Eigenkapitalforum Frankfurt

Das Happening der Finanzgemeinde: Rückblick auf das Deutsche Eigenkapitalforum 2019

Keine Angst: Mit Aktionskunst der sechziger Jahre hat die jährliche Zusammenkunft von Unternehmen, Investoren und Dienstleistern wenig gemein. Auch bleiben die ungeplanten Interaktionen mit dem Publikum in der Regel friedlich – etwa wenn die Folienanordnung im Handout nicht der Struktur der wörtlichen Rede entspricht, der gezeigte Werbefilm auf wenig Gegenliebe bei den Investoren trifft oder der ein oder andere Übernahmekandidat vor lauter Aufregung einfach vergisst, zum besseren Verständnis seine aktuelle Aktionärsstruktur darzustellen. Das Deutsche Eigenkapitalforum, das 2019 vom 25. bis 27. November in Frankfurt am Main stattfand, hat dennoch durchaus Happening-Qualitäten. Oder – in den Worten von Holger Clemens Hinz, Leiter Kapitalmarktgeschäft der Quirin Privatbank AG: „Das EK-Forum ist wie das Klassentreffen der Finanz-Community im deutschsprachigen Raum.“

Über 7.000 angefragte Einzelgespräche

„Als langjähriger Leiter Investor Relations suche und nutze ich immer, auch lange vor MiFID II, jede Gelegenheit zum Kontakt mit Investoren. Konferenzen sind da willkommen, weil sie für beide Seiten den Aufwand minimieren. Das Eigenkapitalforum ist dafür die wertvollste Konferenz in Deutschland“, erklärt Dr. Joachim Fleïng, Head of Investor Relations bei der 3U Holding AG. Ob es nun den Auswirkungen von MiFID II geschuldet ist oder nicht: Die Zahl der teilnehmenden Unternehmen ist seit 2017 nochmals klar gestiegen. In diesem Jahr haben sich 250 zumeist Small and Mid Caps angemeldet, darunter knapp 30 Wachstumsunternehmen, die sich auf der Venture Stage präsentierten.

Peter Alex, Head of Investor Relations bei der Energiekontor AG bringt den Nutzwert auf den Punkt: „Für kleine Unternehmen eine absolute Muss-Veranstaltung!“ Das liegt nicht zuletzt an der intensiven Betreuung bei der Programmgestaltung. Aus über 7.000 angefragten Einzelgesprächen stellten die Veranstalter im intensiven Austausch mit den Unternehmen individuelle Konferenzpläne zusammen, so dass am Ende weit über 4.000 hochwertige Meetings stattfanden. Die Qualität spiegelt sich auch in der Beurteilung der Investoren wider: „Die One-on-ones sind perfekt, das hilft bei den Investitionsentscheidungen und den Follow-ups“, lobt Jens Große-Allermann, Vorstand der Investment AG, das Organisationsteam.

Vermehrtes Investoren-Interesse aus Benelux und Osteuropa

Mit rund 1.100 Investoren und Analysten war auch die kapitalgebende Seite stark vertreten. Etwa ein Drittel kam aus dem Ausland, das Interesse steigt vor allem in den Benelux-Ländern und Osteuropa, namentlich Polen. Die Konferenzsprache Englisch macht ebenso die Teilnahme von Investoren aus noch viel entfernteren Standorten attraktiv. Becky Wong, Co-founder und CEO von Globex Capital Partners mit Sitz in Hongkong, London und New York, unternahm die lange Anreise zum wiederholten Male: „EKF 2019, this is my 4th year of coming for this summit. I always find it worthwhile to make a trip here. I heard good presentations of so many SME companies and have chances to meet the CEOs or senior executives to have some interactive discussions.” Für sie spielt ebenso der fachliche Austausch mit den anderen Investoren eine wichtige Rolle: „It is also a great networking opportunity to connect with people of like mind in exploring investment opportunities in Germany.”

