FinTechGermany Award 2019

FinTechGermany Award „Golden Garage“ prämiert herausragende FinTech-Unternehmen am Finanzplatz Frankfurt

Mit dem führenden investorenseitigen Gründerpreis zeichnet der Finanzplatz Frankfurt herausragende FinTech-Unternehmen in sechs verschiedenen Kategorien aus. In der Kategorie Seed-/Early Stage konnte AUTHADA GmbH die Jury überzeugen, Barzahlen – Cash Payment Solutions GmbH in der Kategorie Late Stage. Als bestes FinTech in der Growth Stage wurde solarisBank AG ausgezeichnet. TransferWise Ltd. als bestes ausländisches FinTech auf dem deutschen Markt. Zudem ging der Sonderpreis für das beste PropTech an Exporo AG und Wefox Germany GmbH wurde in der Sonderkategorie Insurtech gewürdigt.

Bereits zum fünften Mal verliehen die Organisatoren Börsen-Zeitung (WM Gruppe), Business Angels Frankfurt RheinMain, Frankfurt Main Finance und TechFluence den FinTechGermany Award an FinTech-Unternehmen mit hohem Potential. „Unser Award ‘Golden Garage‘ bietet vor allem jungen Unternehmern die Möglichkeit, mit FinTech-Insidern und Vertretern des Finanzplatzes in Dialog zu treten und Ihr Netzwerk zu erweitern. Wir freuen uns, diese Plattform bereits das fünfte Mal anbieten zu können“, so Dr. Jens Zinke, Geschäftsführer der Börsen-Zeitung. Andreas Lukic, Vorsitzender der Business Angels Frankfurt RheinMain, sagt: „Wir zeichnen die besten Fintechs, Insurtechs und Proptechs aus, die mit ihren innovativen Geschäftsmodellen und neuen Technologien den Finanzsektor wertschaffend verändern. Gleichzeitig bilden wir am Finanzplatz Frankfurt die gesamte Finanzierungskette für Startups ab – von der Gründung über Wachstum bis zur Etablierung.“ Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, führt an: „Die Kooperation zwischen FinTechs und den etablierten Akteuren am Finanzplatz ist der Schlüssel für den zukünftigen Erfolg. Der FinTechGermany Award schafft die Plattform dafür.“ Michael Mellinghoff, Managing Director bei TechFluence UK, stellt fest: „Mit der Verleihung des Preises unterstützen wir insbesondere Startups mit aussichtsreichen FinTech-Konzepten und erhöhen gleichzeitig ihre Sichtbarkeit auf dem deutschen Markt.“

Das Augenmerk der sechszehnköpfigen Jury lag insbesondere auf Finanzierbarkeit, Skalierbarkeit und Exit-Fähigkeit der Unternehmen. Sie bewerteten u.a. das Geschäftskonzept, Wettbewerbsvorteile, Positionierung, Finanzplan und das Management. Seed-/Early-Stage umfasst FinTechs, die bislang keine oder erste Umsätze sowie keinen oder einen ersten Prototyp vorweisen konnten. Für die Kategorie „Late Stage“ konnten sich Unternehmen mit einem kumulierten Umsatz im mindestens sechsstelligen Bereich bewerben. Ein deutlich siebenstelliger Umsatz sowie internationale Expansion war Voraussetzung für eine Würdigung in der Kategorie „Growth Stage“. Günter Rothenberger, Gründer der Günter Rothenberger Industries GmbH sowie Erfinder des R-Systems, stiftete die sechs Wanderpokale in Form von vergoldeten Wasserpumpenzangen.

Andreas Plies, Geschäftsführer von AUTHADA GmbH, führte an: „Der Preis ist nicht nur für uns, sondern auch für das ganze Unternehmen. Es ist schön eine Anerkennung für die eigene Arbeit zu erfahren.“ Ulrike Czekay, Head of PR & Marketing bei Barzahlen – Cash Payment Solution GmbH, möchte bei der Zahlungsinfrastruktur ansetzen und „den Kunden die Angst vor der Digitalisierung nehmen und neue Möglichkeiten anbieten.“ Chief Commercial Officer bei der solarisBank AG, Jörg Diewald, kündigte an: „Unsere Vertriebslinie ist auf Wachstumskurs und wir suchen händeringend nach neuen Mitarbeitern, um unseren Kundenanfragen gerecht zu werden.“ Thomas Adamski, European PR Manager bei TransferWise Ltd., freute sich über seine Trophäe: „In erster Linie geht es uns darum, anderen Menschen zu helfen und ihnen eine drastische Kostensenkung bei Auslandsüberweisungen zu ermöglichen. Gerade bei einem großen und aktiven Markt wie Fintech bin ich unheimlich dankbar, dass die Szene sehr aufgeschlossen gegenüber neuen Alternativen ist. Ich freue mich hier sein zu dürfen und die vielen netten Menschen aus den unterschiedlichen Bereichen kennenzulernen.“ Botho von Hülsen, Senior Manager bei der Exporo AG, teilte mit: „In Deutschland wird viel gebaut und bei uns können Fondpakete auch in Form von Bestandsprodukte erworben werden. Es ist geplant, unsere Digitalisierung zunächst in Frankreich und in den Niederlanden auszurollen, da diese Länder wirtschaftlich gut einzuschätzen sind.“ John Shewell, Head of Group Marketing & Communications von Wefox Germany GmbH, fühlte sich geehrt über die Trophäe in Form einer Wasserpumpenzange: „It is a privilege to be here tonight. At the same time, it is also a honour for all tech start-ups to have the opportunity to transform the financial industry. We want to make insurance easy and convenient for our customers.”

 

Kategorie InsurTech: Wefox Germany GmbH

Kategorie PropTech: Exporo AG

Kategorie Bestes ausländisches FinTech in Deutschland: TransferWise Ltd.

