Das Alleinstellungsmerkmal der Startups ist wichtig

Welche Herausforderungen wird es für junge FinTechs in der Zukunft geben und wie kann der FinTechGermany Award dabei helfen, diese zu überwinden? Lucie Haß, Managing Director bei Helaba Digital und Jury-Mitglied des FinTechGermany Awards 2019, beantwortet diese und weitere Fragen im Interview mit Frankfurt Main Finance.

Lucie Haß, Managing Director bei Helaba Digital und Jury-Mitglied des FinTechGermany Award 2019; © Stefan Krutsch Photographie

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Ich hinterfrage als erstes, ob die Idee des Start-ups ein tatsächliches Problem löst und ob es skalierbar ist. Darüber hinaus schaue ich, ob wir die Gründer kennen und ihnen zutrauen, die Idee umzusetzen und etwaig auftretende Hindernisse zu überwinden.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Im B2C-FinTech-Bereich gibt es mittlerweile sehr viele Lösungen am Markt. Schwierig ist dabei, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen und zu zeigen, was der eigene USP ist. Im B2B-Bereich ist das Angebot deutlich geringer. Aus meiner Sicht ist hier die größte Herausforderung Partner zu finden, die das Potenzial der Lösung erkennen und bereit sind, die Lösung im eigenen Unternehmen einzusetzen. Insbesondere, wenn die B2B.FinTechs nicht nur an der Oberfläche „kratzen“, sondern sich auf Kernprozesse von Banken fokussieren, ist der Widerstand noch deutlich spürbar. Dies zu überwinden, braucht einen langen Atem und Partner, die an einen glauben. Plattformen, wie der FinTechGermany Award unterstützen dabei, besondere FinTechs hervorzuheben, diese mit Unternehmen zusammenzuführen und damit die ersten Hürden einer Kooperation zu nehmen.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Ich erwarte, dass sich mehr im B2B-FinTech-Markt tut. Zudem sehen wir, dass immer mehr Investments von deutschen VCs und Unternehmen in Start-ups fließen. Dennoch sehen wir nach wie vor zu wenig Kooperationen zwischen FinTechs und Unternehmen und Banken. Meine Hoffnung ist, dass Unternehmen und Banken in den kommenden Jahren noch stärker das Potenzial von Start-Ups erkennen, sich von Vorbehalten trennen und wir hier noch mehr Zusammenarbeit sehen.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech Hubs in Deutschland bzw. in Europa zu werden?

Da gibt es ganz unterschiedliche Ansatzmöglichkeiten. Das TechQuartier, dessen Sponsor wir sind, hat zusammen mit dem Land Hessen einen Maßnahmenplan entwickelt. Dieser umfasst das gesamte Spektrum an Maßnahmen, die es für den Aufbau eines Ökosystems braucht. Darüber hinaus sind auch die Banken stark gefordert. Je offener sie gegenüber Neuem sind, desto mehr Neues wird sich in ihrer Nähe ansiedeln. Sowohl Finanzexpertise als auch Kapital ist geballt in Frankfurt. Wir müssen es also gemeinsam schaffen, dass diese Stadt und die Kooperationen attraktiv sind für Gründer innerhalb und außerhalb von Deutschland. Und aus meiner Sicht geht das am besten, wenn wir Gutes tun und über Grenzen hinweg darüber sprechen.

Tarek Al-Wazir: „Die Finanzwirtschaft von morgen ist digital“

Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, im Interview zum Thema FinTech in Frankfurt

Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen

Frankfurt Main Finance hat Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, drei Fragen zum Thema Fintech gestellt. Unter anderem erfahren wir im Interview, welche FinTech-Highlights uns in Frankfurt 2019 erwarten.

FinTech – Warum ist das Thema für Sie persönlich wichtig? Warum für die Region?

Der Finanzplatz Frankfurt ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor für die Rhein-Main-Region. Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt braucht ein entsprechendes Bankenzentrum. Und deshalb braucht Frankfurt innovative Finanztechnologie-Unternehmen – oder kurz: FinTechs. Denn die Finanzwirtschaft von morgen ist digital; FinTechs drängen in den Markt, konkurrieren mit traditionellen Dienstleistern oder schaffen völlig neue Geschäftsfelder. Damit Frankfurt in diesem Innovationswettbewerb konkurrenzfähig bleibt, müssen wir hochqualifizierten Fachkräften ein attraktives Arbeitsumfeld und zukunftsorientierte Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Und ich bin überzeugt, dass die Innovationskraft, die von FinTechs ausgeht, auch anderen Branchen zugutekommt.

Welche FinTech-Highlights erwarten uns 2019 aus Ihrer Sicht?

Eins unserer Ziele ist ja, dass Frankfurt als FinTech-Standort überregional sichtbar wird. Dazu werden einige Events beitragen, zum Beispiel die Global Insurtech Roadshow (GIR 2019) mit dem Partnerland Israel im März, die ExecFintech im April, die nach zwei Jahren in Berlin nach Frankfurt zurückkehrt, und die Growth Con im Mai. Der KI-Hub wird sich weiter etablieren und seine ersten finanzwirtschaftlichen Programme starten. Es wird Ansiedlungen und Finanzierungsrunden geben. Ich bin sicher, dass sich viele Anlässe bieten, um über die Erfolge von Frankfurt als Top-FinTech-Standort zu berichten.

