Frankfurter Büromarkt boomt im ersten Halbjahr – starker Ausblick

Der Büromarkt am Finanzplatz Frankfurt knüpft nahtlos an die Rekorde des letzten Jahres an. Im ersten Halbjahr erreichte der Flächenumsatz den dritthöchsten Wert der letzten 10 Jahre. Die ersten drei Monate des Jahres waren das beste erste Quartal seit dem Jahr 2000. Nach Angaben von BNP Paribas Real Estate, CBRE, Savills Investment Management und Jones Lang LaSalle hat die starke Vermietungsdynamik in Frankfurt zur niedrigsten Leerstandsquote seit 15 Jahren geführt – Tendenz für das zweite Halbjahr weiter fallend.

Im Zuge der Brexitverhandlungen haben 25 Finanzdienstleister bereits angekündigt, Geschäftsbereiche oder Kapazitäten an den Finanzplatz Frankfurt zu verlagern. Frankfurt Main Finance erwartet, dass es bis zum Jahreswechsel 2018/19 zur Brexit bedingten Schaffung von rund 2.000 Arbeitsplätzen kommen wird und hält an seiner Potentialschätzung von mittelfristig bis zu 10.000 Arbeitsplätzen fest, die jedoch noch nicht am Immobilienmarkt sofort vollumfänglich nachfragewirksam werden.

Die vom Brexit betroffenen Finanzdienstleistungsunternehmen dürfen weiterhin erwarten, dass sie im Stadtzentrum ausreichend moderne und im internationalen Vergleich kostengünstige Büroräume vorfinden werden. Trotz der sinkenden Leerstandsquote, die laut BNP Paribas Real Estate 8,3% beträgt und dem damit verbundenen Anstieg der Spitzenmiete auf zuletzt 43 EUR/m2/Monat, ist Frankfurt im internationalen Vergleich weiterhin günstig. Die Mieten betragen nur einen Bruchteil der Spitzenmieten in London und Paris, die im zweiten Quartal auf 118 bzw. 71 EUR/m2/Monat anstiegen. In beiden Städten liegt die Leerstandsquote bei unter 6%.

Diese Entwicklungen kommentieren José Martínez, Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH, und Carsten Ape, Managing Director bei CBRE, Andreas Trumpp, Head of Research Deutschland bei Savills Investment Management sowie Markus Kullmann, Team Leader Office Leasing von Jones Lang LaSalle (JLL), und Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V..

Die Abweichungen bei Daten zum Leerstand, Flächenumsatz oder den Mietpreisen zwischen den beteiligten Immobiliengesellschaften ergeben sich aus den jeweils unterschiedlichen Erhebungsmethoden bzw. Grundgesamtheiten. Frankfurt Main Finance unternimmt keine Gewichtung oder Wertung der jeweiligen Methoden, sondern stellt sie transparent dar.

José Martínez, Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH und Frankfurter Niederlassungsleiter

„Der Aufwärtstrend auf dem Frankfurter Büromarkt hält weiter an. Mit einem Flächenumsatz von 273.000 m² im ersten Halbjahr liegt das Resultat knapp 14 % über dem zehnjährigen Schnitt. Im bundesweiten Vergleich fiel der Flächenumsatz nur in München und Berlin höher aus.

In keiner anderen Stadt verteilt sich das Ergebnis so ausgeglichen über die verschiedenen Branchengruppen wie in Frankfurt. Knapp an der Spitze liegen Banken/Finanzdienstleister (14,5 %). Platz zwei entfällt auf Coworking-Anbieter (12 %), die in Frankfurt an Bedeutung gewinnen. Komplettiert wird das Spitzentrio von der Gruppe Medien und Werbung (12 %). Auf den Rängen vier bis sechs folgen Kopf-an-Kopf gleich drei Branchengruppen mit jeweils knapp 11 % Umsatzanteil: die öffentliche Verwaltung, die Informations- und Kommunikationstechnologien sowie die Beratungsgesellschaften. Diese homogene Verteilung unterstreicht eindrucksvoll die sehr breite Nachfragebasis und das lebhafte Marktgeschehen. Zu den wichtigsten Verträgen in der Mainmetropole gehörten die Anmietung von 24.000 m² der FAZ im Europaviertel, 8.300 m² der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland in Heddernheim/Mertonviertel sowie 8.000 m² der Bethmann Bank im Bankenviertel.

