Über das Verhältnis von Finanzindustrie und Politik

Beitrag von Dr. Cornelius Riese, Co-Vorstandsvorsitzender der DZ BANK AG. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen vom 1. Juni 2019

In zahlreichen gesellschaftlichen Diskursen wird ein Auseinanderdriften und die Überbetonung des Trennenden in der öffentlichen und medialen Auseinandersetzung beklagt. Dies gilt auch und insbesondere für das Verhältnis von Politik zur Wirtschaft und – in den vergangenen Jahren besonders strapaziert – zur Finanzindustrie. Jeder sollte in seiner Rolle in der Gesellschaft das Verbindende, den konstruktiven Dialog und die gemeinsame Wertebasis stärker betonen.

Um das so zentrale Verhältnis von Finanzindustrie und Politik in Zukunft erfolgreich zu gestalten, hilft ein Blick in die Historie dieser wechselvollen Beziehung – nicht zuletzt deswegen, weil sie seit den Anfängen des Bankgewerbes spannend, gesellschaftlich und wirtschaftlich prägend aber eben auch reich an Missverständnissen und Tragödien gewesen ist.

Antike Wurzeln – Finanzindustrie in den Kinderschuhen

Bereits im antiken Griechenland fungierten Tempel als Lagerstätten des Staatsschatzes und Aufbewahrungsort für Wertgegenstände wohlhabender Bürger. In Tempelnähe siedelten sich Geldwechsler an – die frühen Vorläufer des privatwirtschaftlichen Bankenwesens. Mit zunehmendem überregionalem Handel stieg auch die Nachfrage nach Finanzierungsleistungen. Für Seedarlehen, mit denen Schiffsbesitzer Ware vorfinanzierten, waren damals bis zu 33 Prozent Zinsen fällig.

Die Angemessenheit von Konditionen für Bankgeschäfte zieht sich – unter Überschriften wie Wucherzins, Zinsverordnung und MiFID II – als Diskussionspunkt und Gestaltungsfrage durch die Finanzgeschichte von der Antike bis in die aktuelle Zeit. Trotzdem konnten sich die Vertreter des Bankgewerbes in der Antike oftmals der politischen Unterstützung sicher sein. Diese ermöglichten schließlich wirtschaftliches Wachstum und halfen dabei, den Machtanspruch der Stadtstaaten zu sichern. Eine Vereinbarung, die zumeist auch im mittelalterlichen Europa galt.

„Die Angemessenheit von Konditionen für Bankgeschäfte zieht sich durch die Geschichte.“

Banking im Mittelalter – zwischen Hofbankier und Mitregent

Durch das päpstliche Zinsverbot für Christen stiegen zunehmend jüdische Familien zu den Finanzierern der Händler und Mächtigen des Kontinents auf. Das hatte jedoch seinen Preis. Territorialherren vereinnahmten hohe Steuern und verursachten damit zum Teil auch die hohen Schuldzinsniveaus. Die Nähe zur Politik schützte die jüdischen Bankiers des Mittelalters nicht vor staatlicher Willkür. Wenn Fürsten sich – was häufig vorkam – in ihrer Haushaltsplanung übernommen hatten, wurden die Bankgeschäftstreibenden oftmals einfach aus der Stadt vertrieben. Dies war auch der Beginn einer prägenden und oftmals tragischen Verknüpfung von Glauben und Beruf.

Im 14. und 15. Jahrhundert entdeckten italienische Bankiersfamilien wie die Peruzzi, Bardi und Medici die Realpolitik für sich: Sie unterhielten nicht nur in allen wichtigen europäischen Städten Filialen und betätigten sich als Mäzene; darüber hinaus finanzierten sie auch den Papst und die Kriege zahlreicher Königshäuser. Auch damals war Staatsfinanzierung nicht risikofrei: So weigerte sich Eduard III. von England schlicht, seine Schulden zurückzuzahlen – was für manche der Florentiner Bankhäuser im Bankrott endete.

Der in Heidelberg geborene Bankier Joseph Süß Oppenheimer wurde hingegen gleich selbst Politiker und unter Herzog Karl Alexander Finanzminister Württembergs – finanz- und geldpolitisch aus heutiger Sicht wohl eher den Falken als den Tauben zuzuordnen. Nach dem Tod des Herzogs war es mit der politischen Karriere allerdings schnell vorbei: Oppenheimer endete nach einem Schauprozess am Galgen.

„Auch im 14. und 15. Jahrhundert war Staatsfinanzierung nicht risikofrei.“

Langfristig erfolgreicher war die aus Frankfurt stammende Familie Rothschild. Zunächst aktiv in der Finanzierung des hessischen Landgrafen wurde sie später zum Partner Englands im Kampf gegen Napoleon und entwickelten durch ihre Finanzkraft enormes politisches Gewicht. Hierbei bewiesen sich die Bankiers auch als Früh-Globalisierer.

Industrialisierung – Entstehung des modernen deutschen Bankensystems

Die Dominanz der Privatbankiers nahm mit Beginn der Industrialisierung ab. Mit dem Aufkommen der kapitalintensiven Wirtschaft gewannen vielmehr aktienbasierte Banken an Bedeutung. Im Februar 1870 entstand das Vorgängerinstitut der Commerzbank und im März die Deutsche Bank. Deren Gründung lag auch eine politisch-instrumentelle Motivation zugrunde. Für Bismarck stand der Wunsch, die Finanzierung des deutschen Außenhandels unabhängig von ausländischem Kapital zu gestalten, im Vordergrund. In diese Phase – wenn auch deutlich vor Gründung der beiden deutschen börsennotierten Großbanken – fallen auch die Ursprünge der Genossenschaftsbanken. Sie bildeten eine Art Gegenentwurf zu den Financiers der Mächtigen.

„Die Dominanz der Privatbankiers nahm mit Beginn der Industrialisierung ab.“

Weite Teile der Bevölkerung gehörten zu den Verlierern der Industrialisierung. Eine Missernte reichte, um die Bauern in Existenznöte zu stürzen und ganze Dörfer hungern zu lassen. Friedrich Wilhelm Raiffeisen, einer der prägenden Vordenker der Genossenschaftsidee, gründete in dieser Zeit ein Backhaus, das Brot billiger anbot und Zahlung auf Kredit ermöglichte. Die Genossenschaftsbewegung bildete eine der wesentlichen Säulen bei der Lösung der sozialen Frage des 19. Jahrhunderts und hat bis heute eine zentrale Funktion im gesellschaftlichen Leben.

Wirtschaftskrise und Weltkriege – Systemrelevanz und Erfüllungsgehilfe

Mit der Weltwirtschaftskrise Anfang des 20. Jahrhunderts veränderte sich die politische und gesellschaftliche Wahrnehmung der Banken grundlegend. In der 1928 uraufgeführten Dreigroschenoper stellt Berthold Brecht die bekannte Frage: „Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“. Selbst Carl Fürstenberg, ein bekannter Bankier dieser Zeit, hält damals doppeldeutig fest: „Als erstes im Bankwesen lernt man den Respekt vor Nullen.“

Aus der internationalen Vernetzung des Bankgeschäfts ergaben sich damals Ansteckungseffekte. Das Bankensystem zeigte seine Verwundbarkeit. Es überrascht nicht, dass in dieser Phase auch die Anfänge der Bankenregulierung liegen und 1934 das erste Kreditwesengesetz in Deutschland erlassen wurde. Es entwickelte sich ein Bewusstsein für die Probleme der Systemrelevanz des Bankensektors und einzelner Häuser. Das nationalsozialistische Regime stand den Banken – auch unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise – stets misstrauisch gegenüber. Die deutschen Banken mögen im Dritten Reich eine überwiegend instrumentelle Rolle gespielt haben; gleichzeitig profitierten sie jedoch durch Enteignungen jüdischen Vermögens und die Ausbeutung von Sparern zum Zwecke der Aufrüstung massiv vom Unrecht. Auch die Bankenbranche hat eine moralische Schuld in den Büchern.

