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DVFA Stellungnahme zum Zwischenbericht des Sustainable Finance-Beirats der Bundesregierung

Die DVFA Kommission Governance & Stewardship begrüßt den Zwischenbericht des Sustainable Finance Beirats, der eine gute Ausgangsbasis bietet, „Sustainable Finance“ in Deutschland ambitioniert weiterzuentwickeln. Im Interesse der fiduziarischen Aufgaben von Vermögensverwaltern sollten für die Empfehlungen des Schlussberichts jedoch noch Anpassungen und Konkretisierungen Eingang in die Diskussion des Beirates finden.

Die Kommission nimmt Stellung zu den Themenpunkten:

  • Stewardship: Umsetzung treuhänderischer Verantwortung von Investoren
  • Erleichterung von „Collaborative Engagement“ in Deutschland durch gesetzliche Klarstellung der Abgrenzungen zu „Acting-in-Concert“
  • Schaffung einer Engagementplattform in Deutschland (Vorbild z.B. Eumedion  in den Niederlanden)

A) Stewardship: Umsetzung treuhänderischer Verantwortung von Investoren

Wir empfehlen eine explizite Verankerung von „Stewardship“ im Bericht des Beirates: Institutionelle Investoren und Asset Manager haben als Vermögenstreuhänder die Verantwortung, im besten Interesse ihrer Kunden auf die Unternehmen, in die sie investieren, zum Wohle aller Stakeholder einzuwirken. Mit der Verfolgung des von der EU propagierten Bekenntnisses zu Sustainable Finance tragen sie dazu bei, positive Effekte für Umwelt und Gesellschaft zu erzielen. Ein fundierter Investorendialog und aktiver Einsatz von Stimmrechten sind dabei wesentliche Mitwirkungselemente („Engagement“). Zudem zeigen empirische wissenschaftliche Untersuchungen, dass das Engagement von Investoren zu besseren ESG Verhältnissen der Unternehmen führt. International hat sich für dieses erweiterte Verständnis von treuhänderischer Verantwortung schon länger der Begriff „Stewardship“ etabliert.In vielen Ländern sind Stewardship Codes als Orientierungsrahmen für institutionelle Investoren und Asset Manager zum Standard geworden. In Deutschland konkretisiert die Ende 2019 durch das ARUG II in deutsches Recht umgesetzte zweite Aktionärsrechterichtlinie der EU (2. ARRL) diese Anforderungen an in Deutschland tätige Vermögenstreuhänder. Eine Umsetzung von „Sustainable Finance“ ist ohne eine aktive Rolle von Eigentümern undenkbar.

Ziel sollte die Entwicklung eines anspruchsvollen Stewardship-Standards für alle professionellen Finanzmarktakteure sein. Dieser Standard sollte auch nachhaltige Elemente beinhalten. Die Integration von Nachhaltigkeit in die Stewardship-Aufgaben verstärkt die Lenkungsfunktion von Investoren für die vom Beirat angestrebte Transformation der Wirtschaft. Dies erfordert die verantwortungsvolle Allokation und aktive Betreuung ihrer Investments durch Berücksichtigung der relevanten ESG-Faktoren zur nachhaltigen, langfristigen Wertschöpfung für die Kunden. Wie in den beigefügten DVFA Stewardship-Leitlinien festgehalten, beinhaltet dies den aktiven Dialog mit den Portfoliogesellschaften, die zielgerichtete Ausübung von Aktionärsrechten sowie den gesetzlich möglichen Austausch mit anderen Asset Managern.

B) Erleichterung von „Collaborative Engagement“ in Deutschland durchgesetzliche Klarstellung der Abgrenzungen zu „Acting-in-Concert“

Das auf europäischer Ebene zuletzt in der 2. ARRL verstärkt geforderte Engagement wird in anderen Rechtskreisen und von dort beheimateten institutionellen Investoren auch in der Form des „Collaborative Engagements“ gefordert. Im Gegensatz zu anderen Ländern, insbesondere anderen Mitgliedstaaten der EU, besteht in Deutschland keine klare Abgrenzung zwischen „Collaborative oder Collective Engagement“ und „abgestimmtem Verhalten“ („Acting-in-Concert“). Die mangelnde Rechtssicherheit für die Zusammenarbeit von Vermögensverwaltern bei generellen, aber unternehmensspezifischen Anliegen behindert sinnvolles Collaborative Engagement massiv. Doch gerade für die nötige Transformation der Wirtschaft kann Engagement eine beschleunigende Rolle spielen.

