Helaba Finanzplatz-Studie: Bankenstandort Frankfurt im Zeichen von Corona

Für die deutsche Bankenbranche ist die Corona-Pandemie ein großer Belastungsfaktor, der sich bald niederschlagen dürfte und damit zu bereits bestehenden Herausforderungen wie dem andauernden Niedrigzins hinzukommt. Spätestens mit der wiedereinsetzenden Insolvenzantragspflicht Anfang 2021 ist hierzulande vermehrt mit Kreditausfällen zu rechnen. Für die deutsche Finanzbranche insgesamt sollten die Corona-induzierten Auswirkungen nach aktueller Einschätzung verkraftbar sein. Mittelfristig bleiben allerdings die Risiken im nationalen wie im internationalen Finanzsystem hoch.

Vor diesem Hintergrund ändert Helaba ihre Beschäftigungsprognose für den Frankfurter Bankenstandort. Denn der positive Beschäftigungseffekt durch den Brexit dürfte im Prognosezeitraum etwas gestreckter verlaufen (2020-2022: rund 2.000 neue Jobs) und die mittlerweile verstärkte Konsolidierung nicht mehr überkompensieren. Für Ende 2022 erwartet die Helaba nun etwa 62.700 Bankmitarbeiter in Frankfurt. Dies sind rund 2.000 bzw. 3 % weniger als zum Zeitpunkt des Pandemie-Ausbruchs Anfang 2020.


Bankenbranche mit Sonderrolle in dieser Krise

Dank temporär regulatorischer Erleichterungen konnten deutsche Institute ihre Eigenkapitalpuffer ausbauen für eine bessere Kompensation der Krisen-Belastungen, was einen stabilisierenden gesamtwirtschaftlichen Effekt ausübt. Damit ist die Bankenbranche, anders als in der globalen Finanzkrise, diesmal nicht Ursache der Verwerfungen. Vielmehr kommt ihr als finanzieller Motor einer Volkswirtschaft eine wirtschaftspolitisch geförderte Sonderrolle zu, indem durch angepasste Kreditlinien und die Durchleitung öffentlicher Hilfsgelder Liquiditätsengpässe vermieden werden sollen.

In Deutschland ist die vom Staat gewährte Unterstützung besonders umfangreich, verglichen mit den anderen großen Finanzstandorten: Das deutsche Konjunkturpaket (Bund und Länder) beläuft sich auf insgesamt 427 Mrd. Euro und die staatlichen Garantien haben ein Volumen von 827 Mrd. Euro. Demgegenüber kommen Frankreich und Großbritannien auf 235 Mrd. Euro bzw. 213 Mrd. Euro für ihr Konjunkturpaket, die dortigen Garantien belaufen sich auf 331 Mrd. Euro und 377 Mrd. Euro. Weitere Maßnahmen bzw. Verlängerungen bisheriger Hilfen sind angekündigt. Neben den nationalen Konjunkturpaketen gibt es auch supranationale Unterstützung, vor allem in Form des EUWiederaufbaufonds (750 Mrd. Euro). Ferner ist die Europäische Zentralbank (EZB) mit zahlreichen Maßnahmen insbesondere zur Liquiditätsversorgung überaus aktiv.

Brexit-Effekt: Rund 2.000 neue Jobs bis Ende 2022

Die Brexit-bedingte Umstrukturierung setzt sich derweil fort: Mit dem näher rückenden Ablauf der Übergangsfrist zum Jahresende dürften sich die Prozessanpassungen in den Frankfurter BrexitBanken zusehends konkretisieren und den Bedarf an qualifiziertem Personal vor Ort erhöhen. Nachdem die EZB-Bankenaufsicht unlängst noch einmal betont hatte, dass die Brexit-Banken ihre neu aufgebauten bzw. ausgebauten Standorte auch wirklich mit ausreichenden Mitarbeiterkapazitäten versehen sollten, sind diese wohl dementsprechend aktiv geworden. Dabei müssen sie ihre Vorbereitungen bis Ende 2020 soweit getroffen haben, dass sie auch im Fall eines No-Deal-Brexit und ohne umfassende Äquivalenzentscheidung ihren Geschäften kontinuierlich nachkommen können.

Unsere Prognose eines mehrjährigen Brexit-bedingten Beschäftigungsimpulses für Frankfurt von insgesamt etwa 3.500 Stellen gilt weiterhin. Allerdings dürfte dies von den Instituten zeitlich etwas gestreckt worden sein angesichts der besonderen Herausforderung und Unsicherheit durch die Corona-Pandemie. Nach einem Aufbau von schätzungsweise 1.500 Stellen in den Frankfurter Brexit-Banken 2019 dürften hier im Zeitraum 2020 bis 2022 noch rund 2.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Die vollständige Finanzplatz-Studie finden Sie hier als PDF oder auf der Helaba Website.

 

Bild: Klaus Dieter vom Wangenheim/Pixabay