Die Blockchain ist die Zukunft

Welche wegweisenden Veränderungen macht die Blockchain-Technologie möglich? Welche Auswirkungen wird sie auf Banken haben? Prof. Dr. Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Centers, Prof. Dr. Andranik Tumasjan, Leiter des Lehrstuhls für Management und Digitale Transformation der JGU Mainz und Prof. Dr. Isabell Welpe, Leiterin des Lehrstuhls für Strategie und Organisation an der TUM, werfen in ihren neu erschienenen Büchern „Der Blockchain Faktor“ und „Die Zukunft ist dezentral“ einen Blick in die Zukunft der Blockchain-Technologie und zeigen ihr disruptives Potenzial auf.

Der Blockchain Faktor

Buchbeschreibung: „Bitcoin & Co. waren nur der Anfang – die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, den Finanzsektor ebenso wie unsere Gesellschaft vollkommen auf den Kopf zu stellen. Sie ermöglicht eine Zukunft, in der Mittelsmänner überflüssig sind: eine Zukunft, in der Maschinen und technische Geräte aller Art autonom und dezentral agieren. Welche Auswirkungen hat sie auf unsere Gesellschaft und den Nationalstaat, wie wir ihn kennen? Wie nutzt ein etabliertes Unternehmen wie die Deutsche Bahn diese Technologie? Wo sieht ein Energieanbieter wie Innogy Potenziale und was macht die Blockchain für Start-ups und Investoren so attraktiv?

Prof. Dr. Philipp Sandner, Prof. Dr. Andranik Tumasjan und Prof. Dr. Isabell Welpe werfen einen Blick in die Zukunft und lassen führende Finanzexperten wie etwa Peter Grosskopf (Börse Stuttgart), Matthias Felder und Moritz von Bonin (Deutsche Bahn), Felix Holtermann (Handelsblatt) und Martin Würmli (Stadt Zug, Schweiz) zu Wort kommen. Sie betrachten den Status quo, zeigen, welche wegweisenden Veränderungen die Blockchain-Technologie ermöglicht und warum sie die Macht besitzt, Banken überflüssig zu machen.“

Die Zukunft ist dezentral

Buchbeschreibung: „Eine Technologie, die das gesamte Finanzsystem auf den Kopf stellt – die Blockchain hat das Potenzial, genau das zu tun. Denn Kryptowährungen wie Bitcoin lassen die Frage aufkommen, ob Banken eigentlich noch zeitgemäß sind. Dem Finanzsektor ist dabei längst klar: das größte Risiko der Blockchain ist, sich nicht damit zu beschäftigen. Aber wie muss ein Zahlungsmittel beschaffen sein, damit es flächendeckend Akzeptanz findet?

Prof. Dr. Philipp Sandner, Prof. Dr. Andranik Tumasjan & Prof. Dr. Isabell Welpe zeigen das disruptive Potenzial der Blockchain-Technologie auf. Sie lassen führende Finanzexperten wie Dr. Dirk Siegel (Deloitte), Alexander Höptner (Börse Stuttgart), Dr. Helge Königs (Daimler), Dirk Bullmann (Europäische Zentralbank), Dr. Martin Diehl (Deutsche Bundesbank), Michael Spitz (Main Incubator), Dr. Thomas Schönfeld (PwC) und Stephan Mögelin (BaFin) zu Wort kommen und geben einen Ausblick auf die bevorstehende Revolution der Finanzindustrie.“

 

Quelle: https://www.die-blockchain.ist/

Frankfurt Digital Finance 2020

Frankfurt Digital Finance 2020: Neuem Konferenzformat gelingt mit rund 400 Teilnehmern erfolgreiche Premiere

Veranstaltung unterstreicht eindrücklich Frankfurts Potenzial als innovatives Ökosystem

Gleich in ihrer ersten Auflage hat die Frankfurt Digital Finance alle Erwartungen übertroffen. Rund 400 Entscheider und Innovatoren aus der Finanzindustrie, der FinTech-Szene und der Politik sowie Investoren, Regulierer und Wissenschaftler kamen vergangene Woche in das Frankfurter Zoo-Palais.  Eingerahmt von den inspirierenden Eröffnungs- und Schlussansprachen zur Zukunft von FinTech von Erik Podzuweit, Gründer von Scalable Capital, und Tamaz Georgadze, Gründer von Raisin/Weltsparen, gab es zukunftsweisende Vorträge hochkarätiger Referenten und engagierte Diskussionen rund um Open Banking, Künstliche Intelligenz, Blockchain, Payment und Co. Sie demonstrierten Frankfurt eindrücklich als innovatives Ökosystem.

In einem zusammenfassenden Ausblick forderte Dr. Joachim von Schorlemer, der als Vorsitzender der Landesfachkommission Finanzmarktpolitik & Vorsorge des Wirtschaftsrates zu den Rednern auf der Frankfurt Digital Finance gehörte, darüber hinaus noch mehr Investitionen aus Frankfurt: „Handlungsbedarf sehe ich im Bereich Finanzierung: Von einem so starken Finanzplatz könnte man erwarten, dass mehr Wagniskapital in deutsche FinTechs fließt, als nur 2 Prozent aller Investitionen. Nur so kann unser Finanzplatz weiter wachsen“, so von Schorlemer, der Mitglied des Vorstands der ING-DiBa AG ist.

Markus Frank, Wirtschaftsdezernent der Stadt Frankfurt, sagte abschließend: „Wenn es uns gelingt, die Vernetzung zu verstärken zwischen jungen Menschen mit guten Ideen und den etablierten Finanzinstitutionen, dann kommen wir voran. Genau das habe ich auf der Frankfurt Digital Finance Konferenz erlebt.“

„Die überaus positive Resonanz zur Frankfurt Digital Finance bestätigt uns darin, dass ein Ökosystem wie der Finanzplatz Frankfurt mit sowohl etablierten Marktteilnehmern als auch ambitionierten Einsteigern genau solch ein lebendiges Format für den offenen Austausch braucht“, sagt Corinna Egerer, Organisatorin und Moderatorin der Frankfurt Digital Finance. „Das gute Feedback, das wir auf der Konferenz und anschließend auch in den sozialen Medien bekommen haben, freut uns sehr. Gleichzeitig ist es auch Ansporn für das nächste Jahr“, ergänzt Co-Organisator Max Hunzinger.

