Hessisches Wirtschaftsministerium informiert zu Corona-Pandemie

Das Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen steht den hessischen Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen der Region während der Corona-Pandemie zur Seite. Wir haben die wichtigsten Informationsplattformen und Hotlines, auf die das Wirtschaftsministerium verweist, übersichtlich zusammengestellt:

 

Informationen für Bürgerinnen und Bürger:

https://www.hessen.de/fuer-buerger/aktuelle-informationen-zu-corona-hessen

Bürgertelefon: 0611/32 111 000

 

Informationen für Unternehmen:

https://www.technologieland-hessen.de/corona

Bürgertelefon: 0611/32 111 000

 

Soforthilfen für Unternehmen bis 50 Mitarbeiter:

https://rp-kassel.hessen.de/

 

Kredite für Unternehmen:

https://www.wibank.de/wibank/

Hotline: 0611/ 774 7333

„Unser Ziel ist es, den Start in Hessen zu erleichtern“

Das WELCOMECENTER Hessen ist eine gemeinsame Fachkräfteinitiative von Land, Wirtschaft und Bundesagentur für Arbeit. Es berät internationale Fach- und Führungskräfte und unterstützt sie bei ihrem Start in Hessen. Frankfurt Main Finance hat das Welcomecenter in der Fischerfeldstraße in Frankfurt besucht und gefragt, wie das Welcomecenter Personen unterstützt, die aufgrund des Brexits in Hessen leben und arbeiten wollen.

Seit wann gibt es das WELCOMECENTER Hessen?

Das WELCOMECENTER Hessen gibt es seit Juli 2013, also schon seit mehr als sechs Jahren.

Welche Angebote stellt das WELCOMECENTER Hessen zur Verfügung und an wen richten sich diese?

Ins Leben wurde das Welcomecenter gerufen, um internationalen Fach- und Führungskräften ihren Start in Hessen zu erleichtern und die Wirtschaft bei der Deckung ihres Fachkräftebedarfs zu unterstützen. Das Welcomecenter fungiert als mehrsprachige Anlauf-, Service- und Beratungsstelle für ganz Hessen für internationale Fach- und Führungskräfte und deren Familien, die sich noch im Ausland befinden bzw. neu nach Hessen gekommen sind. Außerdem berät es Unternehmen, Betriebe und Verwaltungen mit Interesse an der Anwerbung, Anerkennung und nachhaltigen Integration internationaler Fach- und Führungskräfte in Hessen.

Wir beraten internationale Fachkräfte, die neu in Hessen sind oder noch nach Hessen kommen möchten und bauen eine Brücke zwischen Arbeitgebern und internationalen Fach- und Führungskräften. Die Fragen an das WELCOMECENTER Hessen drehen sich rund um das Leben und Arbeiten in Hessen, wie beispielsweise „Wie funktioniert die Arbeitssuche in Deutschland?“, „Wie erstelle ich meine Bewerbungsunterlagen?“, „Wie kann ich meinen Abschluss in Deutschland anerkennen lassen?“, „An wen muss ich mich wenden, wenn ich eine Arbeitserlaubnis brauche oder meinen Aufenthaltstitel klären möchte?“, „Gibt es in Hessen internationale Schulen für meine Kinder?“ oder auch „Kann meine Partnerin oder mein Partner, die mich nach Hessen begleitet, hier auch arbeiten, studieren oder beispielsweise eine Ausbildung machen?“.

Das WELCOMECENTER Hessen steht auch Arbeitgebern in Hessen beratend zur Seite. Unternehmen, Betriebe und Verwaltungen werden rund um die Themen Einstellung und langfristige Integration internationaler Fach- und Führungskräfte unterstützt, zum Beispiel bei ausländerrechtlichen Fragestellungen oder auch zu der Frage, welcher Deutschkurs für die jeweilige Fachkraft infrage kommt.

Gibt es Beispiele, die die Arbeit des WELCOMECENTER Hessen verdeutlichen?

Ja, die gibt es. Zum Beispiel hat sich eine Pharmazeutin aus dem EU-Ausland an uns gewandt, die viele Jahre mit ihrem Mann und dem gemeinsamen Kind in Irland gelebt und gearbeitet hatte. Aufgrund der neuen Stelle ihres Mannes in Hessen wagte auch sie den Neustart in Deutschland. Wir konnten sie in verschiedenen Fragen beraten, mit denen sich die meisten Ratsuchenden auseinandersetzen, wie beispielsweise „Wie suche ich eine zu meinem Profil passende Stelle? Was muss ich beim Bewerbungsvorgang beachten? Wie gut sollten meine Deutschkenntnisse sein? Und benötige ich die Anerkennung meines Universitätsabschlusses?“. Wir haben ihr eine Arbeitssuchendmeldung bei der Agentur für Arbeit empfohlen und dorthin den Kontakt hergestellt. Darüber hinaus haben wir auch erklärt, wie sie ihren in Irland erworbenen Anspruch auf Arbeitslosengeld geltend machen kann. Außerdem haben wir die Pharmazeutin dazu beraten, wo es eine passende bilinguale Schule für ihr Kind geben könnte.

