Erstes Virtual Food for Thought Event mit Bryan Stirewalt

Inwieweit beeinflusst die Covid19-Krise die Entwicklung neuer Technologien? Welchen Einfluss hat das Home-Office auf die Arbeit einer Regulierungsbehörde? Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt unseres ersten Virtual Food for Thought-Webinars. Keynote-Speaker war Bryan Stirewalt, CEO der Dubai Financial Services Authority (DFSA). Die Veranstaltungsreihe Virtual Food for Thought ist die digitale Version der etablierten Finanzplatzfrühstücke von Frankfurt Main Finance und dem Auslandbankenverband.

Zur gewohnten Frühstückszeit um 9 Uhr begrüßte Andreas Glänzel, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance die Teilnehmer des ersten Virtual Food for Thought-Webinars live aus der FMF-Geschäftsstelle in Frankfurt am Main. Referent Bryan Stirewalt wurde aus seinem Büro in Dubai zugeschaltet. Seine Rede trug den Titel „Today’s disruptions, tomorrows opportunities. How disruption will shape the future of finance“ und behandelte im Kern Entwicklungen neuer technischer Tools und deren Einsatz in der Finanzwirtschaft in der Corona-Krise. Ganz praktisch ging es dabei auch um Fragestellungen aus dem Alltag, etwa wie eine Regulierungsbehörde aus dem Home-Office heraus eigentlich arbeitet.

https://twitter.com/FMFdigital/status/1268443445145874433

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Nächstes Virtual Food for Thought Webinar mit Philip R. Lane, Mitglied des Direktoriums der EZB

Unser nächstes Webinar ist bereits in Planung. Wir freuen uns, Philip R. Lane, Mitglied des Direktoriums der EZB, am 24. Juni 2020 begrüßen zu dürfen! In seiner Rede wird er unter anderem über die Geldpolitik der EZB sprechen. Wir werden in den nächsten Tagen einen kostenlosen Registrierungslink über unsere Social-Media-Kanäle teilen.

 

Über die DFSA

Die DFSA ist die unabhängige Regulierungsbehörde für Finanzdienstleistungen, die im oder vom Dubai International Financial Center (DIFC), einer eigens zu diesem Zweck errichteten finanziellen Freihandelszone in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate, durchgeführt werden.

Das Regulierungsmandat der DFSA umfasst die Bereiche Vermögensverwaltung, Bank- und Kreditdienstleistungen, Wertpapiere, Investmentfonds, Depot- und Treuhanddienstleistungen, Warenterminhandel, Islamic Finance, Versicherungen, eine internationale Aktienbörse und eine internationale Rohstoffderivatebörse. Zusätzlich zur Regulierung von Finanz- und Nebendienstleistungen ist die DFSA auch für die Überwachung und Durchsetzung der im DIFC geltenden Anforderungen zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung zuständig.

Hubertus Väth: COVID-19 ist eine globale Krise, machen wir sie nicht noch schlimmer, indem wir sie zu einer Krise der Globalisierung machen

Zusammenfassung

Eine außergewöhnlich lange Periode wachsenden Wohlstands scheint sich einem abrupten Ende zu nähern. Trägt COVID-19 die Globalisierung als Modell für die Schaffung von Wohlstand zu Grabe? Die Früchte der Globalisierung werden ohnehin bereits durch einen Handelskrieg und wachsenden ökonomischen Nationalismus gefährdet. Als Folge der Maßnahmen gegen COVID-19 kommt nun die Weltwirtschaft zum Stillstand, und Wachstum und Wohlstand legen den Rückwärtsgang ein. Die sich abzeichnende Krise hat das Potenzial, die „Mutter aller Rezessionen“ zu werden. Es werden Verluste von über 12 Billionen USD erwartet, von denen 1/6 auf die Finanzindustrie entfallen dürften. Eine Industrie, die zwar viel besser als 2008 kapitalisiert ist, aber eindeutig nicht stark genug, um eine Krise solchen Ausmaßes ohne Unterstützung zu verdauen.

COVID-19 ist eine Krise von globaler Dimension, die Reaktionen darauf waren vor allem nationaler Natur. Es ist an der Zeit, zusammen an einer globalen Antwort zu arbeiten. Für eine wirksame Bekämpfung des Virus und seiner Folgen ist unbedingt ein multilateraler Ansatz erforderlich. Weder der Virus, noch seine Folgen kennen nationale Grenzen. Fünf Bereiche sind wichtig:

– Aufbau eines globalen Informationssystems

– Eine international koordinierte Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Infektionen

– Die weltweite Stabilisierung der Wirtschaft

– Eine koordinierte Reservehaltung für medizinische „Schwarze Schwäne“

– Die Absicherung globaler Lieferketten durch Alarm- und Eindämmungsmechanismen

Die Corona-Krise macht uns die Vernetzung und Verwundbarkeit unserer Wirtschaft bewusst. Die Welt verfügt über keinen ausreichenden Rahmen, um grenzüberschreitend von denjenigen zu lernen, die sich schon früh mit dem Infekt befassen mussten, sei es medizinisch, wirtschaftlich oder finanziell. Die Welt muss schneller werden, um mit der Geschwindigkeit eines COVID-19 fertig zu werden und hoffentlich besser auf das nächste Virus vorbereitet zu sein. Das wird mit der gleichen Sicherheit kommen, wie wir diesen Virus eindämmen werden.

COVID-19 ist eine globale Krise, machen wir sie nicht noch schlimmer, indem wir sie zu einer Krise der Globalisierung machen.

Eine außergewöhnlich lange Periode wachsenden Wohlstands scheint sich einem abrupten Ende zu nähern. Die Globalisierung hat seit den 1990er Jahren Hunderte von Millionen Menschen aus der Armut befreit und der Welt einen bislang einzigartigen Wohlstand beschert. Möglich wurde dies durch den Abbau von Barrieren und die Öffnung der Grenzen für multinationale Unternehmen. Diese Unternehmen arbeiten seit Jahrzehnten erfolgreich an der Optimierung ihrer Lieferketten, um Kosten zu senken, Bestände zu minimieren, Lieferungen zu beschleunigen und die Ressourcennutzung zu erhöhen. In ihrem Kielwasser schufen sie produktive Arbeit rund um den Globus und produzierten so Wohlstand in vielen Teilen der Erde.

 

Notbremsen gezogen

Trägt COVID-19 die Globalisierung als Modell für die Schaffung von Wohlstand zu Grabe? Die Früchte der Globalisierung werden ohnehin bereits durch einen Handelskrieg und wachsenden ökonomischen Nationalismus gefährdet. Man könnte und wird auf diesen Gedanken kommen, da die Eigenschaften des Virus seine Verbreitung auf der ganzen Welt umso leichter machen, je offener die Grenzen sind.