Der Rückgang des Leerstands hat sich fortgesetzt und ist auf aktuell 1,28 Mio. m² gesunken – das geringste Volumen der letzten 15 Jahre. Vom Gesamtleerstand verfügen aber nur noch knapp 48 % (611.000 m²) über die von den Nutzern bevorzugte moderne Qualität. Die Leerstandsrate im Gesamtmarkt ist auf 8,3 % gesunken. Das größte Problem: Die Flächenknappheit in den zentralen, stark nachgefragten Lagen. Aufgrund der guten Nachfrage und dem geringen Angebot hat die Bautätigkeit angezogen. Insgesamt befinden sich 592.000 m² im Bau, dem Markt steht davon jedoch nur etwa die Hälfte zur Verfügung; der Rest ist vorvermietet. Zu berücksichtigen ist weiterhin, dass sich ein Großteil des Angebots auf wenige Projekte konzentriert, die darüber hinaus teilweise erst 2023 verfügbar sein werden. Als Ergebnis der skizzierten Nachfrage-/Angebotssituation hat die Spitzenmiete um 12 % auf 43 €/m² zugelegt. Auch bei den Durchschnittsmieten, die auf 18,30 €/m² gestiegen sind, ist eine ähnlich dynamische Aufwärtstendenz zu verzeichnen.

Die gute Nachfragesituation sowie das für die Nutzermärkte weiterhin stützende konjunkturelle Umfeld werden den Flächenumsatz auch im zweiten Halbjahr beflügeln. Dies gilt umso mehr, da der Anteil der Großabschlüsse zulegen dürfte. Vor diesem Hintergrund zeichnet sich für das Gesamtjahr erneut ein überdurchschnittlicher Flächenumsatz ab, der die 600.000-m²-Schwelle überschreiten sollte. Da sich gleichzeitig der Leerstandsabbau, wenn auch verlangsamt, noch fortsetzen wird, ist von weiter steigenden Mietpreisniveaus auszugehen.“

Carsten Ape, Managing Director, CBRE

„Der Standort Frankfurt präsentiert sich dank der weiter gut laufenden Konjunktur in einer dynamischen Verfassung. So beobachten wir am Bürovermietungsmarkt eine ungebrochen hohe Nachfrage. Das erste Halbjahr lag mit einem Büroflächenumsatz von 253.700 m² rund 13% über dem bereits starken Vorjahreszeitraum. Und der positive Schwung zu Jahresbeginn hält an.

Während das erste Quartal dieses Jahres noch durch einzelne Großprojekte wie etwa die Anmietung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von rund 24.000 m² geprägt war, speist sich das Wachstum nun vor allem aus der traditionell stark in Frankfurt vertretenen Finanzbranche: neben Kreditinstituten und Beratungsunternehmen und Rechtsanwaltskanzleien sind es aber auch Unternehmen aus der Immobilienbranche, die Flächen suchen.

Im Fokus stehen zunehmend auch kleinteilige Flächen bis 1.500 m². So fielen allein von dem im zweiten Quartal umgesetzten 106.800 m² rund 53 % auf diese Segmente. Für zusätzliche Belebung sorgt das Coworking: Der Flächenumsatz ist binnen weniger Jahre von 1.100 m² im Jahr 2015 auf 24.800 m² allein im ersten Halbjahr dieses Jahres gestiegen. Vor allem Start-ups fragen diese gemeinschaftlich genutzten Büroräume nach. Dieses innovative Segment erschließt dem Frankfurter Büromarkt neue Wachstumsmöglichkeiten und sorgt für zusätzliche Flexibilität.

Die Leerstandsrate ist in Frankfurt auf 8,5 % gesunken. Dies hat neben der hohen Nachfrage mit der Umnutzung und dem Abriss bestehender Büroflächen wie auch einer überschaubaren Anzahl von Fertigstellungen neuer Immobilien zu tun. Die Bautätigkeit liegt indes weiter auf einem hohen Niveau. Die Pipeline ist gut gefüllt. Bis Ende 2018 sollen 114.000 m² Bürofläche in Frankfurt fertiggestellt werden, davon sind allerdings nur noch gut 16 % verfügbar. Das Angebot schränkt sich immer weiter ein, der Markt kann aber noch atmen.

Der Brexit dürfte vor allem mittelfristig eine große Rolle spielen. Im Moment lässt sich die politische Entwicklung in Großbritannien noch nicht absehen, sodass viele Marktteilnehmer eine gespannte Warteposition einnehmen. Es ist aber absehbar, dass Frankfurt einer der Gewinner des Brexits sein wird.