„Das Deutsche Eigenkapitalforum zählt zu den wichtigsten Kapitalmarktkonferenzen in Europa, das hat das hohe Interesse bei Investoren und Unternehmen wieder gezeigt. Fast 4.500 One-on-one-Meetings haben in diesem Jahr stattgefunden, ein neuer Rekord“, freut sich Falko Weinert, Key Account Manager Pre-IPO & Capital Markets bei der Deutsche Börse AG und Projektverantwortlicher für die Veranstaltung. „Das Rahmenprogramm aus Vorträgen und Paneldiskussionen wiederum bot spannende Experten wie etwa Commerzbank-Chefvolkswirt Dr. Jörg Krämer, der über den „Kalten Handelskrieg“ und seine Folgen berichtete. Außerdem ging es um die Investor-Relations-Arbeit, die Bedeutung von ESG bei Venture-Capital-Investoren und den Pfad vom Wachstumsunternehmen zum börsennotierten Unternehmen.“

Das Netzwerken steht im Vordergrund

Seit 1996 organisiert die Deutsche Börse das Eigenkapitalforum und hat damit eine der größten Informations- und Netzwerkveranstaltungen zum Themengebiet Unternehmensfinanzierung überhaupt geschaffen. Mit einem Sponsoring-Programm für ausgewählte Partner können sich Kapitalmarktspezialisten zusätzlich hervorheben und ihre Visibilität steigern. „Hier trifft sich das Who-is-who des Kapitalmarkts in Deutschland mit steigender Teilnehmerzahl auf Seiten der Investoren und Corporates“, kommentiert Silke Schlünsen, Head of Corporate Brokerage der Mainfirst Bank, das Engagement ihres Hauses. „Es ist die ideale Plattform, mit den Corporates und Investoren in Kontakt zu treten, um mit ihnen über spannende Themen des Kapitalmarktes zu sprechen.“

Weibliche Experten in der Unterzahl

Einziger Wehrmutstropfen: Becky Wong und Silke Schlünsen waren zwei der ganz wenigen weiblichen Kapitalmarktexperten vor Ort. Obwohl das Eigenkapitalforum von Hauke Stars, Vorständin der Deutschen Börse, und Ingrid Hengster, Vorstandsmitglied der KfW Bankengruppe, eröffnet worden war, blieben dies Ausnahmen. In manch einer Unternehmenspräsentation konnte man im vollbesetzen Auditorium die Zuhörerinnen an einer Hand abzählen. Dieses Missverhältnis war so auffällig, dass es ebenfalls bei den anwesenden Herren zum Gesprächsthema wurde. Hier sollte die Branche, die ESG-Themen und Diversität zunehmend zu ihren Hauptanlagekriterien erklärt, dringend an sich selbst arbeiten.

 

Von: Dr. Charlotte Brigitte Looß 

Sind wir mal wieder zu deutsch? Über die Unwägbarkeiten der Ad-hoc-Publizität

Der mittlerweile erreichte Grad an gesellschaftlicher Ausdifferenzierung hin zur Dienstleistungsgesellschaft wird jedem Emittenten von Finanzinstrumenten schmerzlich vor Augen geführt, sobald er sich mit Insidersachverhalten und der damit verbundenen Pflicht zur Ad-hoc-Publizität beschäftigt. Ohne anwaltliche Interpretations-Expertise ist da nichts zu machen. Mit dem Entwurf von Modul C des Emittentenleitfadens, für den bis zum 31. August die Frist für Stellungnahmen ablief, versucht die BaFin praktische Hilfestellung zu leisten. Ob ihr das gelungen ist, war Gegenstand der Konferenz „Der neue Emittentenleitfaden der BaFin“ am 29. Oktober 2019 in Frankfurt am Main, die das Deutsche Aktieninstitut (DAI) organisierte.

Pflicht zur Ad-hoc-Mitteilung ist von der Gesamtsituation abhängig

Ein durchschnittliches DAX-Unternehmen veröffentlicht maximal zwei Ad-hoc-Mitteilungen im Jahr, ermittelte Dr. Lutz Krämer, Partner von White & Case LLP in eigenen Recherchen. Das klingt logisch. Denn ausschlaggebend für oder gegen die Entscheidung, ob ein Geschäftsvorgang eine Insidertatsache und somit per Ad-hoc-Mitteilung zu veröffentlichen ist, sollte die eigene Historie sein. Zwar listet der neue Emittentenleitfaden weiterhin eine Reihe wesentlicher Sachverhalte auf, die potenziell den Charakter einer Insiderinformation aufweisen. Allerdings ist immer die gesamtsituative Betrachtung ausschlaggebend, nicht allein die Tatsache, dass sich der vorliegende Fall im Emittentenleitfaden wiederfindet. Und da haben es DAX-Konzerne gerade im Bereich M&A aufgrund ihrer Größe und der Häufigkeit, mit der sie Transaktionen vornehmen, relativ selten mit so herausragenden Fällen zu tun, dass diese mutmaßlich den Aktienkurs beeinflussen werden.