Diese Eigenschaften sind:

– Eine unterschiedlich lange und bis zu zwei Wochen dauernde Inkubationszeit

– Eine leichte Verbreitung, ähnlich der einer Grippe

– Eine Infektion kann leicht unentdeckt bleiben, weil sie, in hoher Zahl, ohne oder mit geringen Symptomen verläuft

– Bislang gibt es keinen Impfstoff

– Es gibt noch keine bewährte Behandlung

– Die Sterblichkeitsrate ist erheblich; ersten Indikationen nach mindestens 5 Mal so hoch wie bei einer schweren Grippe, zudem stark mit dem Alter ansteigend und wenn die medizinischen Kapazitäten unzureichend sind.

Diese Eigenschaften machen das Virus für zu viele Menschen tödlich, als dass es gesellschaftlich akzeptabel wäre, ihm seinen Lauf zu lassen, wie dies bei schweren Grippefällen normalerweise der Fall ist. Und es ist ebenso schwierig, die Betroffenen zu isolieren, aufgrund unzureichender Testkapazitäten in einer globalisierten Welt, in der die Vernetzung dazu beiträgt, ein Virus schnell und weit zu verbreiten.

Lange war die gängige Reaktion, die Risiken zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Es folgten öffentliche Warnungen, die kaum oder gar keine Sanktionen nach sich zogen. Politische Reaktionen wie der Ausbau von Testkapazitäten, die Bevorratung wichtiger Ausrüstungen zum Schutz des medizinischen und anderweitig systemrelevanten Personals, die Erweiterung der Kapazität der Krankenhäuser und die Umschulung des medizinischen Personals, ja selbst die Einrichtung von Schutzmaßnahmen für die Schwächsten wurden – mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen – oft zu spät umgesetzt. Was dann folgte, war: Die Unterbrechung der Verbindungen, über die sich das Virus verbreitet, wie z.B. Massenansammlungen oder Massentransporte. Immer wieder ging jedoch wertvolle Zeit verloren. Offensichtlich bedurfte es ein um das andere Mal des Erlebens aus nächster Nähe, um das Ausmaß des Risikos zu sehen.

Nachdem diese verspäteten Maßnahmen die Ausbreitung nicht ausreichend verlangsamten, um die Infektionsrate im Rahmen der Behandlungskapazitäten zu halten, zogen die großen Volkswirtschaften die Notbremse für das öffentliche Leben und die wirtschaftlichen Aktivitäten. Immer mehr Länder schlossen die Grenzen für Reisende direkt oder verhängten eine Quarantäne für Reisende aus immer mehr Herkunftsländern. Die EU und die USA reagierten langsam und versuchen nun aufzuholen, da die medizinische Versorgung in immer mehr Ländern an ihre Grenzen stößt. Schwer zu ertragen: Die Ärzte sind an einigen Orten gezwungen, medizinische Behandlungen zu priorisieren. Eine traumatisierende Erfahrung.

Land für Land wurden Veranstaltungen, Flüge, Tourismus, Restaurants, Bars, Clubs und sogar das Friseurgewerbe verboten. Was normalerweise mit zweiwöchigen Einschränkungen begann, ist bereits oder wird wahrscheinlich verlängert, wer weiß, wie oft und wie lange. In gewisser Weise ist es ein Rennen und eine Wette. Ein Wettlauf mit menschlichem Einfallsreichtum, um einen schnelleren Test, einen Impfstoff und/oder eine Behandlung zu entwickeln. Es ist auch eine Wette darauf, dass das Virus ähnlich wie bei der Grippe einem saisonalen Muster folgt. Einige Merkmale weisen darauf hin, aber wir können uns keineswegs sicher sein. Vor allem aber geht es darum, die Kurve der Infektionen abzuflachen, um eine Infektionsrate aufrechtzuerhalten, die mit den Kapazitäten der Gesundheitssysteme zu bewältigen ist. Natürlich geht es gleichzeitig auch darum, die Kapazitäten auszuweiten, was zentral ist, weil jenseits dieser Kapazitätsgrenze die Letalitätsraten sprunghaft ansteigen.

Als Folge all der Einschränkungen des öffentlichen Lebens kommt die Weltwirtschaft zum Stillstand, und das Wachstum geht in den Rückwärtsgang. Was wir sehen, hat das Potenzial, die „Mutter aller Rezessionen“ zu werden. Ökonomen unterscheiden sich mehr oder weniger nur darin, ob der wirtschaftliche Schock durch COVID-19 zum größten Einbruch seit der Großen Depression wird oder ob er diese rund 90 Jahre alte traumatische Erfahrung noch übertreffen wird. Der Internationale Währungsfonds stellt die traditionellen Ansichten über eine V-förmige Erholung in Frage und zeigt, dass alle Arten von Rezessionen – auch solche, die auf externe Schocks und kleine Fehler in der makroökonomischen Politik im Inland zurückzuführen sind – zu dauerhaften Produktions- und Wohlfahrtsverlusten führen.

Die Verluste werden 12 Billionen USD deutlich übersteigen, was dem geschätzten Verlust in der globalen Finanzkrise 2008/09 entspricht. Bei Anwendung der gleichen Proportionen wird 1/6 der Verluste direkt auf eine Finanzindustrie fallen, die viel besser kapitalisiert ist als 2008, aber eindeutig nicht stark genug, um eine Krise solchen Ausmaßes ohne Hilfe zu verdauen. Die Verluste werden sehr ungleichmäßig verteilt sein. Die Schwächsten werden am meisten und existentiell leiden. Die Nahrungsmittelknappheit, der Verlust an Bildung und Gesundheitsversorgung wird einen schwer messbaren Tribut fordern. Auch wenn sich aktuell die Regierenden in zahlreichen Ländern steigender Beliebtheit trotz drakonischer Maßnahmen erfreuen, sollten mögliche dauerhafte politische Verwerfungen als Folge nicht unterschätzt werden.

Philip Thomas, Professor für Risikomanagement an der Universität Bristol, warnt bereits davor, dass Maßnahmen „mehr Schaden als Nutzen“ anrichten könnten. Es besteht in der Tat ein klarer Zusammenhang zwischen dem BIP und der Lebenserwartung, nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, mehr für Gesundheit und Sicherheit auszugeben. Die ergriffenen Maßnahmen, die zu massiven Verlusten beim BIP führen, werden sich eindeutig in noch unbekannten, aber erheblichen Proportionen negativ auf die Lebenserwartung und -perspektiven vieler Menschen auswirken.

Wie lange kann die Welt eine Beinahe-Schließung verkraften? Ein, zwei, drei Monate? Sicherlich nicht viel länger. Und wie sieht der Weg aus, wenn sich herausstellt, dass die Lockerung der Einschränkungen zu einer erhöhten Anzahl von Infektionen führt, während die Verluste an Menschenleben durch die Stilllegungen die durch das Virus verursachten Verluste übersteigen? Die Wahl zwischen diesen zwei Übeln war noch nie schwieriger, und Politikern wird man die Schuld für das von ihnen gewählte Übel zuschreiben.