Kategorie Growth Stage: solarisBank AG

Kategorie Late Stage: Barzahlen – Cash Payment Solutions GmbH

Kategorie Seed-/Early Stage: AUTHADA GmbH

FinTechGermany Award 2019: Das sagen die Sponsoren

Am 16. Mai wird Deutschlands führender investorenseitiger Gründerpreis FinTechGermany Award zum fünften Mal am Finanzplatz Frankfurt verliehen. Dabei werden herausragende FinTech-Start-ups mit vielversprechenden Geschäftsmodellen in verschiedenen Kategorien mit der Golden Garage ausgezeichnet. Das Augenmerk der Jury liegt insbesondere auf Finanzierbarkeit, Skalierbarkeit und Exit-Fähigkeit der Unternehmen. Unterstütz wird der Award für Excellenz im FinTech Bereich von Blackprint Proptech Booster, Ernest & Young, Heleba Digital, Metzler, ODDO BHF und Oliver Wymann. Warum sie sich für den Award einsetzen, lesen Sie hier:

 

„FinTech und PropTech haben deutliche Überschneidungen und ich halte es für wichtig, gerade über naheliegende Branchengrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Damit stärken wir gemeinsam den Standort Frankfurt am Main, der gerade im europäischen PropTech-Ökosystem weiterhin an Bedeutung gewinnen soll.“– Alexander Ubach-Utermöhl, Managing Partner bei blackprintpartners

 

„Der FinTechGermany Award prämiert erfolgreiche und potenzialstarke Unternehmen in vielen verschiedenen Kategorien. Deutschland als Standort für FinTech Start-ups hat stark an Attraktivität zugenommen. Erste Unicorns sind der beste Beweis für das gestiegene Interesse von inländischen und ausländischen Investoren. Das Engagement von EY für den FTGA seit der erstmaligen Verleihung geschieht mit dem Ziel, durch die Auszeichnung erfolgreicher Start-ups Vorbilder im Ökosystem herauszustellen und einen Ansporn für viele andere Gründer zu geben. Der FTGA bietet mit seinem breiten Ansatz über verschiedenste FinTech-Geschäftsmodelle, den starken Sponsoring-Partnern und seiner exzellent besetzten Jury eine ausgezeichnete Basis, um dem Zweck der Förderung des FinTech Start-up Ökosystems und der Kommunikation über die nachhaltig positive Entwicklung auch über die Grenzen Deutschlands hinaus gerecht zu werden.“– Christopher Schmitz, Partner Financial Services bei Ernest & Young 

 

„Insbesondere, wenn die B2B-FinTechs nicht nur an der Oberfläche „kratzen“, sondern sich auf Kernprozesse von Banken fokussieren, ist der Widerstand noch deutlich spürbar. Dies zu überwinden, braucht einen langen Atem und Partner, die an einen glauben. Plattformen wie der FinTechGermany Award unterstützen dabei, besondere FinTechs hervorzuheben, diese mit Unternehmen zusammenzuführen und damit die ersten Hürden einer Kooperation zu nehmen.“ – Lucie Haß, Managing Director bei Helaba Digital

 

„Der FinTechGermany Award ist ein wichtiger Impuls, zukünftigen Gründern einen guten Start zu ermöglichen und sie zu unterstützen. Hier wird Zukunft geschrieben – es entsteht eine neue Finanzindustrie. Das birgt nicht nur für Kunden Vorteile, sondern auch für etablierte Unternehmen.“ – Jörg-Matthias Butzlaff, Leiter Unternehmenskommunikation bei Metzler

 

Mit unserem Engagement beim FinTechGermany Award möchten wir zur Stärkung des FinTech-Standorts Frankfurt aktiv beitragen und ihn mit unserem Know-how unterstützen.“ – Sven Gräbedünkel, Managing Director bei ODDO BHF

 

„Wir möchten Innovation und Digitalisierung in der Finanzbranche fördern und Frankfurt dabei unterstützen, sich – als Teil einer „vierten Säule“ des deutschen Bankensystems – als führender FinTech-Hub zu positionieren.“ – Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman

 

Interview mit Andreas Lukic zum FinTechGermany Award 2019

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH

Andreas Lukic, Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH und Jury-Koordinator des FinTechGermany Awards (FTGA), gibt im Interview mit Frankfurt Main Finance einen Einblick in die Entwicklung des Preises. Warum es den FinTechGermany Award eigentlich jeden Monat geben sollte, erfahren wir auch.

Was hat Sie inspiriert, den FinTechGermany Award als eine Reihe jährlicher Veranstaltungen ins Leben zu rufen?

Ich habe in den 90ern und um die Jahrtausendwende in den USA und England gearbeitet. Bei meiner Rückkehr fiel mir auf, dass es im Rhein-Main-Gebiet nur ein sehr kleines Startup-Ökosystemen gab. Es mangelte an Privatinvestorennetzwerken oder andere Initiativen, die Startups, Investoren und Auftraggeber zusammenbringen. Deshalb bin ich 2002 Mitglied in einem kleinen Business Angel Club geworden, seit 2006 bin ich Vorsitzender der Business Angels Frankfurt Rhein Main. Wir schauen uns jedes Jahr rund 900 Startups an und machen dann ca. 20 bis 30 Investments – auf privater Basis. Der Beitrag zum Startup-Ökosystem steht dabei im Fokus.

Mit dem Ausklang der Finanzkrise haben Wirtschaft und Politik begonnen, sich stärker für Gründer zu interessieren. Es bildeten sich Initiativen wie das Dialogforum FinTech, aus der auch das TechQuartier und der FinTechGermany Award, die „Golden Garage“, entstanden. Mit dem Award zeigen wir, dass Frankfurt als Finanzzentrum von Weltrang im Bereich Startups Flagge zeigen muss, um attraktiv für Gründer zu sein. Wir können zwar nicht sagen „Wir sind die Coolsten, die Kreativsten und die, die am längsten im Markt sind“. Aber wir können sagen, „Wir sind ein Finanzplatz – inklusive Kapital- und Finanzmarktkompetenz“. Und das auch schon 100 Jahre Plus. Der investorenseitige Award ist ein Beleg dafür, dass wir beurteilen können, ob Startups finanzierbar, skalierbar und Exit-fähig sind.

Wie hat sich die Veranstaltung im Laufe der Jahre entwickelt?

