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Netzwerkeffekt stärkt Fondsstandort Frankfurt

Das deutsche Fondsmanagement konzentriert sich auf wenige Standorte – vor allem auf Frankfurt. Oft vertrauen deutsche Anleger aber auch ausländischen Adressen ihr Vermögen an.

Das deutsche Fondsmanagement konzentriert sich auf Frankfurt: Rund 61% der Vermögen, die Fondsgesellschaften von Deutschland aus verwalten, entfallen auf die Mainmetropole, wie der Branchenverband BVI festhält. “Da nur wenige tausend Personen im Portfoliomanagement arbeiten und von Netzwerkeffekten wie regional verfügbaren Fachkräften und Dienstleistern profitieren, konzentriert sich die Portfolioverwaltung auf wenige Standorte”, heißt es in einer Analyse. Zweitwichtigster Standort mit 18% ist München. Der Verband bezieht sich auf Daten zum Jahresende.

In Frankfurt dominieren die vier Dickschiffe DWS, Allianz Global Investors, Union Investment und die Deka-Gruppe das Portfoliomanagement. Weil die Adressen einen Großteil der Publikumsfonds in Deutschland verwalten, entfällt annähernd die Hälfte der verwalteten Vermögen am Main auf Privatanleger. Helaba Invest, Universal-Investment, Metzler, Oddo BHF und einige andere treten vor allem an institutionelle Investoren heran. Mit Acatis, Shareholder Value, Lupus alpha und weiteren Adressen mischen auch unabhängige Vermögensverwalter mit.

In München prägen die Meag als Teil des Munich-Re-Konzerns, die Allianz-Tochter Pimco, die BayernLB-Tochter BayernInvest und die Deutschlandeinheit von Amundi den Markt. Vor allem das Geld institutioneller Kunden wird an der Isar betreut. In Köln ist Flossbach von Storch ein Schwergewicht, in Düsseldorf HSBC. In Hamburg liegt der Fokus auf Immobilien. Hier sitzen etwa Union Investment Real Estate und HIH Invest.

Ausländische Häuser am Drücker

Insgesamt halten deutsche Anleger mehr Geld, als tatsächlich hierzulande verwaltet wird. Ausländische Adressen kommen also häufiger für deutsche Anleger zum Zug als umgekehrt deutsche Vermögensverwalter für ausländische Investoren. Laut BVI beträgt der Unterschied 59 Mrd. Euro. Vor zehn Jahren war es umgekehrt: Damals floss unterm Strich mehr Geld nach Deutschland.

Die starke Rolle ausländischer Adressen liegt auch am Konstrukt der Master-Kapitalverwaltungsgesellschaft (Master-KVG). Dabei lassen institutionelle Investoren ihr Vermögen zwar im Spezialfondsmantel von einer deutschen Adresse bündeln. Doch für das Portfoliomanagement selbst kommen dann ausländische Anbieter zum Zug. Regelmäßig werden deutsche Adressen aber auch für ausländische Anleger tätig. Der Markt ist international geprägt.

Ein Kommen und Gehen

Die Konzentration der Branche erleichtert den Wechsel, wie prominente Beispiele zeigen. Björn Jesch, langjähriger Investmentchef von Union Investment, wechselte zur Credit Suisse und danach zur DWS, wo er heute von Zürich aus als globaler Investmentchef auftritt. Frank Engels, Portfoliomanagement-Vorstand von Union Investment, war ebenfalls zur DWS gegangen, ehe er 2022 nach wenigen Monaten zurückkam. Ingo Speich, Leiter für Nachhaltigkeit und Corporate Governance, verließ ebenfalls Union Investment und ging 2019 zur Deka-Gruppe.

Der Markt ist rauer geworden: So läutete Union Investment unlängst einen Sparkurs ein, während die DWS sich von Führungskräften auf Ebene der Managing Directors trennte. Sechsstellige Gehälter sind in der Branche aber weiter häufig.

Quelle: Börsen-Zeitung vom 23. August, von Jan Schrader (Zweitveröffentlichungsrecht)
Titelbild: Unsplash

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