Rasche Ausbreitung rund um den Globus

COVID-19 ist eine Krise von globaler Dimension, und die Reaktionen darauf waren hauptsächlich national. Die Risiken sind hoch, dass wir die negativen Auswirkungen jetzt noch verschlimmern, indem wir zulassen, dass die Krise zu einer Krise der Globalisierung wird. Wo auch immer man hinhört, machen sich nationalistische Stimmungen breit.

Traditionelle Maßnahmen zur Bewältigung solcher Krisen werden nicht funktionieren. Wie soll sich die klassische Geld- oder Fiskalpolitik in einer stillgelegten Wirtschaft in Wachstum umsetzen? Viele dieser Maßnahmen können jetzt nur ein befristetes Überleben der Produktionskapazitäten sichern helfen. Wertvoll genug. Maßnahmen, wie eine expansive Geldpolitik, die nach der Finanzkrise 2008 Wunder bewirkt hat, sind offensichtlich auf sich allein gestellt unzureichend. Es braucht nun eine flankierende fiskalische Risikoübernahme, damit sie wirken kann, begleitet von Soforthilfen insbesondere für SME’s und Start up‘s.

Die weltweite Vernetzung verursachte die schnelle Verbreitung, sie ist aber auch Teil der Lösung

Im Gegensatz zu früheren Pandemien hat sich COVID-19 innerhalb weniger Wochen über den ganzen Globus verbreitet. Aber es gibt noch eine andere Seite der Medaille, und die ist positiv: Noch nie zuvor in der Geschichte haben Wissenschaftler aus der ganzen Welt so zusammengearbeitet. Das Wissen über die Pandemie beginnt sich, wie das Virus selbst von denjenigen auszubreiten, die an vorderster Front betroffen sind und einen gewissen Erfolg bei der Bewältigung der Pandemie erzielen. Das sind insbesondere China, Japan und Singapur, etwas zeitversetzt auch Südkorea.

Ärzte und Politiker auf der ganzen Welt wissen also bereits viel über Möglichkeiten, das Infektionsrisiko zu verringern, über die Inkubationszeiten, über Risiken für bestimmte – insbesondere ältere – Menschen und über die Pflege der Kranken. Dies wird definitiv schon jetzt das Leben einer großen Zahl von Infizierten retten, obwohl eine wirksame Impfung erst in, hoffentlich nicht allzu ferner, Zukunft zur Verfügung stehen wird.

COVID-19 zeigt damit sowohl die Risiken als auch die Chancen einer vernetzten Welt auf. Auch wenn die Regierungen handeln mussten, indem sie die Freizügigkeit zum Schutz von Menschenleben einschränken, so ist doch gleichzeitig eine bessere Vernetzung der Schlüssel zu einer langfristigen Lösung. In einer idealen Welt hätten Europa und die USA mehr als zwei Monate Zeit gehabt, um sich vorzubereiten, wenn, und das ist ein großes „Wenn“, die richtigen Systeme und Prozesse vorhanden wären. Diese kostbaren Wochen vergingen nahezu ungenutzt. In dieser Zeit hätte Testmaterial eingelagert und die Behandlungseinrichtungen erweitert werden können. Das medizinische Personal hätte Zeit zur Umschulung gewonnen, schnelle Tests an den Grenzen wären möglich geworden, um die Infizierten schnell und effizient zu isolieren. All das hätten dazu geführt, viel Schmerz, Tot und wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden.

Jetzt ist weder die Zeit für Wenn und Aber, noch für gegenseitige Schuldzuweisungen. Es ist vielmehr die Zeit, an einer globalen Antwort zu arbeiten. Für eine medizinische und wirtschaftliche Antwort im wirklich globalen Maßstab ist ein multilateraler Ansatz erforderlich. Es ist an der Zeit, dass die G 20 ihre Führungsrolle neu belebt, indem sie einen Rahmen für den kurzfristigen Austausch bewährter Praktiken und medizinischer Ressourcen schafft und einen künftigen Alarm- und Eindämmungsrahmen einrichtet.

Fünf Schritte für die internationale Zusammenarbeit

In dieser Hinsicht sind fünf Bereiche der globalen Zusammenarbeit notwendig, die umgesetzt werden müssen.

(1) Globales Informationssystem

Umfassende, belastbare und vergleichbare Informationen sind notwendig für Entscheidungsträger. So sind Daten verschiedener Länder nur schwer miteinander zu vereinbaren. Man fragt sich wie z.B. die Ausbreitungs- oder Sterblichkeitsraten so stark variieren können. Weisen diese Abweichungen auf Lösungen hin (z.B. die Wirksamkeit von Maßnahmen oder sozialen Normen) oder sind sie nur auf Unterschiede in der Methodik zurückzuführen? Informationen über eine Pandemie sollten daher standardisiert werden. Datenherkunft, Zeitverzögerung, Intensität und jeweilige Auslöser der Tests oder die Zuordnung eines tödlichen Falls zu einer Ursache spielen eine große Rolle für das Verständnis der Zahlen selbst.

All diese Faktoren können in beide Richtungen wirken. Daten können Menschen irreführen und entweder eine Panik oder trügerische Sicherheit erzeugen. Nur eine Vereinheitlichung würde eine Datenbasis schaffen, die richtige Entscheidungsfindung ermöglicht.

(2) Globale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Infektionen

Epidemiologen, wie das Imperial College London in seiner jüngsten Studie, erwarten, dass „intensivere Interventionen die Übertragung unterbrechen und die Fallzahlen auf ein niedriges Niveau reduzieren könnten“. Sobald diese Interventionen jedoch gelockert werden, wird ein Anstieg der Fallzahlen vorhergesagt. Dies führt zu niedrigeren Fallzahlen heute, aber zu dem Risiko einer späteren Epidemie in den Wintermonaten, wenn die Interventionen nicht aufrechterhalten werden können. Unentdeckte Fälle aus Orten ohne leistungsfähigen Gesundheitssektor werden diesen Effekt verstärken, sobald sich die Welt wieder vernetzen wird.

Der jahrzehntelange Kampf um die Ausrottung von Pocken und Masern rund um den Globus zeigt, wie schwierig und langwierig dieser Ansatz sein wird. Einige Länder werden praktische und finanzielle Unterstützung benötigen, um diese Herausforderungen zu bewältigen.

(3) Stabilisierung der wirtschaftlichen Aktivität

Wie jedes System auf der Intensivstation ist die Welt jetzt mit einer ernsthaften Bedrohung der Stabilität konfrontiert, die sofortiger Aufmerksamkeit bedarf. Die wichtigste Herausforderung ist jetzt die Aufrechterhaltung der Kapazitäten. Eine Insolvenzwelle wird Produktivkapital zerstören und damit den Wohlstand ebenso wie die Lebenserwartung nachhaltig senken. Als COVID-19 in einem zentralen Teil des globalen Produktionsökosystems begann, bedrohte es unmittelbar bestehende Lieferketten. Es ist nicht auszuschließen, dass dies viel Druck auf die Zuständigen ausgeübt hat, Maßnahmen spät und unzureichend zu verfügen. Dieses Muster wiederholte sich im Grunde genommen an jedem Ort, an dem sich das Virus ausbreitete. Die Lieferketten müssen also widerstandsfähiger sein, um eine schnelle Abschaltungen zu ermöglichen, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel mildere Folgen haben wird.