Inzwischen haben wir etwa 180 Startups, die jedes Jahr – wie bei den „Oskars“ – für den FTGA nominiert werden. Startups können sich natürlich auch extern bewerben. Mit diesen knapp 200 Unternehmen haben wir jedes Jahr den Markt gut abgebildet. Mittlerweile sind wir groß genug, dass wir eine eigene Preisverleihung haben. Diese findet dieses Jahr im Eurotheum, also im Zentrum der Stadt, statt. Eine offene Jurysitzung hat zudem im Rahmen des Finanzplatztages stattgefunden.

Was waren zu Beginn des FinTechGermany Awards die Herausforderungen für FinTechs in Deutschland?

FinTech ist zunächst einmal nichts Neues. Neu ist die breite öffentliche Wahrnehmung. Wir hätten im Jahr 2005 so einen Award nicht machen können. Es gab kein Zentrum, wo man gebündelt Ressourcen finden konnte. Mittlerweile ist das Thema FinTech doch recht etabliert. Es ist selbstverständlich geworden, neue Technologien im Finanzbereich einzusetzen.

Während es vor einigen Jahren darum ging, erste Ideen und Marktbereiche zu besetzen und sich richtig zu positionieren, liegt der Fokus heute darauf, sich richtig zu etablieren. Heutzutage müssen Startups viel tiefer eindringen und einen Mehrklang aus Endkunden, Wettbewerbslandschaft und Profit hinkriegen. Daher gibt es heute weniger Gründungen, dafür aber sehr viel „an- und durchfinanzierte“ FinTechs. Das ist der Wandel.

Sie haben die Entwicklungen der Gewinner-Unternehmen bis heute verfolgt. Haben die Gründer und ihre Unternehmen nach dem Gewinn des FinTechGermany Awards eine erhöhte Aufmerksamkeit von Investoren erfahren?

Ja, Gründer und Unternehmer haben nach dem Award erhöhte Aufmerksamkeit von der relevanten Öffentlichkeit. Diese Aufmerksamkeit wächst proportional mit der Bedeutung des FinTechGermany Award.

FinTechgermany Award Verleihung 2018

FinTechgermany Award Verleihung 2018

Als Startup – egal ob Seed/Early Stage, Late Stage oder Growth Stage – brauchen Sie immer Alleinstellungsmerkmale. Jeder macht viel Lärm. Jeder Wettbewerb, jeder Preis und jeder Zugang zu Partnern und Netzwerken sind für ein Startup daher sehr wichtig. Dieser Effekt gilt aber immer auch andersrum: Auch der Finanzplatz und die Spieler hier profitieren davon – beispielsweise in Form von Kooperationen und Aufträgen.

Was die Investoren angeht: Wir müssen zeigen, dass es sich lohnt nach Frankfurt zu kommen. Nicht nur wegen des herkömmlichen Netzwerkens, sondern eben auch wegen der Startups. Wir bräuchten so etwas wie den FintechGermany Award eigentlich jeden Monat (lacht).

Der Name „Goldene Garage“ bezieht sich auf die frühen Anfänge von Technologiepionieren wie Bill Gates, Steve Jobs und Larry Page. Sehen wir Karrieren wie diese heute auch noch? Oder sind aufstrebende FinTechs bereits auf dem Weg von ihren Garagen und Schlafzimmern zu den FinTech Hubs und Büros dieser Welt?

Die Garage ist das Symbol der unkonventionellen Gründung. Hewlett-Packard ist dabei die Urform. Im Silicon Valley gibt es ja sogar ein Museum, „die alte Garage“. Und ja, dieses unkonventionelle Gründen hält an.

Es gibt drei Merkmale, die ein Gründerzentrum ausmachen:

1. Gründer-Landschaft

Wenn man das Silicon Valley betrachtet, fällt auf, dass dort nur wenige Gründer geboren wurden.  Es gibt also nicht dieses eine Gründergen, das eine Region hat – oder nicht. Wir müssen daher eine attraktive Gründer-Landschaft selbst schaffen.
Dieser Faktor bleibt konstant und wir haben im Rhein-Main-Gebiet über die Jahre deutlich aufgeholt.

2. Ausbildungslandschaft

Dazu zählen Universitäten, das Handwerk, aber auch Kulturangebote wie Museen. Das Rhein-Main-Gebiet hat sich in dieser Hinsicht deutlich auf das Gründen spezialisiert.

3. Finanzierungskette

Es muss eine Finanzierungslandschaft geschaffen werden, in der Startups alle Investmentformen – von 1000 über 10.00 bis 100.000 Euro – bekommen können. Deswegen betone ich auch immer den investorenseitigen Award und die Kapitalmarktkompetenz der Jury. Finanzierung ist unser Zukunftsthema. Die Goldene Garage lebt davon, dass ich mich dort niederlassen kann und mein Unternehmen auch finanziert bekomme. Wenn man mal an Facebook und Co. denkt: Irgendjemand hat denen ja mal zwischen einhundert- und fünfhunderttausend Dollar in die Hand gedrückt. Gleichzeitig hatte dieser Business Angel im Hinterkopf eine Idee, wo es mit diesem Startup einmal hingehen wird. Im Fintech-Bereich sind wir da heute auf einem guten Weg.

 

 

Andreas Lukic ist Gründer und Geschäftsführer der ValueNet-Capital-Partners GmbH, einer im Jahr 2000 gegründeten privaten Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft, die Beteiligungen, Finanzierungen sowie M&A-Transaktionen bei Management-Buy-outs/Buy-ins sowie Unternehmensnachfolgen durchführt, sich fallweise an wachstumsorientierten Unternehmen aus dem Konzern-, Mittelstands- sowie Startup-Bereich beteiligt sowie deren Unternehmensentwicklung unterstützt und daneben in ausgewählte Immobilien investiert. Herr Lukic ist Mitglied mehrerer Beiräte, Vorstandsvorsitzender der Business-Angels FrankfurtRheinMain e.V. und seit 1999 als Business-Angel aktiv. Daneben unterstützt er renommierte, aufstrebende Künstler im Rahmen der Schirn Zeitgenossen, Frankfurt. Weitere Informationen zur Person finden Sie hier.

