Hubertus Väth: COVID-19 ist eine globale Krise, machen wir sie nicht noch schlimmer, indem wir sie zu einer Krise der Globalisierung machen

Zusammenfassung

Eine außergewöhnlich lange Periode wachsenden Wohlstands scheint sich einem abrupten Ende zu nähern. Trägt COVID-19 die Globalisierung als Modell für die Schaffung von Wohlstand zu Grabe? Die Früchte der Globalisierung werden ohnehin bereits durch einen Handelskrieg und wachsenden ökonomischen Nationalismus gefährdet. Als Folge der Maßnahmen gegen COVID-19 kommt nun die Weltwirtschaft zum Stillstand, und Wachstum und Wohlstand legen den Rückwärtsgang ein. Die sich abzeichnende Krise hat das Potenzial, die „Mutter aller Rezessionen“ zu werden. Es werden Verluste von über 12 Billionen USD erwartet, von denen 1/6 auf die Finanzindustrie entfallen dürften. Eine Industrie, die zwar viel besser als 2008 kapitalisiert ist, aber eindeutig nicht stark genug, um eine Krise solchen Ausmaßes ohne Unterstützung zu verdauen.

COVID-19 ist eine Krise von globaler Dimension, die Reaktionen darauf waren vor allem nationaler Natur. Es ist an der Zeit, zusammen an einer globalen Antwort zu arbeiten. Für eine wirksame Bekämpfung des Virus und seiner Folgen ist unbedingt ein multilateraler Ansatz erforderlich. Weder der Virus, noch seine Folgen kennen nationale Grenzen. Fünf Bereiche sind wichtig:

– Aufbau eines globalen Informationssystems

– Eine international koordinierte Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Infektionen

– Die weltweite Stabilisierung der Wirtschaft

– Eine koordinierte Reservehaltung für medizinische „Schwarze Schwäne“

– Die Absicherung globaler Lieferketten durch Alarm- und Eindämmungsmechanismen

Die Corona-Krise macht uns die Vernetzung und Verwundbarkeit unserer Wirtschaft bewusst. Die Welt verfügt über keinen ausreichenden Rahmen, um grenzüberschreitend von denjenigen zu lernen, die sich schon früh mit dem Infekt befassen mussten, sei es medizinisch, wirtschaftlich oder finanziell. Die Welt muss schneller werden, um mit der Geschwindigkeit eines COVID-19 fertig zu werden und hoffentlich besser auf das nächste Virus vorbereitet zu sein. Das wird mit der gleichen Sicherheit kommen, wie wir diesen Virus eindämmen werden.

COVID-19 ist eine globale Krise, machen wir sie nicht noch schlimmer, indem wir sie zu einer Krise der Globalisierung machen.

Eine außergewöhnlich lange Periode wachsenden Wohlstands scheint sich einem abrupten Ende zu nähern. Die Globalisierung hat seit den 1990er Jahren Hunderte von Millionen Menschen aus der Armut befreit und der Welt einen bislang einzigartigen Wohlstand beschert. Möglich wurde dies durch den Abbau von Barrieren und die Öffnung der Grenzen für multinationale Unternehmen. Diese Unternehmen arbeiten seit Jahrzehnten erfolgreich an der Optimierung ihrer Lieferketten, um Kosten zu senken, Bestände zu minimieren, Lieferungen zu beschleunigen und die Ressourcennutzung zu erhöhen. In ihrem Kielwasser schufen sie produktive Arbeit rund um den Globus und produzierten so Wohlstand in vielen Teilen der Erde.

 

Notbremsen gezogen

Trägt COVID-19 die Globalisierung als Modell für die Schaffung von Wohlstand zu Grabe? Die Früchte der Globalisierung werden ohnehin bereits durch einen Handelskrieg und wachsenden ökonomischen Nationalismus gefährdet. Man könnte und wird auf diesen Gedanken kommen, da die Eigenschaften des Virus seine Verbreitung auf der ganzen Welt umso leichter machen, je offener die Grenzen sind.