Die Reaktionen auf den drohenden wirtschaftlichen Schaden eines Lock-Downs waren dagegen bemerkenswert schnell. In erster Linie war das globale Finanzsystem betroffen, das Frühwarnsystem. Es musste sichergestellt werden, dass das Finanzsystem in die Lage versetzt wurde, den produktiven Kapitalstock über die Zeit der Stilllegung hinweg aufrechtzuerhalten und dann die erforderliche Liquidität für die anschließende Wiederbelebung der Volkswirtschaften bereitzustellen. Die Geldpolitik, die von fast allen Zentralbanken in großem Umfang angewandt wurde, hat jedoch bereits gezeigt, dass sie ein notwendiges, aber nicht hinreichendes Instrument ist. Es reicht nicht aus, Zinssätze zu senken, Anleihen zu kaufen oder auf andere Weise Geld in das System zu pumpen. Es werden die Banken benötigt, um Geld auszuzahlen und an diejenigen zu allokieren, die eine faire Chance haben, den Sturm zu überleben. Damit diese Banken ihre Aufgabe erfüllen können, ist ein von der Regierung unterstützter spezieller Risikoabsorptionsmechanismus –der Einfachheit halber eine „Staatsgarantie“ – erforderlich. Andernfalls kann jede Kreditrisikobewertung in der heutigen Welt nur dazu führen, dass Kredite zurückgerufen werden, anstatt neue zu vergeben.

Dieses Instrument des Geldauszahlens sollte vor allem auf KMU und Schlüsselindustrien abzielen. Damit kann realistischer Weise nur ein begrenzter Zeitraum überbrückt werden, wie z.B. das berühmte deutsche Kurzarbeitergeld, das eine vorübergehende Entlassung von Mitarbeitern erlaubt, die durch das Arbeitslosengeld der Sozialversicherung subventioniert wird.

(4) Medizinische Vorkehrungen gegen „Schwarze Schwäne“

Viele Länder wurden von dem Virus überrannt – es fehlt an Kapazitäten in Krankenhäusern, Beatmungsgeräten, Masken und Medikamenten. Pandemien sind „Schwarze Schwäne“, sie sind sehr selten, aber sie kommen vor und sie erfordern koordinierte Reaktionen. Daher ist es wichtig, dass die Staatengemeinschaft für einen ausreichenden Bestand an kritischer Ausrüstung sorgt und einen speziellen Fonds einrichtet, der es den betroffenen Ländern – basierend auf den Prinzipien einer Versicherung – ermöglicht, innerhalb kurzer Zeit zusätzliche Hilfe zu erhalten. Ähnlich wie Vorräte für Öl und andere strategisch wichtige Ressourcen.

(5) Aufrechterhaltung der globalen Lieferketten durch Alarm- und Eindämmungsketten

Business Continuity kann nur funktionieren, wenn die globalen Lieferketten stressresistent sind. Jede Lieferkette ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Jede Warnkette ist nur so gut wie die Bereitschaft und Fähigkeit zum Zuhören. Daher fordert COVID-19, dass die globale Lieferkette durch einen ebenso globalen Alarm-, Eindämmungs- und Koordinierungs-mechanismus für eine solche Krise unterstützt wird.

Nicht einmal die Lehren von Fukushima mit ihren Auswirkungen auf die globalen Lieferketten wurden vollständig umgesetzt. Bei einigen Massenmedikamenten wurden die Wirkstoffe nur an einem oder wenigen nahe beieinander gelegenen Orten hergestellt, wodurch die durch COVID-19 verursachten Unterbrechungen zu Produktionsengpässen bei vielen Generika führten.

Die Staatengemeinschaft muss Lösungen für ein nachhaltiges Versorgungssystem finden, das wesentliche Produkte, mit mehr als einer Quelle, möglichst unabhängig voneinander kennzeichnet. Die Entscheidungen sollten nicht nur auf rein geografischen Aspekten basieren, sondern auch auf Aspekten wie der Abdeckung spezifischer Risiken wie Naturkatastrophen, Unruhen oder Pandemien.

Ein Weckruf für die globale Koordination

Die Corona-Krise macht uns die Vernetzung unseres Globus‘ bewusst. Die Welt braucht einen Rahmen, um so schnell wie möglich von denjenigen zu lernen, die sich schon früh mit ihr befassen mussten, sei es medizinisch, wirtschaftlich oder finanziell. Dies wird in den kommenden Wochen wichtig werden, da wir alle einen Plan brauchen, wie die Volkswirtschaften wieder in Gang kommen. Ein Mangel an Koordination wird diejenigen, die im Alleingang handeln, vor ein Dilemma stellen. Denn ohne Zweifel wird es nach einer Lockerung der Einschränkungen wieder – mit Zeitverzug – zu steigenden Infektionen kommen. Dieses Risiko zu vermeiden droht zu kollektivem Abwarten zu führen. So, wie die Welt zu lange gewartet hat, die Risiken der Infektion einzudämmen, läuft sie möglicherweise wieder Gefahr, die Risiken der Notfallmaßnahmen zu lange zu unterschätzen. Verhalten im Sinne von Risikovermeidung, wie sie uns in Teilen Asiens vorgelebt werden und die entlastend wirken können, dauerhaft zu ändern, wird eine soziale Herausforderung werden.

Zweifellos wird die Rückkehr zur Normalität erst dann erfolgen, wenn die Risiken für das menschliche Leben unter Kontrolle sind. Jüngere und ältere, reichere und ärmere Menschen, und Nationen werden unterschiedliche Ansichten darüber haben, wann dies der Fall sein wird. Aber eine Debatte ist unvermeidlich, denn die Entscheidungen werden einschneidend sein. Die Welt muss schneller werden, um mit der Geschwindigkeit eines COVID-19 fertig zu werden und um hoffentlich besser auf das nächste Virus vorbereitet zu sein. Das wird mit der gleichen Sicherheit kommen, wie wir dieses Virus eindämmen werden.

Sich globaler Kooperation zu entziehen, sollte dabei jedoch keine Option sein.

Asian Financial Forum (AFF) 2020 in HongKong

Finanzplatz Frankfurt zeigt in Korea und auf dem Asian Financial Forum in Hongkong Flagge

Bericht der Delegationsreise vom 8. bis zum 14. Januar nach Südkorea und Hongkong

Welche Trends prägen das internationale FinTech-Ökosystem? Wie können die internationalen Beziehungen Frankfurts mit den asiatischen Finanzplätzen weiter gestärkt werden? Und vor welchen Herausforderungen steht die maritime Finanzierung in Busan?