Die European Securities and Markets Authority (ESMA) hat 2019 eine aktualisierte White List publiziert, um Möglichkeiten der Kooperation unter Aktionären zu konkretisieren, die nicht zu einer Zusammenrechnung der Stimmrechte führen sollen. Dadurch soll erreicht werden, dass Investoren nicht aus Sorge vor einer Stimmrechtszurechnung durch „Acting-in-Concert“ ein ungewolltes Pflichtangebot auslösen und dann von einem aktiven Engagement in börsennotierten Gesellschaften absehen. Da die White List der ESMA nur als exemplarisch anzusehen ist und im deutschen Rechtsrahmen auch die Entscheidung des BGH vom 25.9.2018 keine vollumfängliche Rechtssicherheit bietet, ist hier erheblicher Entwicklungsbedarf gegeben. Auch die Änderung der Verwaltungspraxis der BaFin bietet hier keine ausreichende Klarheit.

C) Schaffung einer Engagementplattform in Deutschland (Vorbild z.B. Eumedionin den Niederlanden)

Die Schaffung einer Engagementplattform bringt eine wesentliche Erleichterung für das Engagement, auch für kleinere institutionelle Anleger und Asset Manager, die bisher kostenbedingt kein aktives Engagement betreiben. Damit können sie ihre Aktivitäten bündeln, mehr Engagements eingehen und sich inhaltlich umfassender aufstellen. Eine solche Plattform bietet Skaleneffekte, beseitigt Informationsasymmetrien und fördert die Verbreiterung von Engagementaktivitäten in Deutschland. Stärkeres Engagement bedeutet auch bessere Transformation durch den so zukunftsrelevanten Sustainable-Finance-Gedanken.


Links:

Stellungnahme als PDF-Datei herunterladen: https://www.dvfa.de/fileadmin/downloads/Verband/Kommissionen/Governance_Stewardship/DVFA-Stellungnahme-SFB-Zwischenbericht.pdf

DVFA Kommission Governance & Stewardship: https://www.dvfa.de/der-berufsverband/kommissionen/governance-stewardship.html oder https://www.dvfa.de/der-berufsverband/aktuelles.html

 

DVFA veröffentlicht Tool zur ganzheitlichen Beurteilung verantwortungsvoller Geldanlagen (PRISC)

Die DVFA Kommission Sustainable Investing legt den nächsten wichtigen Baustein für nachhaltige Geldanlagen vor. Mit dem DVFA PRISC – Policy for Responsible Investment Scoring – will die Kommission die Entwicklung und Beurteilung verschiedener Ausprägungen verantwortungsvoller Investments vereinfachen. Der DVFA hat zu diesem Zweck ein Instrument zur ganzheitlichen Entwicklung und Messung von verantwortungsvoller Geldanlagepolitik von Investoren und Investmentportfolios entwickelt.

Das Instrument umfasst acht Beurteilungsdimensionen mit je drei Ausprägungen und ermöglicht deren Aggregation zu einem umfassenden Urteil. Zu den Dimensionen gehören Ausschlüsse aus Portfolios, der Anteil „guter“ sogenannter Impact-Investments, die Härte und Analysefrequenz von Anforderungen an Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsbeurteilungen (ESG) und ob und in welchem Umfang Stimmrechte ausgeübt werden bzw. aktives Engagement für Verbesserungen von Unternehmen erfolgt.

Nutzer des Tools können die Gewichtungen ändern, Kategorien hinzufügen und weitere Änderungen vornehmen. Das bedeutet auch, dass Portfolios, je nach Ausgestaltung des Tools und der genutzten Daten, sehr unterschiedlich bewertet werden können.


Links:

Hier geht es zum DVFA PRISC Tool: https://www.dvfa.de/der-berufsverband/prisc-webanwendung.html

Informationen zur DVFA Kommission Sustainable Investing: https://www.dvfa.de/der-berufsverband/kommissionen/sustainable-investing.html

Nachhaltigkeitsratings sind besser standardisiert, als man denkt (DVFA Gastbeitrag in der Börsen-Zeitung)

Autoren: Henrik Pontzen und Gunnar Friede, beide Leiter der DVFA Kommission Sustainable Investing

 

Stellen Sie sich vor, ein Analyst empfiehlt ein Wertpapier als Kauf, ein anderer rät zum Verkauf. Skandal? Nein? Ist es denn nicht durchaus normal, dass zwei gleichermaßen gut ausgebildete und anerkannte Experten nach eingehender Fundamentalanalyse bei ein und demselben Unternehmen zu entgegengesetzten Ergebnissen kommen können? Wie kann es dann aber sein, dass immer wieder öffentlichkeitswirksam reklamiert wird, Ratings zu ESG (Environment, Social und Governance) taugten nichts, weil auch sie beim ein oder anderen Einzelwert zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen?

