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FIRM-Studie: Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die europäische Bankenwirtschaft

Das Frankfurter Institut für Risikomanagement und Regulierung (FIRM) veröffentlicht den zweiten Teil seiner Studie zu Covid-19. Untersucht wurde, welche Auswirkungen die Pandemie auf die Volkswirtschaft hat, wie die Instrumente zur Krisenbewältigung wirken und welche Effekte sich für die Bankenwirtschaft ergeben.

Die Studie beschäftigt sich mit den Daten zu Risikovorsorge, RWA-Dichte und Kapitalausstattung.
Betrachtet wurden zudem die Entwicklungen auf Unternehmensseite, die Nutzung
der Sonderkreditprogramme sowie die Insolvenzentwicklung.

Covid-19 führt auch 2021 zu weitreichenden Einschränkungen

Die Studie leitet ein mit einer kurzen Analyse der aktuellen Gesundheitsszenarien. Die zweite Welle der Pandemie führte in Deutschland und Europa zu weitreichenden Einschränkungen; die gesundheitlichen Auswirkungen waren schwerwiegender als dies seitens der Politik zunächst erwartet wurde. Mit der aktuellen dritten Welle ist mit weiteren Einschränkungen zu rechnen – mindestens, bis die Impfung der Risikogruppen voraussichtlich im Juli abgeschlossen sein wird.

„Angesichts des globalen Handels und grenzüberschreitender Reisen wird eine Rückkehr zu normalen Bedingungen erst dann wieder möglich sein, wenn das Virus in Ländern mit momentan wenig Zugang zu Impfstoff eingedämmt ist“, so die Prognose von FIRM-CEO Gerold Grasshoff.

Die Auswirkungen der Pandemie auf die Konjunktur wie auch die wirtschaftliche Erholung sind weltweit stark unterschiedlich: Während China für 2021 ein BIP-Wachstum von 10 Prozent gegenüber 2019 erwartet, ist für die USA mit 1 bis 2 Prozent zu rechnen. In Europa stagniert das Wachstum, das BIP dürfte für 2021 um 3 bis 7 Prozent geringer ausfallen als 2019.

Risikovorsorge auf Niveau der Finanzkrise

In Reaktion auf die Krise haben europäische Banken ihre Risikovorsorge-Neubildung um einen Faktor von 2 bis 3 erhöht, so die Ergebnisse der Analysen. Demnach ist das absolute Niveau bereits mit dem der Finanzkrise vergleichbar (Deutschland ~35 vs. ~50 bps). Doch trotz der hohen Risikovorsorge ist die Kapitalsituation der Banken stabil und der Abstand zu den regulatorischen Anforderungen ist ausreichend: Die RWA-Dichte 2020 reduzierte sich in Deutschland um 1 Prozent und in Europa um 3 Prozent. In Summe führte dies zu einer Verbesserung der CET1-Quote in Deutschland von 13,8 auf 13,9 Prozent, in Europa von 13,9 auf 14,7 Prozent, trotz Krisenjahr.

Insolvenzquote in Europa sinkt – aber es ist mit Nachholeffekten zu rechnen

Die Studie untersucht auch, wie sich die Lage auf Unternehmensseite entwickelt und welche Auswirkungen dies auf die Zahlungsfähigkeit hat. Auffällig ist, dass die Insolvenzanmeldungen in Europa signifikant unter den Vorjahreszahlen liegen, begründet durch politische Moratorien und Wirtschaftsförderung in der Krise.

„Mittelfristig ist damit zu rechnen, dass die entstandene Lücke gegenüber den zu erwartenden Insolvenzen mindestens geschlossen wird“, erläutert Grasshoff.

Er hebt hervor, dass die staatlichen Hilfsmaßnahmen erfolgreich wirken und die Liquiditätssituation in der Wirtschaft gesichert ist. Nun gelte es, die Maßnahmen weiterhin konsequent zu nutzen, zu prüfen und auszuzahlen. Doch auch wenn die Auswirkungen der Krise bislang stark abgemildert wurden, sind die Verschuldungsquoten vieler Unternehmen zwischenzeitlich gestiegen. Gepaart mit noch ausstehenden Insolvenzen und den weiteren Einschränkungen aus dem negativen Gesundheitsszenario ist damit zu rechnen, dass sich die wirtschaftliche Lage langfristig eintrübt und auch die Banken belastet.

Banken als Teil der Lösung der Covid-Krise

„Die Lage für die Banken ist aktuell vergleichsweise entspannt. Sie haben gut vorgesorgt und so eine stabile Ausgangsbasis geschaffen. Das ist wichtig, weil die Banken so Teil der Lösung in der Covid-Krise sind und dies auch bleiben werden“, lautet Grasshoffs Fazit.

Die Langfristfolgen der Krise werden einige Branchen und Länder jedoch stärker belasten und so dürfte sich die angespannte wirtschaftlichen Lage auch auf die Banken auswirken und sie vor zusätzliche Profitabilitätsherausforderungen stellen.

Aus der Studie lassen sich Handlungsempfehlungen ableiten:
Für die Banken gilt, die zu erwartenden Branchenauswirkungen in der Portfoliosteuerung zu berücksichtigen, sich kapitalseitig und prozessual auf ein andauerndes, höheres NPL-Niveau vorzubereiten und die Profitabilität bei gleichzeitiger Unterstützung des Strukturwandels weiter zu stärken.

Der Regulator sollte die Kapitalsituation und die NPL-Entwicklung weiter im Blick behalten sowie die Grundlage für strukturell profitable Banken schaffen. Dies umfasst das Vorantreiben der Bankenunion, um eine Erleichterung von Konsolidierungen im europäischen Rahmen zu ermöglichen.

Die Politik sollte die schnelle und unbürokratische Auszahlung der schon beschlossenen Hilfsmittel sicherstellen sowie kontinuierlich prüfen, ob weitere Kapitalmaßnahmen bzw. Anpassungen der bestehenden Instrumente notwendig sind. Hier ist insbesondere auf den Mittelstand zu achten.

Hier geht es zur vollständigen Studie.

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