Written by 9:29 Finanzplatz

CFS-Index leicht im Minus

Die Stimmung der Finanzindustrie hat sich leicht eingetrübt. Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt im dritten Quartal 2021 um -1,3 Punkte auf 113,9 Punkte. Jedoch liegt er mit +4,8 Punkten deutlich über dem Vorjahresniveau, was für eine Erholung von der Pandemie spricht.

Der Rückgang des CFS-Index ist vor allem auf ein schwächeres Wachstum der Umsätze, Erträge und des Investitionsvolumens der Dienstleister im dritten Quartal zurückzuführen. Für das vierte Quartal rechnen auch die Finanzinstitute mit einem deutlichen Rückgang ihres Umsatz- und Ertragswachstums, die Dienstleister erwarten, das Niveau vom dritten Quartal weiter zu halten. Positive Meldungen kommen von den Finanzinstituten für das dritte Quartal. Sie steigern ihr Ertragswachstum bei konstantem Wachstum ihrer Umsätze und des Investitionsvolumens. Auch das Mitarbeiterwachstum der Finanzinstitute liegt deutlich über dem Vorjahresniveau. Mit Blick auf das laufende Quartal rechnet die Finanzbranche damit, das Niveau des Mitarbeiterwachstums zu halten.

„Die zyklischen Schwankungen im Index deuten auf ein ‘back to normal’ hin. Dabei ist der mittelfristige Trend bei den Finanzinstituten deutlich positiv, wie die steigenden Investitionen und das Mitarbeiterwachstum belegen“, kommentiert Prof. Dr. Rainer Klump, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Bedingt durch die Corona-Krise wird die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland verstärkt rückläufig eingeschätzt. Der entsprechende Wert sinkt um -7,1 Punkte auf 110,8 Punkte und befindet sich nun auf einem so niedrigen Niveau wie zuletzt im Jahr 2012. Dieser Rückgang liegt verstärkt in der Einschätzung der Dienstleister begründet. Der entsprechende Index-Wert dieser Gruppe befindet sich mit 110,0 Punkten 11,1 Punkte unter dem Stand des Vorquartals. Die Beurteilung der Finanzinstitute sinkt um 3,0 Punkte auf 111,6 Punkte.

„Infolge des Brexit gab es eine massive Investitionswelle in Frankfurt, von der insbesondere die Dienstleister profitieren konnten. Diese Welle läuft nun aus, denn es kommen nur noch vereinzelt neue Institute nach Frankfurt. Ein Ende der Corona-Restriktionen dürfte der Verlagerung von Geschäft und Arbeitsplätzen neuen Schwung verleihen. Daher bleibe ich optimistisch“, kommentiert Gerhard Wiesheu, Präsident von Frankfurt Main Finance.

Finanzinstitute steigern ihr Ertragswachstum bei konstantem Umsatzniveau /
Umsatz- und Ertragswachstum der Dienstleister gesunken

Wie zuvor erwartet wurde, melden die befragten Finanzinstitute im dritten Quartal ein kaum verändertes Wachstum ihrer Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens. Der entsprechende Indexwert sinkt nur um -0,1 Punkte auf 123,0 Punkte. Bei den Dienstleistern hingegen sinkt der Sub-Index um
-5,4 Punkte auf 118,1 Punkte, befindet sich aber immer noch +4,9 Punkte über dem Stand des Vorjahres. Für das laufende Quartal rechnen die Finanzinstitute mit einem deutlicheren Rückgang ihres Umsatzwachstums, die Dienstleister erwarten ihr Niveau zu halten.

Das Wachstum der Erträge der Finanzinstitute ist im dritten Quartal um +6,8 Punkte auf 123,7 Punkte gestiegen. Mit +8,9 Punkten ist das eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Hingegen melden die Dienstleister einen starken Rückgang um -7,9 Punkte auf 112,4 Punkte. Sie liegen dennoch +7,1 Punkte über dem Stand von vor einem Jahr. Für das vierte Quartal sind die Erwartungen der Finanzinstitute deutlich verhaltener, die Dienstleister erwarten nur einen geringen Rückgang.

Finanzinstitute können ihr Wachstumsniveau des Investitionsvolumens halten /
Dienstleister melden Rückgang

Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzinstitute steigt um +0,6 Punkte auf 110,4 Punkte und liegt damit +5,9 Punkte über dem Vorjahresstand. Hingegen melden die Dienstleister einen Rückgang um -4,9 Punkte auf 108,2 Punkte. Sie liegen dennoch +4,6 Punkte über dem Stand von vor einem Jahr. Für das laufende Quartal erwarten die Finanzinstitute das Niveau zu halten, die Dienstleister rechnen mit einem leichten Anstieg.

Finanzinstitute: Mitarbeiterwachstum deutlich über dem Vorjahresniveau

Wie zuvor erwartet wurde, melden die Finanzinstitute ein Mitarbeiterwachstum für das dritte Quartal. Der Mitarbeiter-Sub-Index steigt um +2,2 Punkte auf 105,3 Punkte und befindet sich mit +13,0 Punkten deutlich über dem Stand von vor einem Jahr, damals mit einem Stellenabbau. Auch die Dienstleister melden einen leichten Anstieg ihres Mitarbeiterwachstums. Der entsprechende Sub-Index steigt um +0,2 Punkte auf 108,2 Punkte und liegt mit +2,9 Punkten auch über dem Stand des Vorjahres. Für das laufende Quartal rechnen beide Gruppen damit, ihr Niveau zu halten.

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

 

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

Titelbild: Jan Philipp Thiele via Unsplash

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