Die Forderung, Ratingagenturen müssten bei der Bewertung der ESG-Konformität zu einem übereinstimmenden Urteil kommen, entspringt falschen Erwartungen. Das Nachhaltigkeitsrating eines Unternehmens ist hinsichtlich der Komplexität kaum seriös mit einem Kreditrating zu vergleichen. Letztere messen lediglich eine Facette: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Kupon und die Rückzahlung einer Anleihe ausfallen?

Sowohl der Beobachtungshorizont als auch die Anzahl zu berücksichtigender Kriterien sind bei der ESG-Bewertung ungleich größer, und es bedarf nicht allein quantitativer, sondern auch qualitativer Gewichtung. Insofern ist per se mit einer höheren Spreizung der Ergebnisse zu rechnen.

Die Varianz hat ihre Ursache aber nicht allein in der Vielschichtigkeit ihres Gegenstandes. Sie liegt auch in der Natur der Sache. So kann beispielsweise die Antwort auf die Frage, ob Elektromobilität nachhaltig ist, je nach Bewertung durch die Ratingagentur unterschiedlich ausfallen. Einerseits ist E-Mobilität mit dem Ziel der Klimaneutralität kompatibel, andererseits werden bei der Herstellung von Batterien Seltene Erden verwendet, deren Abbau unter Sozial- und Umweltgesichtspunkten mitunter fragwürdig ist.

Die Antwort auf die Frage, ob etwa ein Autobauer ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen ist, kann daher mit guten Gründen durchaus unterschiedlich ausfallen. Welche Geschäftsaktivitäten nachhaltig sind und welche nicht, entscheidet sich final erst in der Zukunft. Die voneinander abweichenden Ratingergebnisse spiegeln diese Offenheit der Entscheidung und geben Raum für unterschiedliche Einschätzungen.

Unterschiedliche Ergebnisse sind daher kein Argument gegen Nachhaltigkeitsratings oder gegen das Ziel, nachhaltig zu investieren. Auch die Fundamentalanalyse der Aktie eines Unternehmens liefert nicht immer eindeutige Ergebnisse im Hinblick auf ihre tatsächliche Wertentwicklung. Die Tatsache, dass verschiedene Analysten, in redlichem Bemühen und bester Absicht, zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen – der eine zum Kauf, ein anderer zum Verkauf desselben Wertpapiers rät -, wird gemeinhin auch nicht als hinreichender Grund gesehen, auf Fundamentalanalysen zu verzichten. Ähnlich entspannt, aber mit dem steten Willen, besser zu analysieren, sollte mit der ESG-Bewertung umgegangen werden.

Darüber hinaus muss die Behauptung, Nachhaltigkeitsratings seien sich nicht ansatzweise einig, wie das Nachhaltigkeitsrisiko eines Unternehmens zu messen sei, mit einem deutlichen Fragezeichen versehen werden. Denn so berechtigt das Argument für eine geringe Korrelation bei einzelnen Titeln sein mag, stimmt es für den Durchschnitt der Unternehmen und ESG-Ratingfirmen nicht. Das zeigt neben anderen Untersuchungen auch die in letzter Zeit häufiger bemühte Studie vom MIT Sloan, der Wirtschaftshochschule des Massachusetts Institute of Technology. Die Autoren Florian Berg, Julian Koelbel und Roberto Rigobon haben die ESG-Bewertungen der führenden Ratinganbieter Asset4, RobecoSam, Sustainalytics und Vigeo Eiris für ein Universum von mehr als 800 der größten Unternehmen weltweit untersucht und eine durchschnittliche paarweise Korrelation von 0,7 nachgewiesen.

E- und S-Ratings konsistent

Die Konsistenz der Ratings ist vor allem im E-Bereich und größtenteils im S-Bereich hoch. Größere Abweichungen gibt es hingegen im G-Bereich und wenn man die Ratings von KLD/MSCI hinzunimmt. Zum Vergleich: Die führenden Bond-Ratings weisen für das Universum des MSCI AC World zwischen Moody’s, S&P und Fitch eine paarweise Korrelation von etwa 0,9 auf. Mit anderen Worten: Die Streuung der Korrelation zwischen den Anbietern von ESG-Ratings ist im Durchschnitt recht akzeptabel, was umso erstaunlicher ist, da die Provider unterschiedliche Ratingphilosophien und bei ihren Messungen zwischen 38 und 238 Indikatoren berücksichtigen, also allein quantitativ in ihrer Methodik stark voneinander abweichen. Es stimmt zwar, dass die großen Anbieter von Bond-Ratings in ihren Bewertungen höhere Übereinstimmungen erzielen. Die Korrelation bei den ESG-Ratings aber ist gemessen an ihrer Komplexität erstaunlich hoch.