Inwiefern helfen Sie Personen, die im Zuge des Brexits aus beruflichen Gründen nach Frankfurt bzw. ins Rhein-Main-Gebiet ziehen müssen?

Zunächst einmal sind wir für ganz Hessen zuständig. Selbstverständlich können Personen, die im Zuge des Brexits nach Hessen kommen, unsere Unterstützung beanspruchen und sich mit Fragen an uns wenden, die sich aus ihrem Umzug ergeben. Das können zum Beispiel Fragen zum Wohnen, Leben, Lernen und Arbeiten in Hessen sein. Beispielsweise zu den mit dem Umzug verbundenen Formalitäten oder zur Frage, wie man einen Kindergarten- oder Schulplatz findet. Wir erleben auch häufig, dass ein Paar gemeinsam nach Hessen zieht, bei dem eine Person schon eine Stelle hat und der Partner oder die Partnerin noch Arbeit sucht. In solch einem Fall unterstützen wir die Partner gern bei ihren Fragen zur Arbeitssuche, Zeugnisanerkennung und dem Bewerbungsprozess in Deutschland. Unser Ziel ist es, den Start in Hessen zu erleichtern. Deshalb sollte niemand zögern, sich mit Fragen an uns zu wenden. Wir schauen dann ganz konkret, wie wir weiterhelfen und unterstützen können.

Wie können interessierte Personen Sie am besten erreichen?

Wenn diejenigen schon in Hessen sind, dann können sie am besten telefonisch zu uns Kontakt aufnehmen oder direkt in das Büro des WELCOMECENTER Hessen in Frankfurt am Main kommen. Wir bieten von Montag bis Freitag täglich – immer vormittags und donnerstags auch am Nachmittag – eine offene Beratung an, d.h. die Ratsuchenden können ohne Termin vorbeischauen und sich informieren, orientieren und beraten lassen. Aber auch per E-Mail sind wir erreichbar. Das ist manchmal der einfachere Weg, beispielsweise wenn die Ratsuchenden sich noch im Ausland befinden. Die Arbeitgeber beraten wir ebenfalls persönlich, telefonisch oder per E-Mail, aber auch vor Ort – ganz nach Bedarf.

 

Das WELCOMECENTER Hessen ist Teil der Hessischen Fachkräftesicherungsstrategie mit ihrem Maßnahmenmix aus über 200 Einzelmaßnahmen und Initiativen in vier zentralen Strategiebereichen: Bildung (Aus- und Weiterbildung), potenzialorientierte Arbeitsmarktpolitik, Internationalisierung als Standortfaktor (Zuwanderung und Integration gestalten) und Attraktivität Hessens. Als Brücke zwischen Arbeitgebern und den internationalen Fachkräften verbessert und lebt es Willkommenskultur in Hessen. Es trägt als Teil der Willkommensstruktur zur Erleichterung der Einreiseprozesse und zur Integration bei. Als Gemeinschaftsinitiative zur Fachkräftesicherung wird es vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main sowie der Regionaldirektion Hessen und der Agentur für Arbeit Frankfurt am Main der Bundesagentur für Arbeit umgesetzt.

Kontakt:

WELCOMECENTER Hessen, Fischerfeldstraße 10-12, 60311 Frankfurt/ M., Tel. 0800-6665788 (aus dem Inland), Tel. 0049-69-97172-122 (aus dem Ausland), E-Mail: info@welcomecenterhessen.com, www.welcomecenterhessen.com.

CFS-Index entwickelt sich positiv

Die Finanzbranche meldet: Starke Umsatz- und Ertragszuwächse / Stellenabbau der Finanzinstitute hat sich abgeschwächt

Der CFS-Index, der vierteljährlich die Verfassung der deutschen Finanzbranche abbildet, steigt um 4,3 Punkte auf 114,2 Punkte. Diese positive Entwicklung ist primär auf hohe Umsatz- und Ertragszuwächse der Finanzbranche im vierten Quartal 2019 zurückzuführen. Auch das Investitionsvolumen der Finanzinstitute ist gestiegen und der Stellenabbau fällt geringer aus als im Vorquartal. Diesen positiven Meldungen steht ein leicht gesunkenes Wachstum des Investitionsvolumens und des Mitarbeiterstabs der Dienstleister gegenüber.