Die Region Frankfurt Rhein-Main soll sich innerhalb von fünf Jahren zum führenden FinTech-Hub in Kontinentaleuropa sowie einer international anerkannten Tech-Region entwickeln. Was ist noch nötig, um DAS PERFEKTE Gründerklima zu etablieren und dies zu erreichen?

DAS perfekte Gründerklima für alle wird es nicht geben – weder hier noch im Silicon Valley. Dafür sind die Bedürfnisse einfach zu unterschiedlich. Wir müssen deshalb von unseren Stärken ausgehen, und die sind FinTechs, Cybersecurity und Künstliche Intelligenz. Den Weg weist unser Masterplan für die Start-up-Region Frankfurt-Rhein-Main. Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wollen gemeinsam erreichen, dass aus guten Ideen marktreife und erfolgreiche Produkte werden. Zentrale Maßnahmen sind schon umgesetzt oder angestoßen. Die Plattform TechObserver ist online, das FinTech Acelerator Programm des TechQuartier läuft. Aber es liegt auch noch viel Arbeit vor uns. Wir arbeiten kräftig weiter, aber ich freue mich über jede Anstrengung weiterer Akteure.

„Wir sollten die Stärken des Standorts betonen“: Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman in Frankfurt, im Interview zum FinTechGermany Award 2019

Matthias Hübner ist Partner bei Oliver Wyman und Jurymitglied des FinTechGermany Awards 2019, der führende investorenseitige FinTech-Award in Deutschland. Wir haben Matthias Hübner gefragt, worauf er bei der Beurteilung der FinTech-Bewerber besonders großen Wert legt.

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Für mich sind zwei Punkte entscheidend: Erstens, der Bedarf für ein Produkt oder eine Dienstleistung muss klar sein, das heißt das Produkt sollte ein tatsächliches Problem für Kunden lösen. Zweitens muss es innovativ sein. Leider sehen wir in letzter Zeit viele „copy cat“-Modelle ohne echte Differenzierung, von denen die meisten meiner Meinung nach keine dauerhafte Überlebenschance haben.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Die größte Schwierigkeit bei Start-ups, nicht nur im FinTech-Bereich, ist sicherlich die Skalierung, also das Erreichen der kritischen und langfristig profitablen Größe. Hier kann der FinTech Germany Award eindeutig helfen: direkt durch den Kontakt zu Investoren für die Finanzierung des Wachstums, wie auch indirekt über einen Beitrag zur Steigerung der Markenbekanntheit der Preisträger.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Deutschland ist bei FinTech ein Nachzügler, entwickelt sich aber dynamisch und holt gegenüber anderen Ländern auf. Diese Entwicklung sollte sich 2019 fortsetzen, zumal einige FinTechs der ersten Stunde mittlerweile auch über deutlich ausgereiftere Geschäftsmodelle verfügen und somit zunehmend aus der Nische herauswachsen.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech-Hubs in Deutschland beziehungsweise in Europa zu werden?

Ich denke, dass die dezentrale Struktur in Deutschland für die Etablierung eines international führenden FinTech-Hubs nicht gerade hilfreich ist. Aber wir sollten wegkommen von der traditionellen Diskussion „Frankfurt vs. Berlin“, und stattdessen klar die Stärken des jeweiligen Standorts betonen. Für Frankfurt spricht aus meiner Sicht die Nähe zu führenden Partnern wie Banken, Börse oder auch die Infrastruktur an Beratungsleistungen. Gerade für FinTechs mit Fokus auf B2B ist das ein wichtiger Vorteil.

Fintech Interview with Compendor

“Es ist fast ein kleiner Kulturwandel erforderlich“

Elmo Olieslagers | Compendor GmbH

Elmo Olieslagers | Compendor GmbH

RegTech (kurz für Regulatory Technologies) zielt darauf ab, zeiteffiziente, konfigurierbare und zuverlässige regulatorische Lösungen für Unternehmen anzubieten. Waren vor wenigen Jahren beispielsweise noch komplexe Excel-Tabellen zur Bearbeitung von Compliance-Fragen nötig, bieten nun junge und aufstrebende RegTech-Unternehmen Software-Lösungen an, die regulatorische Anforderungen einsichtig und verständlich darstellen und die Umsetzung dieser unterstützen und dokumentieren. Vor allem nach in Kraft treten der MiFID II / MiFIR-Regelungen sind RegTech-Unternehmen daher in den Fokus der Aufmerksamkeit der Finanzwelt gerückt. Eines dieser Unternehmen ist das Frankfurt Main Finance-Mitglied Compendor: Elmo Olieslagers, Gründungsmitglied von Compendor, gibt uns im Interview einen exklusiven Einblick in die Arbeitsweilt eines jungen RegTech-Unternehmens!

Wie ist die Idee, die zur Gründung von Compendor führte, entstanden? Gab es bestimmte Auslöser, die dazu veranlasst haben, das Unternehmen ins Leben zu rufen?

MiFID II / MiFIR ist ein am 3. Januar 2018 in Kraft getretenes Gesetz, welches mit allen seinen Ergänzungen insgesamt fast 7.000, für Nicht-Juristen oftmals schwer verständliche, Seiten umfasst.

