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Die Synergien zwischen Japan und Deutschland

Japan und Deutschland können durch verstärkte Zusammenarbeit die ökologische Transformation leichter schultern, schreiben der Präsident von Frankfurt Main Finance, Gerhard Wiesheu, und der japanische LDPD-Abgeordnete Seiji Kihara.

Seiji Kihara, Mitglied im Japanischen Unterhaus und der Liberal Demokratischen Partei in Japan
Gerhard Wiesheu, Präsident von Frankfurt Main Finance

Die lange Zeit Orientierung bietenden Koordinaten der Geopolitik sind ins Wanken geraten. Der Glaube, immer stärkere wirtschaftliche Integration führe zwangsläufig zu einer tragfähigen Sicherheitsarchitektur, ist erschüttert. Internationale Krisen haben wie zuvor die Covid-Pandemie offengelegt, wie anfällig hocheffiziente “Just in time”-Lieferketten sind. In Zukunft werden sie jedoch nicht allein im Hinblick auf ihre Resilienz neu aufzubauen sein. Es gilt zudem, die Auswirkungen einer globalen Arbeitsteilung auf den Klimawandel zu berücksichtigen.

Vor diesem Hintergrund sehen sich Deutschland und Japan aufgerufen, als stabilisierende, technologisch und wirtschaftlich führende Kräfte eine entscheidende Rolle in Europa und Asien zu übernehmen. Beide Länder vereint nicht allein ein Gesellschaftssystem, das auf dem Vertrauen in universelle Werte wie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit beruht, sondern auch die Herausforderung, ihre Versorgung mit Rohstoffen sicherzustellen.

Gleichklang der Industriestaaten

Der Gleichklang kommt nicht von ungefähr. Die japanische und deutsche Volkswirtschaft sind ähnlich strukturiert. Beide Länder haben ihre Länder nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgreich wiederaufgebaut, mit Hilfe kluger Politik und dem sinnvollen Einsatz finanzieller Instrumente – des Marshall-Plans in Europa und der Dodge Line in Japan. Damals entstanden auch zwei der führenden Entwicklungsbanken: die KfW in Deutschland und die heute als JBIC bekannte ehemalige JEXIM in Japan. Die dritt- und viertgrößte Volkswirtschaft der Welt sind Industrienationen mit breiter, historisch gewachsener industrieller Basis und tief in die globale Arbeitsteilung verwoben, beide traditionell stark bei technischen Innovationen. Im Geiste langjähriger Freundschaft war der Schulterschluss zu einer Transformationspartnerschaft naheliegend, ihr Schwerpunkt liegt heute auf der Stabilität und Widerstandsfähigkeit der Lieferketten bei der Transformation zu Net Zero.

Deutschland und Japan gehören historisch zu den größten CO2-Emittenten pro Kopf und nach absoluten Zahlen. Beide gehören aber auch zu den Unterzeichnern des Kyoto-Protokolls von 1997 und des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015. Seither haben sich beide Länder auf die Strecke begeben. Um die Emissionen nach ersten Erfolgen nun weiter deutlich und schnell zu verringern, stehen beide vor einer Herkulesaufgabe. Die Anpassungskosten werden auf 10 Bill. Dollar in Japan bis 2050 und 7 Bill. Dollar in Deutschland bis 2045 geschätzt. Auch wenn Deutschland und Japan mit einem Haushaltsvermögen von umgerechnet 2,8 bzw. 1,8 Bill. Dollar im Jahr 2021 über zwei der weltweit größten Kapitalstöcke verfügen, übersteigt der Finanzierungsbedarf die jeweiligen Möglichkeiten beider Länder.

Klumpenrisiken durch Marktzugang verringern

Denn die Finanzmarktregulierung untersagt vielen Akteuren, bei der Finanzierung Klumpenrisiken bei Branchen und Unternehmen einzugehen. Dies reduziert die Verfügbarkeit des Kapitalstocks für die Finanzierung inländischer Infrastrukturprojekte. Daher brauchen beide Länder wechselseitig den Zugang zum Markt des anderen Landes, um Anforderungen etwa an die Risikostreuung zu genügen. Notwendig ist zudem der Zugang zum größten Kapitalmarkt der Welt in den USA.

Nicht nur die Industrieländer sind für eine erfolgreiche Transformation auf den Zugang zu Finanzmitteln angewiesen. Rund zwei Drittel aller CO2-Emissionen fallen heute im globalen Süden an, wo die Finanzierungskosten 2,5-mal höher liegen als in den Industrienationen. Es bedarf einer historischen Kraftanstrengung, diese Kosten zu senken und Kapital zu mobilisieren. KfW und JBIC verfügen über die Instrumente und das Know-how, um die Finanzierung eines solchen Wandels so zu strukturieren, dass privates Kapital in ausreichender Menge und zu erschwinglichen Kosten fließen kann.

Expertenwissen teilen

Doch Kapital allein macht noch keine erfolgreiche Finanzierung. Bei einer so weitreichenden Transformation, die die gesamten Wertschöpfungsketten aller Branchen umfasst, wird in vielerlei Hinsicht Neuland betreten. Pioniergeist und -arbeit sind gefragt. Im Finanzierungsprozess wird wertvolles Expertenwissen an den Finanzplätzen geschaffen und gesammelt. In einer Kultur des offenen Austauschs von Informationen und Best-Practice-Lösungen vervielfältigt diese Bündelung von Know-how die Chancen auf Erfolg. Der Wille zu offener Kooperation der Finanzplätze in Deutschland und Japan ist größer denn je, und beide Länder verfügen über die Strukturen, politische Ziele mit geeigneten finanziellen Instrumenten zu unterlegen.

Um politische Beschlüsse in die Tat umzusetzen, werden Banken eine entscheidende Rolle bei der Kanalisierung und Hebelung öffentlicher und privater Mittel und als Risiko-Aggregatoren und -manager spielen. Konkret schaffen Geldhäuser das Bewusstsein für Risiken in globalen Lieferketten durch Risikobewertungen in der Kreditvergabe- und in Kreditüberwachungsverfahren ebenso wie bei anderen Formen der Fremd- und Eigenkapitalfinanzierung oder der Steuerung von Garantien. Außerdem können sie Absicherungs- und Handelsfinanzierungslösungen anbieten, die etwa vor Preis-, Kredit- und Wechselkursrisiken schützen.

Zusammenfassend können, müssen und wollen internationale Finanzzentren eine tragende Rolle bei der Lösung für die anstehenden Herausforderungen übernehmen. Deutschland und Japan und ihre jeweiligen Finanzzentren können eine Vorreiterrolle spielen, indem sie die gegenseitige Zusammenarbeit und Vernetzung verbessern.

Quelle: Gastbeitrag in der Börsen-Zeitung vom 16. Januar

Deutsch-japanische Transformations-partnerschaft

In dieser Frankfurt Main Finance-Studie stellen wir einen dreistufigen Ansatz für den Umgang mit globalen Lieferkettenrisiken vor.
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