 

Neue, innovative Konferenz für digitales Finanzwesen

Die erstmalig ausgerichtete Frankfurt Digital Finance Conference bringt Entscheidungsträger und Innovatoren aus der Finanzindustrie – Unternehmen , Start-ups, Politiker, Investoren, Regulierungsbehörden und Wissenschaftler – auf einer neutralen Plattform in Frankfurt am Main zusammen. Wir haben mit den Organisatoren der Konferenz, Corinna Egerer und Max Hunzinger, über FinTech-Trends, den Standort Frankfurt und den Mehrwert der Veranstaltung gesprochen.

Welche Leistungen stehen im Bereich FinTech zur Zeit besonders im Fokus des Interesses?

„Neben den bekannten Verdächtigen wie Artificial Intelligence-Anwendungen, Blockchain-Lösungen und Payment stehen im Moment digitale Identitäten im Fokus. Darüber hinaus ist Open Banking immer noch ein großes Thema, um die Chancen, die sich aus der PSD2 Richtlinie ergeben, umfassend zu nutzen. IT Security ist und bleibt eine sehr zentrale Herausforderung. Und nicht zuletzt sind Leistungen, die ein besseres Kundenerlebnis -– B2:B wie B2:C – ermöglichen, sehr bedeutsam. All diese und weitere Themen werden wir auf der Frankfurt Digital Finance diskutieren.“

Was können Veranstaltungen wie die Frankfurt Digital Finance Konferenz für die verschiedenen Mitglieder der FinTech Community leisten?

„Veranstaltungen wie die Frankfurt Digital Finance bringen Menschen zusammen, die ähnlich gerichtete Interessen haben, aber aus unterschiedlichen Unternehmen, Institutionen und Bereichen kommen: Von den Erfahrungen anderer zu lernen, sich kennenzulernen, auszutauschen, und auch gemeinsam neue Projekte anzustoßen, all das kann ein solches Treffen leisten. „Better Together“ ist das Motto der Frankfurt Digital Finance. Hier reden Teilnehmer aus etablierten und neuen Unternehmen, aus der Wissenschaft, aus dem Kreis der Investoren und der Politik auf Augenhöhe miteinander. Nicht zuletzt gibt es einen „Corporate Challenge“ zur Frankfurt Digital Finance, bei dem Teams von unterschiedlichen Unternehmen Ideen und Konzepte zur besseren Vernetzung von Firmen und Startups entwickeln, um gemeinsam Werte zu schaffen.“

Warum haben Sie den Finanzplatz Frankfurt als Standort für diese Konferenz gewählt?

„Frankfurt kann als Ökosystem mit etablierten und neuen Playern ein führender Digital Finance Standort in Europa werden. Hier gibt es nicht nur die notwendige Branchen-Expertise, sondern auch belastbare Netzwerke und die notwendigen finanziellen Ressourcen, um innovative Projekte entlang der Finanzierungskette zu begleiten. Das müssen wir noch stärker kommunizieren – die Frankfurt Digital Finance soll einen Beitrag hierzu liefern.“

Weitere Informationen zur Veranstaltung und Anmeldemöglichkeiten bietet die Website frankfurt-digital-finance.de.

„Das bedeutet Strom für 16.000 Menschen“

In Mali haben nur 17 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Strom. Doch günstige Solarenergie und innovative Geschäftsmodelle legen momentan die Grundsteine für einen Anstieg dieser Prozentzahl. Africa GreenTec, ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Hainburg (Hessen), baut und betreibt mobile, skalierbare Solarkraftwerke in Süd-Mali. Geplant sind 50 sogenannte Solartainer® mit denen der Zugang zu Energie für bis zu 250.000 Menschen durch CO2 freien Solarstrom verbessert wird. Die Erfahrungen aus den ersten installierten Anlagen in 14 Dörfern zeigen, dass sich das Leben der Menschen grundlegend verändert und neue Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Lars Hunsche, SDG INVESTMENTS GmbH

„Das Projekt Africa GreenTec ist ein hervorragendes Beispiel, wie ganz konkret Maßnahmen gegen den Klimawandel und zur Fluchtursachenbekämpfung an der Basis umgesetzt werden können. Eine in Deutschland emittierte Anleihe bietet professionellen Investoren zudem eine sehr gute Möglichkeit, einen Beitrag zu leisten und dabei auch noch die Chance auf eine faire Rendite wahrzunehmen“, sagt Lars Hunsche von SDG INVESTMENTS®, die von Africa GreenTec mit der Platzierung einer Anleihe beauftragt wurden. Die hessische Kooperation zwischen SDG INVESTMENTS aus Frankfurt und dem Start-Up und Träger des Hessischen Staatspreises Energie Africa GreenTec ist ein hervorragendes Beispiel für die Innovationsfähigkeit des Sustainable Finance Standorts Frankfurt am Main.

Die im Dezember 2017 emittierte nicht nachrangige teilbesicherte Anleihe der Africa GreenTec Asset GmbH mit einem Zinskupon von 6,5 Prozent p.a., hat eine Laufzeit bis zum 1.Dezember 2027. Im Rahmen der Emission werden bis zu 10 Millionen Euro platziert. Da mit der Republik Mali bereits seit den 70er Jahren ein Investitionsschutzabkommen besteht, ist die Investition durch die Bundesrepublik Deutschland gegen politische Risiken abgesichert. Die Anleihe wird mit einer Stückelung von 1.000 Euro und einem Mindestordervolumen von 100.000 Euro an den Börsenplätzen Frankfurt und Düsseldorf gehandelt.