Die zu erwartende Auswirkung auf den Aktienkurs ist jedoch das zentrale Kriterium, das aus einem Vorgang des normalen Geschäftsverlaufs eine Insidertatsache macht. Dabei ist es unerheblich, ob der Kursausschlag positiv oder negativ vermutet wird und im Rückblick gegenteilig oder überhaupt nicht eingetroffen ist. Für kleinere Unternehmen kann deshalb eine M&A-Transaktion schnell von mutmaßlich kursrelevanter Bedeutung sein und somit zur Insidertatsache werden. Insbesondere, wenn sie den Zugewinn oder Abverkauf einer verhältnismäßig großen Geschäftseinheit oder gar eine Verschiebung der Geschäftsstrategie mit sich bringt.

Obendrein kommt es aufgrund der Definition von Zwischenschritten als eigenständige Insiderinformationen – eine Neuerung der Marktmissbrauchsverordnung (MMVO) – in der Praxis zu immer früheren Annahmen von Insidertatsachen. Dieser Umstand trägt nicht nur zu einem erheblichen Zusatzaufwand beim Emittenten bei, sondern führt im Zweifel auch zu Veröffentlichungen von Inhalten, deren Zweckdienlichkeit sich nicht jedem externen Leser erschließt.

Ist die BaFin an allem Schuld?

Es gibt viele weitere Unklarheiten, über die sich Fachanwälte trefflich streiten können, von denen die Praktiker jedoch am liebsten verschont blieben: angefangen bei der Frage, was eigentlich ein verständiger Anleger ist – dessen mutmaßliches Verhalten zur Bestimmung der Kursrelevanz von Informationen heranzuziehen ist, über die Definition von „präzise“ – denn das muss eine Information sein, bevor sie die Ad-hoc-Pflicht auslöst, bis hin zu Einzelfällen – zum Beispiel wie kursrelevant eine Prognoseeinhaltung ist, wenn doch der Markt eine Prognoseabweichung erwartet.

Dr. Gerrit Fey, Leiter Kapitalmarktpolitik beim DAI, wies gleich zu Beginn der Veranstaltung darauf hin, dass die Bafin nicht immer der richtige Ansprechpartner für Kritik ist. Letztlich setzt sie im Emittentenleitfaden nur wortgenau die Vorgaben der MMVO um. Bleibt die Frage, ob sie sich dabei nicht ein bisschen zu korrekt gibt. Im europäischen Vergleich, insbesondere mit Italien und Frankreich, sind offenbar entspanntere, praxisnähere Varianten zu finden. Wer jemals dem Prozedere um die Veröffentlichung einer Ad-hoc-Mitteilung in Deutschland beigewohnt hat, staunt nicht schlecht über die erheblichen organisatorischen Verrenkungen, derer es bedarf, um das Eintreten der Veröffentlichungspflicht einwandfrei zu ermitteln und zugleich auch rein physisch veröffentlichungsfähig zu sein.

Vorbild USA: Trennung der Insidertatsache von der Veröffentlichungspflicht

Dabei ist die Verknüpfung des Vorliegens einer Insidertatsache mit der unmittelbaren Veröffentlichungspflicht nicht zwingend notwendig, wie Prof. Dr. Katja Langenbucher, Professorin für Wirtschaftsrecht an der Goethe-Universität Frankfurt, erläuterte. In den in Kapitalmarktangelegenheiten häufig als Vorbild herangezogenen USA löst das Vorliegen einer für das Unternehmen materiellen Information zu allererst ein Insiderhandelsverbot in dem betreffenden Finanzinstrument aus. Eine sofortige Veröffentlichungspflicht ergibt sich nicht automatisch. Sollte eine Veröffentlichung regulatorisch erforderlich sein, hat der Emittent dafür vier Geschäftstage Zeit.