Diese und weitere Fragen und Themen standen im Mittelpunkt einer von Frankfurt Main Finance organisierten Delegationsreise nach Südkorea und Hongkong Anfang dieses Jahres.

Korean-German FinTech & Blockchain-Forum in Seoul

Nach einem Gespräch zu aktuellen Themen in Deutschland und Korea bei der koreanischen Finanzaufsicht FSS, nahm die Delegation zu Beginn ihrer Delegationsreise am Korean-German FinTech & Blockchain-Forum in Seoul teil. Die Delegationsteilnehmer Prof. Dr. Christoph Schalast (Frankfurt School of Finance & Management) und Oliver Clasen (GermanTech) sowie Dr. Jochen Biedermann von FMF waren unter den Sprechern.

Korean-German FinTech and Blockchain Forum 2020 in Seoul

Korean-German FinTech and Blockchain Forum 2020 in Seoul. Von links: Dong-Hyoun Lee (Sogang University), Prof. Yong-Bum Park (Dan-Kook University), Prof. Dr. Sooyong Park (Sogang University), Dr. Jochen Biedermann (FMF), Prof. Dr. Christoph Schalast (Frankfurt School), Oliver Clasen (GermanTech), Dohyeon Lee (Sogang University), Jungwon Seo (Sogang University).

Treffen in der 3,5 Millionen Einwohner-Stadt Busan

Am nächsten Tag ging es mit dem Hochgeschwindigkeitszug weiter nach Busan, der mit gut 3,5 Millionen Einwohnern zweitgrößten koreanischen Stadt. Bei einem Treffen mit Vertretern der Stadtregierung von Busan sowie der Busan Economic Promotion Agency (BEPA), der Wirtschaftsförderung der Stadt Busan und Partner von FMF, wurde besprochen, wie beide Finanzplätze im neuen Jahr weitere Impulse für ihre langjährige Zusammenarbeit setzen können. Dr. Ki Sik Park, Chairman der BEPA, lud Vertreter von FMF zu einer internationalen Konferenz über maritime Finanzierung ein, die die Stadt Busan im Mai diesen Jahres plant. Das Thema maritime Finanzierung hat einen großen Stellenwert in der Stadt mit dem fünfgrößten Hafen der Welt. Dieser ist ein wichtiger Logistikhub für die Region.

30 Fintech und Blockchain-Unternehmen arbeiten im WeWork FinTech-Zentrum in Busan

Im Anschluss besuchte die Delegation das im vergangenen Jahr eröffnete und von WeWork betriebene FinTech-Zentrum im BIFC Tower, in welches bereits mehr als 30 FinTech- und Blockchain-Unternehmen eingezogen sind.

FMF und FRM GmbH vertreten den Finanzplatz Frankfurt auf dem Asian Financial Forum in Hongkong

In Hongkong traf sich die Delegation zum traditionellen deutschen Vorabenddinner des Asian Financial Forums, an dem auch Dr. Lutz Raettig, Präsident von FMF, teilnahm.

Das von der Hongkonger Regierung und dem Hong Kong Trade Development Council (HKTDC) gemeinsam veranstaltete Asian Financial Forum war gut besucht, trotz der in diesem Jahr verstärkten Sicherheitsmaßnahmen für die Besucher. Die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam hielt die Eröffnungsansprache und betonte die, trotz der Proteste in der Stadt, weiterhin starke Position des Finanzplatzes Hongkong.

Am deutschen Gemeinschaftsstand von FMF und der FrankfurtRheinMain GmbH traf sich die deutsche Delegation zu Gesprächen mit dem deutschen Generalkonsul in Hongkong, Dieter Lamlé, der den Finanzplatz Frankfurt immer wieder sehr aktiv unterstützt. Auch der Vorstand der Deutschen Bundesbank, Burkhard Balz, war mit seinem Team am Stand; und weiterhin zahlreiche Konferenzbesucher, die sich über das Thema Brexit und die Positionierung des Finanzplatzes Frankfurt informieren wollten.

Beim Abschlussgespräch mit Dr. Raettig am letzten Abend in Hongkong, vor der Rückreise nach Deutschland, zeigten sich aller Teilnehmer sehr zufrieden mit ihren Gesprächen in Korea und Hongkong.

 

Wir danken unseren Partnern in Korea und Hongkong für die großartige Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung der Reise!

Delegationsreise nach Riyadh, Dubai und Manama

Wie wird die kontinentaleuropäische Finanzbranche nach dem Austreten des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union aussehen? Und welche Rolle wird der Finanzplatz Deutschland in diesem Gefüge spielen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Delegationsreise von Frankfurt Main Finance (FMF) in den Mittleren Osten – nach Riyadh, Dubai and Manama – Anfang November. Zudem tauschten sich die Vertreter von FMF mit arabischen Experten aus Wirtschaft, Finance und Politik aus und stärken den internationalen Dialog zwischen den Finanzplätzen.

Am 4. November besuchte die FMF-Delegation das Dubai International Financial Centre (DIFC). Dr. Rüdiger Litten, Managing Partner bei Fieldfisher in Frankfurt, und FMF-Geschäftsführer Hubertus Väth eröffneten den Besuch. In ihren Reden erörterten sie die Position des Finanzplatzes Deutschland und die des Finanzzentrums Frankfurt post Brexit. Unter anderem verwies Hubertus Väth auf die steigende Attraktivität des Finanzplatzes Frankfurt für Unternehmen der Finanzbranche, die nach dem Brexit einen Firmensitz in der Europäischen Union eröffnen müssen, um weiter Geschäfte innerhalb der EU zu machen.

Im Anschluss diskutierten die Redner mit Norbert Reeg, Managing Director von Frankfurt International Consulting (FIC), und Oliver Oehms, CEO der AHK Dubai, während einer Podiumsdiskussion über die Positionierung des Finanzplatzes Deutschland post Brexit sowie die Beziehungen zwischen europäischen und arabischen Finanzplätzen.

Um genau diese Beziehungen künftig zu stärken, unterzeichneten das DIFC und FMF in Dubai ein Memorandum of Understanding (MoU). Einen ausführlichen Bericht dazu finden Sie hier.

 

Wir haben einige Impressionen der Reise zusammengestellt:

Paris Europlace International Financial Forum: New Frontiers in Finance

Expertenvorträge, Panel-Diskussionen und Networking: Auf dem International Financial Forum in Paris wurden Mitte Juli 2019 die Chancen und Herausforderungen der globalen Finanzindustrie – unter anderem die Themen Digitalisierung und Sustainable Finance – diskutiert und Markttrends von Spezialisten unterschiedlicher Fachrichtungen analysiert. In einem von Arnaud de Bresson, Chief Executive Officer von Paris Europlace und Chairman of the World Alliance of Interntational Financial Centers, moderierten Workshop, an dem neben Repräsentanten der internationalen Finanzplätze Toronto, Astana, Tokyo und Abu Dhabi auch FMF Geschäftsführer Hubertus Väth teilnahm, stand zudem die Zusammenarbeit internationaler Finanzzentren sowie das globale Wirtschaftswachstum im Mittelpunkt.