Diese Eigenschaften sind:

– Eine unterschiedlich lange und bis zu zwei Wochen dauernde Inkubationszeit

– Eine leichte Verbreitung, ähnlich der einer Grippe

– Eine Infektion kann leicht unentdeckt bleiben, weil sie, in hoher Zahl, ohne oder mit geringen Symptomen verläuft

– Bislang gibt es keinen Impfstoff

– Es gibt noch keine bewährte Behandlung

– Die Sterblichkeitsrate ist erheblich; ersten Indikationen nach mindestens 5 Mal so hoch wie bei einer schweren Grippe, zudem stark mit dem Alter ansteigend und wenn die medizinischen Kapazitäten unzureichend sind.

Diese Eigenschaften machen das Virus für zu viele Menschen tödlich, als dass es gesellschaftlich akzeptabel wäre, ihm seinen Lauf zu lassen, wie dies bei schweren Grippefällen normalerweise der Fall ist. Und es ist ebenso schwierig, die Betroffenen zu isolieren, aufgrund unzureichender Testkapazitäten in einer globalisierten Welt, in der die Vernetzung dazu beiträgt, ein Virus schnell und weit zu verbreiten.

Lange war die gängige Reaktion, die Risiken zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Es folgten öffentliche Warnungen, die kaum oder gar keine Sanktionen nach sich zogen. Politische Reaktionen wie der Ausbau von Testkapazitäten, die Bevorratung wichtiger Ausrüstungen zum Schutz des medizinischen und anderweitig systemrelevanten Personals, die Erweiterung der Kapazität der Krankenhäuser und die Umschulung des medizinischen Personals, ja selbst die Einrichtung von Schutzmaßnahmen für die Schwächsten wurden – mit einigen bemerkenswerten Ausnahmen – oft zu spät umgesetzt. Was dann folgte, war: Die Unterbrechung der Verbindungen, über die sich das Virus verbreitet, wie z.B. Massenansammlungen oder Massentransporte. Immer wieder ging jedoch wertvolle Zeit verloren. Offensichtlich bedurfte es ein um das andere Mal des Erlebens aus nächster Nähe, um das Ausmaß des Risikos zu sehen.

Nachdem diese verspäteten Maßnahmen die Ausbreitung nicht ausreichend verlangsamten, um die Infektionsrate im Rahmen der Behandlungskapazitäten zu halten, zogen die großen Volkswirtschaften die Notbremse für das öffentliche Leben und die wirtschaftlichen Aktivitäten. Immer mehr Länder schlossen die Grenzen für Reisende direkt oder verhängten eine Quarantäne für Reisende aus immer mehr Herkunftsländern. Die EU und die USA reagierten langsam und versuchen nun aufzuholen, da die medizinische Versorgung in immer mehr Ländern an ihre Grenzen stößt. Schwer zu ertragen: Die Ärzte sind an einigen Orten gezwungen, medizinische Behandlungen zu priorisieren. Eine traumatisierende Erfahrung.

Land für Land wurden Veranstaltungen, Flüge, Tourismus, Restaurants, Bars, Clubs und sogar das Friseurgewerbe verboten. Was normalerweise mit zweiwöchigen Einschränkungen begann, ist bereits oder wird wahrscheinlich verlängert, wer weiß, wie oft und wie lange. In gewisser Weise ist es ein Rennen und eine Wette. Ein Wettlauf mit menschlichem Einfallsreichtum, um einen schnelleren Test, einen Impfstoff und/oder eine Behandlung zu entwickeln. Es ist auch eine Wette darauf, dass das Virus ähnlich wie bei der Grippe einem saisonalen Muster folgt. Einige Merkmale weisen darauf hin, aber wir können uns keineswegs sicher sein. Vor allem aber geht es darum, die Kurve der Infektionen abzuflachen, um eine Infektionsrate aufrechtzuerhalten, die mit den Kapazitäten der Gesundheitssysteme zu bewältigen ist. Natürlich geht es gleichzeitig auch darum, die Kapazitäten auszuweiten, was zentral ist, weil jenseits dieser Kapazitätsgrenze die Letalitätsraten sprunghaft ansteigen.