In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich die positive Entwicklung am Frankfurter Bürovermietungsmarkt fortsetzen. Die anhaltend hohe Nachfrage in Verbund mit der Knappheit an zentral gelegenen Objekten könnte zu einem weiteren Anstieg der Spitzenmieten führen. Dennoch sind nationale wie internationale Investoren auf der Suche nach attraktiven Investitionsmöglichkeiten im Rhein-Main-Gebiet. Frankfurt steht weiter im Fokus.“

Andreas Trumpp MRICS, Head of Research Deutschland, Savills Investment Management

„Der Verlauf der Austrittsverhandlungen Großbritanniens aus der Europäischen Union wird über die Zukunft alternativer Finanzstandorte, wie zum Beispiel Frankfurt, entscheiden. Bereits 2017 konnte der Frankfurter Büromarkt auch nahezu ohne brexitbedingte Umzüge ein Spitzenjahr verzeichnen. Dieser Trend setzt sich im laufenden Jahr positiv fort. Immobilieninvestoren profitieren von der Dynamik Frankfurts und seiner Region. Im jüngst veröffentlichten Savills IM Dynamic Cities Index konnte sich Frankfurt nicht zuletzt deshalb um vier Plätze auf Rang 17 verbessern und gehört damit zu den 20 dynamischsten Städten Europas. Die Mainmetropole profitiert von der hervorragenden internationalen Anbindung mit Bahn und Flugzeug, dem überdurchschnittlich ausgebauten Nahverkehrsnetz sowie der digitalen Vernetzung auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Immobilieninvestoren werden in Frankfurt in allen Größenklassen, Immobiliensegmenten und Risikoprofilen fündig. Damit bietet die Mainmetropole eine Anlagetiefe wie kaum eine andere Stadt in Deutschland.“

Markus Kullmann, Team Leader Office Leasing, JLL

„Der Frankfurter Bürovermietungsmarkt hat bis zur Jahresmitte 2018 ein starkes Umsatzergebnis erzielt. Mit knapp 260.000 m² fallen die Vergleiche mit dem Vorjahr (+ 9 %), dem 5- und 10-Jahresschnitt (+ 28 % bzw. + 14 %) deutlich positiv aus. Frankfurt markiert damit das drittbeste Halbjahresvolumen der letzten zehn Jahre. Eine Großanmietung über 10.000 m², wie die der FAZ in den ersten drei Monaten, gibt es zwar nicht in jedem Quartal. Aber wir sind zuversichtlich, dass in der zweiten Jahreshälfte einige Topanmietungen zu sehen sein werden – auch zu Top-Preisen. Denn Unternehmen, die entsprechendes hochkarätiges Personal suchen oder halten wollen, sind bereit, hohe Mieten für Top-Objekte in Top-Lagen zu zahlen. Da die Nachfragedynamik insgesamt weiter hoch ist, bleibe ich bei der Umsatzprognose von 575.000 m² für 2018.

Ein Problem, mit dem die Akteure auf dem Frankfurter Vermietungsmarkt weiter zu kämpfen haben: Leerstand ist nicht gleich Leerstand. Flächen, die zu haben sind, entsprechen vielfach nicht den Bedürfnissen: der Lage, Ausstattungsqualität, Mietdauer oder Mietpreis. Mittlerweile liegt die Leerstandsquote bei 7,3 % mit weiter fallender Tendenz bis Ende des Jahres auf 6,8 %. Zur Erinnerung: Die höchste Quote lag bei 17,9 %, das war 2006. Ab 2011 (15 %) hat sie dann sukzessive abgenommen.

Auch im zweiten Quartal kamen die dringend benötigten freien Flächen nicht auf den Markt. Und das bleibt auch so bis zum Jahresende. Das Angebot an fertig gestellter Fläche ist in den kommenden sechs Monaten mit rund 10.000 m² auf einem mehr als bescheidenen Niveau. Von einer spürbaren Entlastung auf der Angebotsseite gehe ich aus heutiger Sicht für 2020 aus. Dann könnten bis zu 485.000 m² fertigstellt werden.“

Hubertus Väth, Geschäftsführer, Frankfurt Main Finance e.V.