„Allen Unkenrufen zum Trotz zeigen zum Ende des Berichtsquartals die Ergebniszahlen und ganz besonders die längerfristigen Erwartungen, die sich in den Investitions- und Mitarbeiterzahlen ausdrücken, deutlich nach oben – für beide Gruppen, Finanzinstitute und Dienstleister“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird, wie bereits in den Vorquartalen, mit -1,7 Punkten weiter konsolidiert und befindet sich mit 117,0 Punkten nun auf einem mittleren Niveau. Diese Einschätzung wird von den Finanzinstituten und Dienstleistern gleichermaßen getragen.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., erläutert: „Der Finanzplatz Frankfurt wird durch den Brexit an Bedeutung gewinnen. Diese Entwicklung ist kein Selbstläufer, sondern erfordert die fortdauernde Anstrengung aller Beteiligten. Die weitere Konsolidierung des Index sollte allen Verantwortlichen ein klares Signal und Ansporn sein, sich weiter und verstärkt für den Finanzplatz einzusetzen.“

Umsätze und Erträge der Finanzbranche steigen

Die befragten Finanzinstitute und Dienstleister können ihre Umsätze bzw. ihr Geschäftsvolumen im letzten Quartal 2019 stärker ausbauen, als erwartet wurde. Der entsprechende Sub-Index der Finanzinstitute steigt um 5,9 Punkte auf 120,6 Punkte und liegt damit 7,9 Punkte über dem Vorjahresstand. Bei den Dienstleistern steigt der Sub-Index sogar um 9,7 Punkte auf 122,4 Punkte und befindet sich 1,5 Punkte über dem Vorjahresniveau. Für das laufende Quartal rechnen die Finanzinstitute wieder mit einem Rückgang. Die Dienstleister hingegen erwarten einen weiteren leichten Anstieg.

Auch die Erträge beider Gruppen entwickeln sich im vierten Quartal 2019 sehr positiv. Der entsprechende Sub-Index erreicht bei den Finanzinstituten mit einem Anstieg um 7,9 Punkte einen Wert von 111,4 Punkten. Auch die Dienstleister verzeichnen ein enormes Ertragswachstum, welches die bereits positiven Erwartungen aus dem Vorquartal noch deutlich übertrifft. Der Sub-Index steigt für diese Gruppe um 14,4 Punkte auf 122,8 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten Finanzinstitute und Dienstleister wieder einen abgeschwächten Anstieg.

Wachstum des Investitionsvolumens der Finanzinstitute positiv – leichter Rückgang bei den Dienstleistern

Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzinstitute ist im vierten Quartal 2019 um 2,9 Punkte auf 108,6 gestiegen und befindet sich somit noch 3,4 Punkte unter dem Stand des Vorjahres. Hingegen bewegen sich die Dienstleister mit einem leichten Rückgang um -1,5 Punkte auf 112,6 Punkte nun auf demselben Niveau wie vor einem Jahr. Für das erste Quartal 2020 ist die Finanzbranche optimistisch.

Abgeschwächter Stellenabbau der Finanzinstitute

Der seit längerem anhaltende Stellenabbau der Finanzinstitute fällt geringer aus, als im Vorquartal erwartet wurde. Der Mitarbeiter-Sub-Index steigt entsprechend um 4,1 Punkte auf 94,5 Punkte und liegt somit noch 6 Punkte unter dem Vorjahresstand. Für das laufende Quartal wird mit einer weiteren Abschwächung des Stellenabbaus gerechnet. Die Dienstleister stellen weniger Mitarbeiter ein als in den Vorquartalen, liegen aber im positiven Bereich. Der entsprechende Sub-Index sinkt um -2,6 Punkte auf 106,1 Punkte. Auch im Vergleich zum Vorjahr haben die Dienstleister mit -5,4 Punkten weniger Mitarbeiter eingestellt. Für das laufende Quartal wird ein deutlich positiveres Ergebnis erwartet.

 

 

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

 

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und
-bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

CFS-Umfrage zum „Ausblick auf das Jahr 2020“

Deutsche Finanzbranche rechnet mit einer weiteren Ausbreitung von Negativzinsen für Privatanleger – Stärkere Förderung von Aktienbesitz gefordert

Niedrigzinsen und Aktienbesitz 

Eine Umfrage des CFS unter Führungskräften in der Finanzbranche zeigt, dass mehr als 90% der Befragten nicht mit einer Änderung der Geldpolitik der EZB in diesem Jahr rechnen. Daher gehen die meisten Finanzexperten (ebenfalls mehr als 90%) davon aus, dass sich der Trend zu negativen Einlagenzinsen oder entsprechenden Verwahrgebühren für Privatanleger weiter fortsetzen wird. Angesichts weitreichender Folgen für die private Altersvorsorge spricht sich eine klare Mehrheit der Befragten (ca. 87%) für eine stärkere Förderung des Aktienbesitzes zum Zwecke der Altersvorsorge aus.