Der FintechGermany Award ist eine Plattform für aktiven Wissenstransfer

Interview mit Philipp Sandner zum FinTechGermany Award 2019

Die Regulierung ist wohl immer noch eine der größten Herausforderungen für junge FinTechs in Deutschland“, sagt Philipp Sandner, Leiter des Frankfurt School Blockchain Center. Wie der FinTechGermany Award jungen FinTechs dabei helfen kann, die Hürden der Regulierung zu überwinden, lesen Sie im Frankfurt Main Finance Interview.

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Das Hauptaugenmerk liegt grundsätzlich auf dem Business Model des zu beurteilenden Unternehmens. Gerade im Bereich der FinTechs ist der Innovationsgrad der Idee von besonderer Bedeutung. Die Umsetzung, die einhergehende Kosteneffiezienz und besonders die Integration neuer Technologien, wie Blockchain und Artificial Intelligence sind entscheidende Faktoren dafür, ob ein FinTech auf dem Markt bestehen kann – ober eben nicht. Gerade das Frankfurt School Blockchain Center hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, junge und hochinnovative Unternehmen, die sich dieser neuen Technologien bedienen, zu beraten und bei der Umsetzung sowie Kommerzialisierung zu unterstützen. Wir gehen fest davon aus, dass gerade der Einsatz der Blockchain-Technologie starken Einfluss auf die Finanzindustrie haben wird und damit selbstverständlich auch auf die Erfolgsaussichten der sich bewerbenden FinTechs.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Die Regulierung ist wohl immer noch eine der größten Herausforderungen für junge FinTechs in Deutschland. Durch die Interaktion mit dem Finanzmarkt müssen oftmals strenge Regularien seitens der BaFin befolgt werden, welche durch Kostendruck und fehlendes Personal für FinTechs schwerer zu erreichen sind, als für große Finanzinstitute. Daher ist es wichtig, jungen Unternehmerinnen und Unternehmern Wissen zu vermitteln und Wege aufzuzeigen, wie sie beispielsweise ihr Geschäftsmodell anpassen, sodass die Notwendigkeit einer BaFin-Regulierung reduziert oder gar obsolet wird. Plattformen wie der FinTechGermany Award können als Grundlage für diesen Wissenstransfer genutzt werden.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Ein gleichbleibender oder sich gar ausweitender Grad der Regulierung von FinTechs durch die BaFin während des Verlaufs des kommenden Jahres könnte zu einer Konsolidierung des Marktes führen und einige FinTechs zum Aufgeben zwingen. Trotz einer eventuell bevorstehenden Konsolidierung wird die Bedeutung von FinTechs meines Erachtens kontinuierlich zunehmen, da diese, anders als Banken oder andere große Finanzinstitutionen, Innovationen und den Einsatz neuer Technologien agiler und gezielter einsetzen können. Banken werden sich darauf einstellen müssen, ernsthafte Konkurrenz kleinerer Unternehmen zu erhalten, wodurch deren Monopolstellung schwinden könnte. Deshalb kann man Banken ermutigen, die Nähe zu FinTechs zu suchen, um zum einen Innovation aktiv zu fördern und zum anderen nicht den Anschluss an neue Technologien zu verlieren. Aus diesem Grund ist in den kommenden Jahren eine steigende Zahl von Kooperationen großer Finanzinstitutionen mit FinTechs zu erwarten. Mittelfristig werden Themen wie Artificial Intelligence, Machine Learning und Crypto Assets zentrale Bedeutung erlangen und darüber entscheiden, ob ein Geschäftsmodell auf dem Markt bestehen kann.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech Hubs in Deutschland bzw. in Europa zu werden?

Zu allererst müssen Orte geschaffen werden, an denen sich junge Unternehmen gemeinsam kreativ versuchen und Beratung erhalten können. Eine solche Plattform dient nicht nur zum Austausch untereinander, sondern auch zur Kontaktaufnahme mit potentiellen Investoren und Partnern. Am Finanzplatz Frankfurt gibt es leider bisher noch viel zu wenige Möglichkeiten. Diese Infrastruktur ist in anderen Ländern Europas und der restlichen Welt wesentlich besser ausgeprägt. Hier ist die Landes- sowie die Bundespolitik gefragt und aufgefordert, genügend Fördermittel zur Verfügung zu stellen, um eine ausreichende Zahl an Einrichtungen für junge Unternehmen zu Verfügung stellen zu können. Dabei ist auch der Wissenstransfer unabdingbar. Noch immer haben sich viele Entscheidungsträger nicht auf den bevorstehenden Paradigmenwechsel in der Finanzindustrie eingestellt. Dies ist bedauerlich, da so deren Geschäftsmodell bedroht ist und zum anderen die gewachsene Finanzstärke genutzt werden könnte, um partnerschaftlich mit FinTechs Innovation voranzutreiben. Das Frankfurt School Blockchain Center möchte zu diesem Wissenstransfer beitragen und veranstaltet so regelmäßig Seminare, Veranstaltungen und große Konferenzen, um auf neue Entwicklungen aufmerksam zu machen und das Management für Themen wie Blockchain zu sensibilisieren.

Advanced Analytics und Artificial Intelligence werden an Bedeutung gewinnen

Christopher Schmitz, Partner und FinTech-Experte bei Ernst & Young (EY), erzählt im Frankfurt Main Finance-Interview, was das FinTech-Ökosystem Rhein-Main kennzeichnet und warum es in Zukunft noch engere Kooperationen zwischen FinTechs und traditionellen Unternehmen wie Banken, Versicherern und Asset Managern geben wird.

Die Investitionen in deutsche FinTechs gemessen an der durchschnittlichen Deal-Größe sind seit 2012 stetig gestiegen. Wird sich diese Entwicklung fortsetzen?