Die Nachkriegszeit begründete wiederum einen Neuanfang zwischen Politik und Bankgewerbe. Konrad Adenauer vertraute auf Hermann Josef Abs von der Deutschen Bank als Finanzberater und als deutscher Verhandlungsführer in der Regelung der Auslandsschulden und der Reparationszahlungen, die Deutschland nach dem Krieg leisten musste. Damit hatte er entscheidenden Anteil daran, das Fundament für den Wiederaufbau Deutschlands und die Rückkehr in die Staatengemeinschaft zu legen.

In Zeiten des Wirtschaftswunders wurden Banken zu treibenden Kräften des Aufschwungs; das Verhältnis zur Politik entwickelte sich zunehmend konstruktiv. Mit dem Erstarken liberaler Wirtschafts- und Politikansätze, der Deregulierung der internationalen Finanzmärkte und ihrer zentralen Rolle in der Orchestrierung der Deutschland AG nahm die Bedeutung des Bankensektors in Deutschland nochmals zu.

In den neunziger Jahren wirkten weitere Trends auf das Bankensystem – die Globalisierung der Finanzmärkte, die stärkere Shareholder-Orientierung in der Unternehmensführung und die Konsolidierung der Branche. Aus Selbstbewusstsein wurde oftmals Überheblichkeit. Terminologische Relikte sind in Erinnerung geblieben, seien es „Peanuts“ oder „Gottes Werk“. Die dienende Funktion der Branche geriet in Teilbereichen – insbesondere im internationalen Kapitalmarktgeschäft – in Vergessenheit.

Die Entfremdung zwischen Politik und Finanzwirtschaft setzte spätestens mit den nun rascher aufeinanderfolgenden Krisen ein. Das galt für die Phase nach dem Crash am Neuen Markt, aber sicher umso mehr nach der Finanzkrise 2007.

Die Krise des Finanzsystems – auch befördert durch die Abwesenheit einer berufsständischen Ethik in Teilbereichen des Sektors – erforderte umfassende Stützungs- und Rettungsmaßnahmen der Staatengemeinschaft. Sittengemälde wie die Filme „The Big Short“, „Margin Call“ oder die Serie „Bad Banks“ zeichnen nun kein besonders schmeichelhaftes Bild des Berufsstands. Ganz unabhängig davon, wie realistisch die Darstellungen sind, spiegelt sich darin auch die öffentliche Meinung über die Branche wider.

Um die ist es nach wie vor nicht gut bestellt: Das Vertrauen der Deutschen in die Banken liegt heute laut dem Umfrageinstitut Gallup mit 44 Prozent nur 4 Prozentpunkte höher als unmittelbar nach der Finanzkrise im Jahr 2009. Das erklärt, warum zwischen Politik und Finanzwirtschaft über längere Zeit Distanz und Sprachlosigkeit – bei einem gleichzeitig umfassenden Aufbau von regulatorischen Institutionen und Instrumentarien – herrschte.

Vier Thesen zur zukünftigen Entwicklung der Beziehungen

Welche Schlüsse lassen sich aus diesem kurzen, anekdotischen Gang durch die Geschichte nun für das zukünftige Verhältnis von Banken und Politik ziehen? Hierbei stehen vier Thesen im Vordergrund.

1. Bankenbranche wird eine Schlüsselindustrie bleiben: Die Finanz- und Bankenbranche ist eine Schlüsselindustrie und wird auch eine solche bleiben. Weder die berühmte Prophezeiung von Bill Gates „Banking wird gebraucht, Banken nicht“, noch die These von Ulrich Cartellieri „Banken sind die Stahlindustrie der neunziger Jahre“ haben sich bisher bewahrheitet und werden es auch künftig nicht tun. Banken wird in ihrer dienenden Funktion für die Wirtschaft auch zukünftig eine zentrale Rolle zukommen. Gerade für ein mittelständisches und dezentral geprägtes Wirtschaftssystem wie das deutsche ist eine leistungsfähige Bankenlandschaft mit Beratungen und Lösungen vor Ort zentral für den nachhaltigen Erfolg.

„Die Finanzund Bankenbranche wird eine Schlüsselindustrie bleiben.“

Wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen von der Altersvorsorge, über die digitale und Verkehrsinfrastruktur bis hin zur Entwicklung ländlicher Regionen werden die Zusammenarbeit vieler gesellschaftlicher Gruppen, insbesondere auch der Finanzindustrie, erfordern. Gleichzeitig macht der Blick auf die skizzierte historische Entwicklung deutlich, dass die Bankenbranche bei aller Regulierung und Professionalität der handelnden Akteure auch weiterhin gesellschaftliche Systemrelevanz und Potenzial für krisenhafte Erscheinungen birgt.

2. Proportionale Regulierung des Sektors und artverwandter Branchen ist zentrale Gestaltungsaufgabe: Der Bankenregulierung kommt zweifelsfrei eine hohe Bedeutung für die Entwicklung des Sektors zu. In den Jahren nach der Finanzkrise wurden zahlreiche Fortschritte im Hinblick auf die Stabilisierung des internationalen Finanzsystems erreicht. Die regulatorischen Prioritäten der Nach-Finanzkrisenzeit sind abgearbeitet. Im Zuge der weiteren Ausgestaltung muss der Begriff der Proportionalität eine noch zentralere Rolle spielen. Die Artenvielfalt im deutschen Bankensystem insbesondere mit den zahlreichen regional ausgerichteten Banken und Sparkassen ist von hoher Bedeutung. Sie darf nicht durch überbordende regulatorische Anforderungen infrage gestellt werden. Nach zehn Jahren des Auf- und Ausbaus entsprechender Institutionen stellt sich zunehmend die Frage, ob das Parkinson’sche Gesetz nicht an der ein oder anderen Stelle greift: Bürokratien beschäftigen sich selbst und Dritte mit nur begrenztem gesellschaftlichen Nutzen.

„Die Artenvielfalt im deutschen Bankensystem ist von hoher Bedeutung.“

Große Technologiekonzerne in den Blick nehmen

Der Begriff der Proportionalität kann und muss aber noch weiter gefasst werden. „Die Finanz- und Bankenbranche wird eine Schlüsselindustrie bleiben.“ „Die Artenvielfalt im deutschen Bankensystem ist von hoher Bedeutung.“ Digitaler Sonderdruck · Kreditwesen 11 / 2019 5 Durch zunehmende Regulierung und die damit verbundenen Kosten findet eine Abwanderung vieler ursprünglicher Bankgeschäfte zu anderen, nicht oder weniger regulierten Akteuren statt. Zahlreiche strukturierte Finanzierungen erfolgen zum Beispiel überwiegend durch sogenannte Schattenbanken. Eine der nächsten krisenhaften Entwicklungen könnte an dieser Stelle ihren Ursprung nehmen.

Auch bezüglich der Bereitstellung von Kundendaten gegenüber anderen Marktteilnehmern und der IT- und Datensicherheit gilt für die Bankenbranche ein umfassender Regelungsrahmen. Hier stellt sich gleichermaßen die Frage der Proportionalität, diesmal jedoch abzielend auf die großen Technologiekonzerne. Ergeben sich aus den Aktivitäten dieser Unternehmen nicht in viel stärkerem Maße potenzielle Gefährdungen bezüglich der Datensicherheit und einer gesellschaftlich problematischen Datenmonopolisierung? Hier müsste aus politischer Sicht und im gesamtgesellschaftlichen Interesse mit gleichem intellektuellen und gesetzgeberischen Ressourceneinsatz agiert werden.