Mit der Umsetzung der Anforderungen von MiFID II / MiFIR, benötigte ein Kunde einen strukturierten, detaillierten und pragmatischen Gap Assessment-Ansatz. Anwaltskanzleien boten zu der Zeit lediglich auf Excel-Tabellen basierende Lösungen zur Gap-Analyse an. Da diese Lösungen sehr komplex und juristisch geschrieben waren, war für unseren Kunden nicht eindeutig klar, was die genauen Anforderungen sind und was praktisch zu tun ist.  Es wäre also notwendig gewesen, einen externen Rechtsberater zu engagieren. Dies war der Grund, warum der Kunde uns beauftragte, eine weniger komplexe Lösung zu erarbeiten. Unsere Lösung vereint die Expertise von Anwälten und das Wissen von Compliance-Spezialisten mit Bankfachwissen in einer Online-Applikation. Die Basis ist dabei eine strukturierte Entscheidungsbaumsoftware, mit der wir in einer innovativen Art und Weise regulatorische Anforderungen einsichtig und verständlich machen und die Umsetzung dieser unterstützen und dokumentieren.

Seitdem haben wir unsere Lösung auch auf andere Verordnungen erweitert und unterstützen unsere Kunden bei den wichtigsten Anforderungen bezüglich Anlegerschutz und bei der DSGVO für Banken, Kapitalanlagegesellschaften und Vermögensverwalter.

Wo ist Compendor im Spektrum der verschiedenartigen RegTech-Lösungen angesiedelt?

Um diese Frage genau zu antworten, betrachten wir die typischen Akteure und typischen Lösungen entlang eines generischen Regulatory Response Prozesses.

Der Regulatory Response Prozess besteht typischerweise aus drei Schritten:

  1. „Signalisierung“ neuer regulatorischer Anforderungen durch die Software, ggf. mit einem ersten Schnellscan auf mögliche Auswirkungen
  2. „Umsetzung“ mittels einer detaillierten Gap-Analyse, der Definition von Lösungsansätzen und derer Umsetzung
  3. „Monitoring“, also kontinuierliche und detaillierte Überwachung der Einhaltung bereits eingeführter regulatorischer Anforderungen

Verschiedene deutsche Bankenverbände und Anwaltskanzleien bieten bereits Lösungen zur „Signalisierung“- an.

Compendor bietet darüber hinaus Lösungen zur Umsetzung sowie zur Überwachung regulatorischer Anforderungen. Dazu ist es notwendig, die Anforderungen und deren Auswirkungen auf einer viel detaillierteren Ebene zu verstehen und zu beschreiben, und praktische Lösungsansätze mitzuliefern.

Warum sollten Vermögensverwalter und Banken Ihre Lösungen nutzen?

Wir sehen, dass viele Vermögensverwalter und kleinere Banken oft nicht über die Ressourcen oder das detaillierte Fachwissen verfügen, um mit allen neuen Anforderungen Schritt halten zu können. Und sogar, wenn für eine bestimmte Regulatorik doch Ressourcen bereitgestellt werden (d.h.: freigesetzt und ausgebildet), so ist dies beispielsweise oft nicht genug. Daraus ergeben sich Bedenken in Bezug auf Kontinuität und inhaltlichem Abdeckungsgrad der verschiedenen regulatorischen Anforderungen.

Unsere Lösungen bieten da Abhilfe. Durch den Einsatz unserer RegTech-Lösungen ist kontinuierliche Verfügbarkeit von aktuellem Wissen garantiert. So können verfügbare Ressourcen effizienter eingesetzt werden, um die Belastung durch neue und bestehende Regulatorik zu bewältigen.

Compendor in 3 Punkten: Was macht den Erfolg von Compendors Compliance Monitoring Solutions aus?

  1. Kontinuität und Beständigkeit von regulatorischem Fachwissen und Expertise: Sowohl die regulatorischen Anforderungen wie auch die Interpretationen während des Umsetzungsprozesses sind immer in einer zentralen Lagerstelle vorhanden, unabhängig von der Verfügbarkeit individueller Personen (Full Audit Trail).
  2. Aktualität: Die rechtliche Basis ist immer auf dem neuesten Stand der regulatorischen Anforderungen.
  3. Effizienz: Der Einsatz von innovativer Technologie ermöglicht den effizienten und effektiven Einsatz von oft knappen Ressourcen.

Was sind derzeit die größten Hürden für die RegTech in der Finanzindustrie?

Um die Vorteile, die RegTech bieten kann, vollständig zu nutzen, ist in vielen Finanzinstituten fast ein kleiner Kulturwandel erforderlich. Einige Punkte, die oft eine Hürde darstellen, sind:

  • Die fehlende Einsicht und Akzeptanz, dass die Einhaltung regulatorischer Anforderungen ein Hygienefaktor ist, und kein strategischer Wettbewerbsvorteil.
  • Der Wiederstand in manchen Rechts- und Compliance-Abteilungen gegen den Einsatz von Technologie, um die stetig zunehmende Menge und Komplexität der Regulatorik zu bewältigen.
  • Kosten- und zeitintensive Eigenentwicklung von Interpretationen und Lösungen anstatt Einsatz von Best Practice-Lösungen mit gebündeltem Fachwissen aus der Finanzindustrie.
  • Fragmentierte Einführung regulatorischer Anforderungen durch individuelle Tochtergesellschaften, Geschäftsbereiche und Abteilungen, anstatt einer einheitlichen Interpretation und Umsetzung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Warum ist Frankfurt der ideale Standort für (FinTech-) Startups?