Nach unserer Einschätzung wird sich der Trend zur Vergrößerung der Deal-Größen weiter fortsetzen. Einige der FinTechs, die in den vergangenen Jahren in Deutschland gegründet wurden, haben Erfolge auf der Marktseite im B2C- oder im B2B-Segment erzielen können. Internationale Investoren haben deutsche FinTechs als lohnenswerte Investment-Objekte für sich entdeckt. Diese umfangreichen Finanzierungsrunden ermöglichen den FinTechs, ihr Geschäft weiter zu internationalisieren und ihren Growth-Pfad weiter erfolgreich zu bestreiten. Mit dem Erfolg steigen auch die Bewertungen der FinTechs, zuletzt bis auf Werte von ca. 2 Mrd. € für die erfolgreichsten Start-ups. Dies treibt weiterhin die durchschnittlichen Deal-Größen nach oben.

Der Fokus des FinTech-Ökosystems im Rhein-Main-Gebiet liegt auf „Enabling Processes & Technology“ sowie „InvesTech“. Darüber hinaus: Was genau macht für Sie das FinTech-Ökosystem im Rhein-Main-Gebiet aus?

Das FinTech-Ökosystem Rhein-Main ist im Vergleich zu anderen deutschen Fintech-Hubs durch eine starke Ausrichtung auf B2B-Geschäftsmodelle, eine sehr erwachsene Gründerpopulation sowie die Nähe zu und den aktiven Austausch mit den potenziellen Kunden geprägt. Ein signifikanter Anteil der Gründer im Ökosystem verfügt über langjährige Erfahrung aus Banken, Versicherungen oder Asset Managern und nutzt diese Erfahrung um seine Geschäftsmodelle an den konkreten Problemen seiner Kunden auszurichten. B2B-Geschäftsmodelle erfordern dabei im Seed- und Growthbereich im Vergleich zu B2C-Geschäftsmodellen deutlich weniger Kapital, da die Kundenakquisition nicht über die klassischen Onlinemedien mit entsprechend hohem Marketingaufwand erfolgt, sondern durch direkte Kundenbeziehungen zu den potenziellen Abnehmern ihrer Leistungen. Hierdurch gestaltet sich zwar der B2B-Verkaufszyklus deutlich länger und komplizierter, aber häufig schaffen die B2B-Dienstleister bei erfolgreicher Akquisition einen schnelleren Break Even. Gerade die Nähe zu Regulatoren, Kunden und die Offenheit des Ökosystems sowie die gute internationale Vernetzung am Standort ermöglichen eine schnelle Evolution der Dienstleistungsangebote.

Wie sieht Ihr Ausblick auf das Jahr 2019 aus? Auf welche FinTech-Trends sind Sie besonders gespannt bzw. auf welche Trends sollten wir uns einstellen?

Wir werden eine noch engere Kooperation zwischen FinTechs und den traditionellen Anbietern erleben. Banken, Versicherer und Asset Manager kommen aufgrund der stetig zunehmenden Innovationsgeschwindigkeit, ihrer Legacy Infrastruktur und ihrer vergleichsweise langsamen kulturellen Transformation gar nicht umhin, ihre digitalen Ökosysteme unter Mithilfe und Einbeziehung von FinTechs zu gestalten. Rein disruptive Ansätze finden sich nur vereinzelt bei erfolgreichen Start-ups, die Kooperation tritt in den Vordergrund. Open Banking und die API-/Plattformökonomie werden zu zentralen Feldern der zukünftigen Positionierung von etablierten wie auch von neu in den Markt eintretenden Spielern. Die beginnende Konvergenz der Wertschöpfung über Branchengrenzen hinweg in neu entstehenden Marktplätzen in Bereichen wie Mobility, Digital Health, Smart Cities oder Smart Home erfordert ein Umdenken in der Finanzdienstleistungsbranche über die Art, wie Kundenbeziehungen gewonnen und gehalten werden können. Die Themen Advanced Analytics und Artificial Intelligence werden in diesem Kontext noch mehr an Bedeutung gewinnen, und FinTechs werden einen großen Teil der kundenzentrierten Innovation als Partner und Dienstleister der Finanzdienstleistungsbranche vorantreiben.

Frankfurt ist der Finanzplatz der kurzen Wege

Welche Trends werden das FinTech-Jahr 2019 auszeichnen und vor welchen Herausforderungen steht das Frankfurter FinTech-Ökosystem? Im Interview gibt Björn Godenrath, Redakteur bei der Börsenzeitung und FinTech-Experte, einen Ausblick auf das Frankfurter FinTech-Jahr 2019.

Das Frankfurter Fintech-Ökosystem zeichnet sich durch seine Nähe zu den großen und ‚etablierten‘ Banken aus. Inwiefern profitieren aufstrebende FinTechs sowie die Banken von der räumlichen Nähe?

Frankfurt kann als Finanzplatz der kurzen Wege eine sehr gute Brutstätte für FinTechs sein, die die Nähe zum lokalen Bankensektor suchen. Deshalb siedeln sich am Main vor allem B2B-Fintechs an, die Banken als technologischer Dienstleister bei der vielfältigen Digitalisierung unterstützen. Aktuelle Daten von PwC zeigen zum Beispiel, dass diese Form der Zusammenarbeit bereits weit verbreitet ist. Dabei kann in Frankfurt das TechQuartier als Ankergrund fungieren.

Allerdings sind auch Berliner und Münchener FinTechs mobil genug, um Kontakt und Geschäftsanbahnung in Frankfurt zu vollziehen – zudem lässt sich ja beobachten, dass „Frankfurter Geld“ auch gerne in Berlin vor Ort ist, um dort Investments zu tätigen bzw. Fintech- Kooperationen einzugehen. Das finanzielle Engagement Frankfurt Banken (Corporate VC) im FinTech-Sektor ist leider als enttäuschend einzustufen, was die Frage aufwirft, ob die Institute bei der Digitalisierung nicht immer noch zu wenig beherzt vorgehen – und dabei Chancen liegen lassen. Zudem sind alle Akteure des Finanzplatzes dazu aufgefordert, den Rahmen dafür zu schaffen, dass große internationale VC-Fonds Frankfurt auf der Agenda haben – das TechQuartier ist dafür (derzeit) offenbar nicht das geeignete Drehkreuz.