Kürzlich hat der KFM-Mittelstandsanleihenfonds, der auf die Analyse und die Auswahl von Investments in festverzinsliche Wertpapiere mittelständischer Unternehmen spezialisiert ist, eine Millionen Euro in die Anleihe der Africa GreenTec Asset GmbH investiert. Die Analysten von KFM kommen im renommierten KFM-Mittelstandsanleihen-Barometer zu folgendem Urteil:

„Die Africa GreenTec Asset GmbH bietet als nachhaltiges Investment, das durch die Berücksichtigung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen u.a. zur Fluchtursachenbekämpfung und zum Klimaschutz beiträgt, und durch die ergänzende deutsche staatliche Förderung des im Zusammenhang mit der Aufstellung von Solartainern® erforderlichen Netzausbaus eine attraktive Renditechance. Aufgrund der Planzahlen bis 2026/2027 kann von einem stabilen langfristigen Geschäftsmodell ausgegangen werden. Die Anleihe wird in den kommenden Jahren sukzessive getilgt. In Verbindung mit der Rendite von 6,50 Prozent p.a. (auf Kursbasis von 100,00 Prozent am 2.Juli 2019) wird die 6,50Prozent-Africa GreenTec Asset GmbH-Anleihe als ‚durchschnittlich attraktiv (positiver Ausblick)‘ (3,5 von 5 möglichen Sternen) eingeschätzt.“ Die Komplette Analyse können Sie hier nachlesen.

Mit dem Investment des Deutschen Mittelstandsanleihenfonds wird die Erfolgsgeschichte von Africa GreenTec weitergeschrieben. Es können vier weitere Dörfer mit einem Solartainer® ausgestattet werden. Das bedeutet Strom für 16.000 Menschen.

 

Kontakt: info@sdg-investments.com 

 

Titelbild: © Africa Green Tech AG

Foto Lars Hunsche: © SDG INVESTMENTS GmbH

Digitalizing Africa: The rise of FinTech Companies

Wie entwickelt sich das globale FinTech-Ökosystem? Vor welchen Herausforderungen und Chancen stehen vor allem afrikanische Länder? PWC und Casablanca Finance City haben in der Studie „Digitalizing Africa: The Rise of FinTech Companies“ diese und weitere Fragen genauer beleuchtet. Ziel der Studie ist es, das allgemeine Bewusstsein für die Entwicklungen der FinTechs weltweit, mit klarem Fokus auf Afrika, zu stärken.

Die Fintech-Branche ist dank drei wichtiger globaler Trends rapide gewachsen:

  1. ein sich schnell veränderndes technologisches Umfeld
  2. sich ändernde Kundenanforderungen
  3. und die strukturellen Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf die traditionellen Finanzunternehmen.

Das technologische Umfeld der Finanzbranche ist im Wandel

Fintech-Unternehmen haben traditionelle Modelle durchbrochen, indem sie innovative Technologien praxisbezogen anwenden. Beispiele hierfür sind Data Analytics, Artificial Intelligence und Blockchain. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass das globale BIP bis 2030 um 14 Prozent steigen wird – Grund dafür sei die vermehrte Verwendung intelligenter Systeme.

Kundenanforderungen und -verhalten stellen neue Herausforderungen

Vor allem im Zuge der Finanzkrise verloren einige Konsumenten das Vertrauen und zweifelten die Loyalität der Finanzunternehmen an. In dieser Zeit der Skepsis fielen FinTech-Unternehmen positiv auf. Heute gelten diese Unternehmen für viele End-Konsumenten als Alternative. Die Studie führt folgende „Pain Points“ an, die Kunden traditioneller Finanzunternehmen kritisieren: minderwertige Kundenbetreuung, keinen Ansprechpartner, hohe Kosten und eine langsame Anpassungsrate an Veränderungen und unpersönliche Lösungen. Fintech-Unternehmen finden in der Regel einen disruptiven Weg, um diese Probleme zu lösen, indem sie ein neues Modell entwickeln, um den Kunden anzusprechen.

Ein Zitat von Jamie Dlmon, JP Morgan Chase & Co. Chairman and Chief Executive Officer, verdeutlicht dies in der Studie: „Silicon Valley is coming. There are hundreds of startups with a lot of brains and money working on various alternatives to traditional banking. They are very good at reducing ‘the pain points’.“

Auf der Seite der individuellen Endkunden zeigt sich, dass eine wachsende Zahl von Menschen auf der ganzen Welt heute Zugang zu Medien hat, die es ihnen ermöglichen, neue digitale Dienste zu entdecken. Verbraucher kauften 2018 über ihre Mobiltelefone im Wert von 4 Milliarden Dollar ein. Die Autoren der Studie schätzen, dass dieser Wert in wenigen Jahren auf 34 Milliarden Dollar anwachsen wird.

Afrikanische FinTechs gewinnen an Dynamik

FinTech-Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent gewinnen an Bedeutung. Ihre Zahl ist bis Ende 2017 auf über 300 gestiegen. Sie sind einer der am aktivsten unterstützten Start-up-Sektoren des Kontinents.

Die Mehrheit der Fintech-Unternehmen in Afrika setzt auf innovative Lösungen für Geldtransfers und Zahlungen und richtet sich vor allem an die Bevölkerung ohne Bankverbindung. Geldtransfers und Zahlungslösungen von Mobilfunkbetreibern haben dazu beigetragen, viele Menschen aus Armut zu befreien und eine echte finanzielle Integration auf dem gesamten Kontinent zu schaffen.

Da immer mehr Menschen auf Mobilfunkabonnements angewiesen sind und das Internet in Afrika  nutzen, sinken die durchschnittlichen Verkaufspreise für Smartphones. Hier können FinTechs ansetzen und es vielen Menschen ermöglichen, Bankaktivitäten zu realisieren. In Südafrika nutzten in 2016 beispielsweise bereits 54 Prozent der Bevölkerung das Internet – 2005 waren es noch 7 Prozent.

Zusammenfassend zeigt die Studie aber auch, dass sich die meisten afrikanischen Fintech-Unternehmen weiterhin auf Retailbanking-Produkte (insbesondere Zahlungen und Transfer) konzentrieren und nur in geringerem Maße auf das Firmenkundengeschäft.