3. Ethische Standards in der Unternehmensführung – Selbstverpflichtung als Chance für Banken: Alle Regulierung und Governance können ein gutes Wertegerüst in der Unternehmensführung von Banken nicht ersetzen. Eine nachhaltige Unternehmenskultur, die Orientierung an den Interessen sämtlicher Stakeholder des Unternehmens und die Einbindung in die Gesellschaft sind hierbei zentrale Pfeiler. Sie sind in manchen Bankenorganisationen – beispielsweise der genossenschaftlichen – bereits heute stärker verwurzelt als in anderen. Letztendlich führt an einer Selbstverpflichtung auf entsprechende ethische Standards in der Bankbranche kein Weg vorbei.

„An einer Selbstverpflichtung auf ethische Standards führt kein Weg vorbei.“

4. Zusammenarbeit und Austausch zwischen Finanzindustrie und Politik muss wieder stärker institutionalisiert werden: Der institutionalisierte Austausch und die Zusammenarbeit – sei es mit Verbänden oder einzelnen Instituten – ist von hoher Bedeutung. Das gilt für die nationale und europäische Ebene ebenso wie für den Finanzplatz Frankfurt. Historisch konnte eine gewisse Pendelbewegung aus Nähe und Distanz konstatiert werden, sicher mit einem absoluten Tiefpunkt nach der Finanzkrise. Umso positiver ist es, dass gerade in jüngerer Zeit die gegenseitige Sprachlosigkeit einem intensiveren Miteinander gewichen ist. Hierauf sollte aufgebaut werden. Eine personelle Durchlässigkeit in beruflichen Laufbahnen zwischen Finanzindustrie und Politik kann hierbei förderlich sein – das amerikanische oder französische Modell sollten jedoch nicht Pate stehen.

Konstruktives Verhältnis und eine gemeinsame Verantwortung Der Gang durch die wechselhafte Geschichte der Beziehung zwischen Finanzbranche und Politik verdeutlicht nicht nur eine spannende Dynamik über die Jahrhunderte hinweg. Er erinnert auch an die gemeinsame Verantwortung, diese für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung so zentrale Beziehung konstruktiv zu gestalten – nicht allein verstanden als Aufruf an die Gegenseite, sondern vielmehr als Erinnerung an den eigenen Beitrag. Dazu gehört nicht zuletzt die Bereitschaft, sich mit den wechselseitigen Perspektiven auch wieder stärker inhaltlich auseinanderzusetzen und nicht nur die Diskussion, sondern den Dialog zu suchen. Denn daraus erwächst letztlich die Chance für ein neues Verständnis und konstruktives Verhältnis, das in aller Interesse sein muss.

 

* Der Beitrag basiert auf einem im Mai 2019 gehaltenen Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe der studentischen Initiative FS Economy & Politics an der Frankfurt School of Finance & Management.

 

Dr. Cornelius Riese

Dr. Cornelius Riese Co-Vorstandsvorsitzender, DZ BANK AG, Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, Frankfurt am Main

Dr. Cornelius Riese
Co-Vorstandsvorsitzender, DZ BANK AG, Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank, Frankfurt am Main

Im Verhältnis von Politik zur Wirtschaft und nach der jüngsten Finanzkrise ganz besonders zur Kreditwirtschaft registriert der Autor über viele Jahre eine gewisse Sprachlosigkeit sowie eine Überbetonung des Trennenden und erst in jüngster Zeit durch ein stärkeres Miteinander wieder eine stärkere Annäherung. Angefangen von den antiken Wurzeln über das Mittelalter und die Zeit der Industrialisierung skizziert er die verschiedenen Phasen bis hin zu den Entwicklungen vor und nach der jüngsten Finanzkrise. Vor dem Hintergrund dieses Gangs durch die Geschichte formuliert er vier Thesen für das zukünftige Verhältnis von Banken und Politik. In der Branche selbst sieht er auch in Zukunft eine Schlüsselindustrie, legt aber regulatorisch großen Wert auf eine zeitgemäße Umsetzung des Proportionalitätsgedankens, der auch die branchennahen Technologiekonzerne und den Umgang mit Kundendaten umfassen sollte. Großen Wert legt er zudem auf ein gutes Wertegerüst in der Unternehmensführung von Banken und appelliert an die gemeinsame Verantwortung von Finanzindustrie und Politik für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. (Red.)

 

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde Frankfurt Main Finance freundlicherweise lizenzfrei vom Knapp-Verlag zur Verfügung gestellt.

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Titelbild Sustainable Finance Konferenz

Der EU Action Plan on Sustainable Finance: Notwendige Standardisierung oder Überregulierung?

Das Deutsche Aktieninstitut präsentierte Mitte Mai im Rahmen seiner Konferenzen mit hochkarätigen Referenten und Podiumsteilnehmern eine vielfältige Sicht auf den EU Sustainable Finance Action Plan und die damit verbundenen „Anforderungen und Chancen für Unternehmen und institutionelle Investoren“.

Die EU-Kommission will mit ihrem Aktionsplan Financing Sustainable Growth das nachhaltige Finanzwesen stärken und eine nachhaltige Unternehmensführung unterstützen. Zentrale Punkte der europäischen Gesetzgebungsinitiative sind dabei eine Nachhaltigkeits-Taxonomie, Standards für Grüne Anleihen und die Weiterentwicklung der Klimaberichterstattung von Unternehmen. Diese Aspekte standen auch im Mittelpunkt der Konferenz, die am 13. Mai unter Beteiligung hochrangiger Experten aus Industrie und Finanzwirtschaft, Wissenschaft und dem Bereich der NGOs sowie der Politik über Ziele, Wege, Chancen und Risiken diskutierten.

Auf dem Weg in eine Nachhaltige Finanzwelt

Bereits in der von Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts, moderierten Einstiegsdiskussion von Thomas Kusterer, Finanzvorstand der ENBW, und Michael Schütze, Managing Director bei Allianz Global Investors wurde deutlich, dass das Thema „Nachhaltigkeit“ sowohl in der Real- wie in der Finanzwirtschaft angekommen ist. So bestätigte Schütze, dass gerade institutionelle Investoren mehr und mehr für die Implementierung von ESG-Kriterien ein echtes Interesse zeigten. Und auch der Realwirtschaft sei bewusst, dass nicht zuletzt aus ökonomischen Gründen die Beachtung von ESG-Kriterien beim unternehmerischen Handeln in den Fokus rücken müssen, so Kusterer. Von der neuen EU-Regulierung, allen voran der Taxonomie, erwarten sich beide Seiten vor allem mehr Transparenz und Klarheit. Risiken sieht man in der Gefahr einer Überregulierung.

Unterschiedliche Ambitionen bei EU und Bundespolitik

Mit viel Engagement und Leidenschaft für das Thema, berichtete im Anschluss Martin Spolc, Head of Unit Sustainable Finance der Europäischen Kommission, über den Stand des Action Plan, die Ziele sowie die nächsten Schritte. Er hob dabei drei zentrale Ziele hervor: 1. Die Lenkung von Kapitalströmen, 2. Nachhaltigkeit in den Mainstream des Risikomanagements zu befördern und 3. Die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit in der Kapitalanlage. Bis Mitte Juni 2019 soll der finale Report der Technical Expert Group vorliegen und bis Ende des Jahres die Implementierung einer rechtlich verbindlichen Taxonomie starten. Alles Weitere liege dann in den Händen der neuen Kommission. Die Vertreterinnen der Bundespolitik äußersten sich dagegen in Bezug auf die geplante Taxonomie deutlich zurückhaltender. So betonte Dr. Eva Wimmer, Leiterin Finanzmarktregulierung im Bundesfinanzministerium unter der Fragestellung „Deutscher Aktionsplan zu Sustainable Finance?“, dass es v.a. auf Ausgewogenheit ankomme – simples Schwarz-Weiß denken sei nicht zielführend – und man sich Zeit lassen müsse, damit die Regelungen auch nachhaltig wirken könnten. Bettina Stark-Watzinger, MdB und Vorsitzende des Finanzausschusses des Deutschen Bundestags, betonte im folgenden Panel zur Frage nach der Klassifizierbarkeit nachhaltiger Wirtschaftstätigkeit, dass es sich um ein „sehr komplexes Thema“ handle und die Finanzmärkte hier nur dienende Funktion einnehmen könnten: „Die Umweltpolitik gehört ins Umweltministerium.“ Zudem favorisiere sie eine Konsolidierung der bereits vorhandenen Lösungen gegenüber einer neu auszuhandelnden Taxonomie auf europäischer Ebene.