Frankfurt gewinnt in der europäischen Finanzlandschaft immer mehr an Bedeutung, immer mehr Banken und andere Finanzinstitute siedeln sich in Frankfurt an. Dies führt zu einem großen Bedarf an Finanz- und Aufsichtskompetenz und demnach auch zu Engpässen bei den verfügbaren Ressourcen. FinTech / RegTech kann Abhilfe schaffen mit alternativen Lösungen für effizientere Prozesse und für den effizienteren Einsatz der ohnehin knappen Ressourcen.

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Der Standort spielt für junge FinTechs eine sehr wichtige Rolle

Wir haben Dr. Jochen Biedermann, Senior Advisor bei Frankfurt Main Finance und FinTech-Experte, gefragt: „Was zeichnet die Region Frankfurt Rhein-Main als FinTech-Standort aus?“ Im Interview gibt Dr. Biedermann spannende Einblicke in die Gründerwelt im Rhein-Main-Gebiet.

Was beeindruckt Sie am meisten, wenn Sie mit jungen FinTech-Gründern sprechen?

Mich beeindruckt am meisten das Gespür der Gründer für neue Ideen und Chancen in der Finanzindustrie sowie der Mut, diese zu realisieren – trotz vieler Entbehrungen und Widerstände. Häufig erleben Gründer einen Wettkampf mit ungleichen Waffen, vergleichbar der Geschichte von David gegen Goliath: hier der Gründer, der seine Ersparnisse und Erfahrungen einbringt und oft jahrelang Tag und Nacht mit Gleichgesinnten ohne festes Gehalt an seinem Projekt arbeitet und auf der anderen Seite das Großunternehmen mit Millionen an Kunden und Umsätzen.

In den letzten Jahren ist dieses Bild allerdings facettenreicher geworden: Erfolgreiche Davids haben sich mit den Goliaths bestens arrangiert und etablierte Finanzdienstleister als Partner oder Kunden gewonnen. Weniger erfolgreiche FinTechs scheitern oftmals an der nächsten Finanzierungsrunde, denn die Geldgeber sind aus gutem Grund sehr wählerisch geworden – in Deutschland wie fast überall auf der Welt ist die die Goldgräberstimmung der ersten FinTech-Jahre vorbei und wir sehen, dass nach und nach die Realität Einzug hält.

Was sind die First Steps eines Gründers, der sich dazu entschließt, sein Unternehmen am Finanzplatz Frankfurt anzusiedeln? An welche Anlaufstellen kann sich ein Gründer in Frankfurt wenden?

Die Standortwahl spielt für aufstrebende FinTechs eine sehr wichtige Rolle. Zugang zu Talent ist vielleicht der wichtigste Faktor. Im Fokus stehen dabei Fragen wie: Wo finde ich Gleichgesinnte, z.B. einen Chief Technology Officer? oder Wo finde ich kostengünstige und erfahrene Entwickler? Hier ist das Rhein-Main-Gebiet mit seiner breiten Hochschullandschaft mit Studienangeboten in den Bereichen Finanzen, Informatik bis hin zu Management und Unternehmertum sehr gut aufgestellt. Dazu kommt ein reiches Reservoir an Managern und Mitarbeitern der klassischen Finanzbranche, die bereit sind die Seiten zu wechseln und etwas Neues aufzubauen.

In der Regel bleiben Gründer aber erst einmal dem Heimatort treu und starten aus ihrem vertrauten Umfeld heraus, insbesondere auch um die Kosten in der Anfangsphase niedrig zu halten. Später geht es dann um Zugang zu Fördermitteln und den Austausch mit Gleichgesinnten in attraktiven FinTech-Zentren. In Frankfurt haben Gründer allein innerhalb der Stadtgrenzen schon jetzt eine Auswahl an neun unterschiedlichen FinTech-Zentren. Neben dem 2016 gestarteten TechQuartier bieten z.B. auch WeWork, Mindspace, The Spot, VABN und natürlich die Angebote der Banken und der Deutschen Börse (hier finden Sie eine Übersicht) Unterstützung. Und nicht zuletzt ist die Nähe zu den potentiellen Kunden ein relevanter Aspekt. Aus diesem Grund siedeln sich viele B2B-FinTechs am Finanzplatz Frankfurt an oder sind zumindest mit einem Büro im Rhein-Main-Gebiet vertreten. Sie suchen den Kontakt zu den Banken und der Börse, um diese davon zu überzeugen, ihre FinTech-Lösungen mit in das Kundenangebot aufzunehmen.

Gelten diese Erfahrungen auch für internationale FinTechs?

