Written by 8:00 Finanzplatz, Nachhaltigkeit

Die Umsetzung von Klimaschutz durch Banken am Beispiel der Net Zero Banking Alliance Germany

Im Zusammenhang mit den Chancen und Herausforderungen des Sustainable-Finance-Standorts Deutschland, führen Karsten Löffler und Thomas Mog durch die Arbeit der Net Zero Banking Allianz und des Green and Sustainable Finance Clusters.

Wichtige Banken bekennen sich in der Klimaschutz-Selbstverpflichtung des Finanzsektors zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens. Damit positionieren sich die Banken zu einem Hauptfaktor für Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. In der Net Zero Banking Alliance Germany (NZBAG) arbeiten die Banken vorwettbewerblich an der technischen Umsetzung der Selbstverpflichtung. Das in Frankfurt beheimatete Green and Sustainable Finance Cluster richtet das Projekt aus. Im Interview geben Karsten Löffler und Thomas Mog einen Einblick in die Arbeit der NZBAG und des Clusters.

Herr Löffler, Herr Mog: in der Net Zero Banking Alliance Germany werden Methoden zur Messung der Klimaauswirkungen von Kredit- und Investmentportfolien und deren Steuerung im Einklang mit den nationalen und internationalen Klimazielen entwickelt. Wie sieht denn die Arbeit der NZBAG konkret aus?

Karsten Löffler

Karsten Löffler: Banken stehen vor der Herausforderung, die Klima-Transformation, die ganzheitlich gedacht werden muss, in einzelnen Kreditentscheidungen zu reflektieren. Hierzu bedarf es einer systematischen Integration von Klimaaspekten in der Bank, von der strategischen Ausrichtung über das Risikomanagement bis hin zum Dialog mit den Kund:innen. In der Arbeit der NZBAG wird dieses Gesamtbild in seine einzelnen Teile heruntergebrochen. Methodische und technische Lösungen werden erarbeitet. So wurde beispielsweise im Juli der Report Lending to a climate neutral Germany by 2045 zum Thema klimagerechte Steuerung des Kreditportfolios veröffentlicht. Weitere Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit Anforderungen an Qualifikation und Bildung im Bereich Sustainable Finance sowie einer systematischen Ansprache der Realwirtschaft zu Klimafragen.

Thomas Mog

Thomas Mog: Zwischen den Zielen des Pariser Klimaabkommens und der nötigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft liegt eine lange Strecke. Besonders die Umsetzung der Klimaziele in Geschäftsentscheidungen ist bisher wenig systematisch und in der Breite erprobt. Das gilt auch für den Bankensektor. Ziel unserer Arbeit in der NZBAG ist es, den Bankensektor fit for Paris zu machen. Das heißt für mich zu verstehen, wo die Kund:innen der Banken im Transformationsprozess stehen und was an Unterstützung durch die Banken benötigt wird, um Paris-kompatibel zu werden.

Dazu braucht es Methoden, Fertigkeiten, Daten, Indikatoren, Ziele und eine vergleichbare Berichterstattung. Da diese Herausforderungen alle Banken betreffen und in weiten Teilen noch die Grundlagen erarbeitet werden müssen, haben wir einen vorwettbewerblichen Rahmen geschaffen und arbeiten nun gemeinsam daran.

Weltweit verpflichten sich immer mehr Finanzinstitute zur Einhaltung der Pariser Klimaziele. Wie sehen die Entwicklungen und Projekte in anderen Regionen aus?

Thomas Mog: Der Race to Zero hat begonnen. Wir sehen eine zunehmende Eigendynamik im Bankensektor, sich zu den Pariser Klimazielen und den Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen zu bekennen. In Vorbereitung auf die Klimaverhandlungen in Glasgow hat sich die Glasgow Financial Services Alliance (GFAZ) gebildet, die global für das 1,5-Grad-Klimaziel wirbt. Seit der Wahl von Joe Biden zum US Präsidenten befinden sich auch die US-amerikanischen Banken unter den Treibern. Die NZBAG ist mit ihrem technischen Fokus auf Umsetzung international in der Spitzengruppe und leistet damit einen wichtigen Beitrag, Deutschland als führenden Standort für Sustainable Finance zu positionieren.