Möglichkeiten der Klassifizierung, Offenlegung und Green Bonds

Einig war man sich auf dem Panel zur Taxonomie, dass von Karsten Löffler, Co-Head des Climate Finance Centre der Frankfurt School of Finance & Management geleitet und durch Stefan Haver, Head of Corporate Responsibility Evonik Industries, und Dr. Matthias Schmidt, Head of ESG beim Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland komplettiert wurde, dass es in erster Linie auf die Anwendbarkeit der Taxonomie ankomme. Hierzu müssten auch die vorhandenen Erfahrungen der Industrie miteinbezogen werden, hob Haver hervor. Ein möglicher Weg Nachhaltigkeit zu klassifizieren und messbar zu machen, wäre eine wie auch immer geartete CO2-Bepreisung, die dann über den Eingang in die GuV auch transparent gemacht würde, so der Vorschlag des Wirtschaftsprüfers.

Nach der Mittagspause diskutierten Nico Fettes, Head of Climetrics Ratings CDP Europe, Dr. Klaus Hufschlag, Senior Vice President Finance Business Intelligence & Analytics Deutsche Post DHL Group, und Dr. Thomas Schmotz, Technical Director des Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee, über die Offenlegung klimabezogener Aspekte. Nico Fettes berichtete, dass Großanleger zunehmend bei ihrem Abstimmungsverhalten auf ESG-Aspekte achten und die Bedeutung dieser an den Kapitalmärkten wachse. Als Hemmnisse bei der Nutzung von ESG-Information gelten nach einer Umfrage des CFA-Institute mangelnde Quantifizierbarkeit, Vergleichbarkeit, Glaubwürdigkeit und Wesentlichkeit. Einigkeit herrschte darüber, dass die Empfehlungen der im Auftrag der G20-Finanzminister eingesetzten Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) hier eine gute Orientierung bei der Reglung der Offenlegung geben könne und diese in die EU-Vorschläge integriert werden sollten.

Auch auf dem Panel zu den Markterwartungen an die Green Bond-Regelungen, das von Jochen Krimphoff, Deputy Director Green Finance beim WWF moderiert wurde („Wohl das erste Panel zu Sustainable Finance, dass von einem NGO-Vertreter moderiert wird,“ wie Kriphoff hervorhob), herrschte weitgehende Einigkeit: Sowohl Julien Bras, Portfoliomanager bei Allianz Global Investors, als auch Thomas Liesch, Senior Manager Climate Integration Allianz SE und Ingo-Peter Voigt, Senior Vice President / Head of Finance bei EnBW, betonten die Notwendigkeit einer Standardisierung. „Transparenz über den Investitionszweck ist essentiell,“ so Voigt. Darüber hinaus erhöhe eine Standardisierung das Ambitionsniveau der Emittenten, wie Liesch hervorhob. Portfoliomanager Bras verspricht sich vom neuen Standard, dass dieser die Emissionstätigkeit von Unternehmen fördern werde, die bislang noch nicht aktiv seien. Allerdings bedürfe es auch pragmatischer Lösungen, um potentielle Emittenten nicht abzuschrecken.

Modewelle oder Must Do?

„Modewelle oder Must Do?“: v.l. Dr. Bert Flossbach (Flossbach von Storch), Dr. Steffen Hörter (Allianz Global Investors), Andreas Hilka (Pensionskasse Hoechst) und Moderator Dr. Lothar Rieth (EnBW).

Uneinigkeit herrschte dagegen auf dem abschließenden Panel unter Beteiligung von Dr. Bert Folssbach, Mitbegründer und Vorstand von Flossbach von Storch, Andreas Hilka, Mitglied des Vorstands der Pensionskasse der Mitarbeiter der Hoechst-Gruppe, sowie Dr. Steffen Hörter, Global Head of ESG-Strategy bei Allianz Global Investors darüber, ob Nachhaltigkeit nun ein Must-Do oder doch nur eine Modewelle sei. Die große Resonanz der Veranstaltung – der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt – als auch das Momentum, welches das Thema nicht zuletzt durch die Initiative der Europäischen Kommission in Politik, Real- und Finanzwirtschaft ausgelöst hat, zeigen ebenso wie die rasant gestiegene gesellschaftliche Einsicht in die Notwendigkeit zu handeln, dass sich die Finanzindustrie inzwischen intensiv mit dem Thema beschäftigt und letztlich auch ernsthaft auseinandersetzen muss.

Von: Dr. Andreas Jaensch

Eschborn bietet interessantes Themenspektrum – Standortmagazin 2019

Das aktuelle Standortmagazin Eschborn for Business 2019 ist erschienen. Das zweisprachige Magazin, dass das Mitglied von Frankfurt Main Finance jährlich publiziert, fokussiert sich dieses Jahr neben dem Titelthema Pharmazie und Life Science als Wachstumsbranche in Eschborn, auch auf die Veränderungen im Arbeitsmarkt. Azubimarketing und das Aufstreben der Start-ups Szene spielen dabei eine wichtige Rolle.

Pharma & Life Science: Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem für ein ausgeglichenes Leben

Die Bedeutung von Pharmazie und Life Science wächst – schon lange ist der Gesundheitssektor ein Haupttreiber technologischer Innovation. In dieser Ausgabe erfahren Sie, warum Eschborn als Wirtschaftsstandort ein zentraler Baustein der Pharma- und Life Science-Aktivitäten in Hessen ist, und was ihn für Unternehmen wie Kaneka Pharma oder Siemens Healthcare Diagnostics GmbH besonders attraktiv macht. „Hessen gehört zu den leistungsfähigsten europäischen Regionen und ist damit auch im internationalen Wettbewerb weit vorne“, sagt Dr. Rainer Waldschmidt, CEO der Hessen Trade & Invest GmbH. Ziel ist es, dieses innovative und wachstumsstarke Bild der Region weiterhin beizubehalten und auszubauen. Weitere interessante Interviews, Reportagen und Events zu diesem Titelthema und den Vorteilen der Stadt Eschborn, finden Sie auf Seite 6 bis 9.

Neben der an Bedeutsamkeit gewinnenden Gesundheitsbranche, sind Nachwuchskräfte und besonders Azubimarketing ausschlaggebende Faktoren für zukunftsorientierte Veränderungen. Dies und die Auswirkungen wirtschaftsräumlicher Vernetzungen werden in der Rubrik Wirtschaft (Seite 20 bis 37) genauer thematisiert. Auch die Start-up-Ökonomie gewinnt an Aufmerksamkeit. Wie die Stadt Eschborn, Frankfurt Main Finance Partner, junge Unternehmen und Arbeitsgeber unterstützt, wird ebenfalls in dieser Rubrik aufgegriffen.

Die Vielfältigkeit der Stadt Eschborn

Das Magazin bietet weitere vielschichtige Themen: Wie sich die Vereinbarkeit von Familienleben und Karriere in Eschborn gestalten lässt und welche Verbesserungen Bürgermeister Mathias Geiger in der neuen A66-Abfahrt sieht, wird näher auf den Seiten 36 bis 47 behandelt.

