Seit dem 16. März bietet Frankfurt Main Finance auf seiner Website das Vortragsangebot „Finanzen erleben in Frankfurt“ an. Was sind die Gründe für diese Finanzbildungsoffensive?
Die OECD hat 2024 die Finanzkompetenz der Bevölkerung in 38 Ländern untersucht und beschreibt die Finanzkompetenz Erwachsener in Deutschland insgesamt als solide, jedoch mit deutlichen Defiziten bei komplexeren Themen wie langfristiger Vorsorge, inflationsbereinigter Betrachtung, Diversifikation oder digitaler Finanzwelt. Eine Jugendstudie des Bankenverbands aus dem gleichen Jahr spricht von „Finanzbildung mit Defiziten“ und hebt hervor, dass viele Jugendliche zwar ein Konto führen, aber zentrale Anlage- oder Verschuldungskonzepte nur oberflächlich verstehen. Wenn man die daraus resultierenden Defizite wie eingeschränkte langfristige Planung, unzureichende Absicherung gegen Schocks und begrenztes Verständnis von Risiko-Rendite-Zusammenhängen angehen will, muss man bei der Finanzbildung der Bevölkerung ansetzen. Die Akteure am Finanzplatz bieten schon lange vielfältige Bildungsangebote an. Um diese noch mehr in den Fokus zu rücken und einfacher zugänglich zu machen, wurde „FeiF – Finanzen erleben in Frankfurt“ initiiert.
Richtet sich das Besuchsangebot nur an junge Menschen?
Nicht nur, aber vorrangig. Mit der Diskussion um die Frühstart-Rente als neues, staatlich gefördertes Vorsorgemodell für Kinder und Jugendliche in Deutschland ist die finanzielle Situation der jungen Generation wieder mehr in den Fokus gerückt. Eine Studie des BVR hat gerade gezeigt, dass junge Menschen die Bedeutung finanzieller Vorsorge erkennen, ihre Sparziele aber nicht immer vollständig erreichen können. Bei den 14- bis 19-Jährigen übersteigt die Sparnotwendigkeit das tatsächliche Sparvolumen um das Dreifache, bei den 20- bis 29-Jährigen um das Doppelte. Um diese Lücken zu schließen, ist eine Menge Finanz-Know-how erforderlich. Junge Menschen können davon in vielfältiger Weise profitieren. Wer jung beginnt, braucht für das gleiche Endvermögen natürlich deutlich geringere monatliche Beträge als jemand, der erst 10–20 Jahre später startet. Ein langer Anlagehorizont erlaubt zudem mehr Aktien/ETFs im Portfolio, da sich kurzfristige Schwankungen über Jahre eher aussitzen lassen. Grundsätzlich gilt: Wer früh Finanz-Know-how erwirbt, Budgets plant und investiert, entwickelt finanzielle Routinen und Kompetenzen fürs ganze Leben.
Was hat Frankfurt Main Finance in Sachen Finanzbildung noch vor?
Zunächst bin ich sehr zuversichtlich, dass das Angebot von Besuchen und Vorträgen im Rahmen von FeiF noch weiter wachsen wird. Geplant ist auch, digitale Angebote wie Webinare zu ergänzen. Neben der Finanzbildung breiter Bevölkerungsteile werden wir uns aber auch um eine gezielte Förderung der intellektuellen Infrastruktur am Finanzplatz bemühen. Mit Institutionen wie der EZB, Bundesbank, der EIOPA, ISSB, House of Finance und der Frankfurt School of Finance & Management verfügen wir über ein außergewöhnliches Ökosystem im Finanzbereich. Unser Ziel als Finanzplatz sollte es sein, in zukunftsweisenden Themen wie Digital Finance, Sustainable Finance, Künstlicher Intelligenz und Regulierung führend zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, können zum Beispiel Forschungskooperationen zwischen Hochschulen und Akteuren des Finanzplatzes gezielt unterstützt werden.