Als Folge all der Einschränkungen des öffentlichen Lebens kommt die Weltwirtschaft zum Stillstand, und das Wachstum geht in den Rückwärtsgang. Was wir sehen, hat das Potenzial, die „Mutter aller Rezessionen“ zu werden. Ökonomen unterscheiden sich mehr oder weniger nur darin, ob der wirtschaftliche Schock durch COVID-19 zum größten Einbruch seit der Großen Depression wird oder ob er diese rund 90 Jahre alte traumatische Erfahrung noch übertreffen wird. Der Internationale Währungsfonds stellt die traditionellen Ansichten über eine V-förmige Erholung in Frage und zeigt, dass alle Arten von Rezessionen – auch solche, die auf externe Schocks und kleine Fehler in der makroökonomischen Politik im Inland zurückzuführen sind – zu dauerhaften Produktions- und Wohlfahrtsverlusten führen.

Die Verluste werden 12 Billionen USD deutlich übersteigen, was dem geschätzten Verlust in der globalen Finanzkrise 2008/09 entspricht. Bei Anwendung der gleichen Proportionen wird 1/6 der Verluste direkt auf eine Finanzindustrie fallen, die viel besser kapitalisiert ist als 2008, aber eindeutig nicht stark genug, um eine Krise solchen Ausmaßes ohne Hilfe zu verdauen. Die Verluste werden sehr ungleichmäßig verteilt sein. Die Schwächsten werden am meisten und existentiell leiden. Die Nahrungsmittelknappheit, der Verlust an Bildung und Gesundheitsversorgung wird einen schwer messbaren Tribut fordern. Auch wenn sich aktuell die Regierenden in zahlreichen Ländern steigender Beliebtheit trotz drakonischer Maßnahmen erfreuen, sollten mögliche dauerhafte politische Verwerfungen als Folge nicht unterschätzt werden.

Philip Thomas, Professor für Risikomanagement an der Universität Bristol, warnt bereits davor, dass Maßnahmen „mehr Schaden als Nutzen“ anrichten könnten. Es besteht in der Tat ein klarer Zusammenhang zwischen dem BIP und der Lebenserwartung, nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, mehr für Gesundheit und Sicherheit auszugeben. Die ergriffenen Maßnahmen, die zu massiven Verlusten beim BIP führen, werden sich eindeutig in noch unbekannten, aber erheblichen Proportionen negativ auf die Lebenserwartung und -perspektiven vieler Menschen auswirken.

Wie lange kann die Welt eine Beinahe-Schließung verkraften? Ein, zwei, drei Monate? Sicherlich nicht viel länger. Und wie sieht der Weg aus, wenn sich herausstellt, dass die Lockerung der Einschränkungen zu einer erhöhten Anzahl von Infektionen führt, während die Verluste an Menschenleben durch die Stilllegungen die durch das Virus verursachten Verluste übersteigen? Die Wahl zwischen diesen zwei Übeln war noch nie schwieriger, und Politikern wird man die Schuld für das von ihnen gewählte Übel zuschreiben.

Rasche Ausbreitung rund um den Globus

COVID-19 ist eine Krise von globaler Dimension, und die Reaktionen darauf waren hauptsächlich national. Die Risiken sind hoch, dass wir die negativen Auswirkungen jetzt noch verschlimmern, indem wir zulassen, dass die Krise zu einer Krise der Globalisierung wird. Wo auch immer man hinhört, machen sich nationalistische Stimmungen breit.

Traditionelle Maßnahmen zur Bewältigung solcher Krisen werden nicht funktionieren. Wie soll sich die klassische Geld- oder Fiskalpolitik in einer stillgelegten Wirtschaft in Wachstum umsetzen? Viele dieser Maßnahmen können jetzt nur ein befristetes Überleben der Produktionskapazitäten sichern helfen. Wertvoll genug. Maßnahmen, wie eine expansive Geldpolitik, die nach der Finanzkrise 2008 Wunder bewirkt hat, sind offensichtlich auf sich allein gestellt unzureichend. Es braucht nun eine flankierende fiskalische Risikoübernahme, damit sie wirken kann, begleitet von Soforthilfen insbesondere für SME’s und Start up‘s.