„Der Anteil der Personen, die Aktien oder Aktienfonds besitzen, hat in den letzten Jahren zugenommen. Dennoch investiert derzeit nur etwa jeder sechste Bürger in Aktien“, sagt Professor Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies. „Die von Finanzminister Olaf Scholz angedachte Finanztransaktionssteuer wäre daher kontraproduktiv.“

Umstritten ist unter den Befragten, ob man Kleinsparer durch staatliche Maßnahmen vor negativen Zinsen schützen sollte. Dies befürworten immerhin 51% der Befragten aus dem Finanzsektor.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Seit Jahrzehnten wird das Fehlen der Aktienkultur in Deutschland bemängelt. Wenn man den negativen Zinsen aus Sicht der Anleger etwas Positives abgewinnen will, dann dass die Aktienanlage nun zur Säule privater Vorsorge werden muss, will man Vermögensverluste vermeiden.“

Wachstumsaussichten und „Schwarze Null“

Des Weiteren verdeutlicht die CFS-Umfrage, dass die Finanzindustrie trotz anhaltender Unsicherheiten über Handelskonflikte und geopolitische Risiken mehrheitlich nicht mit einem Einbruch des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr rechnet. Ca. 51% der Befragten halten die Erwartung der Bundesregierung, die von einem Wachstum des BIP in Deutschland von ca. 0,6% ausgeht, für realistisch.

Die Diskussion über das Festhalten an der „schwarzen Null“ im Bundeshaushalt wird auch in der Finanzindustrie kontrovers geführt. Eine Mehrheit (54%) spricht sich dafür aus, durch staatliche Investitionen oder Steuererleichterungen temporär von der „schwarzen Null“ im Bundeshaushalt abzuweichen. 44% der Befragten lehnen dies ab.

„Die Umfrageergebnisse zeigen, dass es sowohl hinsichtlich der Konjunkturerwartung als auch bezüglich der Notwendigkeit, die Wirtschaft durch fiskalpolitische Maßnahmen zu stützen, kein klares Meinungsbild im Finanzsektor gibt“, erläutert Prof. Brühl.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., ergänzt: „Das Meinungsbild spiegelt die labile Situation der sehr offenen deutschen Wirtschaft wieder. Auf der einen Seite ein Rekordaußenhandelsüberschuss, auf der anderen Seite eine Pandemie, deren Verlauf Wertschöpfungsketten gefährdet, die durch den Brexit und den mitnichten beigelegten Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China ohnehin strapaziert sind.“

 

 

 

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

Eigenkapitalforum Frankfurt

Das Happening der Finanzgemeinde: Rückblick auf das Deutsche Eigenkapitalforum 2019

Keine Angst: Mit Aktionskunst der sechziger Jahre hat die jährliche Zusammenkunft von Unternehmen, Investoren und Dienstleistern wenig gemein. Auch bleiben die ungeplanten Interaktionen mit dem Publikum in der Regel friedlich – etwa wenn die Folienanordnung im Handout nicht der Struktur der wörtlichen Rede entspricht, der gezeigte Werbefilm auf wenig Gegenliebe bei den Investoren trifft oder der ein oder andere Übernahmekandidat vor lauter Aufregung einfach vergisst, zum besseren Verständnis seine aktuelle Aktionärsstruktur darzustellen. Das Deutsche Eigenkapitalforum, das 2019 vom 25. bis 27. November in Frankfurt am Main stattfand, hat dennoch durchaus Happening-Qualitäten. Oder – in den Worten von Holger Clemens Hinz, Leiter Kapitalmarktgeschäft der Quirin Privatbank AG: „Das EK-Forum ist wie das Klassentreffen der Finanz-Community im deutschsprachigen Raum.“

Über 7.000 angefragte Einzelgespräche

„Als langjähriger Leiter Investor Relations suche und nutze ich immer, auch lange vor MiFID II, jede Gelegenheit zum Kontakt mit Investoren. Konferenzen sind da willkommen, weil sie für beide Seiten den Aufwand minimieren. Das Eigenkapitalforum ist dafür die wertvollste Konferenz in Deutschland“, erklärt Dr. Joachim Fleïng, Head of Investor Relations bei der 3U Holding AG. Ob es nun den Auswirkungen von MiFID II geschuldet ist oder nicht: Die Zahl der teilnehmenden Unternehmen ist seit 2017 nochmals klar gestiegen. In diesem Jahr haben sich 250 zumeist Small and Mid Caps angemeldet, darunter knapp 30 Wachstumsunternehmen, die sich auf der Venture Stage präsentierten.

Peter Alex, Head of Investor Relations bei der Energiekontor AG bringt den Nutzwert auf den Punkt: „Für kleine Unternehmen eine absolute Muss-Veranstaltung!“ Das liegt nicht zuletzt an der intensiven Betreuung bei der Programmgestaltung. Aus über 7.000 angefragten Einzelgesprächen stellten die Veranstalter im intensiven Austausch mit den Unternehmen individuelle Konferenzpläne zusammen, so dass am Ende weit über 4.000 hochwertige Meetings stattfanden. Die Qualität spiegelt sich auch in der Beurteilung der Investoren wider: „Die One-on-ones sind perfekt, das hilft bei den Investitionsentscheidungen und den Follow-ups“, lobt Jens Große-Allermann, Vorstand der Investment AG, das Organisationsteam.