Im Vereinigten Königreich herrscht mit dem RINGA-Konzept (relevant information not generally available) ebenso ein auf das Handelsverbot konzentriertes Verständnis vor, das die Publizitätspflicht nachrangig betrachtet. Klingt paradiesische für deutsche Investor Relations-Abteilungen und erklärt, warum internationale Investoren erfahrungsgemäß den Unterschied zwischen einer Ad-hoc-Meldung und einer normalen Pressemitteilung in der Regel nicht verstehen.

 

Von: Dr. Charlotte Brigitte Looß

Stärkung des deutsch-französischen Dialogs am Finanzplatz Frankfurt

Angesichts des geplanten Austretens des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den kontinentaleuropäischen Finanzzentren von entscheidender Bedeutung – vor allem um die Herausforderungen der europäischen Integration zu bewältigen. Am 10. Dezember findet der Europäische Investorentag in Frankfurt statt. Er wird von einer der führenden französischen Pressegruppen L‘agefi organisiert und hat zum Ziel, den Dialog zwischen der deutschen und französischen Finanzindustrie zu erleichtern.

Folgende Aspekte werden auf der Tagesordnung stehen:

  • Die Zukunft der Geldpolitik: Ist unter Christine Lagardes EZB-Präsidentschaft ein stärkerer Konsensus möglich?
  • Welche Rolle wird das deutsch-französische Verhältnis bei den Themen Sustainable und Green Finance spielen?
  • Sind Infrastrukturinvestitionen der Schlüssel für zukünftiges Wachstum?

Wir haben die Veranstaltung mit Philippe Mudry von L’Agefi, in einem Interview besprochen.

Welche Rolle spielen die deutsch-französischen Beziehungen für die Zusammenarbeit des Finanzsektors in Kontinentaleuropa?

Ob und unter welchen Umständen das Vereinigte Königreich aus der Europäischen Union austreten wird, ist noch nicht bekannt. Der kontinentaleuropäische Finanzsektor befindet sich jedoch bereits im Transformationsprozess. Die Finanzakteure wissen, dass sie auf eigene Ressourcen zurückgreifen müssen, um die derzeitigen Schwierigkeiten zu überwinden, um sich auf der Weltbühne zu behaupten. Wenn es darum geht, über die Zukunft Europas nachzudenken und sie zu gestalten, stehen Deutschland und Frankreich im Dialog mit ihren europäischen Partnern Seite an Seite – sie sind oft Partner und Wettbewerber zugleich. Getreu seiner Tradition und Überzeugung möchte L’Agefi diese Zusammenarbeit unterstützen.

Warum hat sich L’Agefi entschieden, eine neue Veranstaltung in Europa zu etablieren?

Am 10. Dezember 2019 veranstalten wir am Finanzplatz Frankfurt den zweiten European Investors Day (EID). Ziel der Veranstaltung – die im Juni in Brüssel gelauncht wurde – ist es, alle diejenigen Akteure einzubeziehen, die eine integrierte Investitions- und Finanzindustrie in Europa fördern und eine Vision für die Zukunft einer solchen Branche entwerfen wollen. Grundlage für die Diskussion sind die Fragen: Welcher Konsens kann in der Geldpolitik erreicht werden? Ist ein Wiederanlaufen der europäischen Integration ein Impuls für die Erneuerung kontinentaleuropäischer Infrastrukturen? Eng damit verbunden ist die Frage nach der gemeinsamen Bewältigung der globalen Erwärmung. Welche Rolle können die europäischen Finanzakteure, von institutionellen Anlegern bis hin zu Portfoliomanager, einschließlich Regulierungsbehörden, Politikern, Banken und Versicherungsgesellschaften, spielen, um zum gemeinsamen Ziel beizutragen?

Warum ist es wichtig, dass L’Agefi an den Finanzplatz Frankfurt kommt?