Die weltweite Vernetzung verursachte die schnelle Verbreitung, sie ist aber auch Teil der Lösung

Im Gegensatz zu früheren Pandemien hat sich COVID-19 innerhalb weniger Wochen über den ganzen Globus verbreitet. Aber es gibt noch eine andere Seite der Medaille, und die ist positiv: Noch nie zuvor in der Geschichte haben Wissenschaftler aus der ganzen Welt so zusammengearbeitet. Das Wissen über die Pandemie beginnt sich, wie das Virus selbst von denjenigen auszubreiten, die an vorderster Front betroffen sind und einen gewissen Erfolg bei der Bewältigung der Pandemie erzielen. Das sind insbesondere China, Japan und Singapur, etwas zeitversetzt auch Südkorea.

Ärzte und Politiker auf der ganzen Welt wissen also bereits viel über Möglichkeiten, das Infektionsrisiko zu verringern, über die Inkubationszeiten, über Risiken für bestimmte – insbesondere ältere – Menschen und über die Pflege der Kranken. Dies wird definitiv schon jetzt das Leben einer großen Zahl von Infizierten retten, obwohl eine wirksame Impfung erst in, hoffentlich nicht allzu ferner, Zukunft zur Verfügung stehen wird.

COVID-19 zeigt damit sowohl die Risiken als auch die Chancen einer vernetzten Welt auf. Auch wenn die Regierungen handeln mussten, indem sie die Freizügigkeit zum Schutz von Menschenleben einschränken, so ist doch gleichzeitig eine bessere Vernetzung der Schlüssel zu einer langfristigen Lösung. In einer idealen Welt hätten Europa und die USA mehr als zwei Monate Zeit gehabt, um sich vorzubereiten, wenn, und das ist ein großes „Wenn“, die richtigen Systeme und Prozesse vorhanden wären. Diese kostbaren Wochen vergingen nahezu ungenutzt. In dieser Zeit hätte Testmaterial eingelagert und die Behandlungseinrichtungen erweitert werden können. Das medizinische Personal hätte Zeit zur Umschulung gewonnen, schnelle Tests an den Grenzen wären möglich geworden, um die Infizierten schnell und effizient zu isolieren. All das hätten dazu geführt, viel Schmerz, Tot und wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden.

Jetzt ist weder die Zeit für Wenn und Aber, noch für gegenseitige Schuldzuweisungen. Es ist vielmehr die Zeit, an einer globalen Antwort zu arbeiten. Für eine medizinische und wirtschaftliche Antwort im wirklich globalen Maßstab ist ein multilateraler Ansatz erforderlich. Es ist an der Zeit, dass die G 20 ihre Führungsrolle neu belebt, indem sie einen Rahmen für den kurzfristigen Austausch bewährter Praktiken und medizinischer Ressourcen schafft und einen künftigen Alarm- und Eindämmungsrahmen einrichtet.

Fünf Schritte für die internationale Zusammenarbeit

In dieser Hinsicht sind fünf Bereiche der globalen Zusammenarbeit notwendig, die umgesetzt werden müssen.

(1) Globales Informationssystem

Umfassende, belastbare und vergleichbare Informationen sind notwendig für Entscheidungsträger. So sind Daten verschiedener Länder nur schwer miteinander zu vereinbaren. Man fragt sich wie z.B. die Ausbreitungs- oder Sterblichkeitsraten so stark variieren können. Weisen diese Abweichungen auf Lösungen hin (z.B. die Wirksamkeit von Maßnahmen oder sozialen Normen) oder sind sie nur auf Unterschiede in der Methodik zurückzuführen? Informationen über eine Pandemie sollten daher standardisiert werden. Datenherkunft, Zeitverzögerung, Intensität und jeweilige Auslöser der Tests oder die Zuordnung eines tödlichen Falls zu einer Ursache spielen eine große Rolle für das Verständnis der Zahlen selbst.

All diese Faktoren können in beide Richtungen wirken. Daten können Menschen irreführen und entweder eine Panik oder trügerische Sicherheit erzeugen. Nur eine Vereinheitlichung würde eine Datenbasis schaffen, die richtige Entscheidungsfindung ermöglicht.