 

Die Studie finden Sie unter folgendem Link:

CFC Africa Insights: Digitalizing Africa. The Rise of FinTech-Companies

FinTech Finanzplatz Frankfurt

„Der Finanzplatz Frankfurt hat sehr gute Chancen, sich als europäische Hauptstadt für Finanztechnologien zu etablieren.“

Ein Europäisches Konsortium aus verschiedenen Universitäten und FinTechs arbeitet daran, den Wissensaustausch zwischen Banken, FinTechs, Regulatoren und der Finanzaufsicht zum Thema Risikomanagement von Finanztechnologien zu fördern. Seit 2019 ist das Finanztechnologieunternehmen Firamis GmbH ein Teil dieses Konsortiums. Im Interview diskutiert Dr. Jochen Papenbrock, CEO und Gründer von Firamis, die Rolle von Künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence – AI) beim Management von Risiken der Finanztechnologie sowie deren Bedeutung für den Finanzplatz Frankfurt.

Dr. Jochen Papenbrock, CEO und Gründer von Firamis GmbH

Welche Risiken ergeben sich aus der steigenden Bedeutung von FinTechs für den Finanzsektor?

Wir verstehen unter dem Begriff FinTech viel mehr als nur die FinTech-Startups, die Finanztechnologien wie Big Data Analytics, AI und Blockchain nutzen. Auch traditionelle Banken und Versicherer verwenden neue Finanztechnologien und können vor ähnlichen Herausforderungen stehen wie Startups, insbesondere was das Risikomanagement angeht. Außerdem nimmt die Kooperation zwischen den Banken und FinTech-Startups zu bzw. es entstehen immer mehr Outsourcing-Beziehungen durch die sich aufbrechenden Wertschöpfungsketten. Zugleich sind viele Banken an Startups beteiligt. Durch eine zunehmende Verflechtung der Systeme, Daten und Prozesse sind Banken genauso vom Risiko der Finanztechnologien betroffen. Wir beobachten derzeit einen Anstieg des Diskussionsbedarfs der Branche mit den Regulatoren und Aufsichtsbehörden.

Vor diesem Hintergrund kommt dem FinTech Risk Management sowie der Modell- und Data-Governance besondere Bedeutung zu. Traditionelle Banken haben sicherlich schon mehr Erfahrung mit der Regulatorik und aufsichtsrechtlichen Praxis gesammelt. Für viele FinTech-Startups ist dies Neuland.

Können Sie dies näher erläutern?

Ein besonderes Problem der neuen Finanztechnologien sind komplexe, intransparente und auch verzerrte Modelle und Daten. Mehrere Aufsichtsorgane haben sich bereits so positioniert, dass sie Black Box Modelle – also intransparente Machine Learning Ansätze wie mehrschichtige künstliche neuronale Netze (Deep Learning) – in produktionskritischen Prozessen ablehnen.

Mit diesen und weiteren Themen beschäftigen wir uns gerade im Rahmen eines größeren EU Projekts zum Thema Fintech Risk Management. Europaweit erfolgt hier über zwei Jahre der Wissensaustausch zwischen Banken, FinTechs und Regulatoren. Es werden Standards entwickelt, die den Einsatz von Finanztechnologien in sicheren Finanzprodukten gewährleisten und eine möglichst hindernisfreie Skalierung von FinTech-Geschäftsmodellen in Europa ermöglichen. Unser FinTech-AI-B2B-Startup Firamis ist Teil des Konsortiums und Mitglied des Executive Boards. Wir arbeiten daran, eine EU Research-Sandbox aufzubauen und Anforderungen an eine „Trustworthy AI“ zu etablieren. Auch hierzu fährt die EU eigene Programme und vernetzt Expertinnen und Experten.

Aus dem Einsatz von Finanztechnologie ergeben sich jedoch systemische Risiken. So könnte es zu der Konstellation kommen, dass mehrere FinTechs die gleiche Technologie nutzen und daher eine Art Gleichschaltung von Risiken erfolgt, denn in bestimmten Marktphasen reagieren die Systeme recht ähnlich. Durch den ansteigenden Vernetzungsgrad in der aufgebrochenen Wertschöpfungskette steigen zudem die Domino-Ansteckungseffekte von Risiken. Der aufsichtliche Fokus wird sich weiter von den Einzelfirmen hin zur Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette verlagern.

Welches regulatorische Framework ist erforderlich, um die Risiken im Griff zu behalten?

Aus unserer Sicht lassen sich durch eine Fokussierung auf Modellvalidierung, den gesamten Modellrisikomanagementprozess sowie Data- und Model-Governance die Risiken in den Griff bekommen. Black Box-Ansätze werden es bei intensiveren regulatorischen Prüfungen durch nationale und internationale Aufsichtsbehörden schwer haben. Auf der anderen Seite wird man im Wettbewerb nicht auf die neuen Finanztechnologien verzichten wollen. Welche Modifikation der Technologie ist also nötig, um die Anforderungen zu erfüllen?

Gibt es bereits Lösungen, wie man diese Ansätze für Aufsichtsbehörden und Regulatoren zugänglicher bzw. verständlicher machen kann?

Ein Ansatz läuft unter dem Stichwort XAI (Explainable AI beziehungsweise Interpretabale AI). Man nutzt moderne Ansätze, Technologien und Datenvisualisierungen, um die Modelle erklärbarer zu machen und sie wieder auf die Ebene des menschlichen Denkens zu heben. XAI ist im Übrigen auch eine der Kernkompetenzen unseres Startup sFiramis, und wir bauen die Ressourcen aus gegebenem Anlass weiter aus. Dabei kommt wiederum AI zum Einsatz, um etwa Black Box-Modelle automatisiert zu erklären. Dies ist übrigens auch für Endkunden wichtig, die wissen wollen, warum sie beispielsweise einen bestimmten Kredit-Score erhalten haben oder warum sie bei ihrem Robo Advisor einem bestimmten Risikoprofil zugeordnet werden und was sie tun können, um sich zu verbessern.

Spannend ist die Frage, wie regulatorische Kontrollen praktisch umgesetzt werden sollen. Es sind mehrere Modelle von der eigenständigen Kontrolle durch die BaFin bis hin zum Outsourcing an Dritte vorstellbar. Wir werden einen gewissen Grad der Standardisierungen beobachten und auch so etwas wie einen AI-TÜV für Finanzalgorithmen.