Als französische Medienstelle ist unsere Entscheidung, die Veranstaltung nach den wichtigen Europawahlen am Finanzplatz Frankfurt auszurichten, kein Zufall; sie spiegelt unsere feste Überzeugung wider, dass der deutsch-französische Dialog Europa zusammenbringen kann. Unserer Meinung nach ist eine der zentralen Fragen: „Kann sich die Achse Paris-Frankfurt im Bereich der nachhaltigen Finanzen behaupten?“ In Anbetracht der Tatsache, dass L’Agefi 2019 die neue englischsprachige, europaorientierte Medienstelle Asset News mit dem EID in Frankfurt ins Leben ruft, schien uns das der beste Weg, um an der Entstehung einer integrierten Finanz- und Investitionsunion teilzunehmen, die von den europäischen Akteuren gefordert wird.

 

Einen Link zur Registrierung finden Sie auf der Website von L’agefi.

Die Europäische Zentralbank – Von technokratischer Behörde zum politischen Akteur?

Aktuelle politische Ereignisse, der Amtseintritt der EZB-Präsidentin Christine Lagarde sowie die Finanz- und Eurokrise rücken die Europäische Zentralbank immer stärker in den Fokus der Massenmedien. Dr. Alexander Thiele, Privatdozent an der Georg-August-Universität in Göttingen, hat sich in seinem kurzen Werk Die Europäische Zentralbank mit den wichtigsten Aufgaben und Kernelementen der Notenbank befasst.

Auch wenn die Europäische Zentralbank zu keinem Zeitpunkt eine interessenlose technokratische Behörde war, wird sie spätestens seit der Eurokrise auch von einer größeren Öffentlichkeit als bedeutender politischer Akteur wahrgenommen. Über die Organisation und Funktionsweise der EZB herrscht jedoch weiterhin vergleichsweise große Unsicherheit. Und das gilt auch im Hinblick auf die Begrenzungen, die ihr Handeln normativ einhegen und die unter anderem Gegenstand zweier historischer Vorlagen des BVerfG an den EuGH waren. Das Buch möchte daher einen Beitrag leisten, das Wirken der EZB, ihre Organisation und ihre geldpolitischen Instrumente einer breiteren Öffentlichkeit näher zu bringen.

„Alexander Thiele hat eine sehr gut geschriebene und verständliche Einführung in die für viele geheimnisvolle und undurchsichtige Welt der EZB und ihrer Geldpolitik vorgelegt. Eine gelungene Mischung aus rechtlichen, institutionellen und ökonomischen Grundlagen, die die aktuellen, mitunter hitzigen Debatten nachvollziehbar macht und versachlicht.“

Prof. Dr. Achim Truger , Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Der Band wendet sich damit ebenso an den interessierten Laien, wie an Studierende der Rechts-, Politik- und Wirtschaftswissenschaft, die sich auf diesem Gebiet einen ersten Zugang verschaffen wollen. Zusätzlich kann das Werk an weiterführenden Schulen als Lektüre im Politik- und Wirtschaftsunterricht dienen.

Weitere Informationen zum Buch finden Sie hier.

CFS-Index stabil

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, verweilt auf einem stabilen Niveau von 109,9 Punkten. Der im Ergebnis unveränderte Stand ist auf die konstante bis positive Entwicklung des Wachstums der Umsätze, Erträge und des Investitionsvolumens der Finanzbranche zurückzuführen. Diesen positiven Meldungen steht jedoch ein verschärfter Stellenabbau bei den Finanzinstituten und ein rückläufiges Mitarbeiterwachstum der Dienstleister gegenüber.
„Die Teilindizes zusammengenommen signalisieren eine vorsichtige Aufwärtsbewegung der Produktivität – und damit längerfristig auch der Ertragskraft, sollte sich dieser Trend verstetigen“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Bei der zukünftigen internationalen Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland liegt die Einschätzung der Finanzinstitute und Dienstleister nach der abwartenden Haltung im Vorquartal nun weit auseinander. Der Index-Wert der Finanzinstitute sinkt um -10 Punkte auf 107,6 Punkte. Hingegen steigt der Wert bei den Dienstleistern um 7,9 Punkte. Insgesamt befindet sich der Index-Wert mit einem leichten Rückgang um -1,0 Punkte auf 118,7 Punkte noch auf einem guten Niveau.
Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., erläutert: „Bislang haben lediglich die Dienstleister profitiert. Alleine 2018 floss über eine Mrd. Euro in den Dienstleistungssektor für die Vorbereitung der Banken auf den Brexit. Bei den Banken selbst waren dies bislang Kosten, denen noch zu wenige Erträge aus der Verlagerung von Assets entgegenstehen. Die erwartete Verlagerung in Höhe von 750-800 Mrd. Euro ist lediglich zu rund 1/3 erfolgt. Die meisten Banken zögern die Verlagerung bis zum Augenblick der Klarheit hinaus. Nicht zuletzt um ihr Eigenkapital zu schonen.“

