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Nachhaltigkeitsrevolution am Anleihemarkt

Die Bedeutung von ESG am Rentenmarkt wächst. Eine gute Nachricht für die Umwelt, denn die Bekämpfung des Klimawandels benötigt Kapital. Warum jetzt ein guter Zeitpunkt ist, in nachhaltige Unternehmensanleihen einzusteigen, erklärt Simon Frank von Pictet im Gespräch mit Senior Investment Analyst Florian Koch von Frankfurt Main Finance Mitglied Scope.

Der Kampf gegen die globale Erwärmung steht und fällt mit der Verfügbarkeit von Technologie. Genauso wichtig wie das technische Know-how, um Photovoltaikanlagen, Elektromotoren und Energiespeicher zu bauen, ist das Kapital, um sie zu finanzieren. Laut der Internationalen Energieagentur gibt es weltweit einen Kapitalbedarf von rund vier Billionen US-Dollar jährlich bis zum Ende der Dekade, um die Energiewende im nötigen Tempo voranzutreiben. Die Finanzmärkte sind der Herausforderung gewachsen – sofern die Anleihemärkte mitspielen.

Die Voraussetzungen stimmen: Experten beobachten einen Megatrend an den Rentenmärkten, von dem Klima, Gesellschaft, Wirtschaft und nicht zuletzt Anleger profitieren. „Das Marktvolumen nachhaltiger Anleihen könnte sich bis 2025 auf bis zu 4,5 Billionen US-Dollar erhöhen“, meint Simon Frank, Senior Investment Advisor bei Pictet Asset Management. Mit dem Global Sustainable Credit hat Pictet einen Nachhaltigkeitsfonds aufgelegt, der sich auf Unternehmensanleihen spezialisiert. Welche Chancen Frank in dem Segment sieht und welche Rolle der ESG-Impact in der Fondsstrategie spielt, erläutert er im Gespräch mit Senior Investment Analyst Florian Koch von Scope.

In die grüne Zukunft investieren

Beim Pictet – Global Sustainable Credit handelt es sich um einen Impact-Fonds nach Artikel 9. Mindestens die Hälfte des Portfolios ist in nachhaltigen Anlagen investiert – zum Beispiel in Anleihen von Unternehmen, deren Geschäftsmodell positive und messbare Beiträge für eine ökologisch und sozial nachhaltigere Zukunft leistet. Besondere Themenschwerpunkte: Energiewende, Energieeffizienz, Wasserversorgung, Gesundheitswesen und soziale Integration.

Einen Großteil der nachhaltigen Anlagen bilden sogenannte Green Bonds mit ESG-Siegel. Der Emittent verpflichtet sich hier, den Verwendungszweck des investierten Kapitals klar zu definieren und konkrete Nachhaltigkeitsziele zu erreichen – wie die 17 Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen. Traditionelle Anleihen ohne Nachhaltigkeitsfokus sind ebenfalls Teil des Portfolios. Aber auch hier orientieren sich Fondsmanager an ESG-Kriterien und achten auf einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck.

Systematische Selektion

Bei der Titelauswahl verfolgt Pictet einen Bottom-Up-Ansatz. Ausgangsbasis ist das globale Credit-Universum mit 3000 Emittenten. Der erste Schritt ist ein Finanzscreening durch Credit-Analysten, um 1000 solvente und finanziell gut aufgestellte Unternehmen zu ermitteln. Danach erfolgt das zweite Screening – diesmal nach ESG-Kennzahlen. Im dritten Prozessschritt nehmen die Portfoliomanager die Fundamentaldaten der 500 verbleibenden Kandidaten unter die Lupe, um das finale Portfolio mit rund 100 Titeln aufzubauen. Ein High-Yield-Emittent, dem der Sprung ins Portfolio gelang, ist das brasilianische Unternehmen Klabin. Der Zellstoff- und Papierhersteller überzeugt mit einem starken Finanzprofil und verfolgt eine aktive Nachhaltigkeitspolitik, die sich vor allem für biologische Vielfalt einsetzt.

Das Fondsmanagement des Pictet – Global Sustainable Credit legt großen Wert auf aktive Eigentümerschaft – obwohl Anleihe-Investoren im Gegensatz zu Aktionären über keinerlei Stimmrechte verfügen. Wie der Dialog mit der Unternehmensführung trotzdem gelingt, erfahren Sie im Video.

Quelle: Scope Fund Analysis
Titelbild: Unsplash

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