Was bedeutet die dynamische Entwicklung von AI / Machine Learning für die FinTech-Industrie am Finanzplatz Frankfurt?

Bei den aktuellen Entwicklungen im Bereich der Finanztechnologie wird deutlich, dass die Finanzplätze miteinander konkurrieren. Die Karten werden aufgrund der Disruption neu gemischt. Der Finanzplatz Frankfurt hat hierbei sehr gute Chancen, sich als europäische Hauptstadt der Finanztechnologien zu etablieren. (Zentral-)Banken, Technologiefirmen, FinTech-Ökosysteme, Aufseher und Regulatoren sind ja bereits vertreten. Gerade das Thema AI hat für den Finanzplatz möglicherweise noch mehr Potenzial als die Dauerthemen Brexit und Blockchain.

Es bleibt also noch viel zu tun. Bereits im Jahr 2017 haben wir mit anderen Partnern dazu den jährlichen Frankfurt Summit on AI, Big Data and Network Analysis in Financial Services Leben gerufen. Zudem haben wir mit anderen den Verein AI in Financial Services e.V. gegründet, bei dem jeder Mitglied werden kann, der das Thema weiter voranbringt.

FinTechGermany Award 2019

FinTechGermany Award „Golden Garage“ prämiert herausragende FinTech-Unternehmen am Finanzplatz Frankfurt

Mit dem führenden investorenseitigen Gründerpreis zeichnet der Finanzplatz Frankfurt herausragende FinTech-Unternehmen in sechs verschiedenen Kategorien aus. In der Kategorie Seed-/Early Stage konnte AUTHADA GmbH die Jury überzeugen, Barzahlen – Cash Payment Solutions GmbH in der Kategorie Late Stage. Als bestes FinTech in der Growth Stage wurde solarisBank AG ausgezeichnet. TransferWise Ltd. als bestes ausländisches FinTech auf dem deutschen Markt. Zudem ging der Sonderpreis für das beste PropTech an Exporo AG und Wefox Germany GmbH wurde in der Sonderkategorie Insurtech gewürdigt.

Bereits zum fünften Mal verliehen die Organisatoren Börsen-Zeitung (WM Gruppe), Business Angels Frankfurt RheinMain, Frankfurt Main Finance und TechFluence den FinTechGermany Award an FinTech-Unternehmen mit hohem Potential. „Unser Award ‘Golden Garage‘ bietet vor allem jungen Unternehmern die Möglichkeit, mit FinTech-Insidern und Vertretern des Finanzplatzes in Dialog zu treten und Ihr Netzwerk zu erweitern. Wir freuen uns, diese Plattform bereits das fünfte Mal anbieten zu können“, so Dr. Jens Zinke, Geschäftsführer der Börsen-Zeitung. Andreas Lukic, Vorsitzender der Business Angels Frankfurt RheinMain, sagt: „Wir zeichnen die besten Fintechs, Insurtechs und Proptechs aus, die mit ihren innovativen Geschäftsmodellen und neuen Technologien den Finanzsektor wertschaffend verändern. Gleichzeitig bilden wir am Finanzplatz Frankfurt die gesamte Finanzierungskette für Startups ab – von der Gründung über Wachstum bis zur Etablierung.“ Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, führt an: „Die Kooperation zwischen FinTechs und den etablierten Akteuren am Finanzplatz ist der Schlüssel für den zukünftigen Erfolg. Der FinTechGermany Award schafft die Plattform dafür.“ Michael Mellinghoff, Managing Director bei TechFluence UK, stellt fest: „Mit der Verleihung des Preises unterstützen wir insbesondere Startups mit aussichtsreichen FinTech-Konzepten und erhöhen gleichzeitig ihre Sichtbarkeit auf dem deutschen Markt.“

Das Augenmerk der sechszehnköpfigen Jury lag insbesondere auf Finanzierbarkeit, Skalierbarkeit und Exit-Fähigkeit der Unternehmen. Sie bewerteten u.a. das Geschäftskonzept, Wettbewerbsvorteile, Positionierung, Finanzplan und das Management. Seed-/Early-Stage umfasst FinTechs, die bislang keine oder erste Umsätze sowie keinen oder einen ersten Prototyp vorweisen konnten. Für die Kategorie „Late Stage“ konnten sich Unternehmen mit einem kumulierten Umsatz im mindestens sechsstelligen Bereich bewerben. Ein deutlich siebenstelliger Umsatz sowie internationale Expansion war Voraussetzung für eine Würdigung in der Kategorie „Growth Stage“. Günter Rothenberger, Gründer der Günter Rothenberger Industries GmbH sowie Erfinder des R-Systems, stiftete die sechs Wanderpokale in Form von vergoldeten Wasserpumpenzangen.

Andreas Plies, Geschäftsführer von AUTHADA GmbH, führte an: „Der Preis ist nicht nur für uns, sondern auch für das ganze Unternehmen. Es ist schön eine Anerkennung für die eigene Arbeit zu erfahren.“ Ulrike Czekay, Head of PR & Marketing bei Barzahlen – Cash Payment Solution GmbH, möchte bei der Zahlungsinfrastruktur ansetzen und „den Kunden die Angst vor der Digitalisierung nehmen und neue Möglichkeiten anbieten.“ Chief Commercial Officer bei der solarisBank AG, Jörg Diewald, kündigte an: „Unsere Vertriebslinie ist auf Wachstumskurs und wir suchen händeringend nach neuen Mitarbeitern, um unseren Kundenanfragen gerecht zu werden.“ Thomas Adamski, European PR Manager bei TransferWise Ltd., freute sich über seine Trophäe: „In erster Linie geht es uns darum, anderen Menschen zu helfen und ihnen eine drastische Kostensenkung bei Auslandsüberweisungen zu ermöglichen. Gerade bei einem großen und aktiven Markt wie Fintech bin ich unheimlich dankbar, dass die Szene sehr aufgeschlossen gegenüber neuen Alternativen ist. Ich freue mich hier sein zu dürfen und die vielen netten Menschen aus den unterschiedlichen Bereichen kennenzulernen.“ Botho von Hülsen, Senior Manager bei der Exporo AG, teilte mit: „In Deutschland wird viel gebaut und bei uns können Fondpakete auch in Form von Bestandsprodukte erworben werden. Es ist geplant, unsere Digitalisierung zunächst in Frankreich und in den Niederlanden auszurollen, da diese Länder wirtschaftlich gut einzuschätzen sind.“ John Shewell, Head of Group Marketing & Communications von Wefox Germany GmbH, fühlte sich geehrt über die Trophäe in Form einer Wasserpumpenzange: „It is a privilege to be here tonight. At the same time, it is also a honour for all tech start-ups to have the opportunity to transform the financial industry. We want to make insurance easy and convenient for our customers.”

