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Zwölf Monate, zwölf Jahre – Blick nach morgen

Mit zwei neuen Studien bietet Deloitte zum Jahresauftakt wertvolle Ausblicke auf den Banken- und Kapitalmarkt sowie auf die langfristige Entwicklung der Europäischen Bankenlandschaft.

Rechtzeitig zum Jahreswechsel nimmt Deloitte in zwei aktuellen Studien die künftigen Trends und Szenarien für die deutsche und europäische Bankenlandschaft ins Visier: Zum einen blicken die Deloitte-Experten mit der aktuellen Ausgabe ihres alljährlich erscheinenden „Banken- und Kapitalmarktausblick“ auf die 2023 bevorstehenden Entwicklungen und Trends der sieben wichtigsten Banking-Geschäftsfelder. Zugleich hat Deloitte mit der Studie „Future of the European Banking Ecosystem 2035“ vier mögliche Szenarien für die Zwölfjahres-Entwicklung der europäischen Bankenlandschaft untersucht und stellt die Ergebnisse in einem ausführlichen Video vor.

„Weltweit müssen sich Banken derzeit Wege durch die höchst unsichere Lage bahnen, um sich für eine bessere Zukunft neu zu positionieren“, sagt der FSI Industrie Leader von Deloitte, Prof. Dr. Carl-Friedrich Leuschner. „Unsere Analyse bietet Finanzinstituten gerade angesichts der aktuellen Unsicherheit eine nützliche Hilfestellung, um sich auf die kommenden Herausforderungen systematisch vorzubereiten.“

Lutz Pehl, Sektor Lead Banking & Capital Markets bei Deloitte, ergänzt. „Es ist essenziell, die kurz- und langfristigen Entwicklungen im Blick zu haben und so früh- und rechtzeitig reagieren zu können. Jeder weiß, dass gerade angesichts globaler Multikrisenherden, gestiegener Inflation und damit einhergehend restriktiverer Geldpolitik das aktuelle Potenzial für Rezession bzw. Stagflation nicht zu unterschätzen ist. Daher gilt es, schon jetzt die entsprechenden Weichen zu stellen und sich auf die absehbaren Entwicklungen einzustellen.“

Banken- und Kapitalmarktausblick 2023 sieht weiterhin hohen digitalen Transformationsdruck

Angesichts der hohen Zahl an Krisen, Trends und Entwicklungen wird klar, dass größere Veränderungen in sämtlichen Unternehmensbereichen anstehen. Das herausfordernde makroökonomische Umfeld dürfte sich jedoch höchst unterschiedlich in einzelnen Ländern auswirken, womit auch der Effekt auf die Banken global vermutlich sehr ungleich ausfallen wird. Der Ausblick geht insbesondere auf die Auswirkungen des unsicheren makroökonomischen Umfelds auf Banken ein und untersucht die Zukunftsaussichten von sieben wesentlichen Geschäftsfeldern im Detail: Privatkundengeschäft, Verbraucherzahlungen, Wealth Management, Geschäftskundengeschäft, Transaction Banking, Investment Banking sowie Marktinfrastruktur.

„Besonders deutsche Banken haben mit etlichen Problemen zu kämpfen – im Vergleich zu ihren globalen Wettbewerbern erzielen sie eine niedrige Eigenkapitalrendite und werden wohl auch mittelfristig deutlich hinter Instituten aus anderen Industriestaaten zurückbleiben“, sagt Lutz Pehl. „Die Gründe dafür liegen zum Teil auch in der zögerlichen Umsetzung der digitalen Transformation. Unsere Publikation zeigt, was Banken und Kapitalmarktunternehmen im kommenden Jahr tun können, um neue Wege zu beschreiten. Die Analyse liefert hier eine Vielzahl an Ansatzpunkten für die notwendige Transformation des Bankensektors“, so Pehl

Zukunft des europäischen Banken-Ökosystems 2035 in vier Szenarien


Neben dem eher kurzfristigen fokussierten Banken- und Kapitalmarktausblick beleuchtet Deloitte überdies mit einer aktuellen Analyse im Videoformat vier mögliche Szenarien des europäischen Bankenmarkts im Jahre 2035. Die Studie basiert auf der Bewertung unterschiedlich sicherer Einflussfaktoren, die anhand innovativer KI-Technologie und in Experten-Workshops gesammelt und eingeordnet wurden. Die daraus abgeleiteten Szenarien sollen Führungskräften im Bankensektor als Leitfaden für strategische Entscheidungen in Zeiten hoher Unsicherheit dienen.

