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Plattformökonomie – Chance für die Bankenbranche

Durch Kooperationen mit anderen Marktteilnehmenden und Integration in digitale Ökosysteme neue Geschäftsmöglichkeiten realisieren

Die Plattformökonomie hat die Bankenwelt längst erreicht. Institute, die die Chancen erkennen und ergreifen, erschließen dem eigenen Haus neue Geschäftspotenziale. Und sie sichern Kundinnen und Kunden den Zugang zu innovativen Vertriebskanälen und Produkten. Die Helaba hat diesen Weg frühzeitig eingeschlagen und ihren ganz eigenen Ansatz entwickelt – Kooperation mit anderen Marktteilnehmenden und Integration in digitale Ökosysteme. Mit diesem Ansatz sichert die Landesbank zudem Sparkassen einen einfachen Zugang zu diesen digitalen Plattformen, um ihnen die Teilhabe an den Mehrwerten zu ermöglichen. Mit vc trade und komuno unterstützt die Helaba bereits zwei erfolgreiche digitale Marktplätze am Finanzplatz Frankfurt.

Plattformökonomien haben in den vergangenen 20 Jahren den Handel und das Kaufverhalten in Deutschland elementar verändert. Vermehrt nutzen Produkt-Anbieter und -Käufer heute digitale Marktplätze, die mit schnellem und einfachem Zugang rund um die Uhr punkten. Amazon, AirBnB oder auch Uber haben sich weltweit zu den größten Unternehmen mit Plattform-Ansätzen entwickelt. Viele Produktanbieter nutzen die Plattformen, um sich in kürzester Zeit weiterreichende Marktanteile zu sichern und Geschäfte zu skalieren. Die dahinterliegende Logik birgt auch enorme Chancen für die Bankenbranche.

In einer Plattformökonomie spielen Banken eine essenzielle Rolle – nicht allein bei der Erleichterung von Finanztransaktionen zwischen Käufern und Verkäufern auf verschiedensten Plattformen, sondern auch in Bezug auf das eigene Geschäftsmodell. Denn Plattformmodelle bieten schon heute enormen Mehrwert für Kunden in allen Bereichen.

Banken haben das Potenzial, sich aktiver an der Plattformwirtschaft zu beteiligen, indem sie ihre eigenen Plattformen oder Dienstleitungen anbieten. Wenngleich die Plattformökonomie auch das traditionelle Bankwesen teilweise verändert, können Banken diese neue Realität nutzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben, neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen, und den Mehrwert für die eigenen Kunden zu stärken.

Grundlage für die erfolgreiche Implementierung einer Plattformökonomie ist eine moderne IT-Architektur, die Schnittstellen in die verschiedenen Systeme ermöglicht. Die Helaba trägt diesem Umstand mit einer umfassenden IT-Modernisierung Rechnung. Das Programm, das über mehrere Jahre angelegt ist, wird nach Finalisierung ein zusätzlicher Innovationstreiber sein.

Starke Partner gesucht

Unabhängig davon, ob man selbst entwickelt oder auf eine bestehende Lösung aufsetzt – erfolgreiche Plattformen brauchen starke Partner. Die Helaba hat daher bereits in den vergangenen Jahren verstärkt auf den Aufbau und die Investition in Plattformen und Ökosysteme gesetzt. Als Partner des TechQuartiers, dem Fintech Hub und Start-up-Akzelerator in Frankfurt am Main, sucht die Landesbank nach neuen Technologien, Start-ups und Ideen, die bei der Weiterentwicklung ihres eigenen Geschäftsmodells helfen können. Der Finanzstandort Frankfurt bietet hier einen optimalen Entwicklungsraum, in dem fundiertes Branchenverständnis auf technologische Innovationen trifft.