Digitalisierung der Finanzindustrie und Sustainable Finance

Vom 9. bis zum 10. Juli tagten Wirtschaftsexperten und -expertinnen, CFOs, CIOs, Senior Executives, Investierende sowie Vertreter und Vertreterinnen von Finanzdienstleistern, Regulatoren und Politik, begleitet von der Presse, nahe der berühmten Champs-Élysées in Paris. Im Fokus des diesjährigen International Financial Forums standen vor allem die Themen:

  • Sustainable Finance,
  • Europäische Perspektiven in einer sich global verändernden Welt
  • Digitale Finanztrends
  • Wachsende Kapitalmärkte

Zwei dieser Themen – Digitalisierung und Green Finance – sprach Francois Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France, in seiner Rede am ersten Veranstaltungstag an: The theme of this Forum – ‘New Frontiers in Finance’ – prompts us to look towards new territories that we have to explore and conquer. Regarding finance, I will focus on two of them: digitalisation and green finance. (…) Digitalisation is shaking up the way we live and consume, opening up a world of possibilities for corporates and customers alike. Worldwide, it clearly represents both an opportunity and a challenge for banks, as well as for supervisors. (…) We are currently witnessing a growing awareness from central banks, supervisors and financial institutions about climate-related risks. Clearly, green finance and climate risks management have gone from the ‘nice to have’ to the ‘must have’, from emotion to reason.

International Financial Centers: Cooperation for Economic Growth

In einem von Arnaud de Bresson moderierten Workshop diskutierte FMF-Geschäftsführer Hubertus Vaeth neben Keiichi Aritomo, Executive Director von FinCity Tokyo, Kairat Kelimbetov, Gouverneur des Astana International Financial Centre, Jennifer Reynolds, President & CEO von Toronto Financial International, und Philippe Richard, Director of the Financial Services Regulatory Authority, Abu Dhabi Global Market, die Zusammenarbeit zwischen internationalen Finanzzentren und das globale Wirtschaftswachstum.

De Bresson betonte die Wichtigkeit neuer Finanztechnologien, der Globalisierung und Sustainable Finance-Themen für internationale Finanzplätze. Zudem gehöre die Information der Öffentlichkeit über die Relevanz der Finanzzentren zu den aktuellen Schwerpunkten der globalen Finance-Hubs. Kelimbetov schloss sich an und hob zudem hervor, dass sich internationale Finanzzentren nicht ausschließlich auf die Banken konzentrieren dürften – sie müssten vielmehr die Förderung der Gesamtwirtschaft im Blick haben. Philippe Richard informierte die Workshop-Teilnehmer über aktuelle Solarenergie – und Green City Projekte in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Abu Dhabi. Auch die Bedeutung von FinTechs für internationale Finanzzentren stand im Fokus der Diskussion: Hubertus Väth betonte die Rolle junger, innovativer und agiler Gründungsunternehmen, die den Brückenschlag von agiler Technik in die Finanzszene realisieren, als zentralen Wettbewerbsfaktor für alle Finanzinstitutionen.

Impressionen des International Financial Forums 2019 finden Sie auf der Homepage von Paris Europlace.

Astana Finance Days

Astana Finance Days

Was sind neue Ideen für internationale und regionale Finanzplätze rund um den Globus? Welche Trends sind zu beobachten und welche Chancen ergeben sich daraus für Finanzstandorte und deren Netzwerke? Diese und weitere Fragen wurden im Juli 2019 auf den Astana Finance Days in Nur-Sultan, Kasachstan, von Finanz-, Politik-, Wissenschafts- und Wirtschaftsexperten diskutiert. Im Fokus vieler Podiumsdiskussionen standen die Themen Governance, Infrastruktur, Finanztechnologien und globale Kooperationen zwischen internationalen Finanzplätzen.

Mit der in den vergangenen Jahrzehnten eingetretenen Verschiebung des Kräftegleichgewichts zwischen den führenden internationalen Finanzzentren in Asien, Nordamerika und Europa haben sich die Rollen und Positionierungen der Finanzzentren gewandelt – und mit ihnen die Zusammenarbeit zwischen den Finanzplätzen. Vor diesem Hintergrund diskutierte ein von Dr. Jochen Biedermann, Geschäftsführer der World Alliance of International Financial Centers (WAIFC), moderiertes Panel die Wettbewerbsfähigkeiten der internationalen Finanzplätze unter sich rapide verändernden Rahmenbedingungen. Ein weiterer Diskussionspunkt war die Attraktivität bereits etablierter Finanzplätze im Vergleich zu neuen Konkurrenten.

Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance, nahm an dem Panel “International Finncial Centres: the Outlook to 2025 and beyond” teil. Mit ihm diskutierten Sandy Frucher, Vizepräsidentin der Nasdaq, Frederic de Laminne, Generalsekretär des Belgian Finance Clubs, und James Martin, stellvertretender CEO des AIFC.

 

Ein weiteres Thema, das immer mehr Aufmerksamkeit erfährt, wurde von WAIFC-Vertretern aus Brüssel, Busan, Casablanca, Frankfurt, London, Luxemburg, Mauritius, Moskau, Nur-Sultan und Paris debattiert: FinTech-Talententwicklung und Kapazitätsaufbau – beides sei für den Erfolg eines FinTech-Ökosystems von besonderer Bedeutung. Eine lebhafte Podiumsdiskussion entwickelte sich um die Aufnahme des Themas “FinTech” in den Lehrplan von Business Schools und weiteren Bildungsprogrammen. In diesem Zusammenhang erörterte das internationale Podium auch professionelle Zertifizierungen und Umschulungen von erfahrenen Finanzexperten.

Die globale Zusammenarbeit zwischen den internationalen Finanzzentren war jedoch nicht nur ein Thema während der Konferenz: Am letzten Tag der Veranstaltung verlieh die WAIFC dem ersten Präsidenten Kasachstans, Nursultan Nazarbayev, eine Ehrenauszeichnung für die Gründung der AIFC und seinen Beitrag zur Förderung der globalen Zusammenarbeit zwischen den internationalen Finanzzentren.

