Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) stellt heute ihren Vorschlag für eine Überarbeitung der europäischen Standards zur Nachhaltigkeitsberichtserstattung (ESRS) vor. Die Europäische Kommission hatte die Überarbeitung in Auftrag gegeben, da die ursprüngliche Fassung das Ziel einer anwenderorientierten und effektiven Regulierung verfehlt hatte. Neben mehr als 1.100 zu prüfenden Datenpunkten hatte insbesondere die mangelnde Kompatibilität zu internationalen Standards für Kritik gesorgt.
„Der erhoffte und nötige Befreiungsschlag ist ausgeblieben. Die vorgeschlagenen Anpassungen werden in wesentlichen Teilen nicht den Bedürfnissen von Unternehmen und Investoren gerecht. Statt Klarheit zu schaffen, wie Informationen fair und klar für finanzielle Stakeholder aufbereitet werden können, kommen neue Datenpunkte und Konzepte hinzu. Statt Komplexität zu reduzieren und Kompatibilität zu internationalen Standards zu schaffen, entsteht neue Unsicherheit.“
Henriette Peucker, Geschäftsführende Vorständin des Deutschen Aktieninstituts
Schon im laufenden Prozess hatten sich Defizite auf mehreren Ebenen abgezeichnet, die sich auf die nun vorgelegten Vorschläge ausgewirkt haben. Mit Blick auf das weitere Vorgehen, fordert das Deutsche Aktieninstitut die Europäische Kommission auf,
- EFRAG mit einem klaren Mandat auszustatten, das die Erwartungen auch hinsichtlich der Ergebnisse und der Beteiligung der Wirtschaft formuliert.
- Mängel in der EFRAG-Governancestruktur abzustellen, die sich unter anderem in einem chaotischen Abstimmungsverfahren zu den nun gefundenen Vorschlägen zeigten.
- EFRAG zu einem Standardsetzer weiterzuentwickeln, der sich maßgeblich an den Interessen der berichtenden Unternehmen orientiert.
- finanzielle Aspekte getrennt von ihren Auswirkungen auf Gesellschaft oder Umwelt zu betrachten.
- jetzt neue Strukturen und Prozesse für neue Standards in der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu schaffen.
„Wir begrüßen die Ankündigung der Europäischen Kommission, die Vorschläge für die Überarbeitung der ESRS-Standards noch einmal zu konsultieren und der Wirtschaft in der Breite eine Gelegenheit zu geben, konstruktive Änderungen vorzuschlagen. Um das wichtige Ziel einer klaren und handhabbaren Nachhaltigkeitsberichterstattung zu erreichen, erwarten wir, dass die EU-Kommission selbst die Standards überarbeitet und die genannten Punkte aufgreift.“
Henriette Peucker, Geschäftsführende Vorständin des Deutschen Aktieninstituts
Quelle: Deutsches Aktieninstitut e.V.