Auch das Thema Freizeitbeschäftigungen deckt die Eschborn for Business 2019-Ausgabe ab: Erfahren Sie mehr über Restaurant-Empfehlungen oder Sport-Tipps in den folgenden Artikeln der aktuellen Ausgabe

  • „Sport-Events für die ganze Familie“ – Das hält die ganze Familie auf Trapp
  • „Cosy Places, Ideen für die Mittagspause“ – Interessante Locations, leckeres Essen
  • „Mit dem Jobrad. Ohne Stau“ – Ein günstiges Hightechfahrrad, auch für die Freizeit
  • „Zuschauer aus aller Welt live dabei“ – Der Radklassiker Eschborn-Frankfurt

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CFS-Index konsolidiert auf hohem Niveau

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, sinkt um 0,4 Punkte auf 112,4 Punkte. Der im Ergebnis leichte Rückgang ist differenziert zu betrachten. Das Umsatzwachstum der Finanzinstitute entwickelte sich im ersten Quartal positiv. Hingegen melden die Dienstleister hier einen starken Rückgang bei unverändert positiven Erwartungen für das zweite Quartal. Die Ertragszuwächse der Finanzbranche verliefen im ersten Quartal rückläufig, jedoch besteht auch hier ein anhaltender Optimismus für das laufende Quartal. Das Wachstum des Investitionsvolumens der Finanzinstitute bleibt konstant, die Dienstleister melden einen Anstieg. Wie zuvor erwartet, haben die Finanzinstitute im ersten Quartal Stellen abgebaut und erwarten weitere Reduzierungen im zweiten Quartal. Hingegen melden die Dienstleister einen leichten Anstieg des Mitarbeiterwachstums.

„Ein insgesamt leicht positiver Produktivitätstrend in der Finanzbranche zeigt sich in der Verbindung von stabilen Investitionen und Mitarbeiterzahlen bei zugleich steigenden Umsätzen und Erträgen“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland konsolidiert auf hohem Niveau. Der entsprechende Wert sinkt um 3,6 Punkte auf 123,4 Punkte. Dieser Rückgang liegt in der Einschätzung der Finanzinstitute begründet. Der entsprechende Index-Wert dieser Gruppe liegt mit 113,2 Punkten 14,8 Punkte unter dem Niveau des vorangegangenen Quartals. Die Beurteilung der Dienstleister ist hingegen sehr positiv. Deren Sub-Index-Wert steigt um 7,7 Punkte auf 133,6 Punkte.

Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Der Finanzplatz Frankfurt wird weiter an internationaler Bedeutung zunehmen, so die vorherrschende Meinung am Finanzplatz. Der leichte Rückgang des Index ist die logische Reaktion auf die Verzögerung des Brexit.“

Umsatzwachstum der Finanzinstitute positiv / Starker Rückgang des Umsatzwachstums der Dienstleister, Erwartungen trotzdem unverändert positiv

Die Umsätze bzw. das Geschäftsvolumen der Finanzinstitute und Dienstleister haben sich im ersten Quartal gegensätzlich entwickelt. Der entsprechende Sub-Index der Finanzinstitute steigt um 2,3 Punkte auf 115,0 Punkte und es wird mit weiteren leichten Zuwächsen gerechnet. Die Umsätze der Dienstleister liegen mit 111,2 Punkten deutlich unter dem Niveau des Vorquartals (-9,7 Punkte), wobei jedoch die Erwartungen für das laufende Quartal unverändert sehr optimistisch bleiben.

Ertragszuwächse rückläufig, jedoch anhaltender Optimismus für das laufende Quartal

Die Ertragszuwächse entwickeln sich im ersten Quartal entgegen den Prognosen vom Vorquartal rückläufig. Speziell die Finanzinstitute befinden sich mit dem Rückgang des Sub-Index um 7,5 Punkte auf nun 101,0 Punkte auf einem abgeschwächten Wachstumsniveau, erwarten aber für das laufende Quartal wieder eine positive Entwicklung. Der Sub-Index der Dienstleister liegt mit 107,2 Punkten 4,3 Punkte unter dem Niveau des ersten Quartals. Auch hier bleiben die Dienstleister für das laufende Quartal, wie auch bei den Umsätzen, unverändert optimistisch.

Investitionsvolumen der Finanzinstitute konstant / Dienstleister melden Anstieg

Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzinstitute verweilt im ersten Quartal mit 112,0 Punkten kaum verändert (-0,1 Punkte) auf einem mittleren Niveau. Für das zweite Quartal wird ein leichter Rückgang des Wachstums erwartet. Hingegen melden die Dienstleister im ersten Quartal einen Anstieg ihres Investitionsvolumens. Der Sub-Index steigt um 2,6 Punkte auf 114,8 Punkte. Es wird erwartet, dieses Niveau im laufenden Quartal zu halten.

Verstärkter Stellenabbau bei den Finanzinstituten / Leichter Anstieg des Mitarbeiterwachstums bei den Dienstleistern

Wie in den Vorquartalen erwartet wurde, bauen die Finanzinstitute nun Stellen ab. Der Mitarbeiter-Sub-Index der Finanzinstitute sinkt entsprechend um 4,3 Punkte auf 96,2 Punkte. Es wird mit einem weiteren Stellenabbau im zweiten Quartal gerechnet. Bei den Dienstleistern hat sich das Mitarbeiterwachstum leicht positiv entwickelt. Der entsprechende Sub-Index steigt um 0,9 Punkte und befindet sich mit 112,4 Punkten auf einem guten Stand. Für das laufende Quartal rechnen die Dienstleister mit einem weiteren Wachstum.

 

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

CFS-Umfrage zum Thema Green Finance

Angesichts der zunehmenden Diskussionen über den Klimawandel und seine Folgen nimmt auch die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten im Finanzbereich zu. Unter den Schlagworten „Sustainable“ oder „Green“ Finance gibt es inzwischen zahlreiche Initiativen, die sich mit dem Beitrag des Finanzsektors zur Erreichung der Klimaziele beschäftigen. Eine aktuelle Umfrage des Center for Financial Studies ergab, dass die deutsche Finanzbranche mehrheitlich (64%) die Meinung vertritt, dass der Finanzsektor bei der Erreichung der Klimaziele eine unterstützende Rolle einnehmen könnte. 17% der Befragten ordnen dem Finanzsektor sogar eine tragende Rolle zu. Hingegen sehen 18% der Befragten hier keine Relevanz.

„Ich sehe große Chancen für den Finanzplatz Frankfurt, von dem wachsenden Trend zu nachhaltigen Finanzprodukten oder auch vom Handel mit Emissionsrechten zu profitieren“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse.

Die Nachfrage nach nachhaltigen Investmentprodukten (z.B. Green Bonds) nimmt zu. Die Finanzbranche glaubt mehrheitlich (70%), dass der Nachhaltigkeitsaspekt künftig für Investoren eine wichtige Rolle bei ihren Anlageentscheidungen spielen wird. Hingegen nehmen 26% der Befragten an, dass der Nachhaltigkeitsaspekt die Anlageentscheidungen nicht beeinflussen wird.

Bei dem Thema, inwieweit es zu staatlichen Einflussnahmen kommen sollte, ist sich die deutsche Finanzbranche geschlossen einig (70%), dass es weder staatliche Anreize (z.B. steuerliche Entlastungen) für Green Bonds geben sollte, noch sollten regulatorische Erleichterungen (z.B. bei der Eigenkapitalbelastung) für Banken geschaffen werden, die weniger oder keine Geschäfte mit umweltbelastenden Unternehmen machen.

„Die Bankenregulierung sollte nicht mit klimapolitischen Zielen überfrachtet werden. Zum einen ist die Regulierungsdichte im Finanzsektor ohnehin schon sehr hoch. Zum anderen können Kapitalerleichterungen für umweltfreundliche Finanzierungen zu Fehlanreizen führen, die die Finanzstabilität gefährden“, erläutert Brühl weiter.