FinanzplatzFrühstück mit Chef-Risikoanalyst der Eximbank Dr. Changhui Zhao

Auf dem 12. FinanzplatzFrühstück, das erstmals in den Räumlichkeiten der Sozietät Dentons stattfand, trafen sich über 60 Gäste aus den Bereichen Finanzwirtschaft, Medien, Wissenschaft und Forschung. Eingeladen hatten Frankfurt Main Finance und der Verband der Auslandsbanken in Deutschland e.V.. Als hochkalibrigen Referenten konnte Dr. Changhui Zhao, Chief Country Risk Analyst der Export-Import Bank of China (Exim), gewonnen werden. Er sprach über die zunehmende Öffnung des chinesischen Kapitalmarkts und die damit verbundenen Chancen für die Zusammenarbeit deutscher und chinesischer Finanzinstitute. In diesem Kontext verwies Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, auf die gemeinsame Erklärung, welches nach dem zweiten Finanzdialog zwischen dem chinesischen Vizeministerpräsident Liu He und dem Bundesfinanzminister Olaf Scholz am 18. Januar 2019 in Peking vereinbart wurde. Demnach solle „die Vertiefung einer pragmatischen Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland bekräftigt und die bilateralen Finanzbeziehungen gestärkt werden“.

Dr. Zhao unterstrich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine vertiefte Zusammenarbeit gekommen sei. Die One Belt One Road Initiative umfasse auch die Unterstützung der chinesischen Regierung bei den Kooperationsbemühungen der Finanzzentren. Momentan sei die allgemeine europäische Sicht, dass China versuche, den Westen einzuholen. Dem stimmte Dr. Zhao zwar grundsätzlich zu, allerdings berge eine Zusammenarbeit auch neue Chancen. Beispielsweise wäre man im Bereich FinTech, in dem China sehr leistungsfähig sei, bereit gemeinsam neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Bei der anschließenden Diskussion ging es neben Fragen zum Stand des Handelskonfliktes mit den USA vor allem auch um die Notwendigkeit von Investitionen in Afrika – dem Kontinent, in dem Dr. Zhao ein besonders dynamisches Wachstum erwartet.

 

Foto: Margit Levay.

Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration und Frankfurt Main Finance e.V. unterschreiben Absichtserklärung

Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration und Frankfurt Main Finance verstärken ihre Zusammenarbeit. Vom 9. bis 10. Mai 2019 hat eine chinesische Delegation mit elf Vertretern der Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration sowie einigen Repräsentanten lokaler Staatsbetriebe aus Guangzhou den Finanzplatz Frankfurt besucht. Während dieser zwei Tage traf sich die Delegation mit Finanzorganisationen und vereinbarte bilaterale Kooperationspläne mit Akteuren des Finanzplatzes Frankfurt Rhein-Main.

Die Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration und Frankfurt Main Finance e.V. haben sich in einem Memorandum of Understanding auf eine langfristige Kooperation verständigt. Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance e.V., und Qiu Qitong, Geschäftsführer der Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration, unterschrieben die Erklärung am 9. Mai 2019 im historischen Römer, dem Rathaus der Stadt Frankfurt am Main. Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt, eröffnete das Delegationstreffen mit einer Willkommensrede. Die Unterzeichnung der Absichtserklärung ist ein wichtiger Meilenstein in der bilateralen Kooperation der beiden Finanzplätze und wird die zukünftige Zusammenarbeit stärken.

Im Fokus der Vereinbarung stehen zentrale Themen der Finanzindustrie wie Green Finance, FinTech sowie grenzübergreifende Transaktionen. Das Bündnis zielt auf eine erfolgreiche Kooperation und Stärkung der Finanzplätze ab. Des Weiteren soll die Zusammenarbeit mit Hilfe von gemeinsamen Programmen wie Finanztrainings, Workshops oder Publikationen vorangetrieben werden. Darüber hinaus werden beide Seiten weiterhin an der Initiierung einer Guangzhou-Frankfurt Financial Alliance arbeiten.

Qiu Qitong, Geschäftsführer der Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration, erklärte: „In der Geschichte Chinas ist Guangzhou die einzige Stadt, die niemals ihre Tür vor dem internationalen Handel verschlossen hat – und Guangzhou möchte diese Tür in Zukunft gerne noch weiter öffnen. Wir hoffen, von Frankfurt mehr über die Entwicklung hin zu einem führenden Finanzplatz zu erfahren.“

Frankfurt Main Finance Geschäftsführer Hubertus Väth kommentierte: „Wir sind hocherfreut, das Memorandum of Understanding mit der Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration zu unterzeichnen. Weiterhin freuen wir uns sehr auf eine erfolgreiche Kooperation.“

Während dem zweitägigen Aufenthalt am Finanzplatz Frankfurt, besuchte die Delegation von Guangzhou die CEINEX (China Europe International Exchange), die BaFin und die Deutsche Bank. Wie viele der Unternehmensvertreter erklärten, ist Guangzhou eine der aktivsten Städte Chinas. Teil eines internationalen Kapitalmarktes zu sein, ist ein wichtiger Schritt für alle Unternehmen, die eine internationale Entwicklungsstrategie verfolgen. Frankfurt, als Finanzplatz im Herzen Europas, bietet diesen Unternehmen durch das vollständig integrierte und internationale Handelsnetzwerk zahlreiche Standortvorteile. Guangzhous lokale Unternehmen sind zudem daran interessiert, Finanzinstitute aus Frankfurt für Kooperationen zu gewinnen.

Vorne (von links): Dr. Lutz Raettig, Präsident Frankfurt Main Finance e.V. und Qiu Yitong, Director Guangzhou Municipal Local Financial Supervision and Administration. – Hinten (von links): Liu Xianchang, Director Economic Development and Finance Bureau of Guangzhou Aerotropolis Development District, Gao Shudong, Director Guangzhou Development District Bureau of Financial Affairs, Deng Xiaoyun, Director China (Guangdong) Pilot Free Trade Zone Nansha Area of Guangzhou and Guangzhou Nansha Economic and Technological Development Zone Bureau of Financial Affairs, Dr. Nargess Eskandari-Grünberg, stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt, Hubertus Väth, Geschäftsführer Frankfurt Main Finance e.V., Eduard Hechler, Referatsleiter Internationale Angelegenheiten der Stadt Frankfurt und Dr. Jochen Biedermann, Senior Advisor Frankfurt Main Finance e.V.

 

Fünfte FMF-Delegationsreise nach Südkorea und Hongkong

Unter der Leitung von Dr. Lutz Raettig, Präsident von Frankfurt Main Finance (FMF), reiste eine Delegation vom 10. bis zum 15. Januar 2019 nach Südkorea und Hong Kong.

Seoul

In Seoul begann die Reise mit Terminen mit der Sogang-Universität zu den Schwerpunktthemen FinTech und Blockchain. Im Anschluss stand ein Gespräch mit dem neuen Präsidenten der koreanischen Finanzaufsicht Suk Heun Yoon auf dem Programm. Themen dieses Treffens waren zum einen der Brexit, dessen Auswirkungen auf die europäischen Finanzmärkte und die daraus resultierenden Chancen für den Finanzplatz Frankfurt. Zum anderen informierten die Vertreter von FMF über die neue World Alliance of International Financial Centers (WAIFC), zu dessen Gründungsmitgliedern sowohl FMF wie auch der zweitgrößte koreanische Finanzplatz Busan gehören – Im  Gespräch wurde eine Mitgliedschaft von Seoul anregt. Weitere Gesprächsthemen waren die Themen Blockchain und Kryptowährungen sowie Regulierungsfragen.

