In der Mainmetropole ist weiterhin einiges in Bewegung, und das laufende Jahr steht für den hiesigen Standort im Zeichen der Themen Design und Finanzplatz: Schließlich wurden Frankfurt und die Rhein-Main-Region ausgewählt, um 2026 den Titel World Design Capital zu tragen und dementsprechend als internationale Bühne für Gestaltung zu fungieren. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums vom Finanzplatz-Research der Helaba wird im Jahresverlauf unsere neue Studie erscheinen. Ausgehend von unserer Grundlagenstudie 2006 haben wir über all die Jahre ein breites Spektrum wechselnder Schwerpunktthemen näher beleuchtet und auf diese Weise die Fortentwicklung des hiesigen Finanzstandortes kontinuierlich unterstützt.
Hauptstadt des Aufsichtswesens
Darüber hinaus wird das deutsche Finanzzentrum in seiner Rolle als Hauptstadt des europäischen Aufsichtswesens derzeit immer bedeutender, was auch seine internationale Sichtbarkeit und Positionierung fördert. Zu Jahresbeginn hat die EU-Behörde zur Geldwäschebekämpfung AMLA (Anti-Money Laundering Authority) ihre Arbeit aufgenommen. Die Präsenz der AMLA ist erneut ein langfristiges Commitment für den Finanzplatz Frankfurt wie es schon vor knapp 30 Jahren die Ansiedelung der Europäischen Zentralbank (EZB) war. Und bei der EZB wiederum stehen 2026/2027 einige Personalwechsel im Direktorium an.
Hohe Anziehungskraft
Insgesamt erweist sich die Vielzahl finanzbezogener Institutionen am Standort Frankfurt als Jobmotor, und zwar direkt wie indirekt. Neben ihrem eigenen ansehnlichen und tendenziell steigenden Personalbestand üben die in der Mainmetropole ansässigen Institutionen eine hohe Anziehungskraft auf etliche weitere Finanzplatz-Akteure aus, wie Umfragen des Helaba-Research über die Jahre wiederholt belegt haben. Dass Frankfurt in puncto finanzbezogene Institutionen einiges zu bieten hat, ist für viele namhafte Player der Finanzwelt ein wichtiger Grund für ihre hiesige Präsenz.
Mit seinem ungebrochenen Aufwärtstrend der Bankbeschäftigung ist Frankfurt in seiner Rolle als zentrales Bankenzentrum in Deutschland und Europa immer weiter gewachsen, wozu auch der Brexit maßgeblich beigetragen hat. Angesichts des jahrelang rückläufigen Beschäftigungstrends in der deutschen Bankenbranche insgesamt kommt Frankfurt mittlerweile auf einen Anteil von beinahe 12% (vor zehn Jahren: 9%). Wie wir auf Basis von unlängst publizierten Daten der Bundesagentur für Arbeit berechnet haben, waren Mitte 2025 rund 74.200 Banker in der Mainmetropole sozialversicherungspflichtig beschäftigt und 628.800 bundesweit. Analog zur Bank- ist auch die Gesamtbeschäftigung am Arbeitsort Frankfurt zusehends gestiegen.
Bis Ende 2026 erwarten wir ein Wachstum der Frankfurter Bankbeschäftigung um rund 2% auf etwa 75.500 Mitarbeitende. Voraussetzung für diesen insgesamt positiven Ausblick ist ein fortgesetztes Engagement am deutschen Finanzzentrum, sowohl durch erfolgreiches Recruiting als auch durch die konzertierte Stärkung der Standortattraktivität. Genau hier setzt die Strategie der Finanzplatz-Initiative an, die mit einem Spek-trum von Maßnahmen den hiesigen Finanzstandort für die Zukunft noch besser aufstellen soll. Zahlreiche wichtige Finanzplatz-Akteure inklusive der Helaba engagieren sich in der Finanzplatz-Initiative unter Federführung des hessischen Ministerpräsidenten.