Vermehrtes Investoren-Interesse aus Benelux und Osteuropa

Mit rund 1.100 Investoren und Analysten war auch die kapitalgebende Seite stark vertreten. Etwa ein Drittel kam aus dem Ausland, das Interesse steigt vor allem in den Benelux-Ländern und Osteuropa, namentlich Polen. Die Konferenzsprache Englisch macht ebenso die Teilnahme von Investoren aus noch viel entfernteren Standorten attraktiv. Becky Wong, Co-founder und CEO von Globex Capital Partners mit Sitz in Hongkong, London und New York, unternahm die lange Anreise zum wiederholten Male: „EKF 2019, this is my 4th year of coming for this summit. I always find it worthwhile to make a trip here. I heard good presentations of so many SME companies and have chances to meet the CEOs or senior executives to have some interactive discussions.” Für sie spielt ebenso der fachliche Austausch mit den anderen Investoren eine wichtige Rolle: „It is also a great networking opportunity to connect with people of like mind in exploring investment opportunities in Germany.”

„Das Deutsche Eigenkapitalforum zählt zu den wichtigsten Kapitalmarktkonferenzen in Europa, das hat das hohe Interesse bei Investoren und Unternehmen wieder gezeigt. Fast 4.500 One-on-one-Meetings haben in diesem Jahr stattgefunden, ein neuer Rekord“, freut sich Falko Weinert, Key Account Manager Pre-IPO & Capital Markets bei der Deutsche Börse AG und Projektverantwortlicher für die Veranstaltung. „Das Rahmenprogramm aus Vorträgen und Paneldiskussionen wiederum bot spannende Experten wie etwa Commerzbank-Chefvolkswirt Dr. Jörg Krämer, der über den „Kalten Handelskrieg“ und seine Folgen berichtete. Außerdem ging es um die Investor-Relations-Arbeit, die Bedeutung von ESG bei Venture-Capital-Investoren und den Pfad vom Wachstumsunternehmen zum börsennotierten Unternehmen.“

Das Netzwerken steht im Vordergrund

Seit 1996 organisiert die Deutsche Börse das Eigenkapitalforum und hat damit eine der größten Informations- und Netzwerkveranstaltungen zum Themengebiet Unternehmensfinanzierung überhaupt geschaffen. Mit einem Sponsoring-Programm für ausgewählte Partner können sich Kapitalmarktspezialisten zusätzlich hervorheben und ihre Visibilität steigern. „Hier trifft sich das Who-is-who des Kapitalmarkts in Deutschland mit steigender Teilnehmerzahl auf Seiten der Investoren und Corporates“, kommentiert Silke Schlünsen, Head of Corporate Brokerage der Mainfirst Bank, das Engagement ihres Hauses. „Es ist die ideale Plattform, mit den Corporates und Investoren in Kontakt zu treten, um mit ihnen über spannende Themen des Kapitalmarktes zu sprechen.“

Weibliche Experten in der Unterzahl

Einziger Wehrmutstropfen: Becky Wong und Silke Schlünsen waren zwei der ganz wenigen weiblichen Kapitalmarktexperten vor Ort. Obwohl das Eigenkapitalforum von Hauke Stars, Vorständin der Deutschen Börse, und Ingrid Hengster, Vorstandsmitglied der KfW Bankengruppe, eröffnet worden war, blieben dies Ausnahmen. In manch einer Unternehmenspräsentation konnte man im vollbesetzen Auditorium die Zuhörerinnen an einer Hand abzählen. Dieses Missverhältnis war so auffällig, dass es ebenfalls bei den anwesenden Herren zum Gesprächsthema wurde. Hier sollte die Branche, die ESG-Themen und Diversität zunehmend zu ihren Hauptanlagekriterien erklärt, dringend an sich selbst arbeiten.

 

Von: Dr. Charlotte Brigitte Looß 

Sind wir mal wieder zu deutsch? Über die Unwägbarkeiten der Ad-hoc-Publizität

Der mittlerweile erreichte Grad an gesellschaftlicher Ausdifferenzierung hin zur Dienstleistungsgesellschaft wird jedem Emittenten von Finanzinstrumenten schmerzlich vor Augen geführt, sobald er sich mit Insidersachverhalten und der damit verbundenen Pflicht zur Ad-hoc-Publizität beschäftigt. Ohne anwaltliche Interpretations-Expertise ist da nichts zu machen. Mit dem Entwurf von Modul C des Emittentenleitfadens, für den bis zum 31. August die Frist für Stellungnahmen ablief, versucht die BaFin praktische Hilfestellung zu leisten. Ob ihr das gelungen ist, war Gegenstand der Konferenz „Der neue Emittentenleitfaden der BaFin“ am 29. Oktober 2019 in Frankfurt am Main, die das Deutsche Aktieninstitut (DAI) organisierte.