Die Arbeit der neuen WAIFC wurde im Anschluss mit Vertretern der Stadtregierung von Seoul vertieft.

Busan

Am nächsten Tag ging es weiter nach Busan, der zweitgrößten koreanischen Stadt und Partner von Frankfurt Main Finance. Nach einem Treffen mit der Busan Economic Promotion Agency (BEPA), der Wirtschaftsförderung der Stadt Busan, bei der Dr. Raettig sehr herzlich von Chairman Dr. Ki Sik Park begrüßt wurde, reiste die Delegation zum United Nations Memorial Cemetery, einer Gedenkstätte aus dem Korea-Krieg inmitten von Busan.

Im Rathaus von Busan empfing Vizebürgermeister Jae-soo Yoo  die Delegation . Herr Yoo und Dr. Raettig würdigten den engen Austausch beider Finanzplätze Busan und Frankfurt seit der Unterzeichnung des Kooperationsabkommens im Jahr 2013, der nicht zuletzt über die gemeinsame Mitgliedschaft bei der WAIFC weiter vertieft werden soll. Neben FinTech ist für Busan, auf dessen Gebiet der fünfgrößte Hafen der Welt liegt, maritime Finanzierung ein wichtiges Thema.

Hongkong

In Hongkong nahm die Delegation am Asian Financial Forum (AFF) teil. Durch eine neue Aufteilung des Forums und das zukunftsweisende Motto „Creating a Sustainable and Inclusive Future“ präsentierte sich das von der Hongkonger Regierung und dem Hong Kong Trade Development Council (HKTDC) gemeinsam veranstaltete Forum nochmals deutlich größer und moderner als in den vergangenen Jahren.

Der deutsche Gemeinschaftsstand von FMF, der FrankfurtRheinMain GmbH und Hessen Trade & Invest zog zahlreiche Besucher an, die sich insbesondere für Frankfurt im Rahmen des Brexits interessierten, aber sich auch über die FinTech-Szene in Frankfurt informieren wollten. Eine besondere Ehre war der Besuch des deutschen Generalkonsuls in Hong Kong Dieter Lamlé, der den Finanzplatz Frankfurt schon lange sehr aktiv unterstützt.

Carrie Lam, die Hongkonger Regierungschefin, setzte in ihrer Eröffnungsansprache alte und neue Schwerpunkte: Zum einen betonte sie die Erfolge im Bereich FinTech in Hongkong und gab einen positiven Ausblick für 2019, der allerdings nicht von allen Forums-Teilnehmern geteilt wurde. Zum anderen machte sie deutlich, wie wichtig für die Hongkonger Regierung die neue Greater Bay Area-Initiative der chinesischen Guangdong-Provinz mit den beiden Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao ist. Die Initiative geht dabei deutlich über die bereits in Betrieb genommene neue Infrastruktur (Schnellzug-Verbindung von Hongkong in die Guangdong-Provinz, insbesondere nach Shenzhen und Kanton, sowie die Brücke nach Macao) hinaus.

Während die Bankenvertreter der Delegation den interessanten Vorträgen folgten, präsentierte sich das Frankfurter FinTech-Unternehmen AsiaFundManagers gegenüber einer Reihe von potentiellen Investoren bei der sogenannten Deal Flow Matchmaking Session des AFF. Die beiden teilnehmenden Geschäftsführer von AsiaFundManagers zeigten sich beim Abschlussgespräch mit Dr. Raettig am letzten Tag der Reise sehr zufrieden mit den Ergebnissen der Gespräche.

Frankfurt Main Finance beim Toronto Global Forum: „Fintech and the Future of Money“

Der Finanzplatz Frankfurt über ein dynamisches FinTech-Ökosystem. Mit einer ausgeprägten Start-up-Kultur, einem weltweit führenden Fintech-Cluster, der Nähe zu etablierten Banken und damit Zugang zu potenziellen Kunden und Finanzierungsmöglichkeiten, hat Frankfurt alles, was es für eine lebendige FinTech-Szene braucht. Daher wurde Hubertus Väth, Managing Director von Frankfurt Main Finance (FMF), eingeladen, die Perspektive des Finanzplatzes Frankfurt beim Toronto Global Forum zum Thema Fintech and the Future of Money einzubringen.

Das Toronto Global Forum ist eine internationale Konferenz, die unter der Schirmherrschaft des International Economic Forum of Americas ausgetragen wird. Mit dem Ziel, den weltweiten Dialog zu den aktuellen Fragen der Finanzwelt voranzutreiben, kamen zur jüngsten Konferenz nationale und internationale Entscheidungsträger aus Politik, Zentralbanken, Ministerien und Weltwirtschaft unter dem Motto Navigating a World in Disruption zusammen. Das Event, an dem 3.000 Besucher und 170 Referenten teilnahmen, bietet allen Stakeholdern eine gute Gelegenheit, wirtschaftliche Synergien zu nutzen und mit hochkarätigen Wirtschaftsakteuren ins Gespräch zu kommen.

Wie sich rasant entwickelnde technologische Innovationen auf Finanzdienstleistungen und das traditionelle Bankgeschäft auswirken, diskutierten die Panelisten Hubertus Väth, Managing Director von FMF, Al Goldstein, Chairman und Chief Executive Officer von Avant, Shuman Ghosemajumder, Chief Technology Officer von Shape Security und Rafael Funes, Vorstandsvorsitzender von LOVIS. Das Panel Fintech and the Future of Money wurde von Alexandra Posadzki, Journalistin für Finanzdienstleistungen bei The Globe and Mail, moderierten.

Dabei wurde debattiert, wie der Finanzsektor in einigen Jahren aussehen, wie sich die Finanzindustrie durch neue Technologien transformieren und wie Regulierungen Innovation fördern sowie das Vertrauen zwischen Verbrauchern und Finanzinstituten stärken könnte. In der Diskussion betonte Väth, dass Technologie zwar einige Formen traditioneller Finanzdienstleistungen verändert oder sogar abgelöst habe, etablierte Finanzinstitute jedoch manchmal potenziell industrieverändernde Trends, wie künstliche Intelligenz, Big Data, Blockchain, Cloud-Speicher, aus den Augen verlieren bzw. nicht ausreichen durch Investitionen fördern. Allerdings seien genau dies disruptive Technologien, die zukünftige Preis, Handels-, Clearing- und Abwicklungsprozesse revolutionieren könnten.

Stärkung der Partnerschaft mit der Stadt Toronto

Während des Besuchs in Toronto traf sich Frankfurt Main Finance mit Thomas Schultze, Generalkonsul des Konsulates der Bundesrepublik Deutschland in Toronto und Michael Thompson, stellvertretender Bürgermeister von Toronto, um die Zusammenarbeit der beiden Finanzplätze weiter voranzutreiben und den Bereich künstliche Intelligenz in die Kooperation aufzunehmen.