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Green Finance: Frankfurt will aufholen

Börsen-Zeitung, 03.12.2021 – ISSB soll qualitativ hohe und verlässliche Standards „Made in Germany“ liefern

Der Finanzplatz Frankfurt will sich als führender Standort in Sachen Sustainable Finance etablieren. „Wir tun jetzt alles, um aufzuholen“, sagt Philipp Nimmermann, Staatssekretär im hessischen Wirtschaftsministerium, im Podcast Nachhaltiges Investieren der Börsen-Zeitung.

Die Mainmetropole hat zwar mit dem Zuschlag für den Hauptsitz des International Sustainability Standards Board (ISSB) hier einen großen Schritt nach vorne gemacht. Sie ist nach den Worten Nimmermanns aber insgesamt etwas später dran als manch anderer Finanzplatz wie zum Beispiel Amsterdam, Luxemburg oder Paris. Denn lange habe es keinen Rückenwind aus Berlin gegeben. Dagegen hätten die Regierungsparteien in Hessen bereits 2013 im Koalitionsvertrag eine Kooperation mit den Akteuren am Finanzplatz zum Thema Green Finance festgehalten. Daraus habe sich beispielsweise das Green and Sustainable Finance Cluster Germany als Plattform für den Austausch der Akteure entwickelt.

Dauerhafter Beirat

Berlin habe erst jetzt ein klares Bekenntnis zum Thema Sustainable Finance abgegeben. Der Staatssekretär zeigt sich erfreut darüber, dass die Ampel-Koalition den Empfehlungen des Sustainable-Finance-Beirats, der seit 2019 die bisherige Bundesregierung beraten hat, folge und diesen Beirat nun als unabhängiges Gremium dauerhaft etablieren und jetzt auch mit einem Budget ausstatten wolle. Die Arbeit des bisherigen Beirats war bis zum Ende der vergangenen Legislaturperiode befristet, und die Mitglieder waren ehrenamtlich tätig.

Thinktank vorgeschlagen

Und für Nimmermann könnte es sogar noch einen Schritt weiter gehen. Er schlägt vor, über einen Thinktank für nachhaltiges Finanzieren in Deutschland nachzudenken, ähnlich wie Agora Energiewende. Ein Thinktank könnte neben dem Sustainable-Finance-Beirat ein weiterer Schritt sein, um das Thema Nachhaltige Finanzierungen vorausschauend anzugehen und hierzulande schneller voranzubringen. „Denn ohne die Finanzmärkte können wir diese riesengroße Transformation, die der Realwirtschaft bevorsteht, nicht wuppen“, betont er. Neben den notwendigen Rahmenbedingungen, für die die neue Regierung so schnell wie möglich die ersten Schritte einleiten müsse, sei eben auch die Kooperation mit der Finanzindustrie entscheidend. Bei den Banken habe sich in den vergangenen zwei Jahren enorm viel getan. Sie seien jetzt bereit, in die richtige Richtung zu gehen. Greenwashing und Good Governance seien sehr wichtige Themen. Und Frankfurt sei dafür als Regulierungsstandort, wo auch die EZB und die BaFin angesiedelt seien, „genau der richtige Ort“.

Erste Ergebnisse Ende 2022

Das ISSB startet in Frankfurt Anfang kommenden Jahres. „Bereits Ende 2022 sollen die ersten Ergebnisse verkündet werden“, sagte Nimmermann. Das bedeute, dass voraussichtlich Anfang kommenden Jahres die ersten Mitarbeiter vor Ort sein werden. Zu Jahresbeginn sollen auch der Vorsitzende und sein Stellvertreter in einem Auswahlprozess bestimmt werden.

Ziel des ISSB sei es, die international unterschiedlichen Standards auf freiwilliger Basis ein Stück weit zu harmonisieren und eine gemeinsame Sprache zu formulieren. Das werde viele Jahre dauern.

„Ich würde mir wünschen, dass wir bei den Standards nicht den niedrigsten gemeinsamen Nenner finden, sondern den größten“, betont Nimmermann. Und dass man diese Standards mit „Made in Germany“, also mit hoher Qualität, hohem Anspruch, Langlebigkeit und Verlässlichkeit verknüpfe.


Titelbild: Raja Sen via Unsplash
Beitrag: Börsen-Zeitung vom 3. Dezember 2021, S.3 (Zweitveröffentlichungsrecht)

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