Welche FinTech-Trends sehen Sie für das Jahr 2019? Welche Trends sind für Sie besonders spannend?

Ich fürchte, es ist absehbar, dass einige FinTechs die Segel streichen müssen, weil zum einen Geschäftsmodelle nicht aufgehen und zum anderen mitunter keine Anschlussfinanzierungen zur Verfügung stehen – was ganz normal ist. Außerdem könnten einige B2B-Kooperationen platzen, da sich Hoffnungen nicht erfüllen lassen – so wie bei Vaamo mit Santander Deutschland. Das mündet dann in eine gewisse Konsolidierung des Sektors, was auch zu grenzüberschreitenden Zusammenschlüssen führen kann, um vorhandene Kundenbasis und Technologie zu nutzen. Daraus können dann gestärkte FinTech-Player hervorgehen.

Positiv ist, dass zunehmend ausländisches Kapital in deutsche FinTechs fließt, was ambitionierten Geschäftsmodellen zu Gute kommt – die N26-Finanzierung zu einer Bewertung von mehr als zwei Milliarden Euro spricht da Bände. Davon werden wir 2019 hoffentlich noch mehr sehen. Außerdem erwarte ich, dass sich in diesem Jahr der Erfolg von Geschäftsmodellen abzeichnen wird, die auf der Bezahlverordnung PSD2 beziehungsweise dem Open Banking mittels APIs, also der Öffnung von Bankendaten für Drittanbieter, für den Datentransport fußen – dazu zählt für mich auch die Plattform-Strategie der Deutschen Bank. Zudem erwarte ich, dass es in Deutschland zur Jahresmitte einen gewissen gesetzlichen Rahmen für Kryptowährungen  geben wird, sodass Marktakteure nicht mehr schutzlos in die Nachregulierung laufen. Die Börse Stuttgart plant ja die Aufnahme des Krypto-Handels für Frühjahr/Sommer. Darüber hinaus bietet die Tokenisierung von Assets große Möglichkeiten, um Vermögenswerte (wie in Real Estate) liquide zu machen – was dann wiederum Futter ist für unsere Börsenplätze.

Mit Creditshelf ist erstmals ein reines FinTech-Unternehmen an den Kapitalmarkt gegangen. Könnte Creditshelf hier ein Vorbild für andere etablierte Finanztechnologie-Unternehmen sein?

Na klar – sofern sich hier Investoren finden, die zur angestrebten Bewertung Anteile zeichnen. Bislang ist das Motto im FinTech-Sektor ja, möglichst lange über private Funding-Runden Kapital aufzunehmen, um dann erst mit gesteigerter Bewertung und Unternehmensreife an den Markt zu gehen – was auch den grundsätzlichen Kapitalmarkterfordernissen entspricht. Das Beispiel Creditshelf zeigt aber, dass man eine solche Platzierung auch schon in sehr frühem Stadium durchziehen kann, was natürlich die Hoffnung nährt, dass dies Nachahmer animiert, ein Frankfurter Listing zu suchen – im Venture Network der Deutschen Börse befinden sich ja einige Kandidaten, die an die Kapitalmarktfähigkeit herangeführt werden. Als konkreten IPO-Kandidaten vielleicht auch schon für dieses Jahr sehe ich die Solaris Bank aus Berlin.

Von der Garage zum Finanzplatz Frankfurt

Accelerator Frankfurt wurde 2016 von Ram Shoham und Maria Pennanen gegründet, basierend auf ihren Erfahrungen mit Unternehmen, die Schwierigkeiten hatten, Partnerschaften mit Start-ups aufzubauen. Accelerator Frankfurt begleitet B2B-Software-Startups in den Bereichen Fintech, RegTech, Cybersecurity, Insurtech, Proptech und Blockchain während ihrer Entwicklung. Startups, die in das Accelerator Programm aufgenommen wurden, erhalten Mentorships von erfahrenen Unternehmern, Investoren und Consulting Services sowie einen Co-Working-Space, um ihren Ideen Raum für Entfaltung zu geben. „Wir wollten unser Programm als Schnittstelle für Unternehmen und Start-ups etablieren“, sagt Ram Shoham, Mitbegründer von Accelerator Frankfurt. Das Programm konzentriert sich aufgrund der Anziehungskraft des Finanzplatzes Frankfurt insbesondere auf FinTechs. Des Weiteren betreibt Accelerator Frankfurt  Blockchain Labs, die Unternehmen den Zugang zu Blockchain-Technologien ermöglichen und über dessen Potential aufklären.

Wir haben Ram Shoham in einem exklusiven Interview gefragt: Wie sieht der Weg von der Garage zum Finanzplatz Frankfurt aus?

Accelerator Frankfurt in 2 Sätzen: Was macht den Erfolg der Accelerator Frankfurt GmbH aus?

Für Start-ups sind wir das Tor zur deutschen Finanzbranche. Mit unserem dreimonatigen, umsatzorientierten acceleration program helfen wir fortgeschrittenen Start-ups, die bereits zahlende Kunden und Produkte haben, den deutschen Markt zu erschließen.

Was beeindruckt Sie am meisten, wenn Sie mit jungen Gründern sprechen?

Wir haben seit 2016 bereits dreißig Start-ups geholfen sowie Tausende von Gründern überprüft, bevor wir einige von Ihnen in das Programm aufgenommen haben. Die Gründer, mit denen wir zusammenarbeiten, haben alle eines gemeinsam: Leidenschaft. Wir wählen nur Gründer aus, die das, was sie tun, lieben. Die Unternehmensgründung ist sehr stressig und intensiv. Du musst lieben, was du tust, wenn du Großes erreichen willst.

Wie sieht der typische Weg von der Garage zum Finanzplatz Frankfurt aus? Gibt es einen einzelnen Pfad? Welche Hürden müssen Start-ups nehmen?

