Verlagerung des Euro-Clearings deutlich günstiger als angenommen

  • Bis zu dreißig Prozent Ersparnisse für Asset Manager bei Verlagerung des Euro-Clearings in die EU27
  • Schätzungen der London Stock Exchange von bis zu 100 Mrd. USD sind zu hoch
  • Maximale Gesamtkosten für 5 Jahre liegen bei ca. 3,2 Mrd. Euro

Frankfurt am Main – Im Zuge des nahenden Brexit diskutieren Experten und Politiker über die Auswirkungen auf die Abwicklung von Derivategeschäften (Clearing). Ein Arbeitspapier von Union Investment zeigt, dass eine Verlagerung des Clearings der auf Euro lautenden Zinsswaps in die EU27 zu deutlich geringeren Kosten führen würde. Die Ersparnisse setzen sich im Wesentlichen aus Kosten für Initial Margin sowie Clearing Broker-Gebühren zusammen (ca. 70 Prozent der Gesamtkosten). Laut Union Investment werden langfristig gesehen die Kosteneinsparungen von bis zu 30 Prozent, die möglichen vorrübergehenden Mehrkosten für einen breiteren Bid-Offer Spread mehr als kompensieren.

Ein anderes Arbeitspapier des Center for Financial Studies (CFS) fechtet die Schätzungen des Londoner Stock Exchange (LSE) an. Prof. Dr. Volker Brühl, Autor der Studie, erklärt: „Durch die Fragmentierung der Märkte kann es zwar temporär zu einer Kostensteigerung kommen. Aber die von der LSE genannten Kosten von bis zu 100 Mrd. USD sind nicht nachvollziehbar und viel zu hoch angesetzt. Legt man realistischere Prämissen zugrunde, dürften die Kosten für einen Zeitraum von 5 Jahren höchstens bei ca. 3,2 Mrd. USD liegen. Mögliche Einspareffekte von Asset Management-Gesellschaften infolge der Relokation sind dabei noch gar nicht berücksichtigt.“

Central Counterparties (CCPs) und Clearingstellen sind systemrelevant und bedeutend für die globale Finanzmarktstabilität. Im Falle einer Schieflage wäre die EZB gezwungen, entsprechende Euro-Liquidität zur Stabilisierung bereitzustellen und CCPs direkt zu beaufsichtigen. „Das übergeordnete Ziel sollte die Wahrung der europäischen Finanzstabilität sein“, erklärt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V. „Die übertriebenen Schätzungen aus London sind weder konstruktiv noch umsichtig. Obwohl die Entscheidungen über das Euro Clearing nicht alleine auf Kostenbasis gefällt werden sollten, sind die Zahlen von CFS und Union Investment beruhigend. Sollte das Clearing verlagert werden, wäre der Finanzplatz Frankfurt eine echte Alternative zu London, nicht zuletzt wegen des Eurex Clearing.“

Aktuell werden über 90 Prozent der Zinsderivate in London gecleart. Im Zuge des Brexits wurde immer wieder diskutiert das Euro-Clearing in einen europäischen Finanzplatz unter der Aufsicht der EZB – wie Frankfurt – zu verlagern. Laut Schätzungen der London Stock Exchange würde eine solche Verlagerung zu einer Kostensteigerung von mehr als 100 Milliarden USD führen.

Die Studie des Center for Financial Studies finden Sie hier.

Die Studie von Union Investment können Sie hier herunterladen.

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