Früh erkannte die Helaba als eine der führenden Arrangeure von Schuldscheindarlehen das Potenzial der digitalen Plattform. Eine Plattformlösung, die den etablierten Prozess vom Emittenten unter Einschaltung der Bank bis hin zum Investor vollumfänglich digital abbildet. Emittenten, Investoren, die arrangierenden Banken sowie Anwälte und Ratingagenturen profitieren von einem durchgängigen, transparenten Kommunikationsstrang, gemeinsam nutzbaren Daten und Dokumentenräumen sowie integrierten Schnittstellen in die Abwicklungssysteme. Die Plattform vc trade erhöht damit Transparenz, Effizienz und Geschwindigkeit der Emission und verringert dabei signifikant die Kosten der Transaktion.

In enger Zusammenarbeit – die Helaba brachte ihr Marktverständnis und den Marktzugang mit – wurde die Plattform weiterentwickelt. Dabei standen die Bedürfnisse aller Marktteilnehmer sowie die Usability der Anwendung stets im Fokus. Heute ist die Plattform Marktführer bei Schuldscheinemissionen und wird zum zentralen Marktplatz für Private Debt ausgebaut. So können mittlerweile auch Konsortial- und Immobilienkredite über vc trade syndiziert werden. Da über die digitale Lösung Stückelungen beliebig skalierbar sind, nutzen auch immer mehr Sparkassen vc trade zur Kapitalanlage oder für eigene Kredit-Syndizierungen. Erst kürzlich hat die Landesbank Anteile an der Plattform erworben und damit ihr Engagement unterstrichen. Ein gelungenes Beispiel für die Kooperation mit einem Fintech, bei dem die Bank als Intermediär sowie als vertrauensvoller und zuverlässiger Partner nicht wegzudenken ist.

Komuno – Eigenentwicklung

Komuno vermittelt als digitale Plattform Kommunalfinanzierungen zwischen Kommunen und Bankinstituten und vereinfacht dabei den Ausschreibungsprozess. Bei der Implementierung hat die Helaba bewusst einen anderen Weg beschritten und auf eine eigene Neuentwicklung gesetzt. Im Joint-Venture von Helaba Digital und Lucht Probst Associates GmbH wurde die Plattform entlang der konkreten Bedürfnisse der Kundengruppe Kommunalfinanzierung konzipiert. Entsprechend dieser Bedürfnisse ist die Plattform ein offener Marktplatz, auf dem Kommunen zwischen verschiedenen Angeboten der Bankinstitute unterscheiden können. Großes Plus in diesem Zusammenhang ist die Anbindung an die sparkasseneigene IT-Umgebung OS-Plus, die den Zugang für Sparkassen an dem Bieterverfahren erleichtert.

Auf Basis der technischen Plattform ist auch eine Closed-Shop-Variante kurz vor der Einführung. Auf der Trade-Finance-Plattform können Sparkassen von den Angeboten der Helaba im Auslandsgeschäft profitieren.

Ausbau des Netzwerkes

Neben dem Ausbau bestehender Lösungen investiert die Landesbank gezielt in Venture-Capital-Fonds, die Start-ups in den Bereichen Fintech und Proptech fördern (Capnamic II und III, PropTech1) beziehungsweise die Entwicklung im Bereich Nachhaltigkeit vorantreiben (Yabeo). Mit diesen Investments erhält die Bank Zugang zum Netzwerk der Gründerszene und leistet, wo es inhaltlich passt, gerne auch “Kernentwicklungsarbeit” für die gesamte Finanzindustrie. Im Bündel mit den Aktivitäten bei Frankfurt Main Finance, dem Financial Big Data Cluster und dem Engagement beim TechQuartier unterstützt die Helaba aktiv die Gründerszene am Finanzplatz Frankfurt und leistet damit einen wichtigen Beitrag dazu, den Finanzstandort auch im internationalen Wettbewerb nachhaltig zu stärken.

Thomas Groß, CEO der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen

Quelle: Börsen-Zeitung, 01.03.2023, Autor Thomas Groß, CEO der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, Nummer 42, Seite B 3, 829 Wörter

Bildquelle: Shutterstock

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