Es gibt keinen typischen Weg. Einige Start-ups sind disruptiv, andere komplementär. Wir konzentrieren uns vor allem auf Business-to-Business (B2B) Lösungen. Das bedeutet, dass für den Erfolg unserer Start-ups, Partnerschaften mit den Banken aufgebaut werden müssen. Dafür braucht man Ausdauer, denn die Verkaufszyklen können recht langwierig sein, dafür sind aber auch die Belohnungen ziemlich groß.

Frankfurt hat sich vor allem durch die Nähe zu etablierten Banken zu einem FinTech-Hub entwickelt. Wie würden Sie das aktuelle FinTech-Ökosystem in Frankfurt beschreiben?

Als wir den Accelerator Frankfurt gegründet haben, gab es in der Stadt kaum ein Start-up-Ökosystem. Wir waren der erste Accelerator in Frankfurt und sicherlich der erste, der internationale Start-ups in die Stadt lockte. Heute freuen wir uns sehr über die Auswirkungen unseres Netzwerkes auf die Stadt. Es gibt sicherlich mehr Bewegungen, mehr ergänzende Programme und hoffentlich in naher Zukunft auch mehr Risikokapitalfonds, die in die Frankfurter Start-ups investieren.

Welche zukünftigen Herausforderungen stehen dem Frankfurter FinTech-Ökosystem bevor? Und welche Chancen ergeben sich daraus?

Die größte Herausforderung für Frankfurt besteht darin, dass die Banken immer offener für neue Innovationen werden. FinTech gewinnt in der Finanzwelt an Bedeutung, insbesondere bei Blockchain-Lösungen. Dennoch bleibt ein enormes Potenzial für Banken, um diese innovativen Start-ups zu unterstützen.

Haben Sie ein Lieblings-Startup? 😉

Ich habe keine Lieblings-Start-ups. Ich habe Lieblingsunternehmer, und das sind die Menschen, die mich jeden Tag inspirieren. Die bisher größte Lektion in meiner Karriere ist, dass harte Arbeit einen dorthin bringt, wo das Glück einen finden kann. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, hilft dabei sicherlich.

Warum ist Frankfurt der ideale Standort für (FinTech) Start-ups?

Über 240 Banken. Guter Flughafen. Reichhaltige Umgebung. Gute Universitäten und Talente.

 

 

Über Ram Shoham

Ram Shoham ist für Fintechs was George Martin für die Beatles ist. Er ist der Gründer von Accelerator Frankfurt, mit 16 Jahren internationaler Unternehmenserfahrung in den Bereichen Finanzen und General Management. Ram ist auch Gründer des Blockchain Labs, der sich auf den Aufbau eines Ökosystems zur Förderung von Blockchain-Technologien und die Bildung in diesem Sektor konzentriert.

 

Photo: Jonas Ratermann

Das Alleinstellungsmerkmal der Startups ist wichtig

Welche Herausforderungen wird es für junge FinTechs in der Zukunft geben und wie kann der FinTechGermany Award dabei helfen, diese zu überwinden? Lucie Haß, Managing Director bei Helaba Digital und Jury-Mitglied des FinTechGermany Awards 2019, beantwortet diese und weitere Fragen im Interview mit Frankfurt Main Finance.

Lucie Haß, Managing Director bei Helaba Digital und Jury-Mitglied des FinTechGermany Award 2019; © Stefan Krutsch Photographie

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Ich hinterfrage als erstes, ob die Idee des Start-ups ein tatsächliches Problem löst und ob es skalierbar ist. Darüber hinaus schaue ich, ob wir die Gründer kennen und ihnen zutrauen, die Idee umzusetzen und etwaig auftretende Hindernisse zu überwinden.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Im B2C-FinTech-Bereich gibt es mittlerweile sehr viele Lösungen am Markt. Schwierig ist dabei, sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen und zu zeigen, was der eigene USP ist. Im B2B-Bereich ist das Angebot deutlich geringer. Aus meiner Sicht ist hier die größte Herausforderung Partner zu finden, die das Potenzial der Lösung erkennen und bereit sind, die Lösung im eigenen Unternehmen einzusetzen. Insbesondere, wenn die B2B.FinTechs nicht nur an der Oberfläche „kratzen“, sondern sich auf Kernprozesse von Banken fokussieren, ist der Widerstand noch deutlich spürbar. Dies zu überwinden, braucht einen langen Atem und Partner, die an einen glauben. Plattformen, wie der FinTechGermany Award unterstützen dabei, besondere FinTechs hervorzuheben, diese mit Unternehmen zusammenzuführen und damit die ersten Hürden einer Kooperation zu nehmen.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Ich erwarte, dass sich mehr im B2B-FinTech-Markt tut. Zudem sehen wir, dass immer mehr Investments von deutschen VCs und Unternehmen in Start-ups fließen. Dennoch sehen wir nach wie vor zu wenig Kooperationen zwischen FinTechs und Unternehmen und Banken. Meine Hoffnung ist, dass Unternehmen und Banken in den kommenden Jahren noch stärker das Potenzial von Start-Ups erkennen, sich von Vorbehalten trennen und wir hier noch mehr Zusammenarbeit sehen.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech Hubs in Deutschland bzw. in Europa zu werden?

Da gibt es ganz unterschiedliche Ansatzmöglichkeiten. Das TechQuartier, dessen Sponsor wir sind, hat zusammen mit dem Land Hessen einen Maßnahmenplan entwickelt. Dieser umfasst das gesamte Spektrum an Maßnahmen, die es für den Aufbau eines Ökosystems braucht. Darüber hinaus sind auch die Banken stark gefordert. Je offener sie gegenüber Neuem sind, desto mehr Neues wird sich in ihrer Nähe ansiedeln. Sowohl Finanzexpertise als auch Kapital ist geballt in Frankfurt. Wir müssen es also gemeinsam schaffen, dass diese Stadt und die Kooperationen attraktiv sind für Gründer innerhalb und außerhalb von Deutschland. Und aus meiner Sicht geht das am besten, wenn wir Gutes tun und über Grenzen hinweg darüber sprechen.