Pflicht zur Ad-hoc-Mitteilung ist von der Gesamtsituation abhängig

Ein durchschnittliches DAX-Unternehmen veröffentlicht maximal zwei Ad-hoc-Mitteilungen im Jahr, ermittelte Dr. Lutz Krämer, Partner von White & Case LLP in eigenen Recherchen. Das klingt logisch. Denn ausschlaggebend für oder gegen die Entscheidung, ob ein Geschäftsvorgang eine Insidertatsache und somit per Ad-hoc-Mitteilung zu veröffentlichen ist, sollte die eigene Historie sein. Zwar listet der neue Emittentenleitfaden weiterhin eine Reihe wesentlicher Sachverhalte auf, die potenziell den Charakter einer Insiderinformation aufweisen. Allerdings ist immer die gesamtsituative Betrachtung ausschlaggebend, nicht allein die Tatsache, dass sich der vorliegende Fall im Emittentenleitfaden wiederfindet. Und da haben es DAX-Konzerne gerade im Bereich M&A aufgrund ihrer Größe und der Häufigkeit, mit der sie Transaktionen vornehmen, relativ selten mit so herausragenden Fällen zu tun, dass diese mutmaßlich den Aktienkurs beeinflussen werden.

Die zu erwartende Auswirkung auf den Aktienkurs ist jedoch das zentrale Kriterium, das aus einem Vorgang des normalen Geschäftsverlaufs eine Insidertatsache macht. Dabei ist es unerheblich, ob der Kursausschlag positiv oder negativ vermutet wird und im Rückblick gegenteilig oder überhaupt nicht eingetroffen ist. Für kleinere Unternehmen kann deshalb eine M&A-Transaktion schnell von mutmaßlich kursrelevanter Bedeutung sein und somit zur Insidertatsache werden. Insbesondere, wenn sie den Zugewinn oder Abverkauf einer verhältnismäßig großen Geschäftseinheit oder gar eine Verschiebung der Geschäftsstrategie mit sich bringt.

Obendrein kommt es aufgrund der Definition von Zwischenschritten als eigenständige Insiderinformationen – eine Neuerung der Marktmissbrauchsverordnung (MMVO) – in der Praxis zu immer früheren Annahmen von Insidertatsachen. Dieser Umstand trägt nicht nur zu einem erheblichen Zusatzaufwand beim Emittenten bei, sondern führt im Zweifel auch zu Veröffentlichungen von Inhalten, deren Zweckdienlichkeit sich nicht jedem externen Leser erschließt.

Ist die BaFin an allem Schuld?

Es gibt viele weitere Unklarheiten, über die sich Fachanwälte trefflich streiten können, von denen die Praktiker jedoch am liebsten verschont blieben: angefangen bei der Frage, was eigentlich ein verständiger Anleger ist – dessen mutmaßliches Verhalten zur Bestimmung der Kursrelevanz von Informationen heranzuziehen ist, über die Definition von „präzise“ – denn das muss eine Information sein, bevor sie die Ad-hoc-Pflicht auslöst, bis hin zu Einzelfällen – zum Beispiel wie kursrelevant eine Prognoseeinhaltung ist, wenn doch der Markt eine Prognoseabweichung erwartet.

Dr. Gerrit Fey, Leiter Kapitalmarktpolitik beim DAI, wies gleich zu Beginn der Veranstaltung darauf hin, dass die Bafin nicht immer der richtige Ansprechpartner für Kritik ist. Letztlich setzt sie im Emittentenleitfaden nur wortgenau die Vorgaben der MMVO um. Bleibt die Frage, ob sie sich dabei nicht ein bisschen zu korrekt gibt. Im europäischen Vergleich, insbesondere mit Italien und Frankreich, sind offenbar entspanntere, praxisnähere Varianten zu finden. Wer jemals dem Prozedere um die Veröffentlichung einer Ad-hoc-Mitteilung in Deutschland beigewohnt hat, staunt nicht schlecht über die erheblichen organisatorischen Verrenkungen, derer es bedarf, um das Eintreten der Veröffentlichungspflicht einwandfrei zu ermitteln und zugleich auch rein physisch veröffentlichungsfähig zu sein.

Vorbild USA: Trennung der Insidertatsache von der Veröffentlichungspflicht

Dabei ist die Verknüpfung des Vorliegens einer Insidertatsache mit der unmittelbaren Veröffentlichungspflicht nicht zwingend notwendig, wie Prof. Dr. Katja Langenbucher, Professorin für Wirtschaftsrecht an der Goethe-Universität Frankfurt, erläuterte. In den in Kapitalmarktangelegenheiten häufig als Vorbild herangezogenen USA löst das Vorliegen einer für das Unternehmen materiellen Information zu allererst ein Insiderhandelsverbot in dem betreffenden Finanzinstrument aus. Eine sofortige Veröffentlichungspflicht ergibt sich nicht automatisch. Sollte eine Veröffentlichung regulatorisch erforderlich sein, hat der Emittent dafür vier Geschäftstage Zeit.

