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DVFA-Monatsfrage: DVFA Investment Professionals begrüßen hybride Hauptversammlungen

Die aktuellste DVFA-Monatsfrage wendet sich wieder an die über 1.400 Mitglieder des Verbandes und widmet sich diesen Monat der neuen hybriden Struktur von Hauptversammlungen.

Hauptversammlungen (HV) offerieren Aktionären die Möglichkeit zur Ausübung ihrer gesetzlich festgeschriebenen Rechte und zur Diskussion wichtiger Themen des Unternehmens mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat. Mittlerweile ist die erste HV-Saison seit Inkrafttreten des neuen Gesetzes zur Einführung virtueller Hauptversammlungen nach der Pandemie zu Ende gegangen. Die Hauptversammlung in neuer Struktur war Gegenstand der aktuellen Befragung der DVFA Investment Professionals. Bei den ersten drei Fragen waren Mehrfachnennungen möglich.

Das Interesse an der Hauptversammlung ist eher verhalten – trotz Online-Format

Mehr als die Hälfte der Befragten (55 %) gibt an, 2023 gar keine Hauptversammlung verfolgt zu haben. 36 % der Teilnehmer bestätigen, online eine oder mehrere HVs verfolgt zu haben; 23 % nahmen in Präsenz teil. Mit einem Redebeitrag waren im Onlineformat 8 % und im Präsenzformat 11 % der Befragten vertreten.

Möglichkeit der Vorabeinreichung von Fragen – ein Verlust an Informationsgehalt?

Die zweite Frage zielte auf die neue gesetzliche Möglichkeit, vorab Fragen einzureichen, sodass die Antworten im Vorfeld schriftlich zur Verfügung gestellt werden. Die Mehrheit (48 %) meint, dass die Hauptversammlung an Informationsgehalt verliert, wenn in der Veranstaltung selbst nur noch Nachfragen und Fragen zu neuen Sachverhalten gestellt werden dürfen.

Über ein Drittel vertritt die Meinung, dass die Vorabeinreichung die Qualität der Antworten erhöht (38 %). Fast ebenso viele Befragte denken jedoch, dass die Informationsversorgung entzweit und die Bedeutung der Hauptversammlung gemindert wird (36 %).

Mehr Präsenz ausländischer Investoren über Erhöhung der Attraktivität der HV

Die Erwartung, dass das virtuelle Hauptversammlungsformat die Anwesenheitsquote erhöhen könnte, scheint sich nicht erfüllt zu haben. Gleichzeitig sind ausländische institutionelle Investoren weiter unterrepräsentiert.

Gefragt, was Unternehmen tun können, um dies zu ändern, wünscht sich die klare Mehrheit von 68 %, dass Hauptversammlungen attraktiver und gehaltvoller gestaltet werden. Eine Annäherung von Capital Markets Day und HV könnte dabei helfen.

Auf der Durchführungsseite wünschen sich 43 %, dass der Hauptversammlungsleiter den Bezug zur Tagesordnung sicherstellen und Ausschweifungen unterbinden sollte.

Die DVFA Investment Professionals votieren mit  34 % für eine attraktivere Gestaltung auch für ausländische Investoren über z. B. den Abbau von Sprachbarrieren.

Leichterer Zugang durch Online-Übertragung

45 % stimmen dafür, dass auch HVs in Präsenz online übertragen werden; 31 % befürworten die barrierefreie Online-Übertragung für alle Interessierten.

Für einen restriktiven Umgang stimmen weniger Befragte. Lediglich die Reden von Vorstand und Aufsichtsrat sollten frei verfügbar sein und die Generaldebatte sollte nur im Aktionärsportal verfolgt werden können – das meinen 11 %. Wenig mehr, 14 %, denken, dass es ausreichend ist, wenn die Veranstaltung nur von Aktionären im Aktionärsportal verfolgt werden kann.

Gründe für geringeres Maß an Teilhabe über Redebeiträge

Die Anzahl der Redner auf Hauptversammlungen geht weiter zurück: Bei virtuellen HVs fehlen das Publikum und die Stimmung; es gibt keinen sichtbaren Applaus der Aktionäre für die Redner. Das sehen 34 % als Ursache. Hingegen mutmaßen 25 %, dass es für die geringere Anzahl an Redebeiträgen keinen bestimmten Grund gibt.

Die Terminballung vermuten 26 % als Grund. Die komplizierteren technischen Voraussetzungen für Redebeiträge sehen 14 % der Befragten als Hindernis.

Die optimale Hauptversammlung sollte nicht länger als vier Stunden sein

Befragt nach der idealen Veranstaltungsdauer sprechen sich 64 % für maximal vier Stunden aus. Vier bis sechs Stunden tolerieren noch 31 %. Längere Zeitspannen sind eher unattraktiv (nur 5 % halten sechs Stunden oder mehr für optimal).

Hybride Formate sind die Gewinner

Die Einführung hybrider Formate, also die Möglichkeit der Teilnahme in Präsenz oder online, begrüßen über 80 %.

Stärkung der HV durch mehr Input und Transparenz

Welche Bedeutung sollte die Hauptversammlung für die Aktionäre haben, lautete die letzte Frage. 60 % plädieren für eine Diskussion mit dem Vorstand und ggf. Aufsichtsratsvorsitzenden bezüglich Strategie und Geschäftsmodell sowie weiteren wichtigen Themen für das Unternehmen. 28 % wünschen sich ähnliche Funktionen wie auf einem Investorentag mit strategischer Agenda. Die wenigsten DVFA Investment Professionals, 12 %, sind mit lediglich formalen Beschlussfassungen mit Tagesordnung entsprechend der derzeitigen rechtlichen Vorgaben zufrieden.

„Die hybride Hauptversammlung, die sowohl eine Teilnahme in Präsenz als auch online ermöglicht, ist die präferierte Hauptversammlungsform der Befragten. Allerdings scheint das Interesse an der Hauptversammlung als Informationspool nicht so groß zu sein, wie es eigentlich sein sollte. Dem könnte man mit höherer Attraktivität oder der Reduktion von Zugangsbarrieren entgegenwirken. Dagegen hat die gesetzlich geschaffene Möglichkeit der Emittenten, Fragen vorab einzureichen, die Befragten nicht überzeugt. Ihr Votum zeigt, dass bei der Optimierung der Hauptversammlung insgesamt noch Luft nach oben ist, insbesondere hinsichtlich der Erhöhung des Informationsgehalts und der Transparenz“, fasst Dr. Vanda Rothacker, Mitglied des DVFA-Fachausschusses Governance & Stewardship, zusammen.

Quelle: DVFA Monatsfrage vom 12. September 2023
Grafik: DVFA e.V.
Titelbild: Unsplash

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