Die Bewertung von Unternehmen nach ESG-Kriterien ist schon heute besser standardisiert als ihr Ruf. Die informierte, kritische Nutzung mehrerer ESG-Ratings und die qualitative, abschließende Gesamtbewertung durch den Analysten bleiben jedoch beim nachhaltigen Investieren unverzichtbar und stellen die Stärke des Assetmanagers heraus. Unklarheiten und teilweise geringe Datengüte stellen das Konzept nachhaltigen Investierens nicht grundsätzlich in Frage. Die DVFA Kommission Sustainable Investing versteht diese Befunde vielmehr als Auftrag an die Investoren, Vielfalt bei Ratingagenturen zu unterstützen und gleichzeitig bessere Messmethoden und im Dialog mit den Unternehmen ausreichend belastbare und aktuelle Daten einzufordern.


Links:

Informationen zur DVFA Kommission Sustainable Investing: https://www.dvfa.de/der-berufsverband/kommissionen/sustainable-investing.html

DVFA Studie zu Sustainable Development Goals: Anbieter, Methoden, Daten und Output im Überblick

Die Ausrichtung an den „Sustainable Development Goals“ (SDGs) der Vereinten Nationen ist nicht so einfach, wie es den Anschein hat, und erfolgt bis heute sehr uneinheitlich. Eine aktuelle Studie der DVFA Kommission Sustainable Investing zur SDG-Auswirkungsmessung bietet einen Marktüberblick über die derzeit verfügbaren Messungen, Analysetools sowie Anbieter und hält einige Einschätzungen und Empfehlungen bereit. Weiterlesen

2. DVFA Corporate Reporting Day

MiFID II ist Schwerpunktthema beim 2. DVFA Corporate Reporting Day

Die Veranstaltung für Finanzanalysten, Fundmanager, IR Manager, Corporate Finance und Unternehmensbewerter
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DVFA FinTech Forum – FinTechs treffen auf Investment Professionals

Bereits zum sechsten Mal hatten ausgewählte FinTechs beim DFVA FinTech Forum die Möglichkeit, sich und ihre Geschäftsmodelle etablierten Investment Professionals vorzustellen. Breit vertreten waren Start-ups aus der Region Frankfurt Rhein-Main mit AsiaFundManagers, Catana Capital, Firamis, Ginmon und Giromatch. Neben dem Münchener Unternehmen NDGIT waren auch drei FinTechs aus dem europäischen Ausland vertreten – contovista, FundApps und Otly. Die hohe Zahl an Frankfurter FinTechs unterstreicht die große Bedeutung der Region für die gesamte Industrie. „Wir freuen uns mit dem DVFA FinTech Forum eine Plattform geschaffen zu haben, die Start-ups und Investment Professionals zusammenbringt“ sagt Ralf Frank, Geschäftsführer der DVFA.

Neben diesen Contests gab es außerdem zahlreiche Fachvorträge: Hans-Christian Boos, CEO und Gründer von Arago, einem der führenden Experten weltweit im Bereich künstlicher Intelligenz, sprach über den Nutzen künstlicher Intelligenz in der Finanzindustrie. Außerdem betonte Dr. Sebastian Schaefer, Geschäftsführer der FinTech Community Frankfurt, in seiner Rede über die Region Frankfurt Rhein Main, die hohe Bedeutung des Standortes für Europa. In der Tat bietet Frankfurt am Main vielfältige Möglichkeiten für aufstrebende Fintechs. Zahlreiche Acceleratoren FinTech Hub der Deutschen Börse, der Unibator der Goethe Universität, Accelerator Frankfurt, Main Incubator, FinTech Headquarter, die Digitalfabrik der Deutschen Bank, das Tech Quartier, das FinTech Lab sowie VABN bieten idealen Raum für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.

Das DVFA FinTech Forum ist nur eine von zahlreichen Veranstaltungen in der Rhein-Main Region, die den Austausch zwischen jungen Fintechs und Investment Professionals fördert. Der Standort Frankfurt ist einer der wichtigsten europäischen Finanzplätze mit stark wachsender Bedeutung im Bereich der Finanztechnologie. Etwa 80 Fintechs sind in der Region Frankfurt Rhein-Main ansässig, die Anzahl wächst stetig. Neben Frankfurt Main Finance (FMF) gehören Bird & Bird sowie die FMF-Mitglieder Techfluence und Oliver Wyman zu den Initatoren des DVFA FinTech Forum.

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