Wenn es um die Frage geht, ob das Umweltverhalten von Firmenkunden bei der Kreditentscheidung von Banken (z.B. im Rating) berücksichtigt werden sollte, ist die Meinung der Finanzbranche eher zweigeteilt. Während 52% der Befragten diesen Aspekt befürworten, sprechen sich 45% dagegen aus.

Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., unterstreicht: „Die Umfrageergebnisse zeigen klar, die Zeit ist reif und nachhaltige Produkte sind gesucht. Dazu braucht es keine weiteren staatlichen Anreize. Das ist ein ermutigendes Zeichen, dass sich nachhaltige Produkte bereits heute im Wettbewerb durchsetzen können.“

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Die Bedeutung eines integrierten europäischen Finanzmarktes hervorheben

Jacqueline Mills, Geschäftsführerin und Leiterin des AFME-Büros in Frankfurt

Jacqueline Mills, Geschäftsführerin und Leiterin des AFME-Büros in Frankfurt

Im Mai veranstaltet die Association for Financial Markets in Europe (AFME) ihre erste Konferenz zum Thema Aufsicht und Finanzintegration in Frankfurt – hier erklärt Jacqueline Mills, Geschäftsführerin und Leiterin des AFME-Büros in Frankfurt, warum AFME sich entschieden hat, die Präsenz in Frankfurt zu erweitern und welche Themen auf der Tagesordnung der Konferenz stehen werden.

Im Februar 2017 haben Sie ein Büro am Finanzplatz Frankfurt eröffnet, um die europäische Präsenz von AFME auszubauen. Warum haben Sie sich für Frankfurt entschieden?

AFME beschloss vor zwei Jahren, die europäische Präsenz auf Frankfurt auszudehnen, um die Beziehungen zu einigen der wichtigsten EU-Institutionen – darunter SSM, EZB und ESRB – zu vertiefen. Unser Schwerpunkt liegt auf der Bankenaufsicht der EZB. Viele unserer Mitglieder werden in erster Linie von der EZB beaufsichtigt. Außerdem hat die EZB eine direkte Aufsichtsfunktion für eine wachsende Zahl unserer Mitgliedsunternehmen, die ihren Sitz außerhalb der Eurozone haben. Als Herzstück der deutschen Finanzwirtschaft bietet uns Frankfurt zudem die Möglichkeit, mit lokalen Aufsichtsbehörden wie der BaFIN und der Bundesbank sowie anderen europäischen Organisationen wie EIOPA zusammenzuarbeiten.

Was sind die Ziele der AFME, insbesondere in Bezug auf Brexit?

Als paneuropäische Handelsorganisation engagieren wir uns für die Förderung liquider europäischer Kapitalmärkte. Wir haben gut etablierte Beziehungen in der EU27 und im Vereinigten Königreich. AFME möchte als Brücke zwischen den Marktteilnehmern und politischen Entscheidungsträgern in ganz Europa fungieren und dabei auf unsere starken und langjährigen Beziehungen, unser technisches Wissen und unsere faktenbasierte Arbeit zurückgreifen. Insbesondere unsere Brexit-Arbeit stützt sich auf diesen Ansatz. Vor allem haben wir uns darauf konzentriert, sicherzustellen, dass sich die Entscheidungsgemeinschaft des potenziellen Cliff-Edge-oder No-Deal-Szenarios bewusst ist. Unsere Arbeit hat dazu beigetragen, dass die EU27 und einzelne Mitgliedstaaten, einschließlich des Vereinigten Königreichs, viele, wenn nicht sogar alle dieser Themen angegangen sind. Natürlich bleibt die Unsicherheit bestehen und wir sind bestrebt, unseren Mitgliedern bei der Orientierung zu helfen. Wenn und sobald der Ausstieg des Vereinigten Königreichs besser definiert ist, werden wir – im Namen unserer Mitglieder – dazu beitragen, die zukünftigen Beziehungen für Finanzdienstleistungen zwischen der EU27 und dem Vereinigten Königreich zu gestalten.

Was werden die Hauptthemen der Konferenz am 23. Mai 2019 sein? Für welche Zielgruppe ist es geeignet?

Die Geschäfte der AFME-Mitglieder erstrecken sich über mehrere Regionen und verbinden so die Endverbraucher mit Kapital- und Liquiditätsquellen. Allerdings ist der globale Bankensektor zunehmend mit einer Fragmentierung nach nationalen und regionalen Gesichtspunkten konfrontiert, die unnötige Starrheit und Kosten verursacht. Auf europäischer Ebene sind die wirtschaftlichen Vorteile eines vollkommen integrierten Marktes für Finanzdienstleistungen gut verstanden, aber die Fortschritte entwickeln sich langsam.

Die Konferenz, die unsere erste in Frankfurt ist, wird sich daher mit dem Zusammenspiel der verschiedenen Projekte der EU im Bereich Banken und Kapitalmarktunion befassen. Auf der Konferenz werden auch praktische Vorschläge zur Verwirklichung des europäischen Aufsichtsrahmens erarbeitet, der erforderlich ist, um diese sich gegenseitig verstärkenden Ziele zu unterstützen. Und es wird geprüft, wie eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei der Aufsicht ermöglicht werden kann. Wir hoffen, dass die Veranstaltung Anlass zum Nachdenken für die nächste Amtszeit der Kommission geben wird.

Zu den Höhepunkten der Tagesordnung gehören Grundsatzreden von Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen und von dem Vizepräsidenten der EZB, Luis de Guindos. Wir haben auch eine breite Palette von Rednern, darunter Vertreter von FSB, EBA, EZB, UK PRA und dem US Federal Reserve Board sowie Branchenführer aus einer Vielzahl von Kapitalmarktunternehmen in ganz Europa.

Über diesen Link können Sie sich für die Teilnahme an der Konferenz anmelden.

 

Verschwendung von Ressourcen: Nachhaltigkeitsberichterstattung und andere Governance Themen

Ein buntes Puzzle voll Details, in denen bisweilen der Teufel steckt, präsentierte das Deutsche Aktieninstitut Anfang April in Frankfurt am Main den etwa 120 Teilnehmern seiner Konferenz zu Corporate Governance und Gesellschaftsrecht. Die Themenvielfalt war vor allem dem Umstand geschuldet, dass Gesellschaftspolitik zunehmend auf das Gesellschaftsrecht übergreift und sich somit Unternehmen mit immer neuen Fragestellungen konfrontiert sehen. Die bisherige Nachhaltigkeitsberichterstattung fiel als Verschwendung von Ressourcen durch.

Im Grunde genommen drehte sich die Konferenz um die einfache Frage: Reicht es, dass Unternehmen Steuern zahlen und Arbeitsplätze schaffen oder stehen sie darüber hinaus auch in weiterer sozialer Verantwortung? Nachdem das Thema Nachhaltigkeit an sich gar nicht mehr zur Debatte steht, wirft jedoch seine Ausgestaltung auf allen Seiten immer noch viele Unsicherheiten auf. Zum Beispiel bei Investoren, die nicht einschätzen können, ob die Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen auf lange Sicht angelegt oder eher kurzfristiger Natur sind. Letztlich sollte die regelmäßige sorgfältige Prüfung des wirtschaftlichen Handelns auf Menschenrechts- und Umweltaspekte ein integraler Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie und guter Corporate Governance und damit selbstverständlich sein. Nur – wer bestimmt nach welchen Kriterien, was gut, richtig und nachhaltig ist?