Karsten Löffler: Andere Teile des Finanzsystems können dem Bankensektor als Vorbild dienen. Besonders die Arbeit der Net Zero Asset Owner Alliance ist ein gutes Beispiel für Ambition und praktische, messbare Umsetzung. Über 40 institutionelle Investoren weltweit haben sich zusammengeschlossen, um gemeinsame Standards zur Steuerung der Investmentportfolios im Einklang mit den Klimazielen zu entwickeln. Es wird allerdings auch ersichtlich, dass dieser Steuerungsprozess nicht über Nacht entwickelt und eingeführt werden kann und die Umstellung der Portfolios Zeit benötigt. Sicherlich wird Ähnliches auch im deutschen Bankensektor zu beobachten sein.

Vor welchen Chancen und Herausforderungen steht der Sustainable-Finance-Standort Deutschland?

Karsten Löffler: Eine erfolgreiche Wirtschaft braucht ein nachhaltiges und damit zukunftsfähiges Finanzsystem, das mit den Unternehmen die Transformation in der Klimakrise, Digitalisierung und Globalisierung aktiv gestaltet. Hierzu bedarf es eines systematischen Ansatzes und konkreter Lösungen wie sie der Sustainable-Finance-Beirat vorgeschlagen hat. Das Green and Sustainable Finance Cluster Germany zeigt mit der Net Zero Banking Alliance Germany, wie es gehen kann. Eine zentrale Stelle, die den Wandel im Finanzwesen aktiv unterstützt und alle relevanten Stakeholder bei der Lösungsfindung einbindet, ist mein Idealbild. Gleichzeitig ist es aus meiner Sicht eminent wichtig, dass die Politik zielführende Rahmenbedingungen und Leitplanken schafft, begleitet durch Impulse aus der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft. Auch muss der Dialog zwischen Finanzwirtschaft und Realwirtschaft gestärkt werden.

Thomas Mog: Die Banken wiederum müssen Sustainable Finance systematisch operationalisieren. Hierzu zählen bspw. eine Portfoliosteuerung entlang der Nachhaltigkeitsziele, Nachhaltigkeitsaspekte in das Risikomanagement zu integrieren, und den aktiven Dialog mit Kund:innen zu suchen. Denn die Veränderungen zu einer nachhaltigen Entwicklung wird zu großen Teilen durch die Realwirtschaft umgesetzt werden müssen.

Karsten Löffler: Die Herausforderung für den Sustainable-Finance-Standort Deutschland ist es, diese Handlungsstränge koordiniert, umsetzungsorientiert und ambitioniert zu aktivieren bzw. die Ressourcen darauf zu konzentrieren, und das in ausreichendem Umfang. Im Green and Sustainable Finance Cluster Germany erarbeiten wir Lösungen, um Deutschland als Sustainable-Finance-Standort bestmöglich zu stärken.

Von den in der Net Zero Banking Alliance Germany organisierten Finanzinstituten sind einige auch Mitglied bei Frankfurt Main Finance. Welche Rolle spielt der Finanzplatz Frankfurt für die Net Zero Banking Alliance Germany?

Karsten Löffler: Von den aus Frankfurt heraus agierenden Banken werden in der NZBAG wichtige Umsetzungsimpulse zum Klimaschutz gesetzt, mit einer Reichweite die über Frankfurt und Deutschland hinausgeht.

Gibt es denn noch die Möglichkeit, der NZBAG beizutreten?

Thomas Mog: die NZBAG ist offen für neue Mitglieder. Wir freuen uns, die Reichweite im deutschen Bankensektor noch weiter zu erhöhen. Interessierte Institute können jederzeit auf uns zukommen. So profitieren sie einerseits von den bereits erarbeiteten Inhalten und können andererseits noch vielfältig mitgestalten. Sie sparen so den Aufwand für die individuelle Entwicklung von Lösungen.

In der Net Zero Banking Alliance Germany haben sich sieben Banken zusammengeschlossen. Die beteiligten Finanzinstitute BNP Paribas, Commerzbank, Deutsche Bank, DKB, DZ Bank, ING und LBBW engagieren sich zum Thema Sustainable Finance und haben sich dazu verpflichtet, ihre Portfolios im Einklang mit den Pariser Klimazielen auszurichten. Das Green and Sustainable Finance Cluster Germany unterstützt die Net Zero Banking Alliance Germany dabei, vorwettbewerbliche Lösungen und Steuerungsansätze für klimaneutrale Investitions- und Kreditportfolios zu entwickeln.

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