„Das hohe Vermietungsniveau und die sinkende Leerstandsquote zeigen, dass der Markt für Gewerbeimmobilien am Finanzplatz Frankfurt die Nachfrage gut absorbiert. Die hohe Lebensqualität, die hervorragende Infrastruktur, hohe Konzentration an ausländischen Unternehmen machen den Finanzplatz Frankfurt und die Rhein-Main-Region zu einem der beliebtesten Standorte. Frankfurt ist auf die Geschäftsverlagerungen von London nach Frankfurt in Folge des Brexit gut vorbereitet.“

Der Finanzplatz Frankfurt: Aufsichtsmetropole am Main

Für Aufsichtsbehörden der Europäischen Union ergeben sich mit dem Austritt Großbritanniens neue und komplexe Herausforderungen – daher verwundere es wenig, dass Behörden nun ihre Mitarbeiterzahlen erhöhen, schreibt Bernd Neubacher in der Börsen-Zeitung. In Teil 3 der Serie zum Finanzplatz Frankfurt diskutiert er, wie sich die erhöhte Personalzahl auf den Standort auswirkt.

In den letzten Jahren, so werde dem Finanzplatz nachgesagt, habe sich Frankfurt am Main mit der Ansässigkeit der Deutschen Bundesbank, Teilen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sowie der Europäische Zentralbank (EZB) und der European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA) zur Hauptstadt der Finanzaufsicht entwickelt.

In den ersten vier Monaten des Jahres stockte die BaFin nun die Personalzahl in Frankfurt von 50 auf 750 auf. Wird eine derzeit von der EU-Kommission geplante Reform für die der Europäische Aufsichtsbehörden realisiert, werde die am Westhafen ansässige EIOPA um 35 Mitarbeiter wachsen. Bei der Deutschen Bundesbank wolle man sich derzeit nicht zur zukünftigen Personalplanung äußern, so Neubacher.

Während EZB, EIOPA und Bundesbank zwar Steuerbefreiungen am Finanzplatz erhielten, so hätten die Aufsichtsbehörden eine positive Auswirkung auf die regionale Konjunktur und würden auch andere Institution, wie etwa das European Banking Institute (EBI), anlocken.

Den ganzen Beitrag können Sie hier kostenpflichtig lesen.

Hessen Jahresbericht HA Hessen Agentur

„Weltoffenheit, Lebensqualität und kulturelle Tradition“

Die HA Hessen Agentur hat ihren aktuellen Jahresbericht veröffentlicht

„Unser Bundesland zählt zu den Spitzenreitern in Technologie, Forschung und Entwicklung; seine Unternehmen sich exportfreudig und innovationsstark, die Fachkräfte hervorragend ausgebildet und motiviert, Verkehrs- und Datennetze erstklassig und die Beschäftigung ist auf Rekordniveau“, kommentiert Tarek Al-Wazir, Hessicher Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung, den aktuellen Jahresbericht der HA Hessen Agentur. Zudem seien es vor allem die weichen Standortfaktoren „Weltoffenheit, Lebensqualität und kulturelle Tradition“, die ausländische Investoren vom Standort Hessen überzeugen.

Im ihrem aktuellen Jahresbericht zieht die HA Hessen Agentur GmbH gemeinsam mit ihren beiden Tochterunternehmen, der Hessen Trade & Invest GmbH (HTAI) und der HA Stadtentwicklungsgesellschaft mbH (HA SEG) Bilanz über ihre Aktivitäten in den Jahren 2016 und 2017. Der Jahresbericht vermittelt einen Einblick in die Projekte, mit denen das Land sein Profil schärf und Zukunftsthemen vorantreibt. Ein Highlight des aktuellen Berichts ist ein Gespräch zwischen Dr. Thomas Schäfer, Hessischer Finanzminister, und Dr. Lutz Raettig, Sprecher des Präsidiums von Frankfurt Main Finance, zum Thema „Brexit als Herausforderung und Chance für Hessen“.

Schließlich stehen im Fokus von HTAI vor allem die Herausforderungen und Chancen, die der britische Austritt aus der Europäischen Union für Hessen mit sich bringt. Der Präsident von Frankfurt Main Finance, Dr. Lutz Raettig, und Dr. Thomas Schäfer, Hessischer Finanzminister, diskutieren im aktuellen Jahresbericht die Veränderungen, die der Brexit für das Bundesland im Herzen von Hessen birgt. „Für die Unternehmen der Finanzindustrie gilt es, die Chancen, die im Brexit liegen, zu identifizieren und dann zu nutzen“, sagt Dr. Lutz Raettig. „Der Brexit schafft eine Umbruch-Situation. In jedem Umbruch liegen auch Chancen.“ Das vollständige Interview lesen Sie im aktuellen Jahresbericht 2016/17!