„Die zunehmende Präferenz für Digital Banking, ein dezentralisiertes Finanzwesen und die ESG-Regulierung – dies sind nur einige Beispiele für die enormen kulturellen, technologischen und regulatorischen Veränderungen, die auf den europäischen Bankensektor zukommen“, sagt Thomas Peek, Partner bei Deloitte im Bereich Banking & Capital Markets. „Diese Veränderungen zu antizipieren und sich frühzeitig darauf vorzubereiten, ist der Schlüssel zum Erfolg. Wir haben daher gemeinsam mit Experten internationaler Banken und FinTechs sowie mit Wissenschaftlern vier verschiedene, plausible Zukunftsszenarien entwickelt, die als Ausgangsbasis für strategische Entscheidungen dienen können.“

In der ausführlichen und detailtiefen, gut elfminütigen Videoanalyse stellen die Deloitte-Experten die genutzte Matrix der Untersuchung vor, die sich anhand der Achsen „Wenig/viel regulatorische Intervention“ und „Enges/weites Ökosystem“ orientiert. Die vier entstandenen Felder kennzeichnen die unterschiedlichen Szenarien.

Szenario 1: Mild Wild West – Lange regulatorische Leine, mit einer Vielzahl integrierter Services

Dieses Szenario sieht das europäische Bankwesen in einem äußerst dynamischen Umfeld, mit vielen Akteuren, zum Teil von kurzer Lebensdauer. Neue rechtliche Rahmenbedingungen führen zu mehr Effizienz und Innovation und fördern den Wettbewerb. Neue Herausforderer werden oft von etablierten Akteuren übernommen. Diese Dynamik führt zu einer Vielzahl innovativer Dienstleistungen, die nahezu alle Kundenwünsche erfüllen.

Szenario 2: Sandboxed Innovation – Erhebliche Interventionen, mit einer Vielzahl integrierter Services

Hier ist das europäische Banken-Ökosystem durch branchenübergreifende und -interne Zusammenarbeit gekennzeichnet, in einem geschützten Umfeld für Innovation. Die Regulierungsbehörden wollen vor allem Stabilität und erst in zweiter Linie Wettbewerb und Innovation stärken. Start-ups operieren in streng reguliertem Umfeld, was die traditionellen Banken als Anbieter kritischer Infrastrukturen schützen soll. Im Unterschied dazu ist es den großen Technologieunternehmen untersagt, selbst Finanzdienstleistungen anzubieten.

Szenario 3: Caught in the Matrix – Erhebliche Interventionen in eng gefasstem Ökosystem

Im dritten Szenario sorgt ein strenger Regulierungsrahmen für die Stabilität und Sicherheit des europäischen Finanzsystems. Wettbewerb und bahnbrechende Innovationen sind diesem Ziel zum Opfer gefallen. Hohe regulatorische Eintrittsbarrieren haben zu oligopolistischen Marktstrukturen mit dominierenden traditionellen Banken geführt. Vollständig digitalisierte und personalisierte Bankdienstleistungen sucht man vergebens. Stattdessen stehen eher etablierte Werte (Datenschutz und Transparenz) sowie konservative und kostenorientierte Geschäftsmodelle im Vordergrund.

Szenario 4: Big Players’ Paradise – Lange regulatorische Leine in eng gefasstem Ökosystem

Im letzten Beispiel dominieren internationale Big Player das Bankwesen in Europa. Hier haben niedrige Regulierungsstandards und eine Lockerung der Zulassungsbestimmungen finanzkräftigen Big-Tech-Unternehmen ermöglicht, mit großen Kundenstämmen in den Markt für Finanzdienstleistungen einzutreten und zusammen mit etablierten Banken ein mächtiges Oligopol zu bilden, das die Entstehung neuer und innovativer Start-ups behindert und sich nachteilig für die Kunden auswirkt, die mit hohen Preisen, geringer Transparenz und zweifelhaften Datenschutzstandards rechnen müssen.

„Jedes dieser vier Zukunftsszenarien wird das europäische Banken-Ökosystem vor entscheidende Herausforderungen stellen“, sagt Peek. „Traditionelle Bankinstitute werden mehr denn je mit innovativen Wettbewerbern, großen Technologieunternehmen oder dezentralen Finanzdienstleistern konfrontiert sein. Die Aufsichtsbehörden werden ihre Regelwerke aktualisieren, und die Kundenerwartungen werden sich ändern. Unsere Szenarioanalyse ermöglicht es Banken, sich proaktiv auf die kommenden Entwicklungen vorzubereiten. Andernfalls ist für sie die Wahrscheinlichkeit hoch, in den nächsten Jahren angesichts der Herausforderungen, die eine Bedrohung für traditionelle Bankgeschäftsmodelle darstellen, zu scheitern.“

 

Quelle & Bild: Deloitte Pressemitteilung

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