Bei internationalen FinTechs aus, die in den deutschen Markt wollen (oft aus dem EU-Ausland kommend) oder einen ersten Standort in der EU suchen, sieht es oft anders aus. Hier spielt nicht nur die Willkommenskultur, sondern auch das regulatorische Umfeld eine große Rolle. Brauche ich Lizenzen und Genehmigungen für mein Unternehmen? Wenn ja, wie geht die zuständige Aufsichtsbehörde mit mir um? Fühle ich mich am Standort gut aufgehoben? Im Rahmen meiner Kontakte zu internationalen FinTechs gebe ich gerne Auskunft und vermittle Kontakte, insbesondere zu den verschiedenen Förderern am Standort wie z.B. die Wirtschaftsförderung und die Frankfurt Rhein Main GmbH, die eine erstklassige Arbeit leisten und gerne helfen.

Eine sehr wichtige Rolle spielen die verschiedenen Acceleratoren und Incubatoren im Rhein-Main-Gebiet. Exemplarisch möchte ich den Accelerator Frankfurt nennen, dessen israelisch/finnisches Gründerteam Maria Pennanen und Ram Shoham schon vielen FinTechs geholfen hat, erfolgreich zu starten und Investoren sowie Kunden zu gewinnen. Ich bin selber beim Accelerator Frankfurt wie auch beim Plug and Play Tech Center in Frankfurt als Mentor aktiv – eine ehrenamtliche Arbeit, die mir immer wieder Freude macht.

Sie sprachen eingangs von der Metapher David gegen Goliath: Vor welchen Herausforderungen stehen junge Gründer am Finanzplatz Frankfurt? Ergeben sich hieraus auch Vorteile?

In Frankfurt hängt die Latte, je nach Geschäftsmodell, oft ein bisschen höher als woanders.

Zum einen hat die BaFin als Finanzaufsicht den Ruf, bei Themen wie z.B. dem Verbraucherschutz keine Kompromisse einzugehen. Insofern hat man dort folgerichtig dem Ruf nach sogenannten regulatorischen Sandkästen (Spielwiesen, auf denen man neue Geschäftsmodelle erst einmal unter Aufsicht ausprobieren darf, bevor man unter die volle Regulierung fällt) frühzeitig eine Absage erteilt. Umgekehrt hilft gerade dies den Gründern oft später, wenn sie international expandieren möchten. Ich habe bereits von mehreren Gründern gehört, dass die Gespräche mit ausländischen Aufsichtsbehörden deutlich leichter gefallen sind, wenn man mit der Erlaubnis der BaFin quasi ein „Gütesiegel“ vorzuweisen hatte.

Zum anderen herrscht eine hohe Konkurrenz am Standort, zum Beispiel um Talente wie Absolventen der regionalen Universitäten. Gerade bei IT-Spezialisten konkurriert man nicht nur mit anderen FinTechs, sondern auch mit Banken, Finanzdienstleistern und den vielen anderen Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet. Das treibt die Gehälter nach oben – hier können junge Gründer leider nicht immer mithalten.

Auf der Seite der Lebenshaltungskosten ist Frankfurt dagegen recht attraktiv, nicht nur im Vergleich mit den großen internationalen Metropolen wie London, New York, Paris, Hongkong, Singapur oder gar dem Silicon Valley, sondern auch gegenüber anderen deutschen Standorten. Öffentlich geförderte Arbeitsplätze wie im TechQuartier sind dabei sicherlich hilfreich.

Gibt es den perfekten Standort für FinTechs?

Ich denke, so etwas wie den einen perfekten Standort für alle gibt es nicht. Dazu sind die Bedürfnisse der FinTechs zu unterschiedlich. Frankfurt punktet insbesondere mit der Nähe zu den Banken und Finanzdienstleistern als möglichen Kunden, der (fast) perfekten Lokation am zentralen Daten- und Verkehrsknotenpunkt in der Mitte Europas, dem regulatorischen Know-how, das die ansässigen nationalen und europäischen Aufsichtsbehörden bieten, dem Mittelstand quasi vor der Haustür und einer aktiven FinTech-Szene mit vielen Treffen und Veranstaltungen.

Wie würden Sie das aktuelle Frankfurter FinTech-Ökosystem beschreiben und wie wichtig ist die Nähe zu den ‚großen‘ und etablierten Banken?

Das Ökosystem ist gut etabliert. Mit rund 110 FinTech-Unternehmen ist das Rhein-Main-Gebiet gut aufgestellt. Viele davon sind erfolgreich unterwegs, auch wenn wir mit 360T (2015 für 725 Mill. € von der Deutschen Börse erworben) und Concardis (in 2017 für mehr als 600 Mill. € von den Finanzinvestoren Bain Capital und Advent übernommen) nur zwei große „Exits“ hatten. Darüber hinaus haben wir an der Deutschen Börse bereits erfolgreiche FinTech-IPOs gesehen, wie den von Creditshelf im Sommer dieses Jahres.