Seit 2013 mehr als 750 Neuansiedlungen internationaler Investoren in Hessen

Hessen Trade & Invest verbindet die Förderung von Zukunftstechnologien und Innovationen mit dem Ausbau internationaler Kontakte und Partnerschaften. In hessischen Wirtschafts- und Wissenschaftszentren wie Frankfurt, Kassel, Darmstadt, Wiesbaden, Gießen und Marburg, aber auch in vielen hessischen Städten in den ländlichen Regionen, entstehen und wachsen Unternehmen, die für den Anschluss an die Top-Positionen der Wirtschaft stehen, so der Bericht. Seit 2013 verzeichnet HTAI mehr als 750 Neuansiedlungen internationaler Investoren in Hessen.

Weitere Highlights des Jahresberichts sind:

Frankfurt Brexit

Der Brexit und die Folgen für Frankfurt – Gastbeitrag in der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen

Der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) wirft nicht nur für den bisher führenden Finanzplatz London wichtige Fragen auf, sondern auch für die zukünftige Finanzarchitektur der EU. Welche Folgen der Brexit für den Finanzplatz Frankfurt hat, diskutiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, in einem Gastbeitrag in der Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen.

Sollte es zu einem harten Brexit kommen, werde sich das auf London fokussierte Finanzsystem der EU nicht wie bisher vorsetzten lassen, da Großbritannien dann ein regulatorischer Drittstaat der Union und somit nicht mehr Teil des Eurosystems wäre. Damit stellten sich wichtige Fragen: „Wer kann, wer muss welche Funktionen übernehmen, um für ausreichende und günstige Finanzierung von Handel und Industrie in der EU zu sorgen? Wie sichern wir die Stabilität des Finanzsystems? Wie verteilen wir die Verantwortung?“ erläutert Väth.

Bisher habe das sogenannte Passporting international agierenden Banken erlaubt, von London aus Geschäfte in der gesamten EU durchzuführen. Das Passporting werde nach dem Austritt Londons nicht mehr gelten, erklärte Väth. Weiterhin schreibt Väth, dass auch das Euroclearing, die technische Abwicklung der auf Euro lautenden außerbörslichen Zinsderivate, ein kritisches Element der zukünftigen Finanzarchitektur sei. Im letzten Jahr wurde in der EU ein Gegenwert von umgerechnet gut 750 Billionen Euro in Derivatgeschäften verrechnet – der Großteil davon, etwas über 90% – über eine in London ansässige zentrale Gegenpartei.

Mit dem Austritt Londons aus der EU werfe dies Fragen des Risikos und der Haftung auf, da ein für die Liquidität des Finanzmarktes im Eurosystem wichtiger Bestandteil nicht mehr unter direkter Aufsicht durch die EZB stehe. „Im Krisenfall hieße dies, dass deutsche beziehungsweise EU27 Steuergelder in massivem Umfang zur Rettung in London eingesetzt werden müssten – ohne die Konditionen bestimmen zu können.“, so Väth im Beitrag. Sollte es zu einer Relokation kommen, sei vor allem der Finanzplatz Frankfurt eine echte Option, nicht zuletzt wegen der Banklizenz der zentralen Clearing-Partei Eurex, die über eine direkte Anbindung an die in Frankfurt ansässige EZB als den Lender of Last Resort verfügt. Sollte im Falle eines Ausfalls eines Clearingteilnehmers innerhalb der zentralen Gegenpartei eine Schieflage entstehen, wäre die Stabilität des Eurosystems weiterhin sichergestellt.

Die Relokaton des Euro-Clearing an einen Finanzplatz der EU27, und somit unter direkter Aufsicht der in Frankfurt ansässigen EZB, gewährleiste hingegen eine unmittelbare Handlungsfähigkeit der Aufseher.

Der Austritt Großbritanniens werde zwar Londons Rolle als Finanzstandort nicht fundamental verändern, jedoch spürbar schwächen. Dies zeigten die Reaktionen internationaler Banken, die Teile ihrer Geschäfte und Arbeitsplätze in andere Finanzplätze der EU verlagert haben – mehr als 20 Finanzinstitute entschieden sich bisher für Rhein-Main-Region, weitere sollen folgen.

Die Entscheidung habe sehr gute und rationalen Gründe: Deutschland habe ein AAA Rating, die über 250 in Frankfurt ansässigen Finanzinstitute sowie mehr als 150 ausländischen Banken und Repräsentanzen, zahlreiche Forschungseinrichtungen im Wirtschafts- und Finanzbereich seien sehr gut vernetzt. Hinzu kämen die vergleichsweise günstigen Mieten für Büro- und Wohnraum, sehr gute Infrastruktur sowie ein qualifizierter und spezialisierter Talentpool im Finanzsektor.

Eine ausführliche Darstellung der Folgen des Brexit können Sie im gesamten Gastbeitrag hier lesen.

