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„Die Seasn-App macht Finanzplanung verständlich“

Die Planung privater Finanzen ist ebenso wichtig wie komplex. Frankfurt Main Finance sprach mit Prof. Dr. Andreas Hackethal über die 2025 entwickelte Seasn-App, die privaten Nutzern an dieser Stelle Unterstützung bietet. Prof. Hackethal ist Professor for Personal Finance an der Goethe Universität, Director Pension Finance Lab beim Leibniz Institute SAFE und Co-Director am Center for Financial Studies GfK.

Herr Professor Hackethal, viele Menschen fühlen sich von Begriffen wie Altersvorsorge, Diversifikation oder Rentenlücke überfordert. Welche Lücke schließt die Seasn-App hier konkret?

Die größte Hürde bei der privaten Finanzplanung ist nicht das mangelnde Interesse, sondern die Komplexität der Themen. Viele haben gewisse Begriffe zwar schon einmal gehört, wissen aber nicht, was sie für ihre eigene Zukunft bedeuten. Genau an dieser Stelle setzt die Seasn App an: Sie übersetzt abstrakte Fachbegriffe in verständliche, individuelle Handlungsmöglichkeiten. Ein alltägliches Beispiel dafür war ein Szenario aus einem Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: Drei Freundinnen rätseln während eines Wellnessurlaubs über ihre Rentenlücke. Solche Situationen sind weit verbreitet – und die App will hier Orientierung bieten und verständliche Anleitung geben.

Für wen wurde Seasn ursprünglich entwickelt, und wie möchten Sie Menschen langfristig dabei unterstützen, ihre Finanzen besser zu verstehen?

Die App richtet sich vor allem an Menschen zwischen 25 und 50 Jahren – also jene, die mitten im Berufsleben stehen, Vermögen aufbauen und regelmäßig finanzielle Entscheidungen treffen. Gleichzeitig wollen wir auch jüngere Generationen erreichen. Für Schulen haben wir kurze, direkt einsetzbare Finanzbildungsstunden entwickelt. Unser Grundsatz lautet: Finanzwissen sollte früh und praxisnah vermittelt werden. Denn viele Menschen verdrängen Finanzthemen zwar gern, treffen aber dennoch täglich Entscheidungen, deren Wirkung oft erst Jahrzehnte später sichtbar wird.

Die App basiert auf umfangreicher Forschung. Was unterscheidet Seasn von klassischen Finanzplanungsmodellen?

Unsere Forschung zeigt seit Jahren, dass es kaum etwas Komplexeres gibt als die umfassende Finanzplanung eines Haushalts. Wir wollten diese Komplexität greifbar machen. Nutzerinnen und Nutzer können deshalb einen „finanziellen Zwilling“ anlegen – ein digitales Abbild ihrer persönlichen Ausgangslage. Damit lassen sich Szenarien durchspielen: Wie wirkt sich dauerhaft hohe Inflation aus? Was passiert bei einem Börsencrash? Welche Folgen hätte eine Familienphase oder ein Jobwechsel? Die App arbeitet nicht mit starren Prognosen, sondern mit Punktschätzungen und Experteneinschätzungen. Ziel ist Orientierung – ohne falsche Gewissheit zu erzeugen.

Datenschutz ist ein sensibles Thema, gerade bei Finanzdaten. Wie geht Seasn damit um?

Der Schutz persönlicher Daten hat höchste Priorität. Wir speichern keinerlei personenbezogene Daten. Beim Login beispielsweise wird aus der privaten E Mail Adresse der Nutzer automatisch eine interne Anmeldeadresse generiert, auf die wir keinen Zugriff haben. Bank- und Immobiliendaten werden ausschließlich über zertifizierte Drittanbieter verarbeitet. Durch technische Trennung und strenge Standards stellen wir sicher, dass selbst hochsensible Informationen geschützt bleiben. Dass dieses Konzept Vertrauen schafft, zeigt die Resonanz: Unser ursprüngliches Ziel von 10.000 Nutzern wurde bisher fast verdoppelt.

Welche Weiterentwicklungen planen Sie für die App – und wohin könnte sich das Projekt langfristig entwickeln? 

Noch in diesem Jahr wird eine „agentic AI“ integriert. Diese soll nicht nur Daten darstellen, sondern sie interpretieren, Szenarien automatisch durchdenken und konkrete Handlungsvorschläge geben. Damit wollen wir den Zugang zur Finanzplanung weiter vereinfachen – besonders für jene, die bisher Berührungsängste hatten. Parallel arbeite ich an meinem Buch „Dein Financial Lifestyle Code“, das wissenschaftliche Erkenntnisse allgemeinverständlich aufbereitet. Seasn zeigt bereits heute, was möglich ist, wenn Forschung nicht im Labor bleibt, sondern Menschen im Alltag unterstützt. Langfristig könnte das Projekt Vorbild sein, wie sich Forschung stärker in die Gesellschaft hinein übersetzt.

 
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