 

Kategorie InsurTech: Wefox Germany GmbH

Kategorie PropTech: Exporo AG

Kategorie Bestes ausländisches FinTech in Deutschland: TransferWise Ltd.

Kategorie Growth Stage: solarisBank AG

Kategorie Late Stage: Barzahlen – Cash Payment Solutions GmbH

Kategorie Seed-/Early Stage: AUTHADA GmbH

FinTechGermany Award 2019: Das sagen die Sponsoren

Am 16. Mai wird Deutschlands führender investorenseitiger Gründerpreis FinTechGermany Award zum fünften Mal am Finanzplatz Frankfurt verliehen. Dabei werden herausragende FinTech-Start-ups mit vielversprechenden Geschäftsmodellen in verschiedenen Kategorien mit der Golden Garage ausgezeichnet. Das Augenmerk der Jury liegt insbesondere auf Finanzierbarkeit, Skalierbarkeit und Exit-Fähigkeit der Unternehmen. Unterstütz wird der Award für Excellenz im FinTech Bereich von Blackprint Proptech Booster, Ernest & Young, Heleba Digital, Metzler, ODDO BHF und Oliver Wymann. Warum sie sich für den Award einsetzen, lesen Sie hier:

 

„FinTech und PropTech haben deutliche Überschneidungen und ich halte es für wichtig, gerade über naheliegende Branchengrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Damit stärken wir gemeinsam den Standort Frankfurt am Main, der gerade im europäischen PropTech-Ökosystem weiterhin an Bedeutung gewinnen soll.“– Alexander Ubach-Utermöhl, Managing Partner bei blackprintpartners

 

„Der FinTechGermany Award prämiert erfolgreiche und potenzialstarke Unternehmen in vielen verschiedenen Kategorien. Deutschland als Standort für FinTech Start-ups hat stark an Attraktivität zugenommen. Erste Unicorns sind der beste Beweis für das gestiegene Interesse von inländischen und ausländischen Investoren. Das Engagement von EY für den FTGA seit der erstmaligen Verleihung geschieht mit dem Ziel, durch die Auszeichnung erfolgreicher Start-ups Vorbilder im Ökosystem herauszustellen und einen Ansporn für viele andere Gründer zu geben. Der FTGA bietet mit seinem breiten Ansatz über verschiedenste FinTech-Geschäftsmodelle, den starken Sponsoring-Partnern und seiner exzellent besetzten Jury eine ausgezeichnete Basis, um dem Zweck der Förderung des FinTech Start-up Ökosystems und der Kommunikation über die nachhaltig positive Entwicklung auch über die Grenzen Deutschlands hinaus gerecht zu werden.“– Christopher Schmitz, Partner Financial Services bei Ernest & Young 

 

„Insbesondere, wenn die B2B-FinTechs nicht nur an der Oberfläche „kratzen“, sondern sich auf Kernprozesse von Banken fokussieren, ist der Widerstand noch deutlich spürbar. Dies zu überwinden, braucht einen langen Atem und Partner, die an einen glauben. Plattformen wie der FinTechGermany Award unterstützen dabei, besondere FinTechs hervorzuheben, diese mit Unternehmen zusammenzuführen und damit die ersten Hürden einer Kooperation zu nehmen.“ – Lucie Haß, Managing Director bei Helaba Digital

 

„Der FinTechGermany Award ist ein wichtiger Impuls, zukünftigen Gründern einen guten Start zu ermöglichen und sie zu unterstützen. Hier wird Zukunft geschrieben – es entsteht eine neue Finanzindustrie. Das birgt nicht nur für Kunden Vorteile, sondern auch für etablierte Unternehmen.“ – Jörg-Matthias Butzlaff, Leiter Unternehmenskommunikation bei Metzler

 

Mit unserem Engagement beim FinTechGermany Award möchten wir zur Stärkung des FinTech-Standorts Frankfurt aktiv beitragen und ihn mit unserem Know-how unterstützen.“ – Sven Gräbedünkel, Managing Director bei ODDO BHF

 

„Wir möchten Innovation und Digitalisierung in der Finanzbranche fördern und Frankfurt dabei unterstützen, sich – als Teil einer „vierten Säule“ des deutschen Bankensystems – als führender FinTech-Hub zu positionieren.“ – Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman

 

Der FintechGermany Award ist eine Plattform für aktiven Wissenstransfer

Interview mit Philipp Sandner zum FinTechGermany Award 2019

Die Regulierung ist wohl immer noch eine der größten Herausforderungen für junge FinTechs in Deutschland“, sagt Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Center. Wie der FinTechGermany Award jungen FinTechs dabei helfen kann, die Hürden der Regulierung zu überwinden, lesen Sie im Frankfurt Main Finance Interview.