Im Vergleich mit anderen Standorten sehe ich im Rhein-Main-Gebiet eher B2B-orientierte FinTech-Unternehmen. Deren Kunden sind neben dem klassischen Mittelständler, der eine Finanzierung sucht oder der seine Finanzprozesse optimieren möchte, oft die Banken. Typische deutsche Großbanken kooperieren oft mit einem Dutzend FinTech-Unternehmen, die ihnen umfassende Lösungen anbieten – von Kontowechsel, Videoident, Finanzplattformen, Konsumentenkredite und -prüfungen, Zahlungsverkehr, Schnittstellen/APIs bis hin zur Erfüllung der in der Regel sehr aufwendigen regulatorischen Anforderungen durch die sogenannten „RegTechs“. Oft, aber nicht immer, sind diese Banken auch an den passenden FinTechs investiert. Ein Chief Digital Officer einer Großbank sagte mir einmal sinngemäß: Wenn wir über eine FinTech-Lösung unser Kundenangebot verbessern können, dann kooperieren wir und kaufen die Services ein. Und wenn die Lösung so gut ist, dass wir sie nicht bei unseren Wettbewerbern sehen wollen, dann kaufen wir halt das ganze Unternehmen.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Wie wird sich der FinTech-Standort Frankfurt entwickeln?

Wir sehen seit einiger Zeit neue Technologien, die voraussichtlich die Finanzbranche oder zumindest Teile der Finanzindustrie im kommenden Jahrzehnt verändern werden. Dazu gehört zum einen die Blockchain- oder Distributed-Ledger-Technologie. Und natürlich die Nutzung von künstlicher Intelligenz. Auch die Themen Digitale Identität und IT-Sicherheit („Cybersecurity“) sind schon sehr wichtig und werden in den kommenden Jahren noch bedeutender werden.

Während wir beim Thema IT-Sicherheit durch den Cybersecurity-Hub in Darmstadt  in der Region hervorragend aufgestellt sind, kann man das von den drei anderen genannten Themen so noch nicht sagen. Es gibt zwar sehr erfolgsversprechende Ansätze, wie die Aktivitäten um das Blockchain Center der Frankfurt School of Finance and Management oder den Verein Artificial Intelligence in Financial Services e.V., aber diese werden möglicherweise nicht ausreichen, wenn andere Länder Fördermittel in mehrfacher Milliardenhöhe für diese Bereiche bereitstellen.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit in der Finanzindustrie sehe ich sehr positive Ansätze. Das Thema hat sich generell – dank der wichtigen Beiträge der Deutschen Börse und des Landes Hessen –  aus Frankfurt heraus zu einem deutschen Hub entwickelt.
Aber auch die FinTechs tragen dazu bei. Als Koordinator der SDG FinTech-Initiative (SDG = Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen) bekomme ich aus erster Hand mit, was FinTech-Gründer hier alles bewirken können und wie deren Innovationen beispielsweise auf dem afrikanischen Kontinent angenommen werden. Hier haben wir echte „Perlen“ in Frankfurt, die aber oft noch zu wenig bekannt sind. Und Nachhaltigkeit geht uns alle an.

 

 

Dr. Jochen Biedermann berät seit vielen Jahren die Finanzplatzinitiative Frankfurt Main Finance e.V. beim Thema FinTech sowie beim Aufbau und der Entwicklung von Partnerschaften mit anderen führenden internationalen Finanzplätzen. Dr. Biedermann ist weiterhin Geschäftsführer des Weltverbandes der Finanzplätze World Alliance of International Financial Centers, fungiert als FinTech-Koordinator des EU Financial Centre Roundtables, ist Mitglied des FinTech Advisory Councils des Astana International Financial Centres (AIFC), CEO von Blockchain Asia Ltd. in Hongkong sowie Mentor beim Accelerator Frankfurt und dem Plug and Play Tech Center. Dr. Biedermann ist promovierter Mathematiker mit einem Abschluss der Universität Cottbus sowie einem Diplom in Mathematik/Informatik der Universität Göttingen.

Finanzplatz Frankfurt, Fincite, FinTech, Ralf Heim

„The Next Best Step“- Interview mit Ralf Heim, Co-CEO von Fincite

Wie sieht die Geldanlage der Zukunft aus? Ralf Heim, FinTech Pionier und Co-CEO bei Fincite, spricht im Interview über die Arbeit des Frankfurter B2B FinTechs und wirft einen Blick in die digitale Zukunft des Asset Managements. Weiterlesen

FinTechGermany Award ehrt führende FinTech-Unternehmen mit der Golden Garage 2018

Zum vierten Mal wurde am Donnerstagabend, dem 14. Juni 2018, bei dem FinTechGermany Award die „Golden Garage“ verliehen. Mit dem führenden investorenseitigen Gründerpreis zeichneten die Börsen-Zeitung, Business Angels FrankfurtRheinMain, Frankfurt Main Finance und TechFluence herausragende FinTech-, InsurTech- und PropTech-Unternehmen in sechs verschiedenen Kategorien aus.

In der Kategorie „Seed-/Early Stage“ konnte Awamo die Jury überzeugen, Optiopay in der Kategorie „Late Stage“. Als bestes FinTech in der „Growth Stage“ wurde N26 ausgezeichnet, Revolut als „Bestes ausländisches FinTech auf dem deutschen Markt“. Zudem ging der Sonderpreis für das beste „PropTech“ an Exporo. Element Insurance wurde in der Sonderkategorie „Insurtech“ gewürdigt. Die Longlist, die sich aus Bewerbungen und Nominierungen der Jury zusammensetzt, umfasste mehr als 150 Unternehmen.

„FinTechs sind für den Finanzstandort Frankfurt von enormer Bedeutung, damit die Region auch langfristig attraktiv und ökonomisch leistungsfähig bleibt“, sagt Dr. Lutz Raettig, Sprecher des Präsidiums von Frankfurt Main Finance.