Steigendes Umsatzwachstum der Finanzbranche

Die befragten Finanzinstitute und Dienstleister können ihre Umsätze bzw. ihr Geschäftsvolumen entgegen der schwachen Zuwächse des vorangegangenen Quartals wieder etwas mehr ausbauen. Der entsprechende Sub-Index steigt im dritten Quartal bei den Finanzinstituten um 2,7 Punkte auf 114,7 Punkte. Die Dienstleister steigern ihre Umsätze um 1,8 Punkte auf 112,7 Punkte. Für das laufende Quartal ist die Finanzbranche optimistisch, die Umsätze weiter steigern zu können.

Ertragszuwächse der Finanzinstitute kaum gesunken / Steigende Ertragszuwächse der Dienstleister / Positive Erwartungen für das laufende Quartal

Die Ertragszuwächse der Finanzinstitute haben sich im dritten Quartal deutlich weniger rückläufig entwickelt als zuvor erwartet wurde. Der Sub-Index sinkt nur leicht um -0,9 Punkte auf 103,5 Punkte. Nach den rückläufigen Ertragszuwächsen der Vorquartale können die Dienstleister ihre positiven Erwartungen nun auch realisieren. Der entsprechende Sub-Index steigt um 4,9 Punkte auf 108,3 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten Finanzinstitute und Dienstleister einen weiteren Anstieg.

Wachstum des Investitionsvolumens konstant bis positiv

Ebenso wie bei den Erträgen, melden die Finanzinstitute ein kaum verändertes Wachstum ihres Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen. Der entsprechende Sub-Index der Finanzinstitute sinkt nur leicht -0,4 Punkte auf 105,8 Punkte. Die Dienstleister verzeichnen, wie zuvor erwartet wurde, einen stärkeren Anstieg um 4,2 Punkte auf 114,1 Punkte. Für das laufende Quartal erwarten die Finanzinstitute einen leichten Anstieg, die Dienstleister sind weniger optimistisch.

Massiver Stellenabbau der Finanzinstitute / Mitarbeiterwachstum der Dienstleister abgeschwächt

Der Stellenabbau bei den Finanzinstituten fällt deutlich stärker aus, als im Vorquartal erwartet wurde. Der Mitarbeiter-Sub-Index sinkt entsprechend um -8,2 Punkte auf 90,5 Punkte. Für das laufende Quartal wird auch nur mit einer leichten Abschwächung des Stellenabbaus gerechnet. Auch die Dienstleister stellen weniger Mitarbeiter ein als in den Vorquartalen. Der entsprechende Sub-Index sinkt um -3,7 Punkte auf 108,7 Punkte. Für das laufende Quartal wird erwartet, dieses Niveau zu halten.

Allgemeine Methodik der Indexberechnung

Der CFS-Index basiert auf einer vierteljährlich durchgeführten Managementbefragung des Finanzstandortes Deutschland. Der Index fasst qualitative Angaben zu den Unternehmenskennzahlen „Umsätze bzw. Geschäftsvolumen“, „Ertragssituation“, „Mitarbeiteranzahl“ und „Investitionen“ bezüglich des gerade vergangenen Quartals („Performance“) und des aktuellen Quartals („Prognose“) zusammen. Konstruktionsbedingt beträgt der maximale Indexwert 150, der minimale 50; ein Wert von 100 signalisiert eine neutrale Stimmungslage. Bei der Umfrage handelt es sich um eine Panel-gestützte Erhebung bei Unternehmen und Institutionen der Finanzindustrie. Die Panelteilnehmer werden in die Sektoren „Finanzinstitute“ und „Dienstleister“ am Finanzplatz unterteilt, wobei die zweite Gruppe sehr weit gefasst ist.