Im Vereinigten Königreich herrscht mit dem RINGA-Konzept (relevant information not generally available) ebenso ein auf das Handelsverbot konzentriertes Verständnis vor, das die Publizitätspflicht nachrangig betrachtet. Klingt paradiesische für deutsche Investor Relations-Abteilungen und erklärt, warum internationale Investoren erfahrungsgemäß den Unterschied zwischen einer Ad-hoc-Meldung und einer normalen Pressemitteilung in der Regel nicht verstehen.

 

Von: Dr. Charlotte Brigitte Looß

Stärkung des deutsch-französischen Dialogs am Finanzplatz Frankfurt

Angesichts des geplanten Austretens des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den kontinentaleuropäischen Finanzzentren von entscheidender Bedeutung – vor allem um die Herausforderungen der europäischen Integration zu bewältigen. Am 10. Dezember findet der Europäische Investorentag in Frankfurt statt. Er wird von einer der führenden französischen Pressegruppen L‘agefi organisiert und hat zum Ziel, den Dialog zwischen der deutschen und französischen Finanzindustrie zu erleichtern.

Folgende Aspekte werden auf der Tagesordnung stehen:

  • Die Zukunft der Geldpolitik: Ist unter Christine Lagardes EZB-Präsidentschaft ein stärkerer Konsensus möglich?
  • Welche Rolle wird das deutsch-französische Verhältnis bei den Themen Sustainable und Green Finance spielen?
  • Sind Infrastrukturinvestitionen der Schlüssel für zukünftiges Wachstum?

Wir haben die Veranstaltung mit Philippe Mudry von L’Agefi, in einem Interview besprochen.

Welche Rolle spielen die deutsch-französischen Beziehungen für die Zusammenarbeit des Finanzsektors in Kontinentaleuropa?

Ob und unter welchen Umständen das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union austreten wird, ist noch nicht bekannt. Der kontinentaleuropäische Finanzsektor befindet sich jedoch bereits im Transformationsprozess. Die Finanzakteure wissen, dass sie auf eigene Ressourcen zurückgreifen müssen, um die derzeitigen Schwierigkeiten zu überwinden, um sich auf der Weltbühne zu behaupten. Wenn es darum geht, über die Zukunft Europas nachzudenken und sie zu gestalten, stehen Deutschland und Frankreich im Dialog mit ihren europäischen Partnern Seite an Seite – sie sind oft Partner und Wettbewerber zugleich. Getreu seiner Tradition und Überzeugung möchte L’Agefi diese Zusammenarbeit unterstützen.

Warum hat sich L’Agefi entschieden, eine neue Veranstaltung in Europa zu etablieren?

Am 10. Dezember 2019 veranstalten wir am Finanzplatz Frankfurt den zweiten European Investors Day (EID). Ziel der Veranstaltung – die im Juni in Brüssel gelauncht wurde – ist es, alle diejenigen Akteure einzubeziehen, die eine integrierte Investitions- und Finanzindustrie in Europa fördern und eine Vision für die Zukunft einer solchen Branche entwerfen wollen. Grundlage für die Diskussion sind die Fragen: Welcher Konsens kann in der Geldpolitik erreicht werden? Ist ein Wiederanlaufen der europäischen Integration ein Impuls für die Erneuerung kontinentaleuropäischer Infrastrukturen? Eng damit verbunden ist die Frage nach der gemeinsamen Bewältigung der globalen Erwärmung. Welche Rolle können die europäischen Finanzakteure, von institutionellen Anlegern bis hin zu Portfoliomanager, einschließlich Regulierungsbehörden, Politikern, Banken und Versicherungsgesellschaften, spielen, um zum gemeinsamen Ziel beizutragen?

Warum ist es wichtig, dass L’Agefi an den Finanzplatz Frankfurt kommt?

Als französische Medienstelle ist unsere Entscheidung, die Veranstaltung nach den wichtigen Europawahlen am Finanzplatz Frankfurt auszurichten, kein Zufall; sie spiegelt unsere feste Überzeugung wider, dass der deutsch-französische Dialog Europa zusammenbringen kann. Unserer Meinung nach ist eine der zentralen Fragen: „Kann sich die Achse Paris-Frankfurt im Bereich der nachhaltigen Finanzen behaupten?“ In Anbetracht der Tatsache, dass L’Agefi 2019 die neue englischsprachige, europaorientierte Medienstelle Asset News mit dem EID in Frankfurt ins Leben ruft, schien uns das der beste Weg, um an der Entstehung einer integrierten Finanz- und Investitionsunion teilzunehmen, die von den europäischen Akteuren gefordert wird.

 

Einen Link zur Registrierung finden Sie auf der Website von L’agefi.

Die Europäische Zentralbank – Von technokratischer Behörde zum politischen Akteur?

Aktuelle politische Ereignisse, der Amtseintritt der EZB-Präsidentin Christine Lagarde sowie die Finanz- und Eurokrise rücken die Europäische Zentralbank immer stärker in den Fokus der Massenmedien. Dr. Alexander Thiele, Privatdozent an der Georg-August-Universität in Göttingen, hat sich in seinem kurzen Werk Die Europäische Zentralbank mit den wichtigsten Aufgaben und Kernelementen der Notenbank befasst.

