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Kreditrisiko: Neue Herausforderungen für die Qualität von Vermögenswerten und fremdfinanzierte Kredite

In diesem Artikel erläutern KPMG-Experten, inwieweit die Banken mit einer noch genaueren Prüfung potenzieller Kreditrisiken rechnen müssen, wobei die Aufsicht einen besonderen Schwerpunkt auf fremdfinanzierte Transaktionen legt.

Die jüngste Bewertung der Auswirkungen der Krise in der Ukraine durch die EZB deutet auf eine potenzielle Verschlechterung der Qualität von Vermögenswerten hin, da die aktuelle Situation zusätzlichen Druck auf anfällige Sektoren und fremdfinanzierte Kreditnehmer ausübt. Die EZB wird ihr Augenmerk weiterhin auf die Kreditrisiken richten und erwartet, dass die Banken die Auswirkungen der sich entwickelnden Krise auf ihre Kreditportfolios angemessen bewerten. Die Banken sollten sich bewusst sein, dass die EZB in den kommenden Monaten einen Schwerpunkt ihrer Aufsichtstätigkeit auf fremdfinanzierte Transaktionen legen wird.

Die EZB hat kürzlich ihren Ansatz zur Bewältigung der neuen Herausforderungen durch die Krise in der Ukraine veröffentlicht, der auf drei Schritten basiert:

Der erste Schritt, die Struktur für das Krisenmanagement, ist nun vorhanden. Die EZB hat auch mit Schritt 2 begonnen, indem sie erste Bewertungen der neuen und aufkommenden Risiken der Krise in der Ukraine durchführt:

  • Analyse der Auswirkungen auf die Banken sowie potenzieller systemischer Risiken; und
  • Bewertung, wie sich die durch den Konflikt entstandenen neuen Risiken auf ihre aufsichtlichen Prioritäten und Schwerpunkte auswirken könnten.

Die sekundären Auswirkungen der Krise in der Ukraine sind für die Aufsichtsbehörden von größter Bedeutung

Auf Makroebene sind die direkten Kreditengagements der europäischen Banken gegenüber russischen Geschäftspartnern überschaubar, da sie relativ gering sind (ca. 0,3 % der Gesamtaktiva laut dem jüngsten EBA-Risiko-Dashboard) und sich hauptsächlich auf eine Handvoll Banken konzentrieren.

Die größten wahrgenommenen Risiken ergeben sich dagegen aus den Auswirkungen auf die Qualität der Vermögenswerte zweiter und dritter Ordnung. Die EZB befürchtet, dass neue makroökonomische und geopolitische Herausforderungen die bereits durch die Pandemie geschwächten Sektoren und Kreditnehmer weiter belasten werden, was im weiteren Verlauf des Jahres zu Anzeichen einer Notlage führen könnte.

Ein breites Spektrum von Faktoren könnte zu einem möglichen Anstieg der Kreditrisiken beitragen, wie z. B. höhere Kosten für Unternehmen – einschließlich Energie und Rohstoffe – und Unterbrechungen der Lieferketten. Auch ein Rückgang des verfügbaren Einkommens der Haushalte könnte sich für die Verbraucher, insbesondere für Familien mit niedrigem Einkommen, als sehr schwierig erweisen.

Die sich entwickelnde Krise und ihre Unwägbarkeiten können es für die Banken komplexer und schwieriger machen, genaue, detaillierte Bewertungen der möglichen Auswirkungen auf die Qualität der Vermögenswerte vorzunehmen. Wie schon während der Pandemie erwartet die EZB jedoch von den Banken, dass sie alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um diese Risiken zu bewerten und ihre potenziellen Auswirkungen auf die Kreditportfolios abzuschätzen. Dazu gehört auch die Aktualisierung von Szenarien und Analysen, die die möglichen direkten und indirekten Auswirkungen auf die Qualität von Vermögenswerten in verschiedenen Regionen, Sektoren und Arten von Kreditnehmern abdecken.

Die EZB verstärkt ihren bereits starken Fokus auf Kreditrisiken, um neu auftretenden Bedrohungen Rechnung zu tragen

Insgesamt hat die EZB in ihrer jüngsten Bewertung ihren Fokus auf die bereits festgelegten SSM-Aufsichtsprioritäten für den Zeitraum 2022 bis 2024 verstärkt, mit denen sichergestellt werden soll, dass die Banken gesund aus der Pandemie hervorgehen, dass strukturelle Schwächen angegangen und neu auftretende Risiken bekämpft werden.

Was die Kreditrisiken betrifft, so hat die EZB mitgeteilt (PDF 622KB), dass sie ihre Bemühungen auf folgende Bereiche konzentrieren wird

  • Aufrechterhaltung der Überwachung von Sektoren, die bereits anfällig für die Pandemie sind, einschließlich aufsichtsrechtlicher Vertiefungen bei Gewerbeimmobilien (CRE) und Wohnimmobilien (RRE).
  • Verstärkte Konzentration auf neue konfliktanfällige Sektoren wie den Rohstoffhandel und die Energieversorgungsbranche, in denen aufsichtliche Tiefenprüfungen durchgeführt werden.
  • Genaue Überwachung von Konzentrationen in Sektoren, die stark von Energie und Rohstoffen abhängig sind.
  • Die Engagements der Banken bei fremdfinanzierten Transaktionen werden weiterhin genau überwacht und bewertet.

