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Datenpool gegen Geldwäsche vor dem Start

Großbanken einigen sich auf Standards – Aufsicht gibt BFS Finance grünes Licht

Deutsche Großbanken haben sich auf Standards für einen Datenpool zur Geldwäscheprävention geeinigt, der Ende des Jahres in Betrieb gehen soll. Dahinter steht die dem Bertelsmann-Konzern zugehörige BFS Finance, die bislang als Factoring-Gesellschaft in Erscheinung getreten ist und von der Finanzaufsicht BaFin reguliert wird. Ihr ist nach Angaben von Geschäftsführer Paul-Gerhard Haase gelungen, was bedeutende deutsche Banken lange versucht hatten, 2018 aber scheiterte: der Aufbau einer Plattform, die zur Bekämpfung von Geldwäsche Kundendaten der Institute sammelt, anreichert und weitergibt.

Nach Informationen der Börsen-Zeitung haben sich mindestens Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, Helaba und LBBW auf einen gemeinsamen Standard für Daten von Firmen verständigt, die im Zusammenhang mit „Know your Customer“-Vorschriften (KYC) anfallen, also bei der Identifikation von Neukunden. „Uns ist sehr wichtig, dass alle drei Bankensäulen gleichberechtigt vertreten sind“, sagt Haase im Gespräch mit der Börsen-Zeitung.

BFS Finance wird für Banken, die an ihrer Customer Information Network Intelligence (Cinfoni) getauften Plattform teilnehmen, Daten von Firmen sammeln und anreichern. Damit soll verhindert werden, dass sich die Banken Strafen oder Reputationsverluste einhandeln, weil sie sich auf windige Geschäftspartner einlassen und etwa gegen Geldwäsche-Bestimmungen verstoßen.

Zeit- und geldsparend

Über Cinfoni müssen Unternehmen ihre KYC-relevanten Daten nur einmal in dem Portal eingeben, dann stehen sie in standardisierter Form jeder teilnehmenden Bank zur Verfügung, was Geld und Zeit spart. „Firmenkunden wünschen sich einen Single Point of Contact, einen einzigen Kontaktpunkt“, sagt Haase. „Das ist der Bündelungseffekt, den wir bewerkstelligen können.“ Das Netzwerk Cinfoni soll sich aber nicht auf Deutschland beschränken. Nachdem es die Aufsicht hierzulande bereits abgesegnet habe, sei BFS Finance im Gespräch mit Aufsehern im europäischen Ausland, berichtet er.

 

Quelle: Börsen-Zeitung, 27.06.2020, Tobias Fischer, © Alle Rechte vorbehalten.