(2) Globale Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Infektionen

Epidemiologen, wie das Imperial College London in seiner jüngsten Studie, erwarten, dass „intensivere Interventionen die Übertragung unterbrechen und die Fallzahlen auf ein niedriges Niveau reduzieren könnten“. Sobald diese Interventionen jedoch gelockert werden, wird ein Anstieg der Fallzahlen vorhergesagt. Dies führt zu niedrigeren Fallzahlen heute, aber zu dem Risiko einer späteren Epidemie in den Wintermonaten, wenn die Interventionen nicht aufrechterhalten werden können. Unentdeckte Fälle aus Orten ohne leistungsfähigen Gesundheitssektor werden diesen Effekt verstärken, sobald sich die Welt wieder vernetzen wird.

Der jahrzehntelange Kampf um die Ausrottung von Pocken und Masern rund um den Globus zeigt, wie schwierig und langwierig dieser Ansatz sein wird. Einige Länder werden praktische und finanzielle Unterstützung benötigen, um diese Herausforderungen zu bewältigen.

(3) Stabilisierung der wirtschaftlichen Aktivität

Wie jedes System auf der Intensivstation ist die Welt jetzt mit einer ernsthaften Bedrohung der Stabilität konfrontiert, die sofortiger Aufmerksamkeit bedarf. Die wichtigste Herausforderung ist jetzt die Aufrechterhaltung der Kapazitäten. Eine Insolvenzwelle wird Produktivkapital zerstören und damit den Wohlstand ebenso wie die Lebenserwartung nachhaltig senken. Als COVID-19 in einem zentralen Teil des globalen Produktionsökosystems begann, bedrohte es unmittelbar bestehende Lieferketten. Es ist nicht auszuschließen, dass dies viel Druck auf die Zuständigen ausgeübt hat, Maßnahmen spät und unzureichend zu verfügen. Dieses Muster wiederholte sich im Grunde genommen an jedem Ort, an dem sich das Virus ausbreitete. Die Lieferketten müssen also widerstandsfähiger sein, um eine schnelle Abschaltungen zu ermöglichen, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel mildere Folgen haben wird.

Die Reaktionen auf den drohenden wirtschaftlichen Schaden eines Lock-Downs waren dagegen bemerkenswert schnell. In erster Linie war das globale Finanzsystem betroffen, das Frühwarnsystem. Es musste sichergestellt werden, dass das Finanzsystem in die Lage versetzt wurde, den produktiven Kapitalstock über die Zeit der Stilllegung hinweg aufrechtzuerhalten und dann die erforderliche Liquidität für die anschließende Wiederbelebung der Volkswirtschaften bereitzustellen. Die Geldpolitik, die von fast allen Zentralbanken in großem Umfang angewandt wurde, hat jedoch bereits gezeigt, dass sie ein notwendiges, aber nicht hinreichendes Instrument ist. Es reicht nicht aus, Zinssätze zu senken, Anleihen zu kaufen oder auf andere Weise Geld in das System zu pumpen. Es werden die Banken benötigt, um Geld auszuzahlen und an diejenigen zu allokieren, die eine faire Chance haben, den Sturm zu überleben. Damit diese Banken ihre Aufgabe erfüllen können, ist ein von der Regierung unterstützter spezieller Risikoabsorptionsmechanismus –der Einfachheit halber eine „Staatsgarantie“ – erforderlich. Andernfalls kann jede Kreditrisikobewertung in der heutigen Welt nur dazu führen, dass Kredite zurückgerufen werden, anstatt neue zu vergeben.

Dieses Instrument des Geldauszahlens sollte vor allem auf KMU und Schlüsselindustrien abzielen. Damit kann realistischer Weise nur ein begrenzter Zeitraum überbrückt werden, wie z.B. das berühmte deutsche Kurzarbeitergeld, das eine vorübergehende Entlassung von Mitarbeitern erlaubt, die durch das Arbeitslosengeld der Sozialversicherung subventioniert wird.

(4) Medizinische Vorkehrungen gegen „Schwarze Schwäne“

Viele Länder wurden von dem Virus überrannt – es fehlt an Kapazitäten in Krankenhäusern, Beatmungsgeräten, Masken und Medikamenten. Pandemien sind „Schwarze Schwäne“, sie sind sehr selten, aber sie kommen vor und sie erfordern koordinierte Reaktionen. Daher ist es wichtig, dass die Staatengemeinschaft für einen ausreichenden Bestand an kritischer Ausrüstung sorgt und einen speziellen Fonds einrichtet, der es den betroffenen Ländern – basierend auf den Prinzipien einer Versicherung – ermöglicht, innerhalb kurzer Zeit zusätzliche Hilfe zu erhalten. Ähnlich wie Vorräte für Öl und andere strategisch wichtige Ressourcen.