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Das Hauptaugenmerk liegt grundsätzlich auf dem Business Model des zu beurteilenden Unternehmens. Gerade im Bereich der FinTechs ist der Innovationsgrad der Idee von besonderer Bedeutung. Die Umsetzung, die einhergehende Kosteneffiezienz und besonders die Integration neuer Technologien, wie Blockchain und Artificial Intelligence sind entscheidende Faktoren dafür, ob ein FinTech auf dem Markt bestehen kann – ober eben nicht. Gerade das Frankfurt School Blockchain Center hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, junge und hochinnovative Unternehmen, die sich dieser neuen Technologien bedienen, zu beraten und bei der Umsetzung sowie Kommerzialisierung zu unterstützen. Wir gehen fest davon aus, dass gerade der Einsatz der Blockchain-Technologie starken Einfluss auf die Finanzindustrie haben wird und damit selbstverständlich auch auf die Erfolgsaussichten der sich bewerbenden FinTechs.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Die Regulierung ist wohl immer noch eine der größten Herausforderungen für junge FinTechs in Deutschland. Durch die Interaktion mit dem Finanzmarkt müssen oftmals strenge Regularien seitens der BaFin befolgt werden, welche durch Kostendruck und fehlendes Personal für FinTechs schwerer zu erreichen sind, als für große Finanzinstitute. Daher ist es wichtig, jungen Unternehmerinnen und Unternehmern Wissen zu vermitteln und Wege aufzuzeigen, wie sie beispielsweise ihr Geschäftsmodell anpassen, sodass die Notwendigkeit einer BaFin-Regulierung reduziert oder gar obsolet wird. Plattformen wie der FinTechGermany Award können als Grundlage für diesen Wissenstransfer genutzt werden.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Ein gleichbleibender oder sich gar ausweitender Grad der Regulierung von FinTechs durch die BaFin während des Verlaufs des kommenden Jahres könnte zu einer Konsolidierung des Marktes führen und einige FinTechs zum Aufgeben zwingen. Trotz einer eventuell bevorstehenden Konsolidierung wird die Bedeutung von FinTechs meines Erachtens kontinuierlich zunehmen, da diese, anders als Banken oder andere große Finanzinstitutionen, Innovationen und den Einsatz neuer Technologien agiler und gezielter einsetzen können. Banken werden sich darauf einstellen müssen, ernsthafte Konkurrenz kleinerer Unternehmen zu erhalten, wodurch deren Monopolstellung schwinden könnte. Deshalb kann man Banken ermutigen, die Nähe zu FinTechs zu suchen, um zum einen Innovation aktiv zu fördern und zum anderen nicht den Anschluss an neue Technologien zu verlieren. Aus diesem Grund ist in den kommenden Jahren eine steigende Zahl von Kooperationen großer Finanzinstitutionen mit FinTechs zu erwarten. Mittelfristig werden Themen wie Artificial Intelligence, Machine Learning und Crypto Assets zentrale Bedeutung erlangen und darüber entscheiden, ob ein Geschäftsmodell auf dem Markt bestehen kann.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech Hubs in Deutschland bzw. in Europa zu werden?

Zu allererst müssen Orte geschaffen werden, an denen sich junge Unternehmen gemeinsam kreativ versuchen und Beratung erhalten können. Eine solche Plattform dient nicht nur zum Austausch untereinander, sondern auch zur Kontaktaufnahme mit potentiellen Investoren und Partnern. Am Finanzplatz Frankfurt gibt es leider bisher noch viel zu wenige Möglichkeiten. Diese Infrastruktur ist in anderen Ländern Europas und der restlichen Welt wesentlich besser ausgeprägt. Hier ist die Landes- sowie die Bundespolitik gefragt und aufgefordert, genügend Fördermittel zur Verfügung zu stellen, um eine ausreichende Zahl an Einrichtungen für junge Unternehmen zu Verfügung stellen zu können. Dabei ist auch der Wissenstransfer unabdingbar. Noch immer haben sich viele Entscheidungsträger nicht auf den bevorstehenden Paradigmenwechsel in der Finanzindustrie eingestellt. Dies ist bedauerlich, da so deren Geschäftsmodell bedroht ist und zum anderen die gewachsene Finanzstärke genutzt werden könnte, um partnerschaftlich mit FinTechs Innovation voranzutreiben. Das Frankfurt School Blockchain Center möchte zu diesem Wissenstransfer beitragen und veranstaltet so regelmäßig Seminare, Veranstaltungen und große Konferenzen, um auf neue Entwicklungen aufmerksam zu machen und das Management für Themen wie Blockchain zu sensibilisieren.

Interview mit Andreas Lukic zum FinTechGermany Award 2019

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH und Jury-Koordinator des FinTechGermany Awards (FTGA), gibt im Interview mit Frankfurt Main Finance einen Einblick in die Entwicklung des Preises. Warum es den FinTechGermany Award eigentlich jeden Monat geben sollte, erfahren wir auch.

Was hat Sie inspiriert, den FinTechGermany Award als eine Reihe jährlicher Veranstaltungen ins Leben zu rufen?

Ich habe in den 90ern und um die Jahrtausendwende in den USA und England gearbeitet. Bei meiner Rückkehr fiel mir auf, dass es im Rhein-Main-Gebiet nur ein sehr kleines Startup-Ökosystemen gab. Es mangelte an Privatinvestorennetzwerken oder andere Initiativen, die Startups, Investoren und Auftraggeber zusammenbringen. Deshalb bin ich 2002 Mitglied in einem kleinen Business Angel Club geworden, seit 2006 bin ich Vorsitzender der Business Angels Frankfurt Rhein Main. Wir schauen uns jedes Jahr rund 900 Startups an und machen dann ca. 20 bis 30 Investments – auf privater Basis. Der Beitrag zum Startup-Ökosystem steht dabei im Fokus.

Mit dem Ausklang der Finanzkrise haben Wirtschaft und Politik begonnen, sich stärker für Gründer zu interessieren. Es bildeten sich Initiativen wie das Dialogforum FinTech, aus der auch das TechQuartier und der FinTechGermany Award, die „Golden Garage“, entstanden. Mit dem Award zeigen wir, dass Frankfurt als Finanzzentrum von Weltrang im Bereich Startups Flagge zeigen muss, um attraktiv für Gründer zu sein. Wir können zwar nicht sagen „Wir sind die Coolsten, die Kreativsten und die, die am längsten im Markt sind“. Aber wir können sagen, „Wir sind ein Finanzplatz – inklusive Kapital- und Finanzmarktkompetenz“. Und das auch schon 100 Jahre Plus. Der investorenseitige Award ist ein Beleg dafür, dass wir beurteilen können, ob Startups finanzierbar, skalierbar und Exit-fähig sind.

Wie hat sich die Veranstaltung im Laufe der Jahre entwickelt?