„Wir freuen uns, den Startups durch den FinTechGermany Award eine Plattform bieten zu können und schrittweise die Finanzierungskette von Seed-Stage bis Pre-IPO am Standort im Gesamten zu fördern“, so Andreas Lukic, Vorsitzender der Business Angels Frankfurt RheinMain.

„Die Veranstaltung hat sich mittlerweile am Finanzplatz Frankfurts etabliert und hat sich zu einer wichtigen Plattform für den Austausch von Investoren mit der FinTech-Szene entwickelt“, sagt Dr. Jens Zinke, Geschäftsführer der Börsen-Zeitung. „Die deutsche FinTech-Industrie wächst weiter. Wir befinden uns noch in der Frühphase der Digitalisierung des Finanzbereichs“, sagt Michael Mellinghoff, Managing Director bei TechFluence sowie Senior Advisor und Mentor beim FinTech Forum, das bereits seit 2013 regelmäßig in Frankfurt stattfindet.

Das Augenmerk der Jury lag insbesondere auf Finanzierbarkeit, Skalierbarkeit und Exit-Fähigkeit der Unternehmen. Sie bewertete das Geschäftskonzept, Wettbewerbsvorteile, Positionierung, Finanzplan und das Management. Seed-/Early-Stage umfasst FinTechs, die bislang keine oder erste Umsätze vorweisen. Für die Kategorie „Late Stage“ konnten sich Unternehmen mit einem kumulierten Umsatz im mindestens sechsstelligen Bereich bewerben. Ein deutlich sieben – oder mehrstelliger Umsatz sowie internationale Expansion war Voraussetzung für eine Würdigung in der Kategorie „Growth Stage“. Die Sonderpreise zeichnen bedeutende Branchensektoren innerhalb FinTech aus, die zunehmend an Bedeutung gewinnen. Zudem wird der beste ausländische Marktteilnehmer gewürdigt.

Frankfurt Startup Ecosystem Report

Frankfurt: Vom Startup zum Scaleup Ökosystem

Der Schlüssel zum Erfolg liegt bei Universitäten und Unternehmen

Ein neuer umfassender Bericht über das Frankfurter Gründer-Ökosystem hat ergeben, dass der Schlüssel zu einem verstärkten Gründer-Spirit bei den Hochschulen und Unternehmen der Region liegt und zeitnah wachstumsstarke, arbeitsplatzschaffende Scaleups generiert werden könnten. Weiterlesen

Global Startup Ecosystem Report: Frankfurter Startup-Ökosystem erobert Top 10

Der Global Startup Ecosystem Report 2018 beinhaltet Einblicke von über 10.000 Gründern und zeigt auf, was es braucht, um ein dynamisches Startup-Ökosystem aufzubauen. Frankfurt gehört nach 2017 zum zweiten Mal zu den führenden 45 Städten für welche detaillierte Daten erfasst wurden. Das Frankfurter Startup Ökosystem erhielt weltweit besondere Anerkennung für die Schaffung eines FinTech-Clusters und wird mehrfach als zukünftiger Knotenpunkt der neuen Tech Ära präsentiert.

„Frankfurt Rhein-Main verbindet die wichtigste Verkehrsdrehscheibe Deutschlands, den bedeutendsten Finanzplatz in Kontinentaleuropa und den größte Internetknoten der Welt mit den richtigen Talenten, weltweit anerkannter Forschung & Lehre und jahrzehntelanger Erfahrung etablierter Unternehmen. Wir freuen uns sehr, dass die intensiven Bemühungen der Region zur Stärkung des FinTech-Standortes so schnell Früchte tragen. Mit dem vom TechQuartier entwickelten Masterplan für die FinTech- und Startup Region Frankfurt Rhein-Main gehen wir nun gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik einen Schritt weiter. Die insgesamt 20 im Masterplan definierten Maßnahmen zur Förderung von Ideen, Unternehmen und Innovationen von morgen sind der richtige Schritt, um die positive Entwicklung der Region weiter zu befördern und unsere Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.”  Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung.

Einer der Schlüssel zum Erfolg Frankfurts ist laut den Autoren des Berichts die klare Fokussierung auf FinTech. “Frankfurt hat die höchste (zusammen mit einem anderen Ökosystem) Konzentration an Startups in einem bestimmten Teilsektor in den fast 100 Ökosystemen weltweit”, heißt es in dem Bericht. Außerdem flossen gleichzeitig zwischen 2012 und 2017 mehr als 50% der lokalen VC-Investitionen in FinTech-Startups.

„Frankfurt hat eine relativ hohe Anzahl von Startups im B2B-Bereich. Für die FinTech-Branche ergibt sich daraus eine Nähe zu Aufsichtsbehörden und Banken, welche oft in Partnerschaften resultiert. Das Frankfurter Ökosystem bietet beste Voraussetzungen für den Start und das Wachstum eines FinTech-Unternehmens u.a. dank Zugang zu erfahrenen Mitarbeitern und Investoren. Wir sehen FinTechs als Partner zur Innovation unseres Unternehmens und nicht als Wettbewerber”, sagt Swen Moellmann, Head of Digital Strategy & Innovation bei ING-DiBa.

