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Die Net Zero Banking Alliance Germany stellt erste Arbeitsergebnisse vor

In der Net Zero Banking Alliance Germany entwickeln Banken gemeinsam Methoden zum Klimaschutz durch Kreditportfolios am Finanzplatz Frankfurt. Erste Ergebnisse liegen vor.

Seit Februar 2021 arbeiten sieben Banken an der technischen und methodischen Umsetzung von Klimaschutz durch Kreditportfolios unter dem Dach der Net Zero Banking Alliance Germany (NZBAG). Die beteiligten Finanzinstitute BNP Paribas, Commerzbank, Deutsche Bank, DKB, DZ Bank, ING und LBBW kooperieren vorwettbewerblich, um ihre Portfolios im Einklang mit den Pariser Klimazielen zu steuern. Ab 2023 soll zu entsprechenden Fortschritten auch vergleichbar Transparenz geschaffen werden.

Im Juli hat die NZBAG erste Arbeitsergebnisse in dem Bericht „Lending to a climate neutral Germany by 2045“ vorgestellt.

Das Green and Sustainable Finance Cluster richtet das Projekt am Finanzplatz Frankfurt aus.

Das sind die Ziele der Net Zero Banking Alliance Germany

  • Technische Lösungen erarbeiten: Gemeinsam die notwendigen Methoden zur Messung der Klimaauswirkungen der Kreditportfolien und deren Steuerung im Einklang mit den nationalen und internationalen Klimazielen entwickeln. Dabei besteht Methodenfreiheit insofern, als dass die zugrundeliegenden Ziele im Einklang mit den Anforderungen der Klimawissenschaft stehen und nachvollziehbar sind.
  • Systematische Integration von Klimathemen in Banken unterstützen: Die gesamte Wegstrecke von der zentralen Banksteuerung über das Datenmanagement sowie Fortbildungsmaßnahmen und Anreizstrukturen bis hin zum systematischen Kundendialog mit der Realwirtschaft begleiten.
  • Rahmenwerk zur Berichterstattung entwickeln: Bis Ende 2022 den Rahmen verbindlich definiert haben, innerhalb dessen die teilnehmenden Institute ihren Fortschritt beim Klimaschutz berichten werden.

Wie kann die Ausrichtung von Portfolios an den Pariser Klimazielen messbar gemacht werden?

In den ersten fünf Monaten der Arbeit der Net Zero Banking Alliance Germany lag der Schwerpunkt auf der Messung der Paris-Kompatibilität von Kreditportfolios. Die NZBAG hat die Voraussetzungen und Entscheidungen erörtert, die notwendig sind, um Kreditportfolios effektiv und vorwärtsgewandt zu steuern. Drei wichtige Aspekte stechen dabei hervor:

  • Die Wahl des Klimaszenarios: Die Wahl des Klimaszenarios beeinflusst den Transformationspfad des Kreditportfolios. Die NZBAG schlägt dazu auch Mindestanforderungen für Klimaszenarien vor.
  • Das Portfoliosteuerungsmodell: Die Banken können zwischen verschiedenen Modellen der Portfoliosteuerung wählen, darunter CO2-Budgets, Technologiepfade, Temperatur-Scores und Schattenpreise. Die NZBAG empfiehlt in erster Linie CO2-Budgets und Technologiepfade, da diese am häufigsten verwendet werden, den engsten Bezug zur Klimawissenschaft haben und am nützlichsten für die Diskussion von Dekarbonisierungsstrategien mit der Realwirtschaft sind.
  • Eine einzige Klimamessgröße für Portfolios zu definieren, die methodenintegrierend genutzt werden kann: Zur Vereinfachung ist es sinnvoll, eine einzige Klimamessgröße für Portfolios zu definieren, die für alle Methoden gleichermaßen genutzt werden kann. Die NZBAG schlägt in diesem Zusammenhang den Climate Action Portfolio Indicator (CAPI) als übergeordnete Portfoliokennzahl vor. Dieser soll verschiedene Messansätze vergleichbar machen.

"The objectives under development by the NZBAG will help to facilitate harmonisation and standardisation in the assessment, analysis of climate risks within the industry and will be beneficial in steering our portfolio."

Chris Jaques, Deutsche Bank Tweet

Einen genaueren Einblick in die Arbeit und Ergebnisse der ersten fünf Monate liefert aktuelle Diskussionspapier. Die NZBAG freut sich über Beiträge, Fragen und Austausch zum Diskussionspapier.

Den Austausch mit der Realwirtschaft gestalten

Im weiteren Verlauf der NZBAG sollen verstärkt (Weiter-) Bildung, Governance-Strukturen, Datengrundlagen und der systematische Kundendialog mit der Realwirtschaft erörtert werden. Dabei soll besonders die Interaktion mit der Realwirtschaft ausgebaut werden – ein Aspekt der in Sustainable Finance Diskussionen oft zu kurz kommt. Die NZBAG wird erarbeiten, was ein Kundendialog an Grundlagen beinhalten muss, damit Banken verstehen, wo Ihre Kund:innen in der Transformation stehen und eine vorwärtsgewandte klimaintegrierende Beratung ermöglicht werden kann. Das beinhaltet auch, welche Fähigkeiten u. a. für Kundenberater:innen benötigt werden, um diesen erweiterten Dialog zu führen.

Kristina Jeromin, Geschäftsführerin Green and Sustainable Finance Cluster Germany, sieht in der Arbeit der NZBAG einen Wettbewerbsvorteil für den Finanzplatz Frankfurt:

Die NZBAG und das Cluster ermöglichen eine umsetzungsfokussierte Kooperation von Banken, dem deutschen Mittelstand, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft. Mit dem erklärten Ziel, konkrete Lösungen zu erarbeiten ist sie der zentrale Ort der Umsetzung, um Deutschland mit Frankfurt als führenden Standort für Sustainable Finance zu positionieren.

Kristina Jeromin, Green and Sustainable Finance Cluster Germany Tweet

Karsten Löffler und Thomas Mog im Interview

Bis Ende 2022 entwickeln die in der Net Zero Banking Alliance Germany organisierten Finanzinstitute vorwettbewerbliche Grundlagen zu vereinheitlichten Kriterien, Methoden und Prozessen, um eine klimagerechte Portfoliosteuerung einerseits und die Kundenberatung andererseits zu unterstützen. Karsten Löffler, Geschäftsführer des Green and Sustainable Finance Cluster Germany, und Thomas Mog, Projektleiter Net Zero Banking Alliance Germany, geben im Interview einen Einblick in das Projekt, aktuelle Entwicklungen und die Bedeutung für die Zukunft des Sustainable-Finance-Standorts Deutschland.

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