Verstärkte Aufmerksamkeit der EZB für fremdfinanzierte Transaktionen

Ende 2021 war der Umfang der Emission von Leveraged Loans so hoch wie nie zuvor, und die Kreditspreads für die riskantesten Leveraged Loans waren auf den niedrigsten Stand seit der letzten globalen Finanzkrise gefallen. Die Auswirkungen der Pandemie haben zu einer Verschlechterung der wichtigsten Leistungsindikatoren geführt, wobei mehr Unternehmenskredite als fremdfinanzierte Transaktionen eingestuft werden. Die EZB befürchtet nun, dass das sich verschlechternde makroökonomische Umfeld und die steigenden Zinssätze die fremdfinanzierten Kreditnehmer weiter belasten und die Risiken in diesem Segment verschärfen könnten.

Experten haben bereits beobachtet, dass die EZB in diesem Jahr ihr Augenmerk verstärkt auf fremdfinanzierte Transaktionen gerichtet hat, u. a. mit dem Schreiben „Dear CEO“ (PDF 408KB), das sie im März 2022 an bedeutende Institute versandte. Dieses Schreiben bekräftigte die Erwartungen, die in den EZB-Leitlinien (PDF 256KB) von 2017 formuliert wurden, und wies auf anhaltende und erhebliche Mängel in den Risikomanagementpraktiken der Banken hin.

Die EZB hat nun eine zweite Runde von Vor-Ort-Prüfungen und thematischen Überprüfungen zu diesem Thema eingeleitet. Sie hat außerdem bekräftigt, dass die Nichtbehebung der festgestellten Mängel in Zukunft zu höheren Anforderungen der Säule 2 (P2R) führen kann. Aus unseren Gesprächen mit Kunden in ganz Europa geht hervor, dass die Banken immer noch vor mehreren Herausforderungen stehen, um die Erwartungen der EZB vollständig zu erfüllen, unter anderem:

  • Die EZB-Definition von fremdfinanzierten Transaktionen weicht immer noch von den Marktpraktiken ab. So sind einige Banken beispielsweise nicht damit einverstanden, dass „gefallene Engel“ in die Definition der Kreditvergabe einbezogen werden und dass Garantien (z. B. von öffentlichen Einrichtungen) nicht berücksichtigt werden. Es bestehen auch Zweifel darüber, wie indirekte Kredite einzubeziehen sind, was die Messung von Leveraged Transactions (LT), wie von der EZB erwartet, erschwert.
  • Es ist unklar, was die EZB als akzeptables Niveau für Transaktionen mit hoher Hebelwirkung (HLTs) betrachtet. Nach Ansicht der Banken gibt es mehrere Gründe, warum die Zahl der fremdfinanzierten Transaktionen, deren Gesamtverschuldung das 6-fache des EBITDA übersteigt, nicht unbedingt eine Ausnahme darstellt. Einer davon ist, dass ein Teil des Anstiegs auf die Verschlechterung der makroökonomischen Bedingungen zurückzuführen ist.
  • Die stärkere Betonung der Risikobereitschaft der Banken für langfristige Kredite durch die EZB stellt eine Herausforderung dar. Dies erfordert von den Banken eine genauere Definition, wie sie die wahrgenommenen Risiken bei fremdfinanzierten Krediten handhaben und wie sie diese mit ihrem RAF verknüpfen, um letztlich sicherzustellen, dass die erhöhte Risikobereitschaft mit den Kapital- und Liquiditätspuffern in Einklang gebracht wird. In diesen unsicheren Zeiten ist es auch schwierig, die relevanten Kennzahlen und eine zukunftsorientierte Perspektive einzubringen.

KPMG geht davon aus, dass die europäischen Banken diese aufsichtsrechtlichen Erwartungen, Herausforderungen und Auswirkungen bereits mit den Joint Supervisory Teams (JSTs) diskutiert haben. Die Experten von KPMG gehen davon aus, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird, da die Relevanz von anhaltenden Mängeln für das zukünftige Niveau von P2R zunimmt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die sich ausweitenden Auswirkungen der Krise in der Ukraine zusammen mit den nachlaufenden Auswirkungen der Pandemie zusätzlichen Druck auf die Qualität der Vermögenswerte ausüben. Kreditrisiken stehen nach wie vor ganz oben auf der Agenda der EZB, mit besonderem Augenmerk auf anfällige Sektoren. Die aufsichtliche Kontrolle wird weiter zunehmen – insbesondere bei fremdfinanzierten Krediten, bei denen die EZB nach wie vor Bedenken hinsichtlich des Risikomanagements hat. Die Banken sollten proaktiv mit JSTs zusammenarbeiten und gleichzeitig auf weitere Kreditrisiken achten, die sich aus der geopolitischen Volatilität und höheren Zinsen ergeben.

Text and Grafik: KPMG
Titelbild: Unsplash

Übersetzung der Redaktion

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