(5) Aufrechterhaltung der globalen Lieferketten durch Alarm- und Eindämmungsketten

Business Continuity kann nur funktionieren, wenn die globalen Lieferketten stressresistent sind. Jede Lieferkette ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Jede Warnkette ist nur so gut wie die Bereitschaft und Fähigkeit zum Zuhören. Daher fordert COVID-19, dass die globale Lieferkette durch einen ebenso globalen Alarm-, Eindämmungs- und Koordinierungs-mechanismus für eine solche Krise unterstützt wird.

Nicht einmal die Lehren von Fukushima mit ihren Auswirkungen auf die globalen Lieferketten wurden vollständig umgesetzt. Bei einigen Massenmedikamenten wurden die Wirkstoffe nur an einem oder wenigen nahe beieinander gelegenen Orten hergestellt, wodurch die durch COVID-19 verursachten Unterbrechungen zu Produktionsengpässen bei vielen Generika führten.

Die Staatengemeinschaft muss Lösungen für ein nachhaltiges Versorgungssystem finden, das wesentliche Produkte, mit mehr als einer Quelle, möglichst unabhängig voneinander kennzeichnet. Die Entscheidungen sollten nicht nur auf rein geografischen Aspekten basieren, sondern auch auf Aspekten wie der Abdeckung spezifischer Risiken wie Naturkatastrophen, Unruhen oder Pandemien.

Ein Weckruf für die globale Koordination

Die Corona-Krise macht uns die Vernetzung unseres Globus‘ bewusst. Die Welt braucht einen Rahmen, um so schnell wie möglich von denjenigen zu lernen, die sich schon früh mit ihr befassen mussten, sei es medizinisch, wirtschaftlich oder finanziell. Dies wird in den kommenden Wochen wichtig werden, da wir alle einen Plan brauchen, wie die Volkswirtschaften wieder in Gang kommen. Ein Mangel an Koordination wird diejenigen, die im Alleingang handeln, vor ein Dilemma stellen. Denn ohne Zweifel wird es nach einer Lockerung der Einschränkungen wieder – mit Zeitverzug – zu steigenden Infektionen kommen. Dieses Risiko zu vermeiden droht zu kollektivem Abwarten zu führen. So, wie die Welt zu lange gewartet hat, die Risiken der Infektion einzudämmen, läuft sie möglicherweise wieder Gefahr, die Risiken der Notfallmaßnahmen zu lange zu unterschätzen. Verhalten im Sinne von Risikovermeidung, wie sie uns in Teilen Asiens vorgelebt werden und die entlastend wirken können, dauerhaft zu ändern, wird eine soziale Herausforderung werden.

Zweifellos wird die Rückkehr zur Normalität erst dann erfolgen, wenn die Risiken für das menschliche Leben unter Kontrolle sind. Jüngere und ältere, reichere und ärmere Menschen, und Nationen werden unterschiedliche Ansichten darüber haben, wann dies der Fall sein wird. Aber eine Debatte ist unvermeidlich, denn die Entscheidungen werden einschneidend sein. Die Welt muss schneller werden, um mit der Geschwindigkeit eines COVID-19 fertig zu werden und um hoffentlich besser auf das nächste Virus vorbereitet zu sein. Das wird mit der gleichen Sicherheit kommen, wie wir dieses Virus eindämmen werden.

Sich globaler Kooperation zu entziehen, sollte dabei jedoch keine Option sein.

Hessisches Wirtschafts­ministerium informiert zu Corona-Pandemie

Das Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen steht den hessischen Bürgerinnen und Bürgern sowie den Unternehmen der Region während der Corona-Pandemie zur Seite. Wir haben die wichtigsten Informationsplattformen und Hotlines, auf die das Wirtschaftsministerium verweist, übersichtlich zusammengestellt:

 

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