Frankfurt Finance Summit 2018 – Ready, Steady, Go!

Am 29. Mai 2018 kamen hochkarätige Persönlichkeiten der nationalen und internationalen Finanzwelt beim achten Frankfurt Finance Summit zusammen. Unter dem Motto Ready, Steady, Go! Who is ready to set the pace in challenging times? trafen sich die Entscheider aus Zentralbanken, Börsen, Aufsichtsbehörden, Banken, Versicherungen, Politik, Unternehmen und Wissenschaft, um die Herausforderungen und Chancen für den europäischen Wirtschaftsraum, Regulierung und die Finanzmärkte insgesamt und den Finanzplatz Frankfurt im Besonderen bietet sowie die strategischen Antworten der Finanzindustrie zu diskutieren. Zudem debattierten Vertreter der Finanzindustrie und Politik die zukünftige Aufsicht und potentielle Relokation des Euro denominierten Derivat-Handels durch zentrale Verrechnungsstellen CCP (Central Counter Parties). Auch das Voranschreiten von „Artificial Intelligence“ in Finanzinstitutionen sowie deren Bedeutung für die Datensicherheit stand auf der Agenda der Veranstaltung.

Einen umfassenden Rückblick auf den Frankfurt Finance Summit 2017 in englischer Sprache finden Sie hier.

Frankfurt Main Finance und die Gesellschaft für Risikomanagement und Regulierung e.V. danken den diesjährigen Sponsoren für Ihre großzügige Unterstützung. Die Deutsche Bank war in diesem Jahr der Gold Partner. Zu den Silber Partnern gehören Deloitte, Deutsche Börse Group, DZ Bank, ING-Diba, Mastercard  und die Wirtschaftsförderung Frankfurt.

Frankfurt Finance Summit im Livestream

Unter dem Motto „Ready, Steady, Go! Who is ready to set the pace in challenging times?“ treffen sich am 29. Mai 2018 Entscheider aus Zentralbanken, Börsen, Aufsichtsbehörden, Banken, Versicherungen, Politik, Unternehmen und Wissenschaft, um sich über aktuelle Fragen rund um den europäischen Wirtschaftsraum, Regulierung und die Finanzmärkte auszutauschen.

Dabei stehen Strategien als Reaktion auf tiefgreifende Veränderungen innerhalb der Finanzindustrie und der Umgang mit Unsicherheit im Fokus. Auch der künftige Verbleib und die Überwachung des Euro-Clearing nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union wird eingehend von den Fachleuten thematisiert. Branchenexperten diskutieren zudem die Herausforderungen, die sich aus der voranschreitenden Entwicklung Künstlicher Intelligenz für Banken und Finanzunternehmen ergeben.

Die Veranstaltung wird hier live im Internet übertragen.

Euro-Clearing nach dem Brexit – Hubertus Väth im Interview mit BBC Radio 4

Der ECON, der Ausschuss für Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments, hat eine Stellungnahme zum künftigen Umgang mit dem Euro-Clearing in Drittstaaten abgegeben. Das Euro-Clearing über zentrale Verrechungsstellen CCP (Central Counter Parties) gilt als ein wichtiger Baustein für die Finanzarchitektur der Europäischen Union nach dem Austritt der Briten aus der Union. Derzeit wird der überwiegende Teil dieser Geschäfte über ein Unternehmen in London abgewickelt. Derzeit läuft die Debatte, ob das so bleiben kann. Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, sagt in einem Interview mit Dominic O’Connell für BBC Radio 4 wie er die Stellungnahme des ECON versteht und welche möglichen Folgen das haben könnte. Der Vorschlag des ECON ist ein erster Indikator für die finale Haltung der EU.

Derzeit ist nicht sicher, welche Auswirkungen der Ausstieg Großbritanniens auf den Finanzplatz London haben wird, jedoch sei davon auszugehen, dass Euro denominierter Derivat-Handel zukünftig unter strengerer Aufsicht durch die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) und Europäische Zentralbank stehen wird.

Frankfurt ist nach London das wichtigste Zentrum für Euro-Clearing und grundsätzlich sei das Vorhandensein mehrerer Clearing-Institute wichtig, um etwa in Krisenzeiten stabiler aufgestellt zu sein, als das in quasi Monopolstrukturen möglich ist. Zwar könne eine Verlagerung des Clearings mit ökonomischen Kosten verbunden sein, jedoch versprachen bisherige Testportfolios Vorteile bei der Altersvorsorge.

Hören Sie das ganze Interview auf Englisch hier.