EU-Taxonomie als Orientierung für Anleger

Um die steigende Nachfrage institutioneller und privater Anleger nach nachhaltigen Finanzprodukten zu unterstützen und ihnen Orientierung zu geben, hat die EU eine Taxonomie erarbeitet. Damit beabsichtigt sie, ein Klassifikationssystem zur Bewertung der ökologischen Nachhaltigkeit wirtschaftlichen Handelns zur Verfügung zu stellen. Zudem überträgt sie institutionellen Anlegern die Aufgabe, einen Nachweis über ihre ESG-Ziele zu erbringen sowie einen Nachweis darüber, inwieweit sich ihre Investitionen an diesen Zielen messen lassen. Letzten Endes kann die Politik auf diese Weise eine positive gesellschaftspolitische Wirkung dadurch erzeugen, indem sie nicht nachhaltig tätigen Unternehmen auf längere Sicht die Kapitalkosten verteuert.

Problematisch für institutionelle Anleger ist allerdings die Bipolarität ihres eigenen Geschäftsmodells, auch wenn sie der Nachhaltigkeit eine hohe Bedeutung beimessen: Die oberste Priorität kommt immer der finanziellen Ertragskraft zu – auch im Sinne ihrer nachhaltigkeitsorientierten Anleger. Zwar lässt sich die positive Auswirkung von Nachhaltigkeit auf die Rendite zu 48 Prozent nachweisen. Das heißt jedoch im Umkehrschluss, dass sich in über 50 Prozent der Fälle gar kein, ein gemischter oder sogar ein negativer Effekt ergibt. Schließlich ist auch die generelle Rolle der Geschäftsmodelle von Anlagezielen noch nicht abschließend geklärt: Wie zum Beispiel umgehen mit einem Tabakkonzern, der in Bezug auf Menschenrechte, Umwelt und Corporate Governance hervorragend aufgestellt ist, dessen Geschäftsmodell nichtsdestoweniger schwere gesundheitliche Schäden und den frühzeitigen Tod seiner Konsumenten in Kauf nimmt?

Bewegung Fridays for Future zeigt Vertrauensverlust an

Die Tatsache, dass die Gesellschaft mehr von den Unternehmen verlangt, als dass sie pünktlich ihre Steuern bezahlen, ist nicht erst seit den Schülerstreiks und der Bewegung „Fridays for Future“ unbestritten. Wie aber soll kaufmännisches SRI-Engagement glaubwürdig transportiert werden? Die bisher üblichen Nachhaltigkeitsberichte, die seit zwei Jahren für bestimmte große Unternehmen gar zur Pflichtberichterstattung gehören, fielen bei allen Panelisten – die immerhin zu den Kernzielgruppen Aufsichtsrat und Investoren gehören – als nutzlos und Verschwendung von Ressourcen durch. Insbesondere dicke Reports böten zu viel Raum, um die wirklich ausschlaggebenden Informationen darin zu verstecken.

Aufsichtsratsmitglieder, die dem Vorstand auch in puncto Nachhaltigkeit beratend zur Seite stehen, wünschen sich die Definition verlässlicher KPIs, die die Entwicklung eines Unternehmens innerhalb der Peergroup – aber auch über die eigene Industrie hinweg vergleichbar machen. Die Idee, die ESG-Zuständigkeit einem einzelnen Aufsichtsratsmitglied zuzuordnen, sei hingegen nicht zielführen. Zu groß ist das Risiko, damit eine Feigenblattstrategie zu befördern, bei der sich alle anderen Organmitglieder der Nachhaltigkeitsverantwortung enthoben fühlten. Eine glaubhafte Alternative dazu böte eine Vergütungspolitik, die die Organvergütungen stärker an die nachhaltige Strategie und Entwicklung des Unternehmens koppeln würde.

Bei Themen um die Hauptversammlung bleibt es spannend

Wie tückisch sich Details bei der Umsetzung lobenswerter Ideen erweisen können, stellte sich beim Bericht über den aktuellen Stand von ARUG II heraus. Der gute gesetzgeberische Wille, den Informationsfluss zwischen Gesellschaft und Aktionär zukünftig transparenzsteigernd und kostensenkend auf den elektronischen Weg zu verlagern, scheiterte an mangelnder Infrastruktur: Bis zu 80 Prozent der privaten Anleger verfügen nicht über die dazu nötigen online-Banking-Anwendungen. Am teuren Postversand von Hauptversammlungseinladungen wird deshalb wohl noch länger festgehalten werden.

Anlass zur Sorge bereitet auch großen institutionellen Anlegern die Kumulation von Einfluss bei den großen Stimmrechtsberatern. Hier hat sich das Machtverhältnis zwischen reinem Dienstleister und seinen Anwendern ins Gegenteil verkehrt. Wenn ein Vermögensverwalter den Abstimmungsempfehlungen der großen Stimmrechtsberater erklärtermaßen nicht folgt, so sei das keine Frage des Selbstverständnisses mehr. Sondern er habe seinen Kunden seine abweichende Meinung darzulegen. Andererseits kann dem Wirken der Stimmrechtsberater der ökonomische Nutzen nicht abgesprochen werden. Der Gesetzgeber hat sich mit ihrer Rolle und der Vermeidung von Interessenskonflikten beschäftigt, wenn sie ein Beratungsmandat zur Corporate Governance bei einem Unternehmen ausüben. ARUG II verpflichtet Stimmrechtsberater zur Erklärung über die Einhaltung von Vorgaben eines Verhaltenskodexes. Der Trend bei institutionellen Investoren geht mittlerweile dahin, dass sie selbst auf der Hauptversammlung Präsenz zeigen.

Corporate Governance als Chance zur Selbstregulierung

Eine Möglichkeit, das Wirken von Stimmrechtsberatern und aktivistischen Investoren in klare Leitplanken zu verweisen, läge in der Selbstregulierung der Unternehmensführungen durch den Corporate Governance Kodex – so die auf der Konferenz vertretene These. Die Existenz eines entsprechenden Kodex ist von der EU vorgeschrieben. Sofern kein freiwilliger Kodex angenommen wird, erfolgen gesetzliche Vorschriften und Definitionen über die Leitung und Überwachung deutscher börsennotierter Unternehmen. Die Konferenz betonte die in der Anwendung des freiwilligen Kodex liegenden Chancen zu Vertrauensaufbau und Reputationssteigerung. Aktive institutionelle Investoren wie auch die Verwalter passiver Indexfonds üben zunehmend Einfluss auf Aufsichtsratswahlen aus. Die Abwehr jedweder Steuerungsmechanismen, wie sie in einem Teil der etwa 120 Stellungnahmen zum überarbeiteten Corporate Governance Kodex zum Ausdruck kommt, spiele diesen in die Hände.

Wünschenswert wäre, und hier schloss das End-Panel an die Ausgangsdiskussion an, ein aktiver, beratender Aufsichtsrat, der zum einen rückwärtsgewandt kontrolliert, aber mit mindestens ebenso hoher Gewichtung vorwärtsgewandt überwacht. Die Rolle des aktiven Aufsichtsrats solle viel stärker hervorgehoben werden. Sie liegt in ihrem Kern – je nach Risikoprofil sowie personeller und materieller Ausstattung – in der Kontrolle, der Hinterfragung, Beratung und Unterstützung des Vorstands in der sachgerechten Unternehmensführung. Mit der Idee von einem Berufsaufsichtsrats mochten sich in Frankfurt am Main allerdings nur wenige Konferenzteilnehmer anfreunden.

Von: Dr. Charlotte Brigitte Looß

„Welcome to the German Capital Market“ – neue Videovorlesung für Kapitalmarktprofis aus dem Ausland

Die Capital Markets Academy der Deutschen Börse stellt in einer Pressemeldung eine neue Videovorlesung für Banker und weitere Kapitalmarktprofis aus dem Ausland  vor. In 150 Minuten werden die Teilnehmer darin mit den Marktstrukturen sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen des deutschen Kapitalmarkts vertraut gemacht.

