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3 Fragen an Corinna Egerer zur Frankfurt Digital Finance 2026

Digitale Souveränität, geopolitische Resilienz und die Skalierung von Innovation: Wenn sich die Finanzbranche in Frankfurt trifft, geht es um die großen strategischen Linien. Die Frankfurt Digital Finance bringt dafür internationale Perspektiven und europäische Entscheidungskraft an einen Tisch. Im Interview erklärt Corinna Egerer, warum dieser Austausch gerade jetzt unverzichtbar ist.

Die Frankfurt Digital Finance Conference geht 2026 in ihre siebte Auflage. Seit 2020 haben sich die Rahmenbedingungen für die Finanzwelt stark verändert – von geopolitischen Herausforderungen über die notwendige digitale Transformation bis hin zu Fragen der Finanzierung von Wachstum, Sicherheit und Technologie. Wie spiegelt sich diese Entwicklung im Programm der diesjährigen Konferenz wider, und welche neuen Akzente setzen Sie?

Wir sind an einem Punkt, an dem es nicht mehr nur um das „Ob“ der digitalen Transformation geht, sondern um das „Wie“ der operativen Umsetzung unter globalem Wettbewerbsdruck. Es reicht nicht, dass Europa stark im Erfinden ist, wenn die Wertschöpfung später anderswo stattfindet. Wir beobachten oft, dass wir bei der Frühphasenfinanzierung exzellent aufgestellt sind, aber in der entscheidenden Wachstumsphase den Anschluss verlieren. Unter dem Motto „Europe, Seize the Moment“ rücken wir daher die Wachstumsfinanzierung konsequent in den Fokus. Denn die besten Innovationen nützen uns wenig, wenn wir sie in Europa nicht skalieren können.

Genau hier setzen wir an: Wir diskutieren, wie wir durch die Mobilisierung von privatem und öffentlichem Kapital die Tiefe des europäischen Kapitalmarkts so stärken, dass Scale-ups den Weg zum IPO auch wirklich hier gehen können. Ein wichtiger Hebel, um die europäische Fragmentierung zu überwinden, ist die Initiative um die „EU Inc“ und das „28th Regime“. Die Idee einer solchen supranationalen Rechtsform ist kein bürokratisches Detail, sondern ein entscheidender Schritt: Sie würde Startups erlauben, grenzüberschreitend unter einem einheitlichen Regelwerk zu wachsen, statt an 27 nationalen Hürden zu scheitern. Das reduziert den administrativen Aufwand drastisch und macht Europa als einheitlichen Investitionsraum erst wirklich sichtbar. Frankfurt als internationaler Hub ist der ideale Ort, um diese wirtschaftliche Stärke zu formen – denn sie ist das Fundament für unsere Souveränität.

Die zeitliche Nähe zur Münchner Sicherheitskonferenz und die Diskussionen über digitale und monetäre Souveränität zeigen, wie eng Finanz und Sicherheitspolitik inzwischen miteinander verknüpft sind. Welche Verantwortung trägt Europa in diesem Spannungsfeld, und wie zahlt die Präsenz der internationalen Akteure auf den Finanzplatz Frankfurt ein?

Europas Verantwortung liegt darin, technologische und monetäre Souveränität zu sichern – und das entscheidet sich heute an der Infrastruktur. Wir beleuchten dieses Spannungsfeld sehr genau: Einerseits setzen wir auf die Innovationskraft globaler Hyperscaler, andererseits müssen wir im Bereich Cloud und Cyber-Resilienz eine eigene, unabhängige Cyber-Intelligence wahren. Es geht hier nicht um Abschottung, sondern um Wahlfreiheit und Widerstandsfähigkeit in kritischen Situationen.

Dasselbe gilt für den Zahlungsverkehr. Wir bewegen uns weg von theoretischen Diskursen hin zur Praxis: Wie nutzen wir E-Money, Stablecoins oder Deposit Tokens konkret für programmierbare Zahlungsströme und ein unmittelbares Settlement? Gerade für die Industrie 4.0 liegen hier enorme Effizienzgewinne. Dabei schauen wir genau auf den globalen Kontext: Während wir in Europa mit MiCAR regulatorische Klarheit geschaffen haben, müssen wir uns im Wettbewerb mit Initiativen wie dem US-amerikanischen Genius Act messen. Frankfurt ist hier der natürliche Knotenpunkt. Wenn globale Tech-Giganten und Banken hier zusammenkommen, dann weil sie wissen: In Frankfurt, im direkten Umfeld der EZB, wird entschieden, wie diese Infrastrukturen strategisch für den europäischen Markt genutzt werden.

Mit Themen wie Künstliche Intelligenz, digitale Assets, Tokenisierung und dem European Fintech Day richtet sich die Konferenz klar auf die Innovationskraft Europas. Wie wollen Sie die Zusammenarbeit zwischen etablierten Finanzakteuren, Start- und Scale-ups und Technologieunternehmen fördern, damit Europa im globalen Wettbewerb nicht nur mithält, sondern eine führende Rolle einnimmt?

Wir müssen weg vom reinen Technologie-Hype und hin zu belastbaren Business Cases. Innovation scheitert in Europa oft nicht an der Idee, sondern an der Umsetzung und Skalierung bzw. an der Integration in die bestehenden Systeme der traditionellen Finanzindustrie. Unser Ziel ist es, zu zeigen, wie Technologien wie Künstliche Intelligenz, Quantum Computing oder Tokenisierung aus dem Labor direkt in die Bilanz zu holen sind. Wir müssen demonstrieren, dass diese Technologien Kosten senken oder völlig neue Ertragsquellen erschließen können.

Ein wesentlicher Faktor ist dabei auch der funktionierende Venture-Kapitalmarkt als Motor für Wachstum. Mit dem European Fintech Day schaffen wir den Raum, wo diese Welten produktiv zusammenkommen. Wir bringen die technologische Dynamik der Startups direkt mit institutionellen Investoren, regulatorischer Expertise und der Bilanzstärke etablierter Banken an einen Tisch. Frankfurt Digital Finance ist dabei der Katalysator, der aus losen Kontakten echte Partnerschaften schmiedet. Nur wenn wir diese Kräfte bündeln und die unterschiedlichen Stärken integrieren, kann Europa im globalen Wettbewerb seine Position behaupten und als starker Pol im internationalen Netzwerk agieren.

Der Finanzplatz Frankfurt muss eine führende internationale Konferenz können!

Über die Veranstaltung:

Vom 11.-12. Februar 2026 findet die siebte Ausgabe der Frankfurt Digital Finance im Gesellschaftshaus Palmengarten in Frankfurt am Main statt. Im Mittelpunkt der zweitägigen Veranstaltung steht die Zukunftsfähigkeit des europäischen Finanzmarktes. Seit ihrer Gründung im Jahr 2020 hat sich die Frankfurt Digital Finance als eine der bedeutendsten Plattformen für die Zukunftsthemen der Finanzindustrie in Europa etabliert. Die Konferenz verbindet Tradition mit Innovation und bringt Akteure aus unterschiedlichsten Bereichen zusammen – von Startups über etablierte Banken bis hin zu Investoren. Ziel ist es, die digitale Transformation der Branche aktiv zu begleiten sowie eine nachhaltige Vision für die Zukunft der europäischen Finanzindustrie zu entwickeln. Durch inspirierende Keynotes, praxisorientierte Workshops und vielfältige Networking-Möglichkeiten fördert die Veranstaltung den Austausch über Branchen- und Ländergrenzen hinweg.

Frankfurt Digital Finance auf Social Media: #FDF2026

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