Eschborn for Business 2018

Eschborn for Business 2018

Das Trendkonzept New York und wie Startups die Arbeitskultur verändern

Die aktuelle Ausgabe des Magazins Eschborn for Business ist erschienen. Das jährlich erscheinende, englisch-deutsche Magazin wirft ein Spotlight auf die Stadt Eschborn als aufstrebenden und modernen Wirtschaftsstandort im Rhein-Main Gebiet, beleuchtet die kommerzielle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und deckt spannende Trends nachhaltiger Stadtentwicklung auf.

In der aktuellen Ausgabe Eschborn for Business 2018 wird über das Trend-Konzept „New York“ berichtet, das Mitarbeitern unter anderem mehr Möglichkeiten für Partizipation und eigenverantwortliches Arbeiten bietet. Was genau sich hinter diesem besonders Innovationsförderenden Konzept verbirgt und welche Rolle agile FinTechs und Start-ups dabei spielen, lesen Sie ab Seite acht.

„FinTechs – Bier und Pizza statt Krawatte?“ Als Pioniere der Innovationskultur bekannt, stellt sich die Frage, wie sie das Wirtschaften erneuern. Die Antwort darauf, gibt es ab Seite 16: „Trotz Digitalisierung wird es in der Wirtschaft künftig mehr denn je um den ‚Faktor Mensch‘ gehen“, sagt Helen Hain, CEO MarketDialog Eschborn. Wussten Sie beispielsweise, dass 24 Prozent der Start-ups einen Kickertisch im Büro haben?

Weitere interessante Reportagen, Interviews und Hintergründe finden Sie in den Rubriken Netzwerke, Wirtschaft, Infrastruktur und Eschborn Aktiv. Ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe:

  • „Small but Smart. Ein Standort mit Qualität“ – Die Stadt Eschborn hat vorteilhafte Rahmenbedingungen und wächst kontinuierlich seit 40 Jahren. Lesen Sie mehr über Eschborns Small-but-Smart-Profil.
  • „Mehr Platz. Mehr Grün. Mehr Wohlfühlen“ – Gertler Estates will neue Maßstäbe in Eschborn Süd setzen.
  • „Eschborn 2030+ Ideen für die Zukunft“ – Gemeinsam mit Bürgerschaft und Wirtschaft arbeitet die Stadt zurzeit an einem ehrgeizigen Projekt: dem Masterplan für Eschborns Zukunft
  • „Der hessische Oscar“ – 30 Ehrenamtliche wurden für ihr vorbildliches Engagement vom Kommunale Kino Eschborn K ausgezeichnet.

Eschborn: Spitzenstandort mit hoher Lebensqualität

Dank einer einzigartigen Verbindung wichtiger Wirtschaftsfaktoren hat sich die Stadt Eschborn mit ihren 21.000 Einwohnern zu einem internationalen und modernen Geschäftsknoten entwickelt. 95 % der 4.000 dort ansässigen Unternehmen sind Dienstleister, hauptsächlich aus den Finanz-, IT-, Beratungs- und Telekommunikation-Sektoren. Etwa 80 High-Tech-Unternehmen haben sich ebenfalls in Eschborn angesiedelt und etablieren die Stadt zum wichtigen Innovationsknoten in Frankfurt Rhein-Main.

Laden Sie sich die neueste Ausgabe Eschborn for Business herunter!

Deutsches Aktieninstitut

Die schöne neue Welt der Abschlussprüfer

Ein Happening der Abschlussprüfer – geht das überhaupt? Ja! Das bewies die lebhafte Konferenz zum neuen Abschlussprüfungsreformgesetz (AreG) des Deutschen Aktieninstituts in Frankfurt. Den Groove erzeugte das mannigfaltige Optimierungspotenzial der neuen Verordnung. Den Beat steuerten diverse Unternehmensvertreter mit ersten Erfahrungsberichten bei. Weiterlesen

CFS Index_April 2018_Centre for Financial Studies

CFS-Index kann Rekordstand vom Vorquartal nicht halten

Umsatz- und Ertragszuwächse sinken, befinden sich aber nach wie vor auf hohem Niveau / Finanzinstitute stellen nach lang anhaltendem Stellenabbau wieder Mitarbeiter ein / Investitionsvolumen stabil

