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DVFA-Umfrage: Mehrheit fordert stärkere europäische Souveränität

Die Teilnehmer der DVFA-Monatsfrage sehen Europa vor einer entscheidenden Wegmarke. Sicherheitsfragen, Wettbewerbsfähigkeit und die stärkere Integration von Kapitalmärkten gewinnen angesichts geopolitischer Unsicherheiten zunehmend an Bedeutung.

Nach den beiden prägenden Integrationsphasen Europas – der Gründung der Montanunion in den 1950er Jahren sowie der Schaffung des europäischen Binnenmarkts und der Wirtschafts- und Währungsunion in den 1990er Jahren – sehen viele Beobachter nun die Notwendigkeit eines weiteren Entwicklungsschritts. Impulse hierfür liefern unter anderem die Berichte von Mario Draghi und Enrico Letta ebenso wie die aktuelle sicherheitspolitische Debatte über eine mögliche europäische Verteidigungsunion, etwa im Sinne eines von Hans-Werner Sinn skizzierten Europäischen Bundes. In der aktuellen Monatsfrage wurden die DVFA Investment Professionals nach ihren Ansichten zur Lage in Europa befragt.

Klare Mehrheit fordert von Europa den nächsten Integrationsschritt

Die Teilnehmer der DVFA-Monatsfrage sprechen sich mit deutlicher Mehrheit für eine stärkere europäische Handlungsfähigkeit aus. 84 % der Befragten sind der Ansicht, dass Europa jetzt die nächste Entwicklungsstufe einleiten müsse. Lediglich 12 % sehen dies nicht so, während 4 % hierzu keine klare Meinung äußern.

Verteidigungsunion und Binnenmarktvollendung gelten als primär zentrale Handlungsfelder

Im Fokus der Umfrage standen die künftige strategische Ausrichtung Europas sowie notwendige politische und wirtschaftliche Integrationsschritte. Besonders häufig nannten die Teilnehmer eine stärkere Sicherheits- und Verteidigungsunion (33 %) sowie die Vollendung des europäischen Binnenmarktes nach den Vorschlägen des Draghi-Reports (26 %) als prioritäre Maßnahmen. 14 % Prozent sehen zudem die Banken- und Kapitalmarktunion („Savings and Investment Union“) als besonders wichtigen Schritt an. Ein Fünftel (21 %) hält alle genannten Maßnahmen gleichermaßen für erforderlich.

Ein Europa unterschiedlicher Geschwindigkeiten als potenzielles Interregnum

Auch beim Thema „Koalition der Willigen“ zeigt sich eine tendenziell positive Haltung: 49 % der Teilnehmer sehen darin einen richtigen Weg unterschiedlicher Geschwindigkeiten innerhalb Europas. 23 % lehnen dieses Modell ab, während 27 % hierzu keine abschließende Einschätzung treffen.

EU-Rückkehr Großbritanniens aus Sicht vieler Befragter möglich

Mit Blick auf Großbritannien erwarten 41 % der Befragten keine Rückkehr des Landes in die Europäische Union. Gleichzeitig gehen jedoch 26 % davon aus, dass eine Rückkehr grundsätzlich möglich sei, auch wenn sich der Zeitraum derzeit nicht abschätzen lasse. Weitere 26 % rechnen innerhalb der kommenden zehn Jahre mit einem Wiedereintritt.

Finanzmarktteilnehmer erwarten stärkere Regionalisierung der Weltordnung

Für die kommenden zehn Jahre erwarten die Teilnehmer zudem überwiegend eine stärkere Regionalisierung der Weltordnung: 56 % gehen davon aus, dass die Welt geostrategisch regionaler beziehungsweise kontinentaler organisiert sein wird.

„Die Ergebnisse der aktuellen Monatsfrage zeigen deutlich, dass die Finanzmarktteilnehmer Europa vor einer entscheidenden Wegmarke sehen. Sicherheitsfragen, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und eine stärkere Integration der Kapitalmärkte werden zunehmend als Voraussetzungen angesehen, um Europas Handlungsfähigkeit in einer fragmentierteren regionalen Weltordnung zu sichern“, fasst Ingo R. Mainert, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DVFA, die Ergebnisse zusammen.

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