Zahlreiche Parks und Gärten im Rhein-Main-Gebiet laden ein – Fülle an Farben und Formen in Feld, Wald und Gärten

„Social Distancing“ ist auch in den Corona-Tagen in der Natur ein Fremdwort. So blühen gelbe Lilien und violette Iris unmittelbar nebeneinander, bestäuben Bienen Balkan-Storchschnabel beim Honigsammeln und wachsen weiße Rosen inmitten von tiefblauem Ehrenpreis. Bei einem Spaziergang durch Feld und Wald oder einen Garten oder Landschaftspark des Rhein-Main-Gebietes lassen sich vielfältige Entdeckungen machen. Begleiten Sie Wolfgang Gerhardt auf einem Streifzug durch die heimische Natur.


Der Höhepunkt des Blumenjahres naht

Die meisten Frühblüher wie Huflattich, Buschwindröschen und Maiglöckchen sind ebenso wie Tulpen, Narzissen und sogar Pfingstrosen nur noch an ihren Blättern erkennbar. Viele Pflanzen blühten in diesem Jahr früher als sonst und zudem eine kürzere Zeit. Mittlerweile hat die Blütenvielfalt gewechselt; es naht der Höhepunkt des Blumenjahres. Die Rosen, die schon Johann Wolfgang von Goethe als „Königin des Blumenreichs“ bezeichnete, entfalten in diesen Tagen mit ihren zarten Knospen, vollen Blüten und nuancierten Düften ihre volle Pracht.

Im Palmengarten Frankfurt bietet sich im Freigelände mit Wild- und Kletterrosen, englischen und historischen Rosen ebenso wie mit Zwerg- und Straurosen ein reiches Blütenpanorama. Jeweils knapp 50 Kilometer von Frankfurt entfernt liegen zwei weitere Ziele, die für ihre Rosen berühmt sind, wobei die weithin bekannten Rosenfeste an diesen Orten erst wieder im Juni 2021 stattfinden sollen.


Rosen in Steinfurth, Eltville und mehr …

Steinfurth – heute ein Stadtteil von Bad Nauheim in der Wetterau – ist das älteste Rosendorf Deutschlands, denn bereits 1868 gründete ein Bewohner des Ortes die erste Rosenschule, nachdem er in England den Rosenanbau erlernt hatte. Vier Rosengärten, vier Rosengärtnereien und ein Rosenmuseum schaffen mit rund 100.000 Rosenstöcken in über 3.000 Sorten ein Rosenparadies.

In Eltville im Rheingau verzaubern wiederum rund 22.000 Rosenstöcke in 350 Sorten die Stadt mit ihrer romantischen kurfürstlichen Burg und der verwinkelten Altstadt. Gerade im Burggraben und am Rheinufer kommt die Blütenpracht besonders gut zur Geltung. Dort finden sich auch japanische Beete mit Rosen, die als Ausdruck der Freundschaft zwischen der Friedensstadt Hiroshima und Eltville eigens gezüchtet wurden.

Spezielle Rosenpflanzungen finden sich darüber hinaus im Park Rosenhöhe Darmstadt und im Stadtpark Mainz. Ein besonderes Erlebnis sind auch die meist jahrhundertealten Landschaftsparks in den Kurvierteln von Bad Homburg und Bad Nauheim, rund um Schloss Biebrich in Wiesbaden, Jagdschloss Kranichstein bei Darmstadt oder Schloss Philippsruhe in Hanau.

Am nördlichen Mainufer in Frankfurt zwischen Untermainbrücke und Friedensbrücke, dem so genannten Nizza, wurden vor 20 Jahren frostharte mediterrane Pflanzen angesiedelt, die nicht im Treibhaus überwintern müssen.  Das Nizza ist so zu einer der größten öffentlichen Parkanlagen mit mediterraner Bepflanzung nördlich der Alpen geworden. Wer sich zum Beispiel für einen Apothekergarten interessiert, sollte die ehemalige Benediktinerabtei in Seligenstadt oder den Apothekergarten in Wiesbaden besuchen. Coronabedingt der Hinweis: bitte erkundigen Sie sich vor einem Besuch über die Zugangsmöglichkeiten!


Attraktiv am Wegesrand

Ebenso attraktiv sind die Pflanzen, die in ihrer ursprünglichen Umgebung am Wegesrand, auf Wiesen, Feldern oder in lichten Wäldern wachsen. Roter Klatschmohn, blaue Kornblumen oder violette Lupinen setzen weithin sichtbar kräftige Farbakzente. Häufig bereitet die Entdeckung unscheinbarer Blumen und Blüten mehr Freude bei einem Spaziergang, wie der giftige Fingerhut, blaue und weiße Glockenblumen, gelber Hahnenfuß, Balkan-, Blut- oder Wald-Storchschnabel, Rittersporn oder Schachtelhalm mit einem Busch aus Graswedeln.

Auch Orchideen sind in Spessart, Rhön und Taunus heimisch. Meist hilft übrigens nur ein Bestimmungsführer analog als Buch oder digital als App, um zu erfahren, welche Pflanze in Sichtweite wächst. Damit lassen sich dann Erholung, Entspannung und Freude an Farben und Formen mit einer steigenden Kenntnis der Natur verknüpfen.


Text und Fotos: Wolfgang Gerhardt