit sagen, ob es welche geben wird. Unsere Mitglieder planen daher nach wie vor, am 29. März 2019 voll operative Einheiten in Deutschland zu haben, um für ihre Kunden auch weiterhin Finanzdienstleistungen erbringen zu können“, so Winter.

Silvia Schmitten-Walgenbach und Guido Zoeller, die beiden stellvertretenden Vorsitzenden, heben die stabilen Mitarbeiterzahlen in den Mitgliedsinstituten hervor, die auch auf die guten Rahmenbedingungen und die nach wie vor prosperierende deutsche Volkswirtschaft zurückzuführen sind. Neben der wirtschaftlich stabilen Lage habe die ausländische Finanzindustrie in den letzten Jahren aber auch sehr von der internationalen Harmonisierung profitiert, die für die Aufsicht international ebenfalls von Vorteil ist. Die EZB habe hier eine wichtige Rolle übernommen und ein Level-Playing Field in der Euro-Zone weiterentwickelt. „Auf nationale Rückbesinnungen und eine Aufweichung der international harmonisierten Finanzmarkregulierung sollte daher im Interesse der internationalen Finanzstabilität verzichtet werden“, fügt Schmitten-Walgenbach hinzu.

Da der Finanzplatz internationaler wird, weist Zoeller auf die Auswirkungen auf die Verbandsarbeit hin: „Wir werden noch mehr Informationen in englischer Sprache zur Verfügung stellen und englischsprachige Arbeitsgruppen gründen.“ Wenn die internationale Bedeutung des Finanzplatzes in den nächsten Jahren wachse und Institute zunehmend den Platz als Ausgangspunkt für ihre Finanzdienstleistungen in andere EU-Staaten wählten, müsse auch der Verband sich mit neuen Fragestellungen befassen. „Bislang haben wir eher die Inbound-Sichtweise gehabt, dies wird sich aber ändern. Hierauf werden wir uns einstellen. Wir freuen uns darauf“, fasst Winter zusammen.

Die vollständige Rede des Vorstandsvorsitzenden finden Sie im Internet unter www.vab.de.