Kurs halten in schwerer See

Die EURO FINANCE WEEK (16.  – 20. November 2020) ist seit 23 Jahren immer im November der Höhepunkt des Veranstaltungsjahres am Finanzplatz Frankfurt: Vier Tage lang diskutieren Entscheider und Experten von Banken, Fondsgesellschaften, Aufsichtsbehörden, Notenbanken und der Politik über das, was die Finanzbranche bewegt. Am fünften Tag steht dann der Frankfurt European Banking Congress (EBC) in der Alten Oper auf dem Programm – zu dem das Who is Who der europäischen Finanzwelt nach Frankfurt kommt.


Doch in diesem Jahr ist alles anders: Wegen der Corona-Pandemie und des neuen Lockdowns müssen die Veranstalter in diesen Tagen die Quadratur des Kreises schaffen – ein Event, bei dem normalerweise hunderte Menschen in großen Hallen Vorträgen lauschen, miteinander ins Gespräch kommen und neue Impulse von hochrangigen Referenten und anderen Besuchern mitnehmen, wird derzeit fast komplett virtualisiert. Ein organisatorischer und technischer Kraftakt sondergleichen.

Mitten im Auge des Sturms behält Andreas Scholz, Vorsitzender der Geschäftsführung der dfv Euro Finance Group und damit Cheforganisator der EURO FINANCE WEEK, den Überblick und hält in schwerer See Kurs. Frankfurt Main Finance gewährt er einen Blick hinter die Kulissen, in den fast komplett digitalisierten „Maschinenraum“ der EURO FINANCE WEEK.

Herr Scholz, der neue Lockdown hat ihre Aufgabe nochmals komplizierter gemacht. Was erwartet die Besucher auf der diesjährigen EURO FINANCE WEEK?

Andreas Scholz: Im Kern bleibt die EURO FINANCE WEEK  das, was sie immer war und was sie immer ausgezeichnet hat – ein Branchentreff, dessen Besuch sich für jeden lohnt, der in der Finanzindustrie ganz vorne mit dabei sein will. Spannende Talks, tolle Referenten und Entscheider, die wirklich etwas zu sagen haben. Dass uns bei dem nicht minder wichtigen Thema Networking dieses Jahr das Corona-Virus einen Strich durch die Rechnung macht, war ja eigentlich schon lange klar. Der neue Lockdown – ausgerechnet jetzt im November – kommt da noch oben drauf und für uns natürlich zur absoluten Unzeit. Ein Volltreffer. Dennoch bleiben wir bei unserem hybriden Veranstaltungsformat – die Zuschauer werden digital dabei sein, viele Referentinnen und Referenten haben uns aber trotzdem zugesagt, in das Zoogesellschaftshaus in Frankfurt zu kommen. Dort sind wir gerade dabei, ein studio-ähnliches Setup zu bauen, unter anderem mit einem neun Meter langen Talk-Tresen, einer großen Arena und damit auch genügend Abstand für alle.

Das hört sich nicht nur organisatorisch, sondern auch technisch höchst komplex an…

Andreas Scholz: Ja und nein. Natürlich muss vor Ort viel umgebaut werden, vor allem brauchen wir deutlich mehr Kamera- und Lichttechnik als normalerweise, aber auch eine reguläre EURO FINANCE WEEK  verlangt den Technikteams einiges ab, das können Sie mir glauben. Hunderte Meter Kabel müssen verlegt, Licht- und Tonanlagen installiert werden. Dieses Mal wird alles mehr wie in einem – zugegeben recht großen – Fernsehstudio aussehen. Für mich als ehemaligem Fernsehjournalisten ist das jetzt nicht so ungewohnt, aber vielleicht für den einen oder anderen Gast auf dem Podium. Hinter dem wird es übrigens eine große Videoleinwand geben, damit auch Referenten, die nicht anreisen können, weil sie aus dem Ausland kommen oder die es wegen Corona vorziehen, doch lieber daheim zu bleiben, teilnehmen können. Da die meisten Menschen, die in der Finanzindustrie arbeiten und zur EURO FINANCE WEEK  kommen, es seit dem Frühjahr gewohnt sind, an virtuellen Veranstaltungen teilzunehmen, wird das für die allermeisten aber hoffentlich qualitativ keinen Unterschied machen. Bild und programmliche Qualität müssen aber stimmen. Und Themen haben wir ja derzeit genug. Letztlich geht es ja dann doch um die Inhalte – was das analoge Netzwerken angeht, müssen wir ja alle das Jahr 2020 mehr oder weniger abschreiben. Stichwort „Netzwerken“: So gut es geht, verlängern wir dies in die digitale Welt. Wir bieten unseren Teilnehmern die Möglichkeit an, Fragen zu stellen, bieten eine Chat-Funktion an und haben einen virtuellen Marktplatz mit digitalen Ständen unserer Partner.

Und der Frankfurt European Banking Congress in der Alten Oper – als krönender Abschluss einer spannenden Woche?

Andreas Scholz: Der muss aus Gründen der Hygiene und des Gesundheitsschutzes in diesem Jahr leider vollkommen digital ablaufen. Das ist zwar angesichts des wunderschönen Gebäudes wirklich sehr schade, aber es gibt keinen anderen Weg. Nur ein kleines Technikteam wird dort vor Ort sein. Und die Tagesmoderatorin. Wir produzieren aber direkt aus dem Mozartsaal, wo auch ansonsten der EBC stattfindet. Damit bleibt auf jeden Fall ein wenig von der traditionellen Atmosphäre. Mehr geht dieses Mal eben einfach nicht, da bitte ich um Verständnis. Qualitativ ändert sich hingegen nichts, ganz im Gegenteil! Die Liste der Vortragenden bei der inzwischen 30. Auflage dieses Ereignisses spricht für sich: Unter anderem werden EZB-Präsidentin Christine Lagarde, Bundesfinanzminister Olaf Scholz, Bundesbankpräsident Jens Weidmann, Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und als Chairman des diesjährigen Kongresses Mark Tucker, Verwaltungsratspräsident der britischen Großbank HSBC, sprechen.

 

Mehr Informationen zur 23. EURO FINANCE WEEK finden Sie hier.

Titelbild: Dimitris Vetsikas/Pixabay