Kurzprofil CFS

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und
-bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten sowie Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

CFS Index Sonderfragen

CFS-Umfrage zur von Facebook geplanten Digitalwährung Libra

Deutsche Finanzbranche rechnet nicht mit einer Einführung von Libra im kommenden Jahr. Große Bedenken wegen möglicher Gefahren für die Finanzstabilität

Facebook plant zusammen mit weiteren Partnern die Einführung einer weltweit verwendbaren Digitalwährung, die Libra Coin. Kurz vor dem offiziellen Startschuss sind wichtige Unterstützer wie Mastercard, Visa oder Paypal abgesprungen. Dennoch hält Facebook an der geplanten Einführung von Libra im kommenden Jahr fest. Am 15. Oktober 2019 wurde die Satzung der Libra Association von insgesamt 21 Gründungsmitgliedern unterzeichnet.

Seit der Ankündigung des Projekts im Juni 2019 haben zahlreiche Politiker und Vertreter von Aufsichtsbehörden ihre Bedenken gegen das Projekt artikuliert. Auch Notenbankgouverneure und Finanzminister der führenden Wirtschaftsnationen (G20) lehnen Libra wegen möglicher Risiken für die globale Finanzstabilität ab.

Die CFS-Umfrage zu Libra verdeutlicht, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten die Bedenken der Notenbanken und Aufsichtsbehörden für berechtigt hält. 76,8% der Befragten erwarten, dass Libra die Wirksamkeit geldpolitischer Maßnahmen vermindern würde. 61,4% der Befragten halten Libra sogar für eine Gefahr für die globale Finanzstabilität.

Vor diesem Hintergrund rechnet die Mehrheit der Befragten (57,1%) nicht damit, dass Libra tatsächlich im kommenden Jahr eingeführt wird, nur 38% gehen von einer Einführung aus.

„Es ist nicht überraschend, dass es erhebliche Bedenken gegenüber Libra gibt. Diese werden auch dadurch gestärkt, dass Facebook sich nicht zu den langfristigen Ausbauplänen von Libra äußert“, kommentiert Prof. Dr. Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies, die Umfrageergebnisse. „Außerdem ist die angesichts der vergangenen Datenschutz-Skandale angeschlagene Reputation von Facebook nicht gerade förderlich für ein solches Vorhaben“, so Brühl weiter.

Trotz aller Bedenken spricht sich eine Mehrheit der Befragten (61,1%) gegen ein pauschales Verbot von Libra aus und unterstützt eine konstruktive Begleitung des Vorhabens, um Innovationen im Finanzsektor zu fördern. „Die Stimmung im Finanzsektor zu Libra ist durchaus ambivalent. Einerseits fasziniert die Idee einer globalen Abwicklungsplattform für Zahlungen, andererseits fürchtet man sich vor unkalkulierbaren Risiken.“, erläutert Volker Brühl.

„Die Umfrage belegt einmal mehr, dass die Finanzbranche Innovationen gegenüber einerseits offen ist, andererseits aber die Risiken genau im Blick behält“, sagt Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., und unterstreicht: „Die Idee einer einheitlichen, weltweit gültigen Digitalwährung ist grundsätzlich reizvoll und bietet erhebliche Potenziale. Aber auf große Fragezeichen, gab es keine überzeugenden Antworten.“

 

 

 

Die Ergebnisse basieren auf einer vierteljährlich vom Center for Financial Studies durchgeführten Managementbefragung unter Unternehmen des Finanzstandortes Deutschland.

Das Center for Financial Studies (CFS) betreibt unabhängige und international orientierte Forschung in allen wesentlichen Themenfeldern der Finanzmärkte, Finanzinstitutionen und Monetären Ökonomie: von Finanzstabilität und Bankenregulierung über Wertpapierhandel und -bewertung auf Finanzmärkten, Portfolioentscheidungen von Haushalten und Recht und Ökonomie von Finanzorganisationen bis hin zu Geldpolitik und Ökonomie von Finanzmärkten. Das CFS leistet, unter Verwendung relevanter Erkenntnisse aus seinen Forschungsbereichen, einen Beitrag zu politischen Debatten und Analysen. Es greift für seine Forschungsprojekte und Politikberatung auf ein Netzwerk aus Wissenschaftlern und Persönlichkeiten aus Finanzindustrie und Zentralbanken in- und außerhalb Europas zurück.