Diese große Konzentration von Finanzexpertise, Banken und FinTech-Startups und die enge Zusammenarbeit der Startups untereinander, führt zu Platz 7 weltweit im Indikator „sense of community“.

„In den letzten zwei Jahren hat sich die Startup Szene in Frankfurt und der Rhein-Main Region rasant entwickelt. Ein wesentlicher Faktor hierfür ist das hervorragende Zusammenspiel der Akteure am Finanzplatz Frankfurt. Das werden wir fortsetzen und so das Potential der Region noch besser nutzen“ sagt Thomas Groß, Stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Helaba.

Global Startup Ecosystem Report. Quelle: TechQuartier Frankfurt

Quelle: TechQuartier Frankfurt

Während der Global Startup Ecosystem Report einen Überblick gibt, wie Frankfurt im Vergleich zu anderen Ökosystemen weltweit abschneidet, ist zusätzlich eine ausführlichere Studie in Arbeit. Diese wird sich insbesondere auf wachstumsstarke Startups (oder Scaleups) konzentrieren und Frankfurt mit anderen führenden Ökosystemen in Asien und Nordamerika vergleichen. Die Ergebnisse dieser Studie werden im Rahmen einer Pressekonferenz im TechQuartier am 12. Juni 2018 vorgestellt.

Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Global Startup Ecosystem Report wird das TechQuartier mit der Plattform TechObserver online gehen, um den Erfolgsbeispielen der Region eine Bühne zu bieten. Die Website wird Daten zu Startups, Talenten, Finanzierungsmöglichkeiten und anderen Erfolgsfaktoren des Ökosystems visualisieren, Erfolgsgeschichten präsentieren und lokale Akteure und Initiativen vorstellen. Die Initiative wird vom Hessischen Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung unterstützt.

 

Quellen: Pressemeldung TechQuartier und Wirtschaftsförderung Frankfurt

Den vollständigen Global Startup Ecosystem Report finden Sie hier.

ReInvent Eröffnungsfeier

Neue Antworten auf die Herausforderungen der Digitalisierung

Frankfurt am Main ist Sitz des ersten Legal Innovation Hub in Kontinentaleuropa. Am 12. April2018 wurde ReInvent eröffnet, die Denkfabrik für neue juristische Lösungen und digitale Produkte in der Hanauer Landstraße im Osten der Main-Metrople. Hier soll ein Ökosystem für Branchenexperten der Rechtsindustrie geschaffen und Austausch von Ideen ermöglicht werden.

Die Herausforderungen der Branche sind enorm. Die Verbindung von Startup-Mentalität und Innovationskultur einerseits mit fundiertem Know-how andererseits, wie sie sich ReInvent vorgenommen hat, soll wichtige Impulse zur Zukunftsfähigkeit der Branche und der Unternehmen, die zunehmend auf Rechtsexpertise angewiesen sind, beisteuern.

Betont wurde bei der Feier zur Eröffnung die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft insgesamt sowie der Rechtsindustrie und die daraus resultierenden Konsequenzen. Steigender Kostendruck und rapide technologische Neuerungen erzeugen gerade in großen Anwaltskanzleien neuen Handlungsbedarf. Die Herausforderungen anzunehmen und zusammen mit den Mitgliedern an Lösungsansätzen und Produkten zu arbeiten, zählt zu den Hauptaufgaben von ReInvent.

Ein Netzwerk aus Spezialisten und Investoren soll somit entstehen, Mitglieder sollen vom Know-How des Hubs profitieren. „Entscheidend ist, dass wir zum ersten Mal alle relevanten Parteien an einen Tisch bringen, um die heutigen Potenziale der Digitalisierung für die Rechtswissenschaft in konkrete Lösungen zu überführen. Wenn Aufgaben zunehmend von Tools und Algorithmen erledigt werden, wollen wir die Freiräume des Legal Innovation Hub nutzen, um die Rechtsberatung auf der qualitativen Ebene voranzubringen. Frankfurt hat das Potenzial, ein aktives Ecosystem im Bereich Legal Tech in Europa zu schaffen. Wie sind hier, um endlich Worte in Taten umzusetzen“, betont Daniel von Devivere, Managing Director von ReInvent.

Neben Baker McKenzie als multinationale Kanzlei, den Rechtsabteilungen führender Industrieunternehmen wie Bosch, Daimler und ZF sowie Wolters Kluwer als Wissensdienstleister ziehen drei Legal Tech-Unternehmen, nämlich Bryter, Lexemo und Streamlaw in den Legal Innovation Hub ein. „Mit ReInvent wollen wir eine Atmosphäre des Teilens erzeugen, denn teilen von Wissen ist der Katalysator für Innovationen, wie wir es schon im Silicon Valley beobachten können“, sagte Dr. Matthias Scholz, Managing Partner von Baker McKenzie Deutschland & Österreich auf der Eröffnungsfeier. Tarek Al-Wazir lobt vorab die Entscheidung Frankfurt als Standort gewählt zu haben, denn mit ReInvent Law habe die Region Frankfurt Rhein-Main einen positiven Schritt getan, sich als führender Standort für die digitale Ökonomie zu etablieren, so der Hessische Wirtschaftsminister.

 

Von Phuong Nguyen.