„Wir sollten die Stärken des Standorts betonen“: Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman in Frankfurt, im Interview zum FinTechGermany Award 2019

Matthias Hübner ist Partner bei Oliver Wyman und Jurymitglied des FinTechGermany Awards 2019, der führende investorenseitige FinTech-Award in Deutschland. Wir haben Matthias Hübner gefragt, worauf er bei der Beurteilung der FinTech-Bewerber besonders großen Wert legt.

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Für mich sind zwei Punkte entscheidend: Erstens, der Bedarf für ein Produkt oder eine Dienstleistung muss klar sein, das heißt das Produkt sollte ein tatsächliches Problem für Kunden lösen. Zweitens muss es innovativ sein. Leider sehen wir in letzter Zeit viele „copy cat“-Modelle ohne echte Differenzierung, von denen die meisten meiner Meinung nach keine dauerhafte Überlebenschance haben.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Die größte Schwierigkeit bei Start-ups, nicht nur im FinTech-Bereich, ist sicherlich die Skalierung, also das Erreichen der kritischen und langfristig profitablen Größe. Hier kann der FinTech Germany Award eindeutig helfen: direkt durch den Kontakt zu Investoren für die Finanzierung des Wachstums, wie auch indirekt über einen Beitrag zur Steigerung der Markenbekanntheit der Preisträger.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Deutschland ist bei FinTech ein Nachzügler, entwickelt sich aber dynamisch und holt gegenüber anderen Ländern auf. Diese Entwicklung sollte sich 2019 fortsetzen, zumal einige FinTechs der ersten Stunde mittlerweile auch über deutlich ausgereiftere Geschäftsmodelle verfügen und somit zunehmend aus der Nische herauswachsen.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech-Hubs in Deutschland beziehungsweise in Europa zu werden?

Ich denke, dass die dezentrale Struktur in Deutschland für die Etablierung eines international führenden FinTech-Hubs nicht gerade hilfreich ist. Aber wir sollten wegkommen von der traditionellen Diskussion „Frankfurt vs. Berlin“, und stattdessen klar die Stärken des jeweiligen Standorts betonen. Für Frankfurt spricht aus meiner Sicht die Nähe zu führenden Partnern wie Banken, Börse oder auch die Infrastruktur an Beratungsleistungen. Gerade für FinTechs mit Fokus auf B2B ist das ein wichtiger Vorteil.