Differierende räumliche Abgrenzung
Die Frankfurter Finanzbranche insgesamt (also inklusive Versicherungen, Beteiligungsgesellschaften, Fondsmanagement u.ä.) verfügte Mitte 2025 über fast 89.400 Mitarbeitende. Dieses Beschäftigungsaggregat hat sich ähnlich entwickelt wie das für die Bankenbranche, auf dem wir von jeher unsere Prognose aufsetzen. Im Übrigen sind auch in der weiter gefassten Abgrenzung nicht die Beschäftigten von finanzbezogenen Institutionen enthalten, obwohl sie im globalen Finanzplatz-Kontext einen zentralen Wettbewerbsfaktor darstellen.
Beim Vergleich mit anderen europäischen Finanzstandorten ist auch die differierende räumliche Abgrenzung zu berücksichtigen: Während die Beschäftigungsdaten bei Frankfurt für das Stadtgebiet vorliegen, beziehen sie sich bei London auf ein weiter gefasstes Aggregat. So erstreckt sich die Stadt Frankfurt mit ihren rund 250 km² auf kleinerer Fläche als das Londoner Gebiet: Inner London mit rund 330 km² umfasst neben der City of London einige unmittelbar angrenzende Bezirke.
Mehr Zyklik in London
Die Finanzbeschäftigung in London weist – im ebenfalls grundsätzlichen Aufwärtstrend – wesentlich mehr Zyklik auf. Nicht nur in Folge der globalen Finanzkrise 2008 kam es dort zu einer deutlichen Konsolidierung, sondern auch mehrfach in den Folgejahren. Dies wechselte sich immer wieder mit Phasen von umfangreichen Neueinstellungen ab. Zuletzt war über einige Quartale ein Seitwärtspendeln zu beobachten. Im Herbst 2025 waren es knapp 456.600 Finanzbeschäftigte in Inner London, wovon schätzungsweise rund 50% auf die City entfallen dürften.
Der kontinentaleuropäische Vergleich der Finanzbeschäftigung erweist sich als statistisch komplex. Die Datenlage aus einheitlicher, supranationaler Quelle von Eurostat ist in ihrer Aussagekraft begrenzt: Diese Daten zur Finanzbeschäftigung in europäischen Städten liegen allenfalls bis 2023 vor – und für Frankfurt als Stadt gar nicht. Alternativ kann für Frankfurt die breitere, regionale Abgrenzung herangezogen werden (Regierungsbezirk Darmstadt), die es auch für andere Finanzstandorte in Europa gibt. Allerdings sind die Daten für den Regierungsbezirk Darmstadt nur bis 2022 verfügbar.
Zeitnahe Kennzahlen wichtig
Ähnlich sind auch nur begrenzte Informationen über die Anzahl von Finanzplatz-Akteuren am hiesigen Standort vorhanden: Statt einer übersichtlichen Gesamtzahl zentraler Player werden allenfalls einzelne Berufsgruppen ausgewiesen, und zwar oft nur zu einem bestimmten Zeitpunkt statt in einer Zeitreihen-Entwicklung. Beispielsweise waren nach Angaben der Deutschen Bundesbank im Frühjahr 2025 gut 330 Finanzinstitute für die Bankenaufsicht in Frankfurt regis-triert. Insgesamt birgt dies Verbesserungspotenzial. Schließlich ist für die internationale Transparenz und Vermarktung des deutschen Finanzzentrums eine gute Datenbasis essenziell. Wünschenswert wäre für den hiesigen Standort, mehr zentrale Kennzahlen zeitnah zu veröffentlichen.
Gleichwohl haben wir über 20 Jahre hinweg in unseren Finanzplatz-Studien etliche interessante Indikatoren für Frankfurt beziehungsweise die Region analysiert, die Wandlungen des hiesigen Standortes begleitet und auch immer wieder eigene Konzepte präsentiert. Dies werden wir in unserer Jubiläumsstudie 2026 fortsetzen.
Quelle: Börsen-Zeitung, 04.03.2026
Von Gertrud R. Traud, Ulrike Bischoff, Frankfurt