Der CFS-Index, der vierteljährlich das Geschäftsklima der deutschen Finanzbranche abbildet, fällt im ersten Quartal 2018 um 3,4 Punkte, befindet sich mit 116,7 Punkten aber immer noch auf einem guten Stand. Der Rückgang lässt sich auf eine schwächere Entwicklung der Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens sowie auf eine verminderte Ertragskraft, eher bei den Dienstleistern als bei den Finanzinstituten, zurückführen. Diese Entwicklung bestätigt somit die Prognose der Dienstleister aus dem vorangegangenen Quartal, das Rekordwachstum vom vierten Quartal 2017 nicht halten zu können. Andererseits befinden sich die Mitarbeiterzahlen der Finanzbranche im Aufwärtstrend. Die Finanzinstitute stellen nach lang anhaltendem Stellenabbau erstmalig wieder Mitarbeiter ein. Auch das Investitionsvolumen der Finanzbranche bleibt stabil auf einem hohen Niveau.
„Der Gesamtindex folgt eng der rückläufigen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Bei den Mitarbeitern zeigt sich dagegen ein positiver Trend. Erstmals seit langem überwiegen bei den Banken die Optimisten, wie es bei den Dienstleistern schon lange Zeit zu beobachten war. Zusammengenommen spricht dies für positive längerfristige Erwartungen in der Finanzindustrie“, kommentiert Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies, die Ergebnisse.

Die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland wird weiterhin sehr positiv beurteilt, jedoch hat sich diese Einschätzung leicht abgeschwächt.

Mit einem Rückgang um 4,1 Punkte auf 131,8 Punkte liegt der Unternehmensstandort-Index, der die zukünftige internationale Bedeutung des Finanzplatzes Deutschland bewertet, leicht unter den enorm hohen Werten der letzten Quartale.

„Die Bedeutung des Finanzplatzes wird wachsen, das sehen die Marktteilnehmer, wenn auch in etwas verringertem Maße. Der Wettbewerb nach dem Brexit-Referendum hat sich verschärft. Unseren Vorsprung zu verteidigen, erfordert nun stärkere Anstrengungen.“, kommentiert Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V., die Umfrageergebnisse.

Nach einem enorm starken Vorquartal sinken Umsätze und Erträge wieder, befinden sich aber nach wie vor auf hohem Niveau

Nach einem außergewöhnlich starken vierten Quartal 2017 können die befragten Finanzinstitute und Dienstleister das enorme Wachstum ihrer Umsätze bzw. des Geschäftsvolumens nicht weiter halten. Der entsprechende Sub-Index sinkt bei den Finanzinstituten um 4,1 Punkte auf 118,6 Punkte und bei den Dienstleistern sogar um 16,2 Punkte auf 121,3 Punkte. Die Finanzinstitute erwarten auch für das laufende Quartal einen weiteren leichten Rückgang, die Dienstleister hingegen wieder einen leichten Anstieg.

Auch das Ertragswachstum beider Gruppen entwickelt sich rückläufig, bleibt jedoch auf einem hohen Stand. Der entsprechende Sub-Index sinkt bei den Finanzinstituten um 2,8 Punkte auf 111,1 Punkte, für das laufende Quartal wird jedoch wieder mit einem Anstieg gerechnet. Bei den Dienstleistern ist mit -11,4 Punkten auf 122,2 Punkte ein stärkerer Rückgang zu verzeichnen, und es wird ein weiterer Rückgang für das laufende Quartal erwartet.

Investitionsvolumen nahezu unverändert auf hohem Niveau

Das Wachstum des Investitionsvolumens in Produkt- und Prozessinnovationen der Finanzinstitute steigt leicht um 1,0 Punkte auf 114,8 Punkte, und es wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. Bei den Dienstleistern sinkt der entsprechende Sub-Index leicht um 1,3 Punkte auf 112,6 Punkte. Hier wird allerdings mit einem leichten Anstieg im laufenden Quartal gerechnet.

Mitarbeiterzahlen der Finanzbranche im Aufwärtstrend / Finanzinstitute stellen nach lang anhaltendem Stellenabbau wieder Mitarbeiter ein

Nach dem anhaltenden Stellenabbau der letzten Quartale melden die Finanzinstitute erstmalig wieder einen Mitarbeiterzuwachs. Der entsprechende Sub-Index Mitarbeiter steigt um 4,0 Punkte auf 102,6 Punkte. Es wird jedoch erwartet, dieses Niveau im laufenden Quartal nicht ganz halten zu können. Auch die Entwicklung bei den Dienstleistern ist positiv, es werden verstärkt Mitarbeiter eingestellt. Der Sub-Index steigt um 6,2 Punkte auf 123,0 Punkte. Für das laufende Quartal wird mit einem leicht abgeschwächten Mitarbeiterzuwachs gerechnet.