Die internationalen Märkte teilen viele Gemeinsamkeiten – und dennoch hat jeder Inlandsmarkt seine besonderen Eigenheiten. Das neue E-Learning-Programm der Capital Markets Academy knüpft hier an: Es richtet sich an Kapitalmarktprofis, die zwar in ihrem Heimatland erfahren, aber nicht mit den spezifischen deutschen Rahmenbedingungen und Regularien vertraut sind.

„Bankern, die neu in Deutschland sind und die sich einen guten Überblick über die Marktstruktur und das Regelwerk verschaffen wollen, bietet unsere Videovorlesung eine kompakte aber gleichzeitig präzise Einführung“, erklärt Ulf Mayer, Leiter der Capital Markets Academy bei der Deutschen Börse.

Die englischsprachige Videovorlesung kann flexibel und unabhängig von Ort und Zeit angesehen werden. Sie ist inhaltlich in zwei Teile untergliedert: 1) Markstruktur in Deutschland und 2) Kapitalmarktrecht und Regulierung. Die Vorlesung dauert rund zweieinhalb Stunden und besteht aus zehn Kapiteln. Die zugehörigen Handouts können heruntergeladen werden. Am Ende gibt es eine Teilnahmebescheinigung.

Weitere Informationen zur Videovorlesung gibt es unter www.academy.deutsche-boerse.com/e01.

Die Capital Markets Academy ist der Trainingsanbieter der Gruppe Deutsche Börse. In interaktiven Präsenzveranstaltungen mit hohem Praxisbezug sowie digitalen Lernformaten bietet die Capital Markets Academy Börsenwissen aus erster Hand. Mit den Schwerpunkten Handel, Clearing und Settlement orientiert sie sich am Produkt- und Serviceangebot der Gruppe Deutsche Börse. Weitere Finanzmarktthemen, wie die Funktionsweise von Kapitalmärkten und neue Technologien wie Blockchain, runden das Angebot ab.

Finanzplatztag 2019 – Das Expertentreffen!

Beim 12. Finanzplatztag tauschten sich am 6. und 7. März 2019 rund 500 Experten aus allen Bereichen der Frankfurter Finanzindustrie in den Räumlichkeiten der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (IHK) zu aktuellen Themen der Branche aus. Das zweitägige Event wird von jährlich von der WM Gruppe, Herausgeber der Börsen-Zeitung und Frankfurt Main Finance-Mitglied, veranstaltet.

Ein Highlight des Finanzplatztages war die Offene Jurysitzung des FinTechGermany Awards am ersten Veranstaltungstag. Mit dem führenden investorenseitigen Gründerpreis, der am 16. Mai 2019 im Eurotheum verliehen wird, zeichnet der Finanzplatz Frankfurt herausragende FinTech-Unternehmen in verschiedenen Kategorien aus. Die Organisatoren Frankfurt Main Finance, Business Angels Frankfurt RheinMain, TechFluence und WM Gruppe/Börsen-Zeitung nutzten den Finanzplatztag, um einige der Bewerber für den Award persönlich kennenzulernen und den jungen Unternehmen die Gelegenheit zur Präsentation zu geben. Vertreter der Firmen Fintus, COREFI Solutions, QuickSpend, Azhos, Blocksize Capital, Firamis, InvestSuite und Digital Finance Argonauts nutzten die Chance: Sie warben vor Mitgliedern der Award-Jury sowie rund 150 interessierten Zuschauern für ihre Ideen und Produkte. Des Weiteren stellten sie sich den kritischen Fragen von Jury und Zuschauern. Noch haben weitere Start-ups Zeit, ihren Hut in den Ring zu werfen – die Bewerbungsfrist für die Auszeichnung wurde verlängert und endet am 31. März 2019.

Am zweiten Tag der Veranstaltung debattierten in einer von Dr. Detlef Fechtner, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, moderierten Podiumsdiskussion, Dr. Christian Ricken, Vorstandsmitglied der LBBW, Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, und Erik Tim Müller, Chief Executive Officer der Eurex Clearing AG, wo der Finanzplatz Frankfurt kurz vor dem Brexit Stichtag beim Thema Euro-Clearing steht. Laut Hubertus Väth ist weiterhin davon auszugehen, dass der Euro denominierte Derivate-Handel in Folge des Brexits zukünftig unter strengerer Aufsicht von EU-Behörden stehen wird. Darüber hinaus sei das Euro-Clearing durch zentrale Verrechnungsstellen (Central Counter Parties – CCPs) ein wichtiger Bestandteil der europäischen Finanzarchitektur, so Väth. Des Weiteren – so waren sich alle Diskutanten einig – seien mehrere Clearing-Institute für die Stabilität des Finanzsystems in Stresssituationen essenziell. Dem fügte Dr. Ricken hinzu, dass durch das Vorhandensein von zwei Liquiditätspools keine Preisnachteile für Finanzinstitute zu erwarten seien. Dass die Debatte über die Zukunft des Euro-Clearings innovative sei, betonte Müller. Dadurch sei der Markt gezwungen darüber nachzudenken, wie mehr Sicherheit geschaffen werden kann.

Mit einem abschließenden Resümee beendete Dr. Jens Zinke, Geschäftsführer der Börsen-Zeitung, den „besten Finanzplatztag aller Zeiten.“

Hessen bündelt Brexit-Wissen im Internet

In Kürze wird Großbritannien aus der EU ausscheiden. Um Menschen über den Brexit zu informieren, stellt Europaministerin Lucia Puttrich das Informationsangebot des Landes in einer Pressemeldung vor: „Wir informieren Bürger, Unternehmen und Institutionen, was auf sie zukommen kann“

Die Hessische Landesregierung fasst Informationen für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Institutionen rund um das Thema Brexit im Internet zusammen. Die Hessische Europaministerin Lucia Puttrich hat am Mittwoch ein umfangreiches Angebot auf der Webseite des Landes (www.hessen.de) vorgestellt. „Wer sucht, findet im Internet ganz viele Informationen an ganz vielen Stellen. Für uns ist aber wichtig, dass die Menschen in Hessen sich möglichst schnell und einfach informieren können. Dafür haben wir jetzt ein umfangreiches Paket geschnürt“, sagt Ministerin Puttrich. Die Hinweise sind insbesondere bei einem harten Brexit wichtig. In diesem Fall scheidet das Vereinigte Königreich ohne Übergangsregelung aus der Europäischen Union aus.

Das Angebot enthält zahlreiche Verweise auf Informationen des Europäischen Union, der Bundesregierung und weiterer Einrichtungen sowie Rechtsvorschriften. „Alle Ressorts der Landesregierung haben sich in den vergangenen Monaten immer wieder eng darüber abgestimmt, welche Lebensbereiche vom Brexit besonders betroffen sein werden“, sagt Lucia Puttrich weiter. Das Informationsangebot im Internet ist ein Ergebnis dieser Abstimmungsgespräche und wird zeitnah noch erweitert.

„Wir wissen, dass viele Unternehmen seit langem mit dem harten Brexit planen und so gut wie möglich vorbereitet sind“, sagt die Ministerin weiter. Neben Unternehmen und Universitäten seien aber zum Beispiel auch Schulen und Vereine, die Austausche oder sportliche Begegnungen planten, vom Brexit betroffen. Der einzelne Bürger müsse zum Beispiel wissen, dass sich die Bestimmungen für die Einreise von Haustieren oder die Grenzen der Freimengen ändern, wenn Großbritannien die EU verlässt. Auch der Onlinehandel ist ein Thema: Wenn Kunden bei einem Anbieter in Großbritannien shoppen, wird ab einem gewissen Warenwert künftig Einfuhrumsatzsteuer fällig.

„Wir können die gesetzlichen Regeln nicht ändern, wenn der Brexit kommt“, fasst Europaministerin Lucia Puttrich zusammen. „Wir können die Menschen aber darüber aufklären, was er für sie bedeuten kann.“