Auch wenn die Europäische Zentralbank zu keinem Zeitpunkt eine interessenlose technokratische Behörde war, wird sie spätestens seit der Eurokrise auch von einer größeren Öffentlichkeit als bedeutender politischer Akteur wahrgenommen. Über die Organisation und Funktionsweise der EZB herrscht jedoch weiterhin vergleichsweise große Unsicherheit. Und das gilt auch im Hinblick auf die Begrenzungen, die ihr Handeln normativ einhegen und die unter anderem Gegenstand zweier historischer Vorlagen des BVerfG an den EuGH waren. Das Buch möchte daher einen Beitrag leisten, das Wirken der EZB, ihre Organisation und ihre geldpolitischen Instrumente einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen.

„Alexander Thiele hat eine sehr gut geschriebene und verständliche Einführung in die für viele geheimnisvolle und undurchsichtige Welt der EZB und ihrer Geldpolitik vorgelegt. Eine gelungene Mischung aus rechtlichen, institutionellen und ökonomischen Grundlagen, die die aktuellen, mitunter hitzigen Debatten nachvollziehbar macht und versachlicht.“

Prof. Dr. Achim Truger , Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Der Band wendet sich damit ebenso an den interessierten Laien, wie an Studierende der Rechts-, Politik- und Wirtschaftswissenschaft, die sich auf diesem Gebiet einen ersten Zugang verschaffen wollen. Zusätzlich kann das Werk an weiterführenden Schulen als Lektüre im Politik- und Wirtschaftsunterricht dienen.

Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier.

CFS Index Sonderfragen

CFS-Umfrage zur von Facebook geplanten Digitalwährung Libra

Deutsche Finanzbranche rechnet nicht mit einer Einführung von Libra im kommenden Jahr. Große Bedenken wegen möglicher Gefahren für die Finanzstabilität

Facebook plant zusammen mit weiteren Partnern die Einführung einer weltweit verwendbaren Digitalwährung, die Libra Coin. Kurz vor dem offiziellen Startschuss sind wichtige Unterstützer wie Mastercard, Visa oder Paypal abgesprungen. Dennoch hält Facebook an der geplanten Einführung von Libra im kommenden Jahr fest. Am 15. Oktober 2019 wurde die Satzung der Libra Association von insgesamt 21 Gründungsmitgliedern unterzeichnet.

Seit der Ankündigung des Projekts im Juni 2019 haben zahlreiche Politiker und Vertreter von Aufsichtsbehörden ihre Bedenken gegen das Projekt artikuliert. Auch Notenbankgouverneure und Finanzminister der führenden Wirtschaftsnationen (G20) lehnen Libra wegen möglicher Risiken für die globale Finanzstabilität ab.

Die CFS-Umfrage zu Libra verdeutlicht, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten die Bedenken der Notenbanken und Aufsichtsbehörden für berechtigt hält. 76,8% der Befragten erwarten, dass Libra die Wirksamkeit geldpolitischer Maßnahmen vermindern würde. 61,4% der Befragten halten Libra sogar für eine Gefahr für die globale Finanzstabilität.

Vor diesem Hintergrund rechnet die Mehrheit der Befragten (57,1%) nicht damit, dass Libra tatsächlich im kommenden Jahr eingeführt wird, nur 38% gehen von einer Einführung aus.

„Es ist nicht überraschend, dass es erhebliche Bedenken gegenüber Libra gibt. Diese werden auch dadurch gestärkt, dass Facebook sich nicht zu den langfristigen Ausbauplänen von Libra äußert“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse. „Außerdem ist die angesichts der vergangenen Datenschutz-Skandale angeschlagene Reputation von Facebook nicht gerade förderlich für ein solches Vorhaben“, so Brühl weiter.

Trotz aller Bedenken spricht sich eine Mehrheit der Befragten (61,1%) gegen ein pauschales Verbot von Libra aus und unterstützt eine konstruktive Begleitung des Vorhabens, um Innovationen im Finanzsektor zu fördern. „Die Stimmung im Finanzsektor zu Libra ist durchaus ambivalent. Einerseits fasziniert die Idee einer globalen Abwicklungsplattform für Zahlungen, andererseits fürchtet man sich vor unkalkulierbaren Risiken.“, erläutert Volker Brühl.

„Die Umfrage belegt einmal mehr, dass die Finanzbranche Innovationen gegenüber einerseits offen ist, andererseits aber die Risiken genau im Blick behält“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., und unterstreicht: „Die Idee einer einheitlichen, weltweit gültigen Digitalwährung ist grundsätzlich reizvoll und bietet erhebliche Potenziale. Aber auf große Fragezeichen, gab es keine überzeugenden Antworten.“

 

 

 

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

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