Tarek Al-Wazir: „Die Finanzwirtschaft von morgen ist digital“

Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, im Interview zum Thema FinTech in Frankfurt

Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen

Frankfurt Main Finance hat Tarek Al-Wazir, Hessischer Minister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, drei Fragen zum Thema Fintech gestellt. Unter anderem erfahren wir im Interview, welche FinTech-Highlights uns in Frankfurt 2019 erwarten.

FinTech – Warum ist das Thema für Sie persönlich wichtig? Warum für die Region?

Der Finanzplatz Frankfurt ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor für die Rhein-Main-Region. Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt braucht ein entsprechendes Bankenzentrum. Und deshalb braucht Frankfurt innovative Finanztechnologie-Unternehmen – oder kurz: FinTechs. Denn die Finanzwirtschaft von morgen ist digital; FinTechs drängen in den Markt, konkurrieren mit traditionellen Dienstleistern oder schaffen völlig neue Geschäftsfelder. Damit Frankfurt in diesem Innovationswettbewerb konkurrenzfähig bleibt, müssen wir hochqualifizierten Fachkräften ein attraktives Arbeitsumfeld und zukunftsorientierte Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Und ich bin überzeugt, dass die Innovationskraft, die von FinTechs ausgeht, auch anderen Branchen zugutekommt.

Welche FinTech-Highlights erwarten uns 2019 aus Ihrer Sicht?

Eins unserer Ziele ist ja, dass Frankfurt als FinTech-Standort überregional sichtbar wird. Dazu werden einige Events beitragen, zum Beispiel die Global Insurtech Roadshow (GIR 2019) mit dem Partnerland Israel im März, die ExecFintech im April, die nach zwei Jahren in Berlin nach Frankfurt zurückkehrt, und die Growth Con im Mai. Der KI-Hub wird sich weiter etablieren und seine ersten finanzwirtschaftlichen Programme starten. Es wird Ansiedlungen und Finanzierungsrunden geben. Ich bin sicher, dass sich viele Anlässe bieten, um über die Erfolge von Frankfurt als Top-FinTech-Standort zu berichten.

Die Region Frankfurt Rhein-Main soll sich innerhalb von fünf Jahren zum führenden FinTech-Hub in Kontinentaleuropa sowie einer international anerkannten Tech-Region entwickeln. Was ist noch nötig, um DAS PERFEKTE Gründerklima zu etablieren und dies zu erreichen?

DAS perfekte Gründerklima für alle wird es nicht geben – weder hier noch im Silicon Valley. Dafür sind die Bedürfnisse einfach zu unterschiedlich. Wir müssen deshalb von unseren Stärken ausgehen, und die sind FinTechs, Cybersecurity und Künstliche Intelligenz. Den Weg weist unser Masterplan für die Start-up-Region Frankfurt-Rhein-Main. Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wollen gemeinsam erreichen, dass aus guten Ideen marktreife und erfolgreiche Produkte werden. Zentrale Maßnahmen sind schon umgesetzt oder angestoßen. Die Plattform TechObserver ist online, das FinTech Acelerator Programm des TechQuartier läuft. Aber es liegt auch noch viel Arbeit vor uns. Wir arbeiten kräftig weiter, aber ich freue mich über jede Anstrengung weiterer Akteure.

„Wir sollten die Stärken des Standorts betonen“: Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman in Frankfurt, im Interview zum FinTechGermany Award 2019

Matthias Hübner ist Partner bei Oliver Wyman und Jurymitglied des FinTechGermany Awards 2019, der führende investorenseitige FinTech-Award in Deutschland. Wir haben Matthias Hübner gefragt, worauf er bei der Beurteilung der FinTech-Bewerber besonders großen Wert legt.

Worauf achten Sie bei der Beurteilung der Bewerber für den FinTechGermany Award besonders?

Für mich sind zwei Punkte entscheidend: Erstens, der Bedarf für ein Produkt oder eine Dienstleistung muss klar sein, das heißt das Produkt sollte ein tatsächliches Problem für Kunden lösen. Zweitens muss es innovativ sein. Leider sehen wir in letzter Zeit viele „copy cat“-Modelle ohne echte Differenzierung, von denen die meisten meiner Meinung nach keine dauerhafte Überlebenschance haben.

Was sind heute die größten Herausforderungen für FinTechs in Deutschland? Was muss getan werden, um diese jungen Unternehmen zu unterstützen? Wie helfen Plattformen wie der FinTechGermany Award dabei?

Die größte Schwierigkeit bei Start-ups, nicht nur im FinTech-Bereich, ist sicherlich die Skalierung, also das Erreichen der kritischen und langfristig profitablen Größe. Hier kann der FinTech Germany Award eindeutig helfen: direkt durch den Kontakt zu Investoren für die Finanzierung des Wachstums, wie auch indirekt über einen Beitrag zur Steigerung der Markenbekanntheit der Preisträger.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des deutschen FinTech-Ökosystems für das kommende Jahr ein? Welche Perspektiven erkennen Sie bei einem Ausblick auf die kommenden fünf Jahre?

Deutschland ist bei FinTech ein Nachzügler, entwickelt sich aber dynamisch und holt gegenüber anderen Ländern auf. Diese Entwicklung sollte sich 2019 fortsetzen, zumal einige FinTechs der ersten Stunde mittlerweile auch über deutlich ausgereiftere Geschäftsmodelle verfügen und somit zunehmend aus der Nische herauswachsen.

Was sollte in Frankfurt getan werden, um zu einem der führenden Fintech-Hubs in Deutschland beziehungsweise in Europa zu werden?

Ich denke, dass die dezentrale Struktur in Deutschland für die Etablierung eines international führenden FinTech-Hubs nicht gerade hilfreich ist. Aber wir sollten wegkommen von der traditionellen Diskussion „Frankfurt vs. Berlin“, und stattdessen klar die Stärken des jeweiligen Standorts betonen. Für Frankfurt spricht aus meiner Sicht die Nähe zu führenden Partnern wie Banken, Börse oder auch die Infrastruktur an Beratungsleistungen. Gerade für FinTechs mit Fokus auf B2B ist das ein wichtiger Vorteil.