Wer sagt was zu welchem Wertpapier?

Fintech 2.0: Das junge Finanzdienstleitungsunternehmen Catana Capital GmbH setzt auf innovative Geldanlage auf der Grundlage von Big Data und künstlicher Intelligenz.

Erstmals hat es ein Unternehmen gewagt und auch geschafft, die gesamte Wertschöpfungskette einer wirklich automatisierten Vermögensverwaltung – vom Einsammeln der Daten über die Auswertung bis hin zur automatisierten Orderausführung – abzubilden und daraus einen robusten, risikooptimierten Vermögensverwaltungsansatz zu bauen. Für dieses vielversprechende Geschäftsmodell erhielt die Catana Capital GmbH im April 2017 den von Business Angels Frankfurt/Rhein-Main, Frankfurt Main Finance und der WM Gruppe verliehenen FintechGermany Award in der Kategorie Seed/Early Stage. „Zwar gibt es Wettbewerber, die Teile der Wertschöpfungskette einer automatisierten Vermögensverwaltung ebenfalls anbieten oder nutzen, aber eben nicht den gesamten Prozess“, sagt Bastian Lechner, Geschäftsführer und Gründer von Catana. „Deshalb freuen wir uns, dass die Jury der FintechGermany Awards dieses Potenzial und den Innovations-Charakter erkannt hat.“

Informationen optimal verarbeiten

Das Start-up ist ein nach § 32 KWG lizenziertes Finanzdienstleistungsinstitut, wurde im August 2015 gegründet und ist der weltweit erste Vermögensverwalter, der vollständig auf Big Data und künstliche Intelligenz setzt. „Diese Art der Datennutzung ist die Grundlage dafür, dass Informationen im Wettbewerbsvergleich deutlich besser identifiziert oder Informationen in den Investmentprozess einbezogen werden können, die anderen Anbietern unter Umständen ganz verborgen bleiben“, erklärt Bastian Lechner den Ansatz des jungen Unternehmens und zieht ein erstes Fazit: „Catanas Handelsstrategie ist aufgrund der Kombination von Millionen Meinungen und Nachrichten sowie der Einbettung in einen ganzheitlichen Prozess traditionellen Anlageformen überlegen.“

Das System lernt dazu

Als Basis für jede Anlageentscheidung werden laut Lechner Internetdaten in sechs Ländern automatisiert gesammelt, gefiltert, gewichtet und mit historischen Kursmustern abgeglichen. Pro Tag werden so via Sprach- und Texterkennung in Echtzeit mehrere hunderttausend kapitalmarktbezogene Nachrichten ausgewertet – das entspricht pro Monat circa zwei Terrabyte an Informationen oder sieben Informationen pro Sekunde – und knapp 30.000 Titel beobachtet, darunter auch Währungen und Rohstoffe. Die Schlüsselfrage, um das Signal in der Richtung und Stärke zu kategorisieren, lautet: Wer sagt was zu welchem Wertpapier? Das System vergibt jedem Titel auf Basis dieser gesammelten Daten ein vorläufiges positives oder negatives Signal. Bevor daraus jedoch eine Handelsentscheidung entsteht, analysiert es im Sinne einer künstlichen Intelligenz, wie sich das Wertpapier in der Vergangenheit bei einem ähnlichen Stimmungsbild entwickelt hat. „Das System prüft also, was das Signal für das Wertpapier bedeutet hat. Die getroffenen Entscheidungen und ihre Ergebnisse fließen in die künftigen Anlageempfehlungen mit ein – das System lernt also dazu“, erläutert Lechner. „So werden in einem rein datenbasierten Prozess Kauf- und Verkaufsempfehlungen für deutsche Large-Cap-Aktien und Index-Futures generiert.“

Wachstumschancen nutzen

Die Ursprünge des Fintech-2.0-Unternehmens Catana Capital kommen Lechner zufolge aus zwei Richtungen: Technologie und Veränderungsnotwendigkeit im immer noch sehr traditionellen Asset Management. „Viele Asset Manager gehen zwar davon aus, dass die Nutzung von Big Data helfen könnte, Investmententscheidungen und Renditen zu verbessern. Obwohl es sich bei Big Data und künstlicher Intelligenz um einen Riesenmarkt mit sehr großen Wachstumschancen handelt, gibt es zurzeit jedoch noch so gut wie keine Investment-Strategien, die auf Basis der Auswertung von Big-Data-Informationen und den aus künstlicher Intelligenz abgeleiteten Erkenntnissen umgesetzt werden“, sagt der Experte. Das habe die Catana Capital GmbH zum Anlass genommen, ein darauf basierendes, neuartiges Vermögens-Verwaltungs-Konzept mit stringentem Risikomanagement zu entwickeln. „Zwei Gründer der Catana Capital beschäftigen sich seit knapp zehn Jahren mit der Prognose von Finanzmärkten aus großen Daten-Mengen. Dabei kooperieren wir mit der Stockpulse GmbH aus Bonn, die als Forschungs- und Entwicklungspartner für Catana agiert“, so Lechner.

Frankfurt bietet attraktive Bedingungen

Als Unternehmenssitz hat die Catana Capital GmbH Frankfurt am Main gewählt. „Der Finanzplatz Frankfurt bietet attraktive Arbeits- und Lebensbedingungen. Gleichzeitig verfügt er über eine hervorragende Infrastruktur und ermöglicht die enge Verzahnung mit traditionellen Anbietern“, lautet die Begründung von Lechner. Außerdem ist er überzeugt, dass die aktuellen Entwicklungen rund um den Brexit die Bedeutung des Finanzplatzes weiter stärken werden. Weitere Pluspunkte bieten seiner Ansicht nach verschiedene Förderprogramme der Stadt oder des Landes sowie eine aktive und sich stetig entwickelnde FinTech-Community mit idealen Vernetzungsmöglichkeiten.

Nach Meinung von Lechner besteht für junge Start-ups dann Potenzial, wenn ihr Produkt oder ihre Dienstleitung tatsächlich absolut neu, besser und/oder günstiger ist als ähnliche Produkte. Gleichzeitig sollte ein großer Markt und Kundenbedarf bestehen. „Entscheidend ist zusätzlich, dass das Team komplementär aufgestellt ist. Neben der unternehmerischen Teamstärke ist auch eine gewisse mentale Stärke wichtig, um bei potenziellen temporären Niederlagen den positiven Glauben an den Erfolg des Unternehmens nicht aus den Augen zu verlieren und mutig seine Ziele weiter zu verfolgen“, rät Lechner.

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