Inzwischen haben wir etwa 180 Startups, die jedes Jahr – wie bei den „Oskars“ – für den FTGA nominiert werden. Startups können sich natürlich auch extern bewerben. Mit diesen knapp 200 Unternehmen haben wir jedes Jahr den Markt gut abgebildet. Mittlerweile sind wir groß genug, dass wir eine eigene Preisverleihung haben. Diese findet dieses Jahr im Eurotheum, also im Zentrum der Stadt, statt. Eine offene Jurysitzung hat zudem im Rahmen des Finanzplatztages stattgefunden.

Was waren zu Beginn des FinTechGermany Awards die Herausforderungen für FinTechs in Deutschland?

FinTech ist zunächst einmal nichts Neues. Neu ist die breite öffentliche Wahrnehmung. Wir hätten im Jahr 2005 so einen Award nicht machen können. Es gab kein Zentrum, wo man gebündelt Ressourcen finden konnte. Mittlerweile ist das Thema FinTech doch recht etabliert. Es ist selbstverständlich geworden, neue Technologien im Finanzbereich einzusetzen.

Während es vor einigen Jahren darum ging, erste Ideen und Marktbereiche zu besetzen und sich richtig zu positionieren, liegt der Fokus heute darauf, sich richtig zu etablieren. Heutzutage müssen Startups viel tiefer eindringen und einen Mehrklang aus Endkunden, Wettbewerbslandschaft und Profit hinkriegen. Daher gibt es heute weniger Gründungen, dafür aber sehr viel „an- und durchfinanzierte“ FinTechs. Das ist der Wandel.

Sie haben die Entwicklungen der Gewinner-Unternehmen bis heute verfolgt. Haben die Gründer und ihre Unternehmen nach dem Gewinn des FinTechGermany Awards eine erhöhte Aufmerksamkeit von Investoren erfahren?

Ja, Gründer und Unternehmer haben nach dem Award erhöhte Aufmerksamkeit von der relevanten Öffentlichkeit. Diese Aufmerksamkeit wächst proportional mit der Bedeutung des FinTechGermany Award.

FinTechgermany Award Verleihung 2018

FinTechgermany Award Verleihung 2018

Als Startup – egal ob Seed/Early Stage, Late Stage oder Growth Stage – brauchen Sie immer Alleinstellungsmerkmale. Jeder macht viel Lärm. Jeder Wettbewerb, jeder Preis und jeder Zugang zu Partnern und Netzwerken sind für ein Startup daher sehr wichtig. Dieser Effekt gilt aber immer auch andersrum: Auch der Finanzplatz und die Spieler hier profitieren davon – beispielsweise in Form von Kooperationen und Aufträgen.

Was die Investoren angeht: Wir müssen zeigen, dass es sich lohnt nach Frankfurt zu kommen. Nicht nur wegen des herkömmlichen Netzwerkens, sondern eben auch wegen der Startups. Wir bräuchten so etwas wie den FintechGermany Award eigentlich jeden Monat (lacht).

Der Name „Goldene Garage“ bezieht sich auf die frühen Anfänge von Technologiepionieren wie Bill Gates, Steve Jobs und Larry Page. Sehen wir Karrieren wie diese heute auch noch? Oder sind aufstrebende FinTechs bereits auf dem Weg von ihren Garagen und Schlafzimmern zu den FinTech Hubs und Büros dieser Welt?

Die Garage ist das Symbol der unkonventionellen Gründung. Hewlett-Packard ist dabei die Urform. Im Silicon Valley gibt es ja sogar ein Museum, „die alte Garage“. Und ja, dieses unkonventionelle Gründen hält an.

Es gibt drei Merkmale, die ein Gründerzentrum ausmachen:

1. Gründer-Landschaft

Wenn man das Silicon Valley betrachtet, fällt auf, dass dort nur wenige Gründer geboren wurden.  Es gibt also nicht dieses eine Gründergen, das eine Region hat – oder nicht. Wir müssen daher eine attraktive Gründer-Landschaft selbst schaffen.
Dieser Faktor bleibt konstant und wir haben im Rhein-Main-Gebiet über die Jahre deutlich aufgeholt.

2. Ausbildungslandschaft

Dazu zählen Universitäten, das Handwerk, aber auch Kulturangebote wie Museen. Das Rhein-Main-Gebiet hat sich in dieser Hinsicht deutlich auf das Gründen spezialisiert.

3. Finanzierungskette

Es muss eine Finanzierungslandschaft geschaffen werden, in der Startups alle Investmentformen – von 1000 über 10.00 bis 100.000 Euro – bekommen können. Deswegen betone ich auch immer den investorenseitigen Award und die Kapitalmarktkompetenz der Jury. Finanzierung ist unser Zukunftsthema. Die Goldene Garage lebt davon, dass ich mich dort niederlassen kann und mein Unternehmen auch finanziert bekomme. Wenn man mal an Facebook und Co. denkt: Irgendjemand hat denen ja mal zwischen einhundert- und fünfhunderttausend Dollar in die Hand gedrückt. Gleichzeitig hatte dieser Business Angel im Hinterkopf eine Idee, wo es mit diesem Startup einmal hingehen wird. Im Fintech-Bereich sind wir da heute auf einem guten Weg.

 

 

Andreas Lukic ist Gründer und Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH, einer im Jahr 2000 gegründeten privaten Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft, die Beteiligungen, Finanzierungen sowie M&A-Transaktionen bei Management-Buy-outs/Buy-ins sowie Unternehmensnachfolgen durchführt, sich fallweise an wachstumsorientierten Unternehmen aus dem Konzern-, Mittelstands- sowie Startup-Bereich beteiligt sowie deren Unternehmensentwicklung unterstützt und daneben in ausgewählte Immobilien investiert. Herr Lukic ist Mitglied mehrerer Beiräte, Vorstandsvorsitzender der Business-Angels FrankfurtRheinMain e.V. und seit 1999 als Business-Angel aktiv. Daneben unterstützt er renommierte, aufstrebende Künstler im Rahmen der Schirn Zeitgenossen, Frankfurt. Weitere Informationen zur Person finden Sie hier.