Smart & Connected | AI Summit: Digitale Megatrends stehen im Fokus

Es ist ein Megatrend unserer Zeit: Digitale Technologien verändern das Kommunikationsverhalten und schaffen immer neue Interaktionsmöglichkeiten zwischen Menschen und ihrer Umwelt. Wir haben Ulrich Martin, Leiter Konferenzen und Marketing des Frankfurt School Verlags gefragt, welche Themen im Fokus der Konferenz Smart & Connected | AI Summit am 20. und 21. November in der Frankfurt School liegen werden. Die Besucher dürfen sich auch auf Überraschungen freuen. Weiterlesen

Großes Vertrauen in den Finanzplatz Frankfurt

Seit Oktober 2019 ist Frankfurt Solutions Mitglied bei Frankfurt Main Finance. Wir haben David Kleinz, Gründer des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens für Informationssicherheit, drei Fragen zur Mitgliedschaft bei Frankfurt Main Finance gestellt. Weiterlesen

Banking Business in Germany – Ein Leitfaden für das Bankengeschäft in Deutschland

Das internationale und nationale Bankgewerbe wird durch den digitalen Wandel, umfangreiche aufsichtsrechtliche Vorgaben und den anstehenden Brexit vor weitreichende Herausforderungen gestellt. In diesem von Unsicherheit geprägten Umfeld bietet sich der deutsche Markt nach wie vor für Banken und Investoren aus dem Ausland an, die hier mit einer Tochtergesellschaft oder einer Filiale vertreten sein wollen.

Das englischsprachige Buch Banking Business in Germany richtet sich an diese Entscheidungsträger. Der Leitfaden bietet einen verständlichen und detaillierten Überblick über das deutsche Bankengeschäft und dessen Themengebiete und ist somit auch für interessierte Beobachter, bereits in Deutschland etablierte Bankenvertreter und deren Konzernzentralen im Ausland ein relevanter Ratgeber.

Auf 464 Seiten und anhand von 45 Abbildungen und 40 Tabellen erklären die Branchenexperten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC gemeinsam mit dem Verband der Auslandsbanken in der sechsten Auflage nicht nur die vielfältigen Änderungen und Besonderheiten auf regulatorischer Ebene, sondern geben auch einen Überblick über aktuelle Entwicklungen im deutschen Bankensystem, in der Einlagensicherung sowie im Arbeits- und Steuerrecht.

Das Werk verfügt über ein nützliches Glossar, das nicht nur Abkürzungen wie „EStDV“ für englischsprachige Bankenvertreter entschlüsselt („Einkommensteuerdurchführungsverordnung“), sondern auch gleich die Übersetzung („Income Tax Implementation Ordinance“) liefert. Der besseren Orientierung dient außerdem ein umfangreiches Stichwortregister.

Der Leitfaden wird durch ein Vorwort des Hessischen Finanzministers Dr. Thomas Schäfer eingeleitet, welcher explizit die Vorteile des Finanzplatz Frankfurt für ausländische Banken und Investoren herausarbeitet.

Die sechste Ausgabe des Buches Banking Business in Germany können Sie auf der PwC-Website bestellen.

Welt ohne Geld?

Welt ohne Geld?: Ein Zukunftshandbuch für Banken“ – so heißt eine aktuelle KPMG-Analyse der Finanzbranche. Es geht um die zentrale Frage: Wie funktioniert eine digitale Welt, in der Plattformen Assets, Ressourcen, Finanzmittel und Portfolios in Echtzeit bewerten und Algorithmen so programmiert werden, dass sie in der Kürze eines Wimpernschlags komplizierte Analysen erstellen – für die ein geschulter Mitarbeiter mehrere Stunden vor